Backen mit Kleinkind. So gelingt’s!

Backen mit kleinen Kindern scheint nicht all zu beliebt zu sein. Zu Unrecht! Man muss nur ein paar winzige Kleinigkeiten beachten, dann klappt das schon und die St. Martins- oder Adventsbäckerei läuft ganz entspannt ab und wird zum unvergesslichen Eltern-Kind-Erlebnis:

1. Planen Sie mindestens 4x so viel Zeit ein, wie Sie eigentlich vorhaben (“Das schaffe ich in einer dreiviertel Stunde” –> gute 3h einplanen!)

2. Achten Sie darauf, dass alle Zutaten und Utensilien im Haus sind. Vergessen Sie zum Beispiel nicht, dass Sie für’s Plätzchen ausstechen die passenden Ausstechförmchen benötigen. (Ich sach ja nur … )

3. Eine kleine Herausforderung ist das Zutatenzusammenmischen. Bewahren Sie Ruhe, wenn das Kind die ganze Packung Zucker in der Schüssel versenkt, und schöpfen Sie das Überzählige vorsichtig wieder ab.

4. Rechnen Sie beim Teigkneten damit, dass das Kind die klebrige Masse an seinen Fingern nur semi-toll findet und geben Sie ihm auf dem Weg zum Waschbecken die Anweisung mit, ja NICHTS ANZUFASSE … HAAAALT! Ach egal. Man kann Türklinken und Lichtschalter auch auch wieder abwaschen.

5. Noch sind wir bei den Vorarbeiten: Teig ausrollen. Bewahren Sie dabei einen kühlen Kopf, auch wenn die Temperatur in der Küche bei gefühlten 50°C liegt. Erklären Sie dem Kind liebevoll zum 143 mal, warum es den rohen Teig nicht essen soll (Salmonellen und so. “Was is des? Wieso denn? Kann ich des eeessen? I will aber!!!”). Mit ein bisschen Geduld und viel Mehl bekommen Sie den Klebebollen schön plan ausgerollt.

6. Jetzt aber, endlich, die Kür: Ausstechen! Sie können nun das Kind wieder in die Küche rufen, das zwischenzeitlich dann doch die Lust verloren hat. Und nein, man muss beim Ausstechen nicht zwingend optimieren, sondern kann auch in der Mitte der Teigplatte damit beginnen und dann 3-4 Förmchen drumrum quetschen. Ein bisschen Gelassenheit tut hier gut. Schließlich lässt sich der Restteig wieder zusammenkneten und erneut ausrollen, siehe Punkt 5.

7. Die Form eines Sternes, Mondes oder Engels ist variabel. Seien Sie hier nicht kleinlich. Zur Not können Sie die bereits leicht bräunlich verfärbten, da gut mit Patschhänden durchgekneteten Teigbollen Kreationen Ihres Kindes unaufällig ein bisschen (! nicht zu sehr! Stichwort “kindliche Kreativität nicht behindern!”) nachformen oder in der Biotonne verschwinden lassen. Reagieren Sie gelassen auf kritische Nachfragen des Kindes an Ihren eigenen Werken (“Was is des?” Eine Gans! “Wieso sieht die so komisch aus?” Die sieht nicht komisch aus! “DOCH! SO SIEHT EINE NICHT AUS!1!!!).

8. So, jetzt alles in den Ofen schieben, das Kind davon abhalten, die Ofentüre zu berühren und 10 Minuten warten. Kekse gut pusten. Probieren. Aber nicht alle, bitte.

9. Das glückliche mehl- und teigverschmierte Kind in die Badewanne stecken und die Klamotten in die Waschmaschine.

10. Jetzt nur noch schnell aufräumen und die Küche renovieren. Das war’s.

Ganz einfach, oder? Viel Spaß bei der kommenden Adventsbäckerei!

Das links ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren.

Das in der Mitte ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren. Das links unten sind Mond & Stern. Klar, oder? Und das rechts war eine Gans, die zum einäugigen Weckmann mutierte.

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Unerledigte Projekte in Wohnungsecken

Die Freundin dreht eine Runde durch die Wohnung “hat sich denn was verändert hier seit dem letzten Mal?”, nein, nicht viel. Es ist unaufgeräumt, zu viel Gerümpel immer noch überall. Doch plötzlich entdeckt sie im Wohnzimmer die roten Bänke. “Ha! Die waren letztes Mal noch nicht da.” Ja, die sind von Oma, Erbstücke. Sie waren potthässlich bezogen mit Blümchenstoff. Ich habe einen roten 70er-Jahre-Vorhang darübergezogen und festgetackert. Jetzt sind sie zwar immer noch nicht hübsch, aber einigermaßen ok und funktional und überhaupt: eine Erinnerung an Oma. Wie oft saßen wir Enkel auf dieser Bank, schon als wir miniklein waren und zuletzt in ihrer Wohnung bei Kuchen und Kaffee.

“Das hast du selbst gemacht? AAAAhh. Da krieg ich doch glatt ein schlechtes Gewissen, wenn ich das sehe. Ich hab da seit Monaten ungenähte Kissenbezüge in der Ecke liegen, die wollte ich schon ewig mal …” Einen Moment lang wundere ich mich, das ist doch eigentlich mein Part. Ich bin die Meisterin im Dinge-vornehmen, to-do-Listen schreiben, Pläne schmieden. Ich bin Meisterin im Dinge anschleppen, Material sammeln, Ideen überlegen. Ich bin Meisterin im mich-grämen, dass ich kaum etwas davon umsetze. Weil ich 1000 andere Dinge stattdessen tue. Arbeiten, Garten, Kind, Haushalt, surfen, faul rumhängen, lesen, Serien glotzen. Weil ich vielleicht einfach kein Händchen für Deko & co habe. Weil ich vielleicht einfach nicht so viel Energie habe wie andere. Weil ich vielleicht 1001 Dinge auf der do-to-Liste brauche, um mal 1 davon abzuhaken an einem kreativ-aktiven Tag. Ach, was weiß ich warum.

Schau mal hier: Die Bank in der Küche habe ich vor 12 Jahren vom Sperrmüll angeschleppt mit dem festen Vorsatz, sie wunderschön zu restaurieren. Seither steht sie da. Oder die Kommode in meinem Zimmer, geerbt von Opa, alt und so schrabbelig, dass die nicht mal als shabby-chic-vintage-trendy durchgeht. Schon ewig will ich die abschleifen oder mit irgendwas bekleben. Seit 25 Jahren, um genau zu sein. Im Wohnzimmer hatten wir fast 2 Jahre nur eine nackte Glühbirne von der Decke hängen, weil ich einen Lampenschirm basteln wollte. Irgendwann habe ich so einen Papierballon aus dem Bauhaus gekauft. In meinem Zimmer türmten sich wochenlang leere Tetrapacks, weil ich nach dem Vorbild meiner Schwester einen tollen coolen Upcycling-Korb flechten wollte. Ich habe sie irgendwann im gelben Sack versenkt. Noch mehr Beispiele gefällig?, frage ich leicht außer Atem. Nein nein, die Freundin ist beruhigt und ich bin es auch. Es tut ja gut zu hören, dass sich in anderen Wohnungsecken ebenfalls unerledigte Projekte türmen, und immerhin habe ich diese blöde Eckbank bezogen, es geht voran.

Im Wohnzimmer mag die Freundin sich dann aber doch nicht niederlassen, “es ist ungemütlich hier”, sagt sie. Ich mag es auch nicht, stimmt. Nur: Was tun? Vielleicht hilft ein bisschen Farbe an den Wänden? Ein anderer Teppich? Pflanzen? Ach, sie weiß es auch nicht und lässt sich demonstrativ auf meinem ungemachten Bett nieder. “Hier ist es gemütlicher” Ich trage Kerzen, Wein & Chips hinterher und habe unversehens ein weiteres fettes Projekt auf meiner Liste stehen. Gleich morgen kümmere ich mich darum. Oder übermorgen. Oder …

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Ein Fragment mit vielen Fakten

An einem perfekten Sonntagnachmittag regnet es in Strömen. Damit erübrigt sich die Frage, ob ich raus muss in die Welt, nein!, mit bestem Gewissen liege ich gemütlich im Bett. Mein Bett ist zufällig nämlich der schönste Platz auf der Welt, direkt nach den US-National Parks vermutlich. Auf dem Nachtisch stehen Tee und Schokolade und ich versinke in einem spannenden Buch, lese stundenlang. Nicht wie sonst nur abends kurz vorm Schlafengehen.

Vielleicht stehe ich zwischendurch kurz auf, um mir etwas zu kochen, ein bisschen Bewegung braucht der Mensch ja schließlich auch. Nudeln vermutlich mit Soße oder Gemüse, je nachdem, was der Kühlschrank hergibt, improvisiert in die Pfanne gehauen. Ein Rezept für jede Gelegenheit, dabei koche nie so gut wie nie nach Rezept, aber es schmeckt trotzdem meist, finde ich. Vielleicht sollte ich mal anfangen Foodseiten im Internet zu folgen, aber eigentlich finde Rezepte nur bedingt spannend. Es sei denn, ich will gerade mal einen Hefezopf backen, dann suche ich auf scheffkoch nach einem, besorge Hefe, Mehl und Rosinen … und gehe nach einer Woche zum Bäcker, um mir einen zu kaufen. Ein bisschen traurig, aber wahr. Beim Essen lese ich weiter, natürlich, das geht ja nur, wenn ich alleine bin, denn Vorbilder lesen nicht, die essen konzentriert und kauen alles 86 mal.

Aber zurück zum perfekten Sonntag, den es so nur selten gibt, doch betrachten wir die perfekte Familien-Version. Die sähe wohl so aus, dass der Tag mit meinem Lieblings-Alltagsmoment mit Kind2 und Mann beginnt, einem heimeligen, aber höchst theoretischem Konstrukt, denn in diesem liegen wir morgens noch gemütlich bei Kaffee und Kinderkaffee (Milchschaum) im Bett und träumen vor uns hin. Praktisch allerdings hüpft ein kleiner Gummiball mit Hummeln im Arsch zwischen schwankenden Kaffeetassen hin und her und weckt die gesamte Nachbarschaft. Also, raus aus dem Bett, denn die Sonne scheint, es ist wunderbares Wetter, wir machen wir einen Ausflug. Alle sind super gelaunt, ausgeschlafen, wir haben tolles Picknick dabei und abends kommen wir entspannt nach Hause, essen entspannt und bringen entspannt das Kind ins Bett.

So eine Serie wäre nun richtig nett, nur eine Folge … oder zwei? Am Tatortabend glotzen wir also Dr. Who, nachdem es ja keine neue Folge von “Person of Interest” und Sherlock gibt, wohl zwei Bechdel-Durchfall-Kandidaten, auch wenn es sonst spannende, oft klug konstruierte Episoden sind. Es werden sogar 3, so dass der Montagmorgen  mit dunklen Augenringen startet, an denen Kind2 völlig unschuldig ist, hat es doch mal durchgeschlafen.  Mein Alter Ego Zwangslerche quält sich aus dem Bett und hofft, möglichst wenig angesprochen zu werden.

Mit trüben Augen lese ich beim Duschen die Shampoo-Texte und die Werbung auf der Brötchentüte beim Brote schmieren. In Gedanken freue ich mich schon auf mein Bett am Abend, auf das vor dem Einschlafen lesen, die üblichen 2-15 Seiten, bis mir mein Buch auf die Nase fällt. Vielleicht “Die Bücherdiebin”, die mir meine Mutter empfohlen hat, oder Harald Welzers “Selbst denken” nun schon zum zweiten Mal. Vergesslich (oder müde) wie ich bin, kommt es mir vor wie neu.

Nach Feierabend schlendere ich auf der Suche nach einer Überraschung für die Freundin durch das Kaufhaus in der Stadt und wundere mich, dass es schon Fasnetverkleidung gibt, bis mir dämmert, dass hier für den Konsum zu Halloween getrommelt wird. Stimmt, den gibt’s ja bald, wann war das gleich?, da klingeln kreischende Kinderhorden Sturm und verlangen Saures androhend nach Süßem. Lebten unsere Ratten noch, die Kind1 und ich unser eigen nannten, könnte ich ja auch die mal anbieten, Gruseleffekt garantiert, sie haben aber schon lange das Zeitliche gesegnet und weitere Haustiere sind nicht in Sicht. Aber das wäre auch gemein, das mit den Ratten, wobei das äußerst putzige Tierchen waren, sicher keine Kindheitsmonster. Diese nämlich wohnen nachts unter den Betten und im offenen Schrank, da hilft nur, sich ganz unter der Bettdecke zu verstecken oder nach den Eltern zu rufen.

Bin ich abergläubisch? frage ich mich, und was soll das überhaupt sein, das setzt doch einen rechten Glauben erst voraus, der mir längst abhanden kam oder nie existierte, gibt es Geister, Gott & co? Wer kann das wissen, ich bestimmt nicht, bin ich Göttin, mir das anzumaßen? Würde ich meine Seele verkaufen für ein paar Euronen, bestimmt nicht, meine ich und denke an meinen Kindheitshelden Tim Thaler, mit dem ich heute vermutlich kein Heißgetränk mehr trinken möchte. Lieber dafür mit der Frau Mama007 im fernen Berlin, die es mit den Geistern so sympathisch hält und für die Toten eine Kerze anzündet, wie ich für Oma, als sie von uns ging. Der Tod ist mitten im Leben, wenn geliebte Menschen sterben, und bewegt mich das ganze Jahr.

Wo war ich eigentlich, als das neue Jahrtausend begann, fegt ein neuer Gedanke durch mein Hirn, vielleicht auf einer sehr vollen Brücke überm Rhein in Köln? Oder war das ein anderes Jahr? Ein wenig einschneidendes Ereignis, wie mir scheint, sonst wüsste ich das wohl noch genau. Einschneidend dagegen die Geburten der Kinder, wo ich beide Male etwas dämlich-ergriffen “krass, ein Baby!” dachte, als könnte es etwas anderes sein.

Ich radle nach Hause durch den Herbst und fühle mich etwas zerstreut. Wer bin ich eigentlich und warum all die Fragen an einem lauen Mittwochabend? Mir scheint, ich wurde von zu vielen Blogstöckchen beworfen, die mir mein Hirn etwas vernebeln. Heraus kam nur ein Fragment mit vielen Fakten und wenig Lügen. Und dem Wunsch auf ein Heißgetränk mit sehr reizenden Damen:  Mama007 (hier und hier), Momatka (hier) und bleibCOOLmami (hier).

Mein Lieblingsblogbild auf Wunsch von Mama007. Eule in Cornflakesbehälter

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***legt sich erschöpft aufs Sofa***

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Warum ich an einem wunderschönen Tag zu Hause blieb

Was für ein Tag! Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht: Bei strahlendem altweibersommerlichem Sonnenschein den ganzen lieben langen Tag zu Hause bleiben. Weder setzte ich einen Fuß vor die Türe noch räumte ich auf oder putzte oder las Bücher. Die Sonne hinderte ich mittels Gardinen daran, allzu penetrant ins Zimmer zu scheinen, und ich stürzte mich kopfüber und ohne den Anflug eines schlechten Gewissens auf die Nähmaschine und saß wie festgetackert 6 h davor fest.

Ermöglicht hatte mir das der Mann, der samt Kind und Freund*innen einen Ausflug unternahm. Seinen Vorschlag, daheim zu bleiben, nahm ich nach 25 Millisekunden Überlegen an (schließlich möchte ich nicht als komplett unsozial gelten, haha).

Am Tag davor hatte ich auf dem Spielplatz das Büchlein “Nähen” von Constanze Derham durchgelesen. Ein prima Einsteigerinnenbuch für Näh-Newbies!  Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht alles verstanden habe – so habe ich das Kapitel über Reißverschlüsse einnähen (ab S. 24) sicher 3x gelesen und nicht kapiert – aber das mag auch daran gelegen haben, dass gefühlt alle 25 Sekunden ein Kind neben mir saß und wollte, dass ich irgendetwas anschaue, mir anhöre oder womöglich mitmache. Außerdem ist “Anleitungen lesen” für mich auch ein bisschen wie Trockenschwimmen. Ich muss es tun und beim Tun kann ich nachschlagen und mich durch Anleitungen wühlen. Aber wie gesagt: Das Buch ist super als Einstieg, schon alleine, weil viele Grundlagen und Fachbegriffe erklärt werden: wie man ein Schnittmuster vermisst, wie die unterschiedlichen Nähnähte heißen, was Blenden, Belege, Einkräuseln etc. ist.

Sehr gespannt habe ich den Projekte-Teil gelesen – hier sind Anleitungen für eigene kleine Nähvorhaben. Besonders gefallen haben mir hier die Taschen, zumal ich gerade einen kleinen Geldbeutel brauche.

Also habe ich mir das als erstes Projekt vorgenommen. Es ist gut beschrieben und für Anfängerinnen ganz gut machbar, finde ich. An Stoffen habe ich das genommen, was hier rumlag: Reste alter Handtücher, zerrissene Hosen von Kind2, ein alter roter 70er-Jahre-Vorhang und als Innenfutter den missratenen Rock aus meinen Ucycling-Näh-Projekt. War er also doch noch für etwas gut. Uralte Reißverschlüsse hatte ich auch noch.

Schon das erste Täschchen sah ganz gut aus, fand ich. So gut, dass ich, berauscht vom Erfolg, gleich ein zweites hinterherschob. Der Mann wollte schließlich auch eines haben. Und ein drittes. Ein viertes. Nunja, es wurden letztendlich 6 Stück. Weil .. Täschchen kann man ja nicht genug haben, oder? Oder: Es.machte.einfach.saumäßig.Spaß!!! So sehr, dass ich in den 6 Stunden weder den Schlafanzug auszog, noch Tee kochte, noch Schokolade aß.

Dafür hörte ich über weite Strecken die Podcasts “In trockenen Büchern” von Alexandra Tobor. Sie stellt in 20 Minuten jeweils ein Sachbuch vor und verknüpft die Inhalte sehr unterhaltsam und interessant mit ihren persönlichen Erfahrungen. Z. B. “Konsumkids” (Susanne Gaschke: “Die verkaufte Kindheit”) über Kinder & Werbung oder über Introversion (Susan Cain: “Die Kraft der Introvertierten”) oder über “Warenästhetik” (Walter Ullrich: “Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung“). Sehr empfehlenswert!

Jetzt freue ich mich schon auf neue Ideen. Wage ich mich schon an Klamotten? Falls jemand Tipps hat für überschaubare Kleinprojekte: Gerne her damit :-). Morgen muss ich allerdings eine kleine Pause einschieben. Der Mann hat frei und ich bin Kind2 auf dem Bauernhof. Auch schön!!!

Täschchen mit den obligatorischen Eulen.

Täschchen aus Vorhang und alter Hose mit den obligatorischen Eulen.

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Sammlung aller Kleinprodukte

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Handtuchtäschchen. Beweis: innendrin befindet sich als Futter der olle braune Rockstoff

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Von hässlicher Hose zum hässlichen Rock – mein 1. DIY-Upcycling-Näh-Projekt

Es war geplant als überschaubares erstes Nähprojekt. Das heißt: Eigentlich war überhaupt nichts daran geplant, es gab nur diese Idee, mir endlich einmal etwas selbst zu nähen. Seit Monaten herrscht hier nämlich Klamottenflaute. Ich kaufe mir keine neuen Sachen mehr, weil mir erstens nichts gefällt, was es so in den 08/15-Läden gibt. Zweites passt mir mit 98%iger Sicherheit das, was mir gefällt, nicht. Und drittens weigert sich mein Gewissen, Zeug zu kaufen, das unter übelsten Bedingungen irgendwo zusammengenäht wurde.  So weit, so klar. Weil ich aber schlecht dauerhaft in meinen mittlerweile ausgeleierten Klamotten das Haus verlassen kann, fing ich an, Second Hand zu kaufen. Wir haben hier einen sehr tollen und ziemlich günstigen Laden. Aber auch das löst ja nicht Problem eins und zwei und mildert höchstens Nummero 3.

Da ich zumindest theoretisch mit Upcycling liebäugele, dachte ich mir, dass ich diese Themen doch gut verbinden könnte. Warum also nicht aus einer alten Hose, die ich sowieso nicht mehr anziehe, einen Rock nähen? Also kurz durch verschiedene Anleitungen gesurft, Nähmaschine rausgeholt, Hosenbeine π mal Daumen abgesäbelt, Naht vorne und hinten aufgetrennt, 2 Dreiecke ausgeschnitten, die ich vorne und hinten einsetzen wollte, und los.

Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass der Unterfaden leer war. Das ist immer so. Aber nicht nur das, die Spulenkapsel wackelte hin und her wie ein Kuhschwanz und machte fürchterliche Geräusche. Also ab in den Nähladen und mir dort die Info geholt, dass die Spulenkapsel hinüber sei und ich meine 20 Jahre alte Nähmaschine gleich ganz entsorgen könne, denn so ein altes Ersatzteil bekomme man eh nicht oder nur mit gaaanz viel Glück. Halbgeknickt zog ich von dannen und bestellte das Teil im Internet, pah, der Nähmaschinenmechaniker hat nämlich alles und lieferte äußerst fix.

Neue Spulenkapsel eingesetzt. Das Ding wackelte wie ein Kuhschwanz und machte üble Geräusche und ich die Erfahrung: Read the fucking manual! Dort kann man bei näherem Hinschauen nämlich einer Abbildung entnehmen, dass man das Ding mit einem Schieber fixieren muss.

Ein paar übel schiefe Nähte, zerklumpte Unterfäden, eine abgebrochene Nadel und viele Flüche später fing ich an, Tutorials anzuschauen. Es gibt da ein paar wirklich schön gemachte bei Pattydoo, genau richtig für totale Anfängerinnen, empfohlen von ringelmiez. Dabei schwante mir so langsam, dass man solche Nähprojekte eventuell ein bisschen planen sollte. Korrekt zuschneiden zum Beispiel. Und dass es hilfreich sein könnte, die Kanten vorm Nähen umzubügeln. Bügeln. Bügeleisen. Mein Bügeleisen, wo war das denn gleich noch? Ich habe 2 Tage lang gesucht, erfolglos. Es war 10 Jahre lang immer in der gleichen Schublade und nun verschwunden. Bis heute. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! Hat sich hier denn alles gegen mich verschworen?

Aber so schnell gebe ich nicht auf, also eines ausgeliehen und weitergemacht. Kanten bügeln, zusammenstecken, nähen, Unterfadenverklumpungen großzügig hinnehmen, die Familie mit nicht-jugendfreien Flüchen tyrannisieren. Hundertfünfzig mal den “Rock” anprobieren, die Erfahrung machen, dass Nähnadeln saumäßig stechen, hundertfünfzig mal die Nähte wieder auftrennen.

Als die Familie kurz davor war auszuziehen, setzte ich den Schlussstich. Zog das Teil an und stellte abschließend fest: Ich habe aus einer hässlichen Hose einen äußert hässlichen Rock genäht. Selbst wenn man die schiefen Nähte ignoriert, geht das Ding gar nicht. Nicht einmal für zuhause. Es spannt am Hintern, wellt sich an den eingesetzten Dreiecken und der Stoff ist nach wie vor hässlich braun.

Also packte ich das Ding kurzerhand in den Altkleidersack. Erfahrung Nr. 3 bis 243: Nähen ist nicht so einfach. Es will geplant sein. Man sollte einigermaßen sauber zuschneiden & arbeiten & vorher den Schreibtisch aufräumen, weil man sonst nicht richtig Platz hat. Es braucht Geduld, viel Zeit und es nützt überhaupt nichts, die Nähmaschine anzuschreien und ihr mit einem Wurf vom Balkon zu drohen.

Frust auf Twitter ablassen, bringt da schon mehr. Nämlich Zuspruch von den #Nähnerds (<3!!!), von denen gleich ein paar zur Stelle waren:

Stimmt. Bei einer meiner ersten Übungsfahrten auf dem Feldweg riss ich zum Entsetzen meines Vaters den Schalthebel seines Opels ab. Ich habe es trotzdem gelernt. Geht doch!

Also, ich gebe hier noch nicht auf! Das wäre doch gelacht. Ich übe. Ich nähe weiter. Und wenn es jetzt erst mal nur Lavendelsäckchen sind. Und Eulen, nunja. Einen sehr zufriedenen Fan habe ich bereits. Kind2 ist von allem begeistert und nimmt meine Produkte freudig entgegen. Und das mit dem Fluchen kriege ich vielleicht auch noch in den Griff (ähm, huhu Schatz?).

Nähprojekt Rock  (urgs) und Eulereien

Nähprojekte Rock (urgs) und Eulereien. Wenigstens alles aus alten Stoffresten.

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Kurzzeitig reich & berühmt. Oder: Ein Comic aus alten Zeiten

Kürzlich saßen wir beim Abendessen mit den Eltern, es gab Fisch & Spinat und ein Rest vom Vortag, und plauderten über dies & das, kamen vom Hüpfelchen zum Tüpfelchen. Über die Mama’sche Bemerkung, sie habe meinen Kindergartenfreund P. gesehen, landeten wir bei meiner Kindheit und ich fragte sie, was ich schon lange mal fragen wollte, nämlich ob sie früher auch stundenlang auf irgendwelchen Spielplätzen herumgesessen und ihrer Brut, also uns, beim Spielen zugesehen habe, was sie mit einem “ja schon”, mein Vater mit einem entschiedenen “achwas, dafür hatten wir doch gar keine Zeit!” beantwortete. Unentschieden also, wobei das Gedächtnis meiner Mutter in solchen Dingen deutlich verlässlicher ist. Wir sprachen über den Kindergarten und die alten Zeiten, als wir in einer Hochhaussiedlung am Rand der Kleinstadt lebten, wo fast jede jede kannte und wo wir Kinder nach dem Kindergarten von Haus zu Haus zogen, um die Freundinnen und Freunde herauszuklingeln. “Ist Peter da?? Darf Patrick raus?” Wir waren alleine unterwegs, das Viertel war ja recht überschaubar, und überhaupt, das war ja früher ganz normal. Der Verkehr war lange nicht so krass wie heute und alle fuhren viel langsamer, wie der Herr Papa behauptete. Wir landeten also gesprächstechnisch beim Verkehr, den vollgeparkten Gehwegen und vierspurigen Straßen, als meine Mutter meinte:

“Da gibt es doch auch so einen Comic, wo ein Kind an einer fetten Straße steht und zu einem anderen ruft: Wie bist du denn da rübergekommen?”.

“Ach was”, sage ich, “und weiter??”

“Stimmt, und dann sagt das andere: Ich wurde hier geboren”, ergänzt der Papa.

“Was ihr nicht sagt” hauche ich und staune über das erstaunlich übereinstimmende elterliche Gedächtnis, “und wo gibt es den?”

“Naja, in einer Zeitung war der”, meinen die Eltern unisono.

“Aha. In einer Zeitung. Und in welcher???”

“Weiß nicht mehr wo, aber wir haben ihn aufgehoben.”

“Na, dann sucht den mal. Da bin ich ja gespannt. DER IST NÄMLICH VON MIR!!1!1!!”

Mein Comic in einer Zeitung! So ein einträchtiges Elterngewissen kann sich wohl kaum täuschen. Ich.bin.berühmt! Oder Moment mal: Mein Comic wurde womöglich geklaut!? “Na wartet, dann klage ich, isch prozessiere!” gröhle ich, da will ich doch mein Stück vom Kuchen abhaben. Ich werde reich!!!!

Der Rest des Abends verläuft unspektakulär.

3 Tage später kommt eine Mail: “Hier ist der Comic als Kopie. Das Original haben wir leider nicht mehr.” Tja, ihr vielleicht nicht. ABER ICH! Gefunden in meiner Erinnerungskiste, die penetrant nach Räucherstäbchen riecht, ganz weit unten zwischen 1989 und 1992 irgendwo. Da ist er: gekritzelt in kleine Kästchen, sogar die Bleistiftvorzeichnung sieht man noch. Eindeutig von mir. Und eindeutig nicht in einer Zeitung. War wohl nichts mit dem Reich-und-berühmt-werden. Schade.

Und hier ist das gute Stück. Auch wenn die künstlerische Entwicklung in den letzten 22-25 Jahren recht übersichtlich geblieben ist, wenigstens veröffentlicht ist es jetzt*. Und überhaupt: Wer liest denn heutzutage noch Zeitungen. Pah.

ruebergekommen*werde ich jetzt berühmt, wenigstens??

 

 

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Mädchen oder Junge oder …?

Das Nuf war einkaufen und regt sich sehr schön über die in “Jungs” und “Mädchen”klamotten aufgeteilte Warenwelt auf. Zum Glück bleibt mir das Shoppen meist erspart, weil wir bisher fast alles von Freundinnen- und Schwesterkindern bekommen. Aber natürlich fällt mir das Rosa-hellblau-glitzer-Bagger-Gedöns auch überall auf, auf jedem Spielplatz, im Kindergarten, auf der Straße.

Ich habe hier mal ein Kindergartenbild aus den 70ern. Pullis in rot, gelb, grün. Latzhosen, Pullunder. Und ein sehr hübscher Topfschnitt. Bei fast allen Kindern. So. Und jetzt sagt mir mal, was hier Weiblein, Männlein oder sonstiges ist:

Was ist was?

Was ist was?

Ich stehe übrigens oben links.

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