Gärtnerischer Hoffnungsschimmer für die „Liebe Hausfrau“!

Gäbe es ein Halbjahreszeugnis fürs Gärtnern, in meinem stünde: „Sie hat sich bemüht, zeigte sich  lernwillig und anstrengungsbereit und brachte angefangene Arbeiten meist zu Ende.“ Ja, ich habe gepflanzt, gerupft und umgegraben, das Gärtchen gehegt und gepflegt, gegossen und die Pflanzen umsorgt – allein die Ausbeute, nun, die ist wahrlich etwas mau.  Von den Gurken blieben nur traurige Stängel übrig, umrankt von Schneckenschleim. Von den ausgesäten Kräuter fehlt bislang jede Spur. Die Zucchini mickerten trübe vor sich hin, bis sich die Schnecken ihrer erbarmten. Der Romanesco (von dem ich wochenlang nicht wusste, dass er so heißt) mutierte zu einer Art Gemüsemonster. Und die ganze Blumenpracht, die überall wuchert und gedeiht, bezeichnen böse Zungen übern Gartenzaun hinweg schlicht als Unkraut, das man nie mehr losbekomme. Einzig ein einsamer Kürbis könnte vielleicht noch etwas werden.

Wie oft schlich ich mich in den letzten Wochen in den Nachbargarten und betrachtete neidvoll und erstaunt die prallen Früchte, um danach zum eigenen Beet zurückzukehren und das Drama zu beklagen. Die liebe Bebe, damals noch Mitbewohnerin, schrieb ob meiner Jammerei sogar ihren Eltern im fernen Polen einen Hilferuf: „Warum wachsen die Zucchini nicht, woran kann es liegen?“. Der Antwort kam prompt und sehr bestimmt: „Das kann nicht sein. Zucchini wächst immer und überall, da kann man nichts falsch machen!!“ Schluchz.

Aber, ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont: Das wird nun alles besser. Denn die bezaubernde Bebe hat mir aus der Ferne ein kleines Päckchen geschickt. Darin: Die Rettung, entdeckt in einem Trödelladen:

Die Rettung!!!
Die Rettung!!!

Gärtner Pötschkes Großes Gartenbuch!!!11! DIE wichtigsten Tipps & Tricks zum Gärtnern, mit hübschen Zeichnungen, vielen Erklärungen, alles ganz einfach und verständlich für einen Garten-DAU wie mich. Das kommt ja wie gerufen. Fantastisch.

Auf einem Kärtchen wünscht Bebe viel Erfolg und rät noch vorsichtshalber: „Mach nur die Augen zu, wenn er dich per ‚Liebe Hausfrau‘ anspricht“. Das mache ich selbstverständlich nicht, dann würde ich ja die witzigsten Stellen verpassen, die vielfältigen Verwertungstipps für die „Liebe Hausfrau“:

Liebe Hausfrau!!
Liebe Hausfrau!!

Besonders wenn diese auch noch in Versform daherkommen:

„Die Hausfrau schätzt

die gute Möhre,

wie ich tagtäglich

wieder höre!“ *

Grandios! Da fühle ich mich doch direkt angesprochen. Ich frage mich, ob diese sprachlichen Perlen auch noch in den neueren Auflagen zu finden sind oder ob auch in der Gärtner_innenwelt zwischenzeitlich gegendert wird. Meine ist von ca. 1960. Ein interessanter Einblick in ein vergangenes Jahrhundert.

Ich werde mir das gute Stück jedenfalls den Winter über unters Kopfkissen legen, abendlich ein Verslein darin lesen, um gewappnet ins nächste Gartenjahr zu starten. Der wundervollen Bebe sei dank <3!

* S. 77, 16. Auflage, ca. 1960 laut Internet