Endlich …

… nach 52349532 Trillionen mal “wann fahrn wir endlich in Uuuurlaub”-fragen – ist nun dieses “im August fahren wir“!!!

Urlaubskalender fertig

Urlaubskalender alle

*ächz*

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Vorurlaubs-Putzspleen

Das mit dem Wohnungsputz klappt hier meist eher schlecht als recht. Meistens sieht es bei uns aus wie Sau – und ich meine das durchaus nicht kokettierend.

Ich kann damit leben (meistens zumindest), auch wenn ich von mir behaupte, eigentlich (EIGENTLICH) ein eher ordentlicher Mensch zu sein. Ich habe mich in gewisser Weise daran gewöhnt, dass es hier allerhöchstens partiell sauber ist: Ist die Küche mal geputzt nach dem Essen, starrt das Bad vor Dreck. Sind die Wäscheberge abgetragen, kann man im Wohnzimmer buchstäblich vom Boden essen. Im Kinderzimmer sieht’s aus, als hätten drei Kinder alle Spielsachen auf den Boden gekippt und unters Bett im Schlafzimmer sollten Leute mit Hausstauballergie besser gar nicht erst schauen. Überhaupt sollte man hier überhaupt nirgends genauer hinschauen. Auf Fußleisten zum Beispiel. Oder in Schubladen. Oder womöglich hinter den Herd.

Wenn wir in den Urlaub fahren, packe ich allerdings am Tag zuvor (früher lohnt sich nicht) meinen Spleen aus: Die Wohnung muss aufgeräumt und geputzt verlassen werden. Nicht porentief rein – das kriegen wir hier sowieso nicht hin bzw. dafür bräuchte ich 3 Tage Extraurlaub, aber zumindest so, dass es auf den ersten Blick hier super aussieht. Dass diverses Getier kein Fressen findet und ggf. Besuch hier rein kann, während wir weg sind, ohne das Grausen zu kriegen.

Und, der wichtigeste Grund: Ich liebe es, wenn ich zurückkomme, die Wohnung aufschließe und für einen kurzen Moment denke “Ach, ist es hier schön”. Einen kurzen Moment, bis wir unser ganzes Urlaubsgerümpe hier reinschafft haben und es wieder aussieht wie gewohnt. Wie Sau halt.

Ich weiß, ich weiß, Säue sind sehr reinliche Tiere ^^

Ich weiß, ich weiß, Säue sind sehr reinliche Tiere ^^

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Apokalypse Jetzt – Vorbereitung auf die Krise

Das Buch Apokalypse jetzt ließ mir eine Freundin als Mitbringsel mit Leseempfehlung hier. Ich freute mich und legte es auf das Fensterbrett im Wohnzimmer, wo es ein paar Monate vom familiären Staub bedeckt wurde. Ich hatte keine Zeit, genug anderes zu lesen und putzte offensichtlich nie das Fensterbrett. Bis ich es letzte Woche wieder in die Finger bekam und es zu lesen begann.

Greta Taubert, eine Journalistin aus Leipzig, Jahrgang 1983, beschreibt in dem Buch einen Selbstversuch. Aus der Panik heraus, beim Hereinbrechen einer Krise (an der sie nicht zweifelt), nicht überlebensfähig zu sein, beschließt sie, sich ein Jahr lang weitgehend dem Konsum zu entziehen und verschiedene Überlebensstrategien auszutesten. Grob gesagt.

Sie beginnt damit, sich einen Vorrat an Lebensmitteln zuzulegen auf Basis der Empfehlungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (ich hatte keine Ahnung, dass es so was gibt) und versucht von diesem 3 Wochen zu leben. Sie nimmt Kontakt auf zu einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat, Survival-Pakete zusammenzustellen – und zwar nicht nur Büchsenfleisch und Nudeln, sondern Tiramisu und Rehrücken für Notzeiten – offensichtlich ein erfolgreiches Geschäftsmodell! Sie besucht Leute, so genannte Preppers, die sich durch den Bau von Trutzburgen und das Anlegen von Vorräten für die Krise wappnen. Sie begleitet eine Frau, die sich in einer Art Urkost von Wildkräutern ernährt, und sie fängt an, im Keller Pilze zu züchten.

An dieser Stelle – nach ca. 4 Kapiteln – hätte ich das Buch um ein Haar zugeklappt und aufgehört zu lesen. Ich fand das zwar alles äußerst unterhaltsam und interessant geschrieben, allerdings fand ich den Ansatz, sich individuell auf eine Krise vorzubereiten, so derartig bescheuert, dass ich es kaum aushalten konnte und mir auf Twitter leicht der Kragen platzte. Dieses Hamstern, für sich und die Familie Vorräte anzulegen, sich zu bewaffnen, damit man sich bei den zu erwartenden Plündereien verteidigen kann (!), dieses “ICH sorge für MICH” erinnerte mich doch sehr an die 1980er Jahre, als Leute anfingen, sich einen privaten Atomschutzbunker in den Garten zu bauen und in diesem Vorräte für die atomare Apokalypse zu horten. Es waren – das unterstelle ich jetzt mal – NICHT die gleichen Leute, die auf Anti-Atom-Demos gingen, Atommülltransporte blockierten und für eine andere (Umwelt-)Politik kämpften. Nein, hier ging es nur um das eigene Überleben. Scheißegal, wenn sonst niemand übrig blieb (bzw. um so besser, dann muss man das gehortete Futter schon nicht gegen Plünderer verteidigen).

Aber – Überraschung – Greta Taubert kriegt dann doch noch den Dreh. Nach und nach beschäftigt sie sich mehr mit solidarischen Ansätzen. Sie macht bei einer Gärtner*innengemeinschaft mit und wohnt eine zeitlang bei Stadtnomad*innen. Sie lernt das Containern, also das Organisieren von Lebensmitteln aus Supermarkmülltonnen, kennen und trampt mit einer Freundin ohne Geld nach Spanien, wo die Krise ja bereits ihre Klauen ausgebreitet hat, und landet dort bei Aktivist*innen in einem besetzten Haus. Sie kommt mit der DIY-Szene in Kontakt (u. a. Nähen, 3-D-Druck) und lernt immer mehr Leute kennen, die versuchen, solidarische Strukturen aufzubauen und die sich politisch engagieren. Und sie kommt immer mehr auf den Trichter, dass es darum geht, Zeit für und miteinander zu haben, gemeinsam zu (über-)leben und sich zu solidarisieren – anstatt einen privaten Hamsterbau anzulegen.

Mir hat gut gefallen, dass Greta Taubert sich voll ins Getümmel gestürzt hat – zumindest macht sie in dem Buch den Eindruck. Dass sie überall mehrere Tage, teils Wochen mitgewohnt hat, sei es auf einem Bauwagenplatz, in der Wohnung der Stadtnomad*innen, im besetzten Haus, und dass sie den Menschen recht unvoreingenommen begegnete (darauf hat mit Lotti auf Twitter bereits während meiner Lesekrise hingewiesen). Ich fand es zienmlich spannend, wie Taubert als Newbie (oder Außenstehende) die verschiedenen Szenen beschreibt. Einiges war für mich auch völlig neu: Dass es Stadtjäger*innen gibt und eine doch recht große Prepper-Szene zum Beispiel.

Was ich bis zum Schluss ziemlich unerträglich fand, war die konsequent männliche Sprache – selbst wenn Taubert von sich selbst spricht, verwendet sie meist die männliche Form. Ob das auf das Konto des Lektorats geht oder ob Taubert das vertritt, weiß ich nicht.

Eine radikalkritische Auseinandersetzung mit den Ursachen der prophezeiten bzw. bereits bestehenden Krisen ist das Buch nicht gerade. Vermutlich wurde es auch deshalb letztes Jahr in so ziemlich allen großen Mainstreammedien recht positiv besprochen. Vieles im Buch dockt an den derzeitigen DIY- bzw. konsumkritischen Trend an: Urban Gardening, nicht so viel bzw. bewusst konsumieren, keine Lebensmittel verschwenden, Dinge selbst machen, reparieren statt wegschmeißen. Da gibt das Buch einen guten Überblick und viele Anregungen. Es zeigt die persönliche Entwicklung von Taubert während ihres Selbstversuchs, was ich sehr spannend fand. Und es ist wirklich sehr unterhaltsam und inspirierend geschrieben. Ganz im Sinne des Sharing-Gedankens macht das Buch nun in meinem Freund*innenkreis die Runde und ist Anlass für so manches spannende Gespräch.

(<3 -lichen Dank an A., die mir das Buch gegeben hat!)

Dekofoto

Dekofoto

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Kinderlogik. Heute: der Urlaubskalender

Auch in diesem Jahr erwartet Kind2 wieder voll Ungeduld den Urlaub. Täglich erwacht es mit der Frage “Wann gehn mir in Uuuurlaub?” und es findet “im August” eine äußerst unbefriedigende Antwort. “NEIN JETZT, I WILL JETZT!!!!”.

Damit sich das Kind den Zeitraum bis zur ersehnten Abreise besser vorstellen kann (und um meine Nerven zu schonen), habe ich ihm einen Urlaubsabreißkalender gekritzelt*. Ich hängte das Ding an die Wand und erklärte dem Kind, wie es funktioniert .

Ich: “Da darfst du jetzt jeden Tag einen Zettel abmachen und wenn alle ab sind, fahren wir in den Urlaub.”

K2: “Okeeee. Wenn die alle ab sind, dann fahrn wir??”

Ich (milde): “Ja, Kind2. Dann fahren wir.”

K2 (denkt kurz nach): “Okee. Dann mach ich die JETZT ALLE ab. Dann fahrn wir!”

-.-

Logisch, oder?

Urlaubskalender

Urlaubskalender

*den Tipp gab mir @nightlibrarian vor einem Jahr

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Das trojanische Pferd. Gefüllt mit Zucchini

Zucchinis sind ein ideales Gemüse für die amateurhaft vor sich hinwerkelnde Kleingärtnerin. Es ist pflegeleicht und wächst mit ein bisschen Wasser und ein wenig Kompost einfach so vor sich hin. Man muss es nicht groß pflegen und es ist sehr ertragreich, eine Wonne für das Gärtnerinnenherz. Doch genau das ist auch das Problem, Stichwort Zucchinischwemme. Anfangs des Sommers freuen sich noch alle über die erste eigene Ernte und trompeten stolz “Bei mir wächst schon eine!!!!1!!!11” über den Gartenzaun. Eifrig wird geerntet und gegessen. Es gibt Zucchini gegrillt, gekocht, gebacken. Mit Feta, Rosmarin, Tomaten. In Würfeln, Scheiben und fein gerieben. Keine Grillparty ohne “ich habe eingelegte Zucchini mitgebracht”.

Nähert sich langsam der August, schleicht sich in der bekochten Familie leichter Verdruss ein. “Oh, du hast gekocht, toll! Was gibt es?” … “Was ganz Leckeres. Nudeln mit Tomatensoße.” … “Und was ist das grün-schleimi…äh das grüne Zeug da drin?” … “Nur gaanz bisschen Zucchini” … “Oh. Mh. Ich bin ja nicht so ein Zucchini-Fan, weißt du” – ein leicht gereizter Subtext, der sich anfangs noch gut ignorieren lässt. Doch allmählich beginnt die Familie, die bisher versucht hat, das grüne Gemüse in jeglichem Aggregatzustand irgendwie zu ertragen, zu rebellieren:

“Was kochen wir heute?”
Wir haben im Kühlschrank noch Zucchi…
” ICH WILL PIZZA!!!!
Ah, sehr gut, die können wir doch mit Zucchini beleg…hee, wen rufst du denn an??”
“DEN PIZZABRINGDIENST!1!!11”

Aber es gibt keinen Ausweg, denn das Gemeine an der Zucchini ist ja, dass sie um so mehr produziert, je mehr sie geerntet wird. Wie bei einem Ungeheuer, dem man einen Fangarm abhackt – schwups sind zwei neue da. Lässt man die Zucchini allerdings wachsen, produziert sie Früchte monströsen Umfangs. Es hilft also nichts: Wer Zucchini pflanzt, bekommt Zucchini ohne Ende.

Dieses Jahr machte ich das nicht mit, nein, ich war ganz besonders schlau. Ich habe einfach keine angepflanzt und damit meiner Familie die Pein erspart, sich mit halbsaidenen Ausreden um das Abendessen zu drücken. Während also in den Nachbarsgärten die Zucchini vor sich hinreiften, lehnte ich mich entspannt zurück und wimmelte jeden Versuch, mir eine davon anzudrehen, entschieden ab. Pah, deren Problem. Dachte ich.

Bis eines Tages Nachbar M. im Garten erschien und mir kurz ein Eichhörnchen zeigen wollte, schau mal, da!! HE? HALT!!! Was war das denn!!!! Urplötzlich hatte ich eine Zucchini vom Ausmaß eines Säuglings in den Armen! NEEEEIN, ich will das Ding nicht und schon gar nicht so viel! Doch da war M. bereits verschwunden, irgendwas von “sorry, muss dringend weiter, bei dir ist sie in guten Händen” murmelnd. Auch die anderen Gartengäste machten sich schnell vom Acker und so stand ich da. Alleine. Mit einem Monstrum.

Und nun? Unmöglich, das Ding der Familie in Reinform unterzujubeln, ohne Scheidung, Liebesentzug und einen Berg Pizzakartons zu riskieren. Nein, jetzt war Fantasie gefragt. Was ich brauchte, war ein Trojanisches Pferd. Gefüllt mit Zucchini. Ich setzte einen Hilferuf an das Universum (aka Twitter) ab und wurde erhört: Von Bettina bekam ich den Rat, das Gemüse in einem Schokoladenkuchen zu verstecken. Was für eine geniale, raffinierte Idee! Ich machte mich gleich ans Werk, haute ordentlich Zucchini und Schokolade in den Teig (was ja Sinn macht bei den derzeitigen 34°C) und schob das Ding in den Ofen. Was soll ich sagen: Es hat funktioniert! Das Kind hat den Kuchen gleich morgens zum Frühstück begeistert verputzt und wollte auch zum Abendessen nichts anderes (ist ja Gemüse, also schon ok, oder?). Die Kolleg*innen bekamen welchen zur Kaffeepause (und errieten nur mit massiver Unterstützung, was die Zutaten waren – nachdem sie ihn gegessen hatten, versteht sich). Der Mann war leider auf Dienstreise und ging leer aus. Aus weiteren 400g machte ich Pesto mit ordentlich Knoblauch, das kommt nun überall mit rein, sei es Soße oder Salat.

Nun sind nur noch 700g übrig *seufz*. Wobei, gerade hat der Kindergarten angefragt, wer für das Sommerfest einen Kuchen spenden mag. Ich glaube, ich melde mich mal freiwillig.

 


Hier noch ein paar Rezepttipps, vielen Dank an den tollen Support per Twitter!!!

(Ich habe die Tweets nur verlinkt, weil beim Einbinden immer der vorhergehende Konversationstweet mitangezeigt wird, das wird spätestens bei Nr. 2 nervig.)

Türkische Puffer, aus dem Gemüse, das man nicht nennen darf? Ich mache die mit den Zutaten so wie hier: (@nahtzugabe)

Zum Verstecken ist Aufstrich vielleicht ne gute Idee. Mit ordentlich Dill und Knoblauch. (@loosy83)

Nudelsalat mit fein geraspelteter Zucchini (@strassenelfe)

Wie heißen noch diese ital. Brote mit getrockneten Tomaten & Pepperoni drin? Sowas machen & die Zucchini in den Teig raspeln? (@dorothy_jane)

bei @_frischebrise 3 gefunden: (evtl abändern), und (@moepern)

Ja, Zucchini geraspelt auch in Lasagne-Sauce für Gemüse meidende Kinder. (@kdoerfner)

Das trojanische Pferd!

Das trojanische Pferd!

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Profx. Lann Hornscheidt über geschlechtergerechte Sprache

Ich möchte zum Vortrag von Lann Hornscheidt über geschlechtergerechte Sprache – und komme im Vorfeld immer wieder ins Straucheln, wenn ich FreundInnen davon erzähle. Weil ich nicht weiß, wie ich über Hornscheidt sprechen, welches Pronomen ich verwenden soll. Hornscheidt lehnt die Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter ab und bittet um geschlechtsneutrale Anrede, wie es explizit auf der Website heißt: “Wenn Sie mit Profx. Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, bitte verwenden Sie nicht-geschlechts-binäre Anreden Ihrer Wahl.” Was bedeutet das für das Reden in der 3. Person? Er/sie fällt damit weg, “es” geht auch nicht. Der Vortrag wird das wohl klären.

Hornscheidt ist Professx für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität Berlin. Im Vortrag geht es hauptsächlich darum, wie eine empowernde (also eine selbstermächtigte, nicht fremdbestimmte) Sprache aussehen könnte. Voraussetzung für eine möglichst gerechte Sprache ist zunächst einmal, Selbstbenennungen zu respektieren, Fremdbenennungen zu vermeiden und von Diskriminierung Betroffenen aktiv zuzuhören. Aktiv bedeutet hier: nicht nur da zu sitzen und zu schweigen (und sich heimlich einen Teil dabei denken), sondern ggf. auch nachzufragen, aber eben nicht mit der eigenen Meinung oder eigenen Intention darüberzubügeln (a la: “Aber wenn ich “Student” sage, meine ICH doch ALLE mit”).

Eine empowernde Sprache hat viele Elemente. “Strategische Re-Signifizierungen” zum Beispiel, wenn also Begriffe mit einer neuen Bedeutung belegt werden. Oder das Re-Claiming, die (Wieder-)Aneignung von Begriffen, wie “Weiber” in den 80ern, Dyke, Krüppelfrauen (-lesben) etc. Dazu kommen Neubildungen von Wörtern (wie dyke-trans) oder Wortteilen (wie x/iks). Das x ist zum Beispiel ein Versuch, eine Bezeichnung für Personen zu finden, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen. Mit dem x wird die Zuordnung zu einem Geschlecht praktisch durchkreuzt. Es ist verwendbar als Pronomen und als Endung, mit der das Genus ersetzt wird. Also: Professx oder Studierx (jeweils “iks” ausgesprochen). Daneben gibt es noch unzählige weitere Möglichkeiten, um Menschen anzusprechen, wie den wandernden Unterstrich (Stud_entin) oder das Sternchen (Student*in) oder das generische Femininum. Im Reader der AG Feministisches Sprachhandeln gibt es dazu etliche Beispiele.

“Die” korrekte Sprachregelung, die für alle passt, gibt es nicht, das macht Hornscheidt klar. Es ist vielmehr wichtig, immer im Kontext, in der Situation zu reflektieren und entscheiden, was passt. Eine Sprache, die Geschlecht allgemein neutralisiert, ist nach Hornscheidt nicht das Ziel. Vielmehr soll Sexismus klar benannt werden. So macht es zum Beispiel keinen Sinn, in männerdominierten Bereichen das Gendersternchen zu verwenden und von Präsident*innen der Humboldt-Uni (oder von Deutschland) zu sprechen. Nein, hier sind es ganz klar bisher immer Präsidenten. Jede andere Bezeichnung würde die Machtverhältnisse verschleiern.

Es geht darum, sich darüber klar zu werden, welche Normalisierungen mit Sprache herstellt werden –  ob diese nun intendiert sind oder nicht. Das betrifft natürlich nicht nur den Bereich des Geschlechts, sondern alle Bereiche, die mit Macht und Diskriminierung zusammenhängen. So macht es einen großen Unterschied, ob ich von “Schleusern” (negativ konnotiert) rede oder von “Fluchthelfern” (positiv konnotiert), auch wenn ich vielleicht das gleiche meine.

Die von Hornscheidt vorgestellten Bezeichnungen sind alle als Vorschläge zu verstehen, nicht als Regeln oder Vorschriften. Sie sind allesamt aus politischen Bewegungen, aus der Benutzung heraus entstanden und keine Erfindung aus dem akademischen Elfenbeinturm, was Hornscheidt gerne vorgeworfen wird. Allerdings eignet sich gerade die Universität super für ihre Anwendung, da es ja gerade in der Wissenschaft darum geht, möglichst präzise zu formulieren. Hier darf eins präzise sein! Und das präzise Formulieren ist doch wunderschön, so Hornscheidt.

Welches Pronomen wünscht Hornscheidt nun für sich selbst, fragt eine Person aus dem Publikum während der anschließenden Podiumsdiskussion. Keines bzw. einfach den Namen verwenden oder das x. Derzeit zumindest – denn das kann sich auch wieder ändern.

Dass Hornscheidt – und natürlich auch andere Personen, die sich für eine gerechte Sprache einsetzen – damit auf viel Unverständnis, Wut und sogar Hass stößt, ist krass. Es reicht ein einfaches Googlen, um unzählige Artikel dazu zu finden. Hornscheidt selbst hat für Hasstiraden eine eigene Mailadresse eingerichtet, an die Leute “respektlose, übergriffige, gewaltvolle, ignorante Kommentare” sowie Hinweise, “dass Steuergelder verschwendet werden, Sprache zu erhalten sei, Geschlecht eindeutig nur weiblich oder männlich sei und alles Ähnliche” richten können. Zudem steht dort der Hinweis:

Oder – Sie nehmen sich die Zeit, um was Nettes und Respektvolles stattdessen an eine Person Ihrer Wahl zu schreiben – und schauen mal, wie sich eine solche Handlung anfühlen würde.

Letztendlich geht es doch darum, respektvoll miteinander zu kommunizieren und die Sprache kreativ dafür zu nutzen. Das erfordert natürlich, Gewohnheiten aufzugeben, sich an Neues zu gewöhnen, Privilegien zu hinterfragen – und das holpert sicher eine ganze Zeit lang. Ich finde es zum Beispiel ganz und gar nicht einfach, auf binäre Pronomen zu verzichten, merke ich beim Erzählen auch nach der Veranstaltung. Fangen wir aber jetzt damit an, aufmerksam zu sein, zuzuhören und eine gerechtere Sprache zu verwenden, wachsen die nächsten Generationen in das Praktizieren einer möglichst nicht-diskriminierenden Sprache hinein.

(Ebenfalls zum Thema: Auf dem Weg zu einer gerechten Sprache – zum Vortrag von Luise F. Pusch)

Lann Hornscheidt

Lann Hornscheidt

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Typisch Jungs. Oder?

Neulich. Irgendwo:

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