Der Panzer gegen alltäglichen Sexismus. Es reicht!

Ein freier Tag heute, Kind2 ist in der KiTa, meine to-do-Liste liegt irgendwo. Und nun sitze ich seit Stunden hier und starre auf Twitter. Habe noch nicht einmal die Schlafklamotten ausgezogen. Beobachte die Tweets wie das Kaninchen die Schlange. Unter dem Hashtag (Schlagwort) #aufschrei twittern seit heute Nacht hauptsächlich Frauen über alltäglichem Sexismus, schildern Übergriffe, machen ihrer Wut Luft.

Im ersten Moment dachte ich, dass ich da nichts beizutragen habe, meine eigenen Erfahrungen der krasseren Art liegen ein Weilchen zurück: angegrabscht werden, offen anzügliche Angebote, bedrohliche Momente.  Beim Mitlesen wurde mir irgendwann schlagartig klar, was ich mir doch für einen dicke Haut zugelegt habe. Ca. 90 % der getwitterten Erfahrungen kenne ich – auch aktuell. Nur: ich nehme sie oft nicht mehr wahr.

Oder besser: Ich laufe mit einem Blick durch die Welt, der giftige Pfeile abschießen kann, durch (bestimmte) Männer eiskalt hindurchblickt, ignorierend und abweisend. Ich habe Ohren, die sich bei anzüglichen Witzen zuklappen. Ich habe eine Körperhaltung, die große Abwehr signalisiert. Nicht, dass ich glaube, dass mich das komplett schützt. Aber es kommt auch nicht mehr so viel bei mir an. Ich will das nicht.

Und das, was durchdringt, spielt sich oft in einem “Zwischenbereich” ab, ich weiß nicht, wie ich das besser ausdrücken soll. Es sind diese Worte, Blicke, Gesten, oft nur sekundenlang, oft mit einem Lächeln, die mit einer Zweideutigkeit daherkommen, dass ich meiner Wahrnehmung manchmal nicht traue. Was war das denn eben? Hat der das ernst gemeint? Mit einer Zweideutigkeit, die immer einen Ausgang zulässt: Stell dich nicht so an, war noch nichts! Es sind die zotigen Sprüche, die doch witzig gemeint sind, du Spaßbremse. Achtung, die Cloudette, jetzt müssen wir aufpassen, was wir sagen. Hahaha.

Bei den deutlich-Arschloch-Sexisten habe ich oft nicht so ein Problem, weil ich hier wütend werden kann und mich wehre. Ein Ex-Kollege spricht deshalb kein Wort mehr mit mir. Mit ist es recht. Bei den subtileren, alltäglichen Sexismen bin ich oft müde. ignorant. Lächle womöglich. Und ich bin trotzdem wütend, wie ich heute morgen doch deutlich merke.

Darum finde ich die Aktion super, auch wenn sie böse Erinnerungen hochspult, mich das aufregt. Es ist gut, dass die angeblichen “Lappalien” ans Licht kommen. Ich möchte nicht mit einem Panzer durch die Welt laufen. Es reicht!

Hier zum Weiterlesen, auch zu den Hintergründen:

Antje Schrupp: Wie Lappalien relevant werden
Kiki – E13: Hört auf damit!

Über cloudette

Alltag, Familie, Reisen mit Kind, wider rosa&hellblau und das ganze Gedöns ... sonst noch was? Ein Gemischtwarenblog
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9 Antworten zu Der Panzer gegen alltäglichen Sexismus. Es reicht!

  1. Jane schreibt:

    Ja es war oder ist erstaunlich, wie viele Tweets darüber reinkamen! Und wie viel man im wahren Leben einfach ignoriert, oder ignorieren muss. Das kennt sicherlich jede Frau nur allzu gut. Da fällt einem erstmal wieder ein, was man in seinem Leben schon für einen Sche** ertragen musste, weil irgendeiner denkt, dass das witzig oder cool is, was er da von sich gibt. Letztlich ist es nur Müll!

    Ich find die Aktion auch sehr gut, muss ich sagen! Auch wenn man sich am Ende mehr ärgert als alles andere, trotzdem, musste mal gesagt werden.

  2. vierachtel schreibt:

    Yep, gutes und längst überfälliges Thema.
    Bin gleichzeitig erschrocken über Tweeds und Kommentare, in denen Kerle sich entblöden, den Kern der Sache nicht mal ansatzweise zu raffen. Deshalb ja: darüber schreiben, bloggen, tweeten…
    Danke!

  3. Pingback: Mädels, join the #Aufschrei! « robins urban life stories

  4. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Aufschrei-Sammlung

  5. Pingback: Statt vieler Worte lieber eine Linkliste und Tweets zu #aufschrei > Social Media > aufschrei, Sexismus, Twitter

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  7. Pingback: #aufschrei – eine kurze Bestandsaufnahme | Kleinerdrei

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