Vom Hut zum Rock: Gehwegschilder

Beim Durchblättern uralter Fotoalben auf dem elterlichen Sofa gestern Abend stach mir dieses Bild ins Auge. Nicht nur, weil ich darauf so entzückend dahinwandele, sondern … ja, offensichtlich sahen in grauer Vorzeit vor vielen Jahren die Gehwegschilder bei uns noch etwas anders aus. Hier ist nachzulesen, dass 1970 der damalige Verkehrsminister Hut & Anzug abschaffte und durch einen Rock ersetzte. Dem ging anscheinend eine längere Kampagne voraus. Vereinfacht: Mann = fremd = Kind soll da nicht mitgehen*. Ersetzt durch: Frau = vertraut/Mutter = Kind soll an der Hand bleiben.

Mann & Kind. 1972 in der Provinz

Mensch mit Hut & Kind. Und ich, 1972 in der Provinz

Das heißt … man kann das natürlich durchaus auch anders lesen:

Das Schild heute

Das Schild heute

*online habe ich nicht viel mehr herausgefunden, Zeit habe ich gerade auch nicht. Also, wer mehr weiß, gerne melden. Es gab 2012 sogar mal eine E-Petition, die sich für eine geschlechtsneutrale Version aussprach. Leider haben nur 45 Personen unterzeichnet.

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Kaugummitage. Damned!

Ein weiterer Tag in grau-nass-widerlich. Schwere Wolken hängen über den Bäumen, Nebel über der Stadt. Es ist kalt, es ist widerlich. Und das Schlimmste: Es sind Ferien. Die KiTa ist zu, alle Freund*innen vor dem Grau-in-Grau geflohen, die Spielplätze ob des Dauerregens wie leer gefegt. Stillstand. Langeweile. Feiertage. Tage, die sich wie Kaugummi dahinziehen, Tage, an denen ich die Stunden zähle. Stunden, die wie Schnecken dahinkriechen. Bis es endlich wieder Abend ist, ich wieder ins Bett kann, Buch, Decke über den Kopf, ich will nichts sehen und hören. Schlimm.

Und ich weine doch, wenn der Regen fällt. Dammdamm ... damned damned!

Und ich weine doch, wenn der Regen fällt. Dammdamm … damned damned!

Einzig das Kind ist fidel und versucht, durch stetes Rumgehüpfe etwas Dynamik in die trübe Familiensuppe zu bringen, das Arme. Das Kind will spielen, die Eltern nicht. Das Kind steht an der Türe und plärrt “KiTa!!”, doch die ist zu. Das Kind hat Energie für 10, die Eltern sind schlapp. Dem Kind ist’s langweilig, den Eltern auch. Es ist unerträglich.

“Was würdest du heute tun, wenn du völlig frei entscheiden könntest?”, fragt der Mann.

“Rumgammeln!” Da muss ich doch keine 2 Sekunden überlegen. Das ist der ideale Tag um im Bett zu bleiben. Sich gar nicht erst anziehen. Allerhöchstens zum Tee kochen aufstehen. Ab und zu in die Küche schlappen und Schokolade suchen. Ansonsten: Lesen! Surfen! Dösen! Ganz vielleicht gegen Nachmittag darüber nachdenken, einen kleinen Spaziergang zu machen. Aber leiderleider wird es dann wie aus Eimern regnen, ich kann mich weiter legitim faul fühlen, die Decke höher ziehen und im Krimi bleiben. Hach.

“Und du?”

“In die Sauna gehen. Dort gemütlich abhängen.”, sagt der Mann wie aus der Pistole geschossen. Auch nicht schlecht. Wobei man dafür das Haus verlassen müsste …

Letztendlich mag dann doch keine/r von uns großherzig die Kindbespaßung alleine übernehmen und so bewegen wir unsere faulen Hinterteile tatsächlich mal nach draußen, auf den Berg, begleitet von Regen und Vogelgezwitscher.

Ein Tag ist geschafft. Liegen nur noch 6 weitere vor uns. Sechs Tage, an denen sich die Sonne vermutlich nicht blicken lassen wird, nass-feucht-kalt-grau-kack. Sechs weitere Tage Langeweile, Kaugummi. Alleine der Gedanke daran ist … nunja, ich erwähnte es bereits. Ich muss was tun! Also klemme mir nachher das Kind unter den Arm und fahre mit ihm zu seinen Großeltern. Dort pisst es zwar auch, aber das Energiebündel verteilt sich auf mehrere und hoffentlich geduldigere Köpfe. Mama + Kind –> in den Zug. Und tschüß!

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Schluss mit dem Gejammer. Ab jetzt: The Daily Owl

Diese Sache mit dem Kreativitätsloch ist ja seit Jahren ein Dauerthema bei mir. Vor einigen Monaten habe ich darüber gebloggt, etwas detaillierter noch einmal vor 2 Monaten. Jammerjammer, ich bin so unkreativ, würde gerne wieder zeichnen etcpp. In den Kommentaren zum letzten Post meldete sich die von mir sehr geschätzte Bebe zu Wort, die jahrelang eine Zeichenblockade hatte und diese mit einer Art Mikro-Schritt-Methode aufgelöst hat. Der Pfeffermatz* schloss sich an und konkretisierte noch ein bisschen: sich selbst Mini-Ziele setzen, nur 5 Minuten am Tag, das aber regelmäßig. Dafür gibt es keine Ausreden a la: Ich habe keine Zeit, komme zu nix, das Kind, der zugemüllte Schreibtisch, Job, Haushalt (haha). So ähnlich wie mit der Weltverbesserung also. Da frustriert das große Ganze auch schnell, allerdings kann eine ja hier&da&bei sich mal klein anfangen. Das wäre schon was.

Sehr überzeugt beschloss ich also, einen Skizzenblock und Stifte zu kaufen. Und prokrastinierte das Projekt damit erfolgreich um einige Wochen. Dann endlich lagen sie da: Block. Stifte. Morgen geht’s los, nahm ich mir vor. Irgendwann wanderten die Utensilien vom vollgerümpelten Schreibtisch ins Regal und setzten langsam aber sicher eine zarte Staubschicht an. Himmelnochmal!

Vor 3 Wochen entfernte ich den Staub mit einem energischen Pusten vom Umschlag, klappte das Büchlein auf. Und starrte die leere Seite an. So weiß. So schön. Da kann ich unmöglich was reinkrakeln. Zuklappen.

Vor 7 Tagen trat ich mir dann doch mal in den Allerwertesten. Nahm Stift und Papier und setze mit zittrigen Fingern eine Eule aufs Papier. Eule. Ja. Ist doch auch egal. Mit irgendwas muss eine doch anfangen. Und schließlich bin ich seit meiner Kindheit Fan, ich war sogar einige Zeit eines von zwei Mitgliedern im lokalen Eulenbund “Eubu”. Also Eulen, warum auch nicht, da muss ich mir schon keine Gedanken mehr über das Motiv machen (“mir fällt nix ein”). Das mache ich jetzt einfach täglich. Tatsächlich. 5 bis 10 Minuten. Manchmal sogar länger. Kleine Viecher, ohne großen Anspruch, einfach um wieder in Schwung zu kommen. Wieder zu lernen, einen Stift zu halten, ein Blatt zu füllen und meiner dämlichen inneren Kritikerin den Hintern zu zeigen.

Eulereien

Eulereien

Vielleicht vielleicht werden irgendwann Katzen, Mäuse, Nachtigallen daraus. Große Bilder, kleine Bilder. Vielleicht aber auch nicht. Dann habe ich es wenigstens mal versucht.

*@Pfeffermatz: Liegestützen?!

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So blogge ich

Seit ein paar Tagen kursiert so ein Fragebogen zum Thema Bloggen durchs Netz. Christine (Mama arbeitet) war so reizend und hat ihn mir weitergereicht. Ahhh, das ist ja wie früher beim Freundinnenbuch! Wie schön, ich habe es bekommen – oh, welch Ehre! Doch dann geht es bei den Fragen los: Lieblingsfarbe?! Rot. Und pink. Mmhh, grün ist auch schön … kann ich da auch mehrere eintragen?! Räusper. Ich versuche das hier mal ohne große Entscheidungskrisen relativ spontan zu beantworten:

Bloggerinnen-Typ: Newbie, seit nicht mal einem Jahr dabei … ich war davor jahrelang eine von den stillen Mitleserinnen. Gemischtwarenblog, derzeit mit Schwerpunkt auf Familienleben.

Gerätschaften digital: ein fürchterlich rauschender, ca. 4 Jahre alter Fujitsu Siemens Esprimo Mobile Laptop mit Ubuntu (das ich btw dringend mal aktualisieren sollte. Also beides. Hardware und Betriebssystem). Und mein Sony Ericsson Xperia, das fast im Dauereinsatz ist. Allerdings nur zum Lesen und um mal einen Kommentar zu beantworten.

Gerätschaften analog: fürs Bloggen? Keine.

Arbeitsweise: völlig unstrukturiert. Die besten Blogideen habe ich, wenn kein PC in der Nähe ist. Auf dem Weg zu Arbeit, im Garten, bei Oma. Wenn sich kleine Zeitfenster auftun, schnappe ich mir das Notebook, setze mich in die Küche, aufs Sofa, den Balkon und fange an zu schreiben, so lange, bis mein Umfeld sauer wird zart andeutet, dass ich mal wieder aus Internetien auftauchen könnte. Oft landet der Artikel dann im Entwurfsordner und wartet dort auf die Fertigstellung. Wenn ich einen freien Vormittag habe, schreibe ich auch mal einen Post am Stück. Ich hadere gerne mal mit meinen Texten (omg, kann ich das so publizieren, ist das nicht zu banal, fehlt noch ein Komma???) und das “schnelle Veröffentlichen” lerne ich erst noch.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Ich schreibe Blogposts immer direkt in WordPress. Für die meistens Posts recherchiere ich nicht, meistens sind es ja (bisher) Geschichten aus meinem Alltag. Wenn ich recherchiere, dann eigentlich immer über google. Eine Zeit lang habe ich die Links für die Blog-Linktipps (Feedreaderperlen bisher) in einem google-doc gesammelt, im Moment habe ich kein strukturiertes Vorgehen. Meistens habe ich ca. 93  Tabs mit noch-zu-lesenden Artikeln offen, bis der Browser freundlich meldet: Hier geht nix mehr. Absturz.

Wo sammelst du deine Blogideen?

Auch direkt in WordPress, s. Arbeitsweise. Ich lege Entwürfe an, die dann tage- oder wochenlang vor sich hinschmoren. Manche schreibe ich fertig, einige wandern in den Papierkorb. Vielleicht greife ich irgendwann mal wieder auf den guten alten Block zurück, um Ideen aufzuschreiben, die mir unterwegs so einfallen.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?

Zeitsparen und Internet? Wahahaha!!!! Oh, Entschuldigung. Das Internet ist für mich eine Zeitmaschine. “Ups, der freie Vormittag ist schon rum? Ich war doch nur ganz kurz surfen?!” Ich habe sehr viele Blogs abonniert und nutze derzeit Feedly als Reader (auch wenn ich mich bisher nicht mit ihm anfreunden kann, vor allem nicht mit der App). Wenn mir die 567 ungelesenen Blogartikel zu viel werden, setze ich manchmal das ganze Ding auf “gelesen”. Das finde ich zwar jedes Mal grässlich, aber es entspannt ungemein.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?

Nö. Ich schreibe mir tatsächlich manchmal analoge Listen, die ich dann auf meinem Schreibtisch vergrabe.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?

Nein. Höchstens “nicht möchte”. Und “Telefon” würde ich mal durch Smartphone ersetzen, weil ich nur selten damit telefoniere. Von den anderen sehr hilfreichen tollen Geräten (Spülmaschine, Staubsauger etc.) ist mir die Waschmaschine am Wichtigsten, alles andere geht irgendwie zur Not auch Hand. Achja: Und die Kamera. Lange analog, derzeit eine geliehene Sony Spiegelreflex.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Nein.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Nichts, nur das Rauschen meines Laptops. Ich höre inzwischen sowieso selten nebenher Musik, meistens bin ich froh, wenn es mal still ist.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?

Zwangslerche. Seit ich Kinder habe, also seit fast 22 Jahren, stehe ich meistens früh auf. Aber so muffelig und schwer erträglich ich für meine Umwelt morgens auch bin: Eigentlich liebe ich es. Besonders wenn außer mir noch keiner wach ist. Ich stehe inzwischen sogar manchmal vor dem Kind2 auf, um diese zwitschernde Morgenstimmung zu genießen.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Introvertiert. Eigentlich eher so der Typ Höhlenbewohnerin. Umständehalber aber sozial einigermaßen gefordert. Ich habe über die Jahre hinweg gelernt, meine Schüchternheit zu akzeptieren – da mache ich mir weit weniger Stress als früher. Ich habe gelernt vor Leuten zu reden, gebe oft Workshops/Schulungen, das ist eher kein Problem (trotz immerwiederkehrendem Lampenfieber), aber so Grüppchen-Konversationen, um Redeanteile kämpfen … Smalltalk … schwer. Am liebsten mag ich Zweiergespräche. Das ist ein Lernfeld, dieses soziale Dings, immer noch.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Oh, da fallen mir viele ein. Schließt euch einfach an! Sehr interessiert bin ich z. B. an den Antworten von Catherine, AufZehenspitzen und Frische Brise (mit 4 kleinen Kindern täglich zu bloggen, wow!).

Der beste Rat den du je bekommen hast?

Das ist jetzt so eine “Lieblingsfarbe”-Frage. Ich habe viele gute Ratschläge von Menschen bekommen, die mir in Krisen beistanden, mich bei Entscheidungen beraten haben. Weniger im Sinne eines Rates “mach das doch einfach so und so” (finde ich meist wenig hilfreich), sondern im gemeinsamen Suchen nach Möglichkeiten. “Auf dein Herz hören”, das haben schon viele gesagt – und mir geholfen herauszufinden, was das denn so vor sich hinmurmelt.

Noch irgendwas wichtiges?

Mir fällt beim Blog- und Kommentare-Lesen oft ein: “Leben und leben lassen”. Das Gehacke, Besserwissen und gegenseitige Verurteilen – gerade bei den Themen Kindererziehung & Feminismus – geht mir auf den Keks. Also: Teechen trinken & locker machen.

Und ich zitiere hier noch die Antwort von Christine, die hat mir sehr gut gefallen: “Das Leben ist zu kurz, um den Anschein zu wahren.”

:-)

Update (16.5.): Jipppi, Catherine von Allures-und-Couture und die Frische Brise geben nun auch einen Einblick in ihre Bloggerei!
Bei  Isabella Donnerhall findet sich eine (vermutlich nicht vollständige) Liste: “So arbeiten andere Bloggerinnen”
.

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Alarm im Fahrradsitz

Dieses Kind2 wirft mich manchmal fast aus der Bahn. Beim Fahrradfahren zum Beispiel, auf dem Weg zur KiTa oder nach Hause:

WUAAAHHH – ein gellender Schrei ertönt von hinten. 14 Kilo Kind werfen sich hektisch hin und her, das Rad fängt an zu schlingern, ich verliere fast die Kontrolle.

Riesenschreck. Vollbremsung. Umdrehen. Kontrollieren: Es ist noch alles dran, Kind scheint unverletzt. Uff.

“KIND2!!! WAS ist los?!”

“BAGGGGAAAA!” Es deutet auf einen Punkt irgendwo. Und tatsächlich. Ich erahne in weiter Ferne einen Bagger. An dem bin ich glatt einfach so vorbeigedüst, ohne ihn zu beachten. Das geht natürlich gar nicht.

Meine Knie entschlottern langsam wieder, das Herz pocht noch ein bisschen nach. Meine Güte, da brauchst du doch nicht so zu brüllen, oke, ein Bagger*. Einmal winken, dann wieder aufsteigen. Weiterfahren. Same procedure as … nunja, fast jeden Tag.

Ich muss dringend mal an meiner Coolness arbeiten, sonst krieg’ ich noch einen Herzinfarkt. Ein Gewöhnungseffekt ist meinerseits nämlich noch nicht in Sicht.

* Das Ganze funktioniert übrigens auch ganz prima bei Betonmischern, Müllautos, Straßenkehrmaschinen etc. pp. ^^

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Feedreaderperlen V

Früher war mehr Sonne am 1. Mai. Und mehr Party. Vor allem in der Nacht, beim rauschenden Tanz in den Mai. Wobei – Party hatte ich hier auch, jedoch der etwas anderen Art. Babyparty, ein unruhig schlafendes Kind, das es nicht geschafft hat, sich selbst den Schnuller in den Mund zu bugsieren, so dass eine schlaftrunkene Mama sich nach dreimaligem Rüberlatschen schließlich doch daneben legte und beruhigende “psssschds” von sich gab. Mit mäßigem Erfolg. Nunja. So bin ich heute also auch unausgeschlafen, wie früher, nur wenigstens nicht verkatert, und blicke mit dicken Augenringen in diese trübe Nebelsuppe, die seit Tagen über der Stadt wabert und sich so langsam auch in meinem Hirn ablagert.

Während die Mitbewohner/innen frühstücken, setze ich mich unkommunikativ und unhöflich ab und nutze ich die Zeit, um mal wieder ein paar Linktipps in dieses Internet zu streuen, lange sind die letzten her.

Wir beginnen mit dem Glück. Wichtig, gerade an so trüben Tagen. Catherine (es kommen so viele über ihren Blog hierher, dass ein Zurückverlinken wahrscheinlich so etwas ähnliches ist, wie Eulen nach Athen zu tragen. Aber egal.) schreibt einen schönen Text darüber, wie glücklich sie das Nähen macht. Man kann das gut auch lesen, wen man so ein völliger Näh-DAU ist wie ich, denn eigentlich, ja eigentlich geht es darum, mit Feuer & Flamme unterm Hintern bei einer Sache zu sein, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, etwas zu tun, wofür das Herz brennt. Das kann nun mal vieles sein. Es ist ein Glück, wenn man so etwas für sich findet!

Eva Karel, ok, wer kennt ihren Blog noch nicht? Dann mal vorbeischauen. Mir gefällt ihr Schreibstil sehr gut, ihre Geschichten über den Alltag mit zwei Kindern, Arbeit, Yoga, Umzug. Immer mir viel Humor, auch wenn es mal stressig wird.

“Ich habe den Geschmack dieser unwiederbringlichen Zeit im Mund, als Freundschaft etwas Selbstverständliches war, und Kommunikation ohne große Anstrengung passierte.” Silenttiffy schreibt über Freundschaft, Aufgehobenfühlen, das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein – oder eben auch nicht, über das Angenommensein. Sehr bewegend. Ich kann das gut nachempfinden und es lässt ein nochmaliges “achja, früher …” in mir aufpoppen.

Auf <3 gibt es ein Interview mit Anne Roth, das viele wahrscheinlich schon kennen. Es geht darum, über schlichte Zahlen (1,2,3, viele) das unausgeglichene Geschlechterverhältnis auf allen möglichen Veranstaltungen, also Talkshows, Konferenzen, 1. Mai-Reden etc. pp. sichtbar zu machen. Indem Männlein & Weiblein (ja, in diesem halt immer noch leider vorherrschenden Dualismus) gezählt und diese Zahlen veröffentlicht werden. Ich finde das gut, weil es ein hilfreiches Instrument ist, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen, wie Anne Roth ausführt. Das kann man übrigens auch gut mal bei Redeanteilen in Minuten anwenden. Bringt manchmal erstaunliche Ergebnisse (oh, der quatscht ja gar nicht sooo lange, wie sich das anfühlt).

So, das wars für heute. Ihr seid wahrscheinlich eh alle beim Wandern, Feiern, Demonstrieren, was man halt so macht am 1. Mai. Vielleicht wage ich nachher auch noch einen Schritt vor die Türe, um gemeinsam mit dem Bruder die Kinderlein im Bollerwagen durch die Gegend zu schieben (und den Biergarten anzusteuern, der heute offiziell die Pforten öffnet. Hieß es. Mal sehn, vielleicht gibt’s ja Glühwein).

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Kochen, Putzen, x Elternabende … die Mitmach-KiTas

“Einmal im Monat kochen die Eltern für die Kinder. Alle. Auch die Väter!”, sagt die KiTa-Leiterin und hält mir das Anmeldeformular unter die Nase. Beziehungsweise: den Antrag-auf-Aufnahme-auf-die-elendslange-Warteliste. “Und zweimal im Jahr sind Aufräumtage. Dann gibt es noch die Aktionstage, da stehen Reparatursachen an.” Sie denkt nach. “Achja, Elternabende. Alle 6-8 Wochen.” Spätestens jetzt gefriert mir mein eh schon leicht verkrampftes Lächeln im Gesicht. “Wenn eine Erzieherin ausfällt, kann es schon auch mal sein, dass die Eltern einspringen müssen. Und wir haben 35 Schließtage.”

Es ist KiTa Nr. 2, die ich mir heute anschaue. Eine der rar gesäten Ganztagseinrichtungen. Bei Nr. 1 war es das Gleiche. Schließtage, Putzen, Kochen, Elternabende en masse. Davor hing ich stundenlang am Telefon, habe mich auf den Tag der offenen Tür vertrösten lassen (bei dem Heerscharen an Eltern durch die Einrichtung geschleust werden), wurde abgewimmelt (“wir nehmen niemanden mehr auf die Warteliste”) oder habe schlicht keinen erreicht. Bei zwei bis drei konnte ich wenigstens mal Daten für die Warteliste durchgegeben (aber machen Sie sich keine große Hoffnung, der Andrang ist riesig). Es geht um einen Platz für September 2014.

Die beiden Einrichtungen, bei denen ich unverschämterweise unangemeldet vor der Türe stehe, weil ich die Abwimmelei am Telefon leid war, liegen in unserer Nähe. Sehr schöne große Außenanlagen, tolle Räume, eigentlich ideal … wäre da nicht diese Elternmitarbeitsgeschichte. Mir kräuseln sich so langsam alleine bei dem Wort die Fußnägel. Immer mehr Kindergärten – zumindest in unserem Städtchen – setzen auf das Mitmachkonzept, es hat irgendeinen tieferen pädagogischen Sinn.

Der sich mir allerdings nicht recht erschließen will, aber vielleicht ist auch einfach mein Rabenmutter-Gen zu sehr ausgeprägt. Ich habe keine Lust auf Aufräumtage und schon gar nicht darauf, regelmäßig in der KiTa-Küche zu stehen und für 20 Kinder ein Mittagessen zu kochen. Zumal ich mir dafür einmal im Monat mindestens einen halben Tag freinehmen müsste fürs Einzukaufen, Schnippeln, Kochen, Abspülen. Arrrgh. Dazu kommen noch die 35 Schließtage im Jahr. Super. Ich habe 29 Tage Urlaub.

Und dann die Elternabende: Ich habe mit Kind1 den ganzen Zyklus von Kindergarten-, Grundschul-, Gymnasialelternabenden schon einmal hinter mir und mir viele Abende lang den Hintern auf winzigen Stühlchen breitgesessen. Ein- bis maximal zweimal im Jahr fand ich absolut ausreichend. Was zu Teufel gibt es da alle 6-8 Wochen zu besprechen? Doch Moment, ist eigentlich klar. Die Eltern kochen ja. Das ist doch DAS Thema: “Also, ich wollte jetzt mal was zu dem Pudding vor Kurzem sagen. Der war doch mit Zucker, oder??!!!?? Ich finde, da sollten wir wirklich drauf verzichten!” …. “Bio!!1!! Das Gemüse sollte schon bio sein. Und regional!” Blablubb, vor meinem Geiste tauchen grässliche Diskussionen auf. Ich will da nicht hin.

Für mich unpädagogischen Kleingeist heißt KiTA in erster Linie Entlastung. Für uns Eltern. Und gute Betreuung für den Kleinen. Der soll sich wohlfühlen, gerne hingehen. Ich möchte mich gut mit den Erzieher*innen verstehen. Punkt. Wir haben zuhause genug Alltag inklusive Kochen&Putzen.

Nichts gegen Elternbeteiligungskindergärten, wer’s mag, soll es machen. Aber ich möchte mich gerne entscheiden können – und das kann ich bei dem lokalen Angebot kaum. Der Andrang, Sie wissen schon. Innerlich streiche ich die beiden KiTas trotzdem wieder von meiner Liste, es hat ja keinen großen Sinn, wenn ich nicht hinter dem Konzept stehe, muffelig Gemüse schnippel und mir jetzt schon Ausreden für die Elternabende überlege (auch wenn der Mann das alles nicht sooo schlimm findet). Also weitersuchen. Und hoffen. Dass wir doch noch eine tolle kochfreie KiTa mit für mich vertretbarem Elternmitmach-Aufwand finden.

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