Bitte nicht ansprechen! Oder: Wie ich zur Zwangslerche mutierte

Müsste ich eine Gebrauchsanweisung für mich schreiben, hieße Regel Nr. 1: Bitte morgens nicht ansprechen. Nicht vor dem 2. 3. Kaffee, nicht bevor ich Wachheit signalisiert habe. Das kann mitunter dauern – es geht aber umso schneller, je weniger gedrängelt wird. Also: einfach IN RUHE LASSEN.

Eigentlich nicht so schwer, sollte man denken. Aber es klappt seit Jahrzehnten nicht. Mal sitzt morgens ein Kind auf meinem Kopf und fragt so lange „Mama da? Mama da? Mama da?“, bis sich das Grunzen unter seinem Hintern in einen verständlichen Satz verwandelt. Mal versucht der Mann ein Gespräch über Weltpolitik, Zukunftsplanung und ähnlich aussichtslose Themen anzufangen, auf die er nur ein „hmpfismirdochallesscheißegalgrmfp“ zurückbekommt. Ungünstig wird es, wenn er das Gemurmel mit einem „was ist denn mit dir los, warum hast du denn so schlechte Laune“ kontert. Pff! Ich habe keine schlechte Laune. Ich habe gar keine Laune. Ich bin überhaupt noch nicht da. Also Schnauz* … Ups, habe ich das jetzt echt gesagt?! Mist.

Diese morgendliche Unansprechbarkeit hat irgendwann in der Pubertät angefangen, davor war ich ein ganz gewöhnliches Lerchenkind. So ein quietschfideles, besonders in den sehr frühen sonn- und feiertäglichen Morgenstunden. Irgendwann wurde ich eher eulenartig nachtaktiv. Alles vor frühestens 11 ging nun eigentlich gar nicht mehr und ich habe unzählige Schulhefte mit „I hate Mondays“ und „I’m sohoho tired“ vollgekritzelt.  Als mir eine ca. 30 jährige (uralte) Bekannte  einmal erzählte, sie schlafe ab und zu bis halb 9 aus, verschluckte ich mich fassungslos an meinem Brötchen. Halb 9! Das nennt die Ausschlafen? Das ist doch mitten in der Nacht.

Kind 1 belehrte mich kurz darauf eines Besseren. Das mit dem Ausschlafen hatte sich nämlich schneller erledigt, als ich kauen konnte, und das auf Jahre hinaus. Kind1, das Arme, versuchte schon früh mich mit allen Tricks morgens wach zu kriegen, was damals noch schwerer war als heute, weil ich noch am Nachtleben klammerte und immer viel zu spät ins Bett ging. Erst schob es mir mit kleinen Patschfingern die Augenlider hoch, kaum konnte es sprechen, sprudelte es ab früh morgens ununterbrochen Worte heraus. Es dauerte Jahre, bis ich es so weit hatte, dass wir uns morgens schweigend-muffelnd gegenübersaßen und in Ruhe unseren Kaffee schlürften. Uff. Allerdings hielt der morgendliche Frieden nicht lange an. Nun hüpft Kind2 durch die Bude, siehe oben, und lässt sich morgens wenig vom mütterlichen Gegrummel beeindrucken.

Dabei ist es nun nicht so, dass ich die Morgenstunden nicht mag, im Gegenteil. Ich liebe diese Stimmung, wenn es langsam hell wird, die Vögel anfangen zu zwitschern, alles noch ruhig ist. Ich alleine schweigend vor mich hinbrüten kann. Nur das Kommunizieren und Interagieren geht halt noch nicht. Das führt manchmal sogar dazu, dass ich vor der Restfamilie aufstehe und hoffe, dass die noch lange lange schläft.

Im Netz kursieren so allerhand Theorien über verschiedene Zeittypen, die extremen Morgenmenschen (Lerchen), die Nachtmenschen (Eulen) und die, die mit einem 7 – 23 Uhr-Rhythmus klar kommen. Ist anscheinend alles angeboren und lässt sich auch durch das soziale Umfeld kaum beeinflussen. Ich kann mich inzwischen in keine der drei Gruppen mehr einsortieren, vielleicht wäre ich ja eine Eule, da sich das aber seit Jahren nicht mehr praktizieren lässt, bin zur schlecht gelaunten Zwangslerche mutiert. Meine Kategorie ist eher der Siebenschläfer: meistens müde. Mit extrem morgenmonsterlicher Komponente. Die ja gar nicht so schlimm wäre, beachtete man Regel Nr. 1. Dazu noch einen Kaffee ans Bett, Internet lesen und in Ruhe aufwachen lassen. Achja.

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17 Antworten zu Bitte nicht ansprechen! Oder: Wie ich zur Zwangslerche mutierte

  1. Nesselsetzer schreibt:

    Irgendwie kenne ich das alles. 😀

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  2. giftigeblonde schreibt:

    Kommt mir auch bekannt vor.
    Ich bin aber mutiert in all den Jahren zu einem dynamischen Morgenmenschen…gäähh.
    Weil mir nichts anderes übrig blieb.
    Ich brauche im Urlaub 2 Wochen bis ich länger als bis 8 mal schlafen kann..
    Ich hoffe auf die noch lange nicht anstehenden Pensionszeiten ggggg.

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  3. vierachtel schreibt:

    Passend dazu mein Lieblingsmotto: Der frühe Vogel kann mich mal.

    Ist schon doppelt hart, wenn man nach so langer Pause, wo alles gerade wieder normal und schnuffig wurde, wieder mit dem Kinder kriegen anfängt. Sehenden Auges quasi… Hier ganz genauso.

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  4. Katharina schreibt:

    Schreibst Du über mich?
    Will mich ja nicht aufspielen, aber ICH habe ein Kind produziert, das genau gleich wie ich funktioniert bzw. morgens eben NICHT funktioniert. Und jetzt, mit Drei, kann er sich auch sein Joghurt selbst aus dem Kühlschrank holen. Alles nur eine Frage der richtigen Erziehung 🙂

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  5. achtungmama schreibt:

    Ich funktioniere ja morgens super, aber das Kind leider noch superer und noch früher. Das hebt meine Funktionstüchtigkeit dann wieder auf 🙂

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    • cloudette schreibt:

      gemein, oder? Aber pssst: in ca. 6 Jahren kehrt sich das dann wochentags und in ca. 12 – 14 Jahren auch an den Wochenenden um (… wann steht dieses Kind endlich mal auf????)!!!

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  6. Catherine schreibt:

    Aaah, eine Schwester im Geiste bzw. in der Morgenmuffeligkeit. Ich werde hier sogar noch genötigt, mich an einen gedeckten Frühstückstisch zu setzen, damit die Kinder lernen, wie es „richtig“ geht. Wtf? Morgens um 7 macht mich das regelmäßig echt sauer. Meine größte Panik ist aber, dass ich, wenn ich dann endlich wieder so könnte wie ich wollte, diese alte-Leute-Störung kriege, wo anscheinend immer alle über 60 von alleine um 5 aufwachen. In der Summe hieße das ja sowas wie, nie wieder werde ich morgens nach meiner Facon glücklich. Horror.

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  7. kraehenmutter schreibt:

    bei mir hat sich dieses morgendliche sprich-mich-nicht-am-sonst-tust-du-es-nie-wieder merkwürdigerweise schon in der schwangerschaft extrem gewandelt.
    es ist nicht so, dass ich 5.00uhr morgens fröhlich pfeifend die wohnung putze, aber ab 6.30uhr bin ich durchaus sozial kompatibel und kann in den tag starten.
    ich werd alt 😦

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    • cloudette schreibt:

      Hee, ne, ich bin ziemlich sicher viel älter als du, das hat damit nichts zu tun (und von dem Alter, in dem man schlaflos aus dem Bett flüchtet, bin ich auch noch etwas entfernt … äh … hoffentlich) – vielleicht bist du eher so ein Lerchentyp … morgens zwitschern statt brummelig grunzen 😉 Ist auf jeden Fall kinderkompatibler!

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  8. Pingback: Ein Fragment mit vielen Fakten | cloudette

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