Warum ich an einem wunderschönen Tag zu Hause blieb

Was für ein Tag! Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht: Bei strahlendem altweibersommerlichem Sonnenschein den ganzen lieben langen Tag zu Hause bleiben. Weder setzte ich einen Fuß vor die Türe noch räumte ich auf oder putzte oder las Bücher. Die Sonne hinderte ich mittels Gardinen daran, allzu penetrant ins Zimmer zu scheinen, und ich stürzte mich kopfüber und ohne den Anflug eines schlechten Gewissens auf die Nähmaschine und saß wie festgetackert 6 h davor fest.

Ermöglicht hatte mir das der Mann, der samt Kind und Freund*innen einen Ausflug unternahm. Seinen Vorschlag, daheim zu bleiben, nahm ich nach 25 Millisekunden Überlegen an (schließlich möchte ich nicht als komplett unsozial gelten, haha).

Am Tag davor hatte ich auf dem Spielplatz das Büchlein “Nähen” von Constanze Derham durchgelesen. Ein prima Einsteigerinnenbuch für Näh-Newbies!  Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht alles verstanden habe – so habe ich das Kapitel über Reißverschlüsse einnähen (ab S. 24) sicher 3x gelesen und nicht kapiert – aber das mag auch daran gelegen haben, dass gefühlt alle 25 Sekunden ein Kind neben mir saß und wollte, dass ich irgendetwas anschaue, mir anhöre oder womöglich mitmache. Außerdem ist “Anleitungen lesen” für mich auch ein bisschen wie Trockenschwimmen. Ich muss es tun und beim Tun kann ich nachschlagen und mich durch Anleitungen wühlen. Aber wie gesagt: Das Buch ist super als Einstieg, schon alleine, weil viele Grundlagen und Fachbegriffe erklärt werden: wie man ein Schnittmuster vermisst, wie die unterschiedlichen Nähnähte heißen, was Blenden, Belege, Einkräuseln etc. ist.

Sehr gespannt habe ich den Projekte-Teil gelesen – hier sind Anleitungen für eigene kleine Nähvorhaben. Besonders gefallen haben mir hier die Taschen, zumal ich gerade einen kleinen Geldbeutel brauche.

Also habe ich mir das als erstes Projekt vorgenommen. Es ist gut beschrieben und für Anfängerinnen ganz gut machbar, finde ich. An Stoffen habe ich das genommen, was hier rumlag: Reste alter Handtücher, zerrissene Hosen von Kind2, ein alter roter 70er-Jahre-Vorhang und als Innenfutter den missratenen Rock aus meinen Ucycling-Näh-Projekt. War er also doch noch für etwas gut. Uralte Reißverschlüsse hatte ich auch noch.

Schon das erste Täschchen sah ganz gut aus, fand ich. So gut, dass ich, berauscht vom Erfolg, gleich ein zweites hinterherschob. Der Mann wollte schließlich auch eines haben. Und ein drittes. Ein viertes. Nunja, es wurden letztendlich 6 Stück. Weil .. Täschchen kann man ja nicht genug haben, oder? Oder: Es.machte.einfach.saumäßig.Spaß!!! So sehr, dass ich in den 6 Stunden weder den Schlafanzug auszog, noch Tee kochte, noch Schokolade aß.

Dafür hörte ich über weite Strecken die Podcasts “In trockenen Büchern” von Alexandra Tobor. Sie stellt in 20 Minuten jeweils ein Sachbuch vor und verknüpft die Inhalte sehr unterhaltsam und interessant mit ihren persönlichen Erfahrungen. Z. B. “Konsumkids” (Susanne Gaschke: “Die verkaufte Kindheit”) über Kinder & Werbung oder über Introversion (Susan Cain: “Die Kraft der Introvertierten”) oder über “Warenästhetik” (Walter Ullrich: “Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung“). Sehr empfehlenswert!

Jetzt freue ich mich schon auf neue Ideen. Wage ich mich schon an Klamotten? Falls jemand Tipps hat für überschaubare Kleinprojekte: Gerne her damit :-). Morgen muss ich allerdings eine kleine Pause einschieben. Der Mann hat frei und ich bin Kind2 auf dem Bauernhof. Auch schön!!!

Täschchen mit den obligatorischen Eulen.

Täschchen aus Vorhang und alter Hose mit den obligatorischen Eulen.

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Sammlung aller Kleinprodukte

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Handtuchtäschchen. Beweis: innendrin befindet sich als Futter der olle braune Rockstoff

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Von hässlicher Hose zum hässlichen Rock – mein 1. DIY-Upcycling-Näh-Projekt

Es war geplant als überschaubares erstes Nähprojekt. Das heißt: Eigentlich war überhaupt nichts daran geplant, es gab nur diese Idee, mir endlich einmal etwas selbst zu nähen. Seit Monaten herrscht hier nämlich Klamottenflaute. Ich kaufe mir keine neuen Sachen mehr, weil mir erstens nichts gefällt, was es so in den 08/15-Läden gibt. Zweites passt mir mit 98%iger Sicherheit das, was mir gefällt, nicht. Und drittens weigert sich mein Gewissen, Zeug zu kaufen, das unter übelsten Bedingungen irgendwo zusammengenäht wurde.  So weit, so klar. Weil ich aber schlecht dauerhaft in meinen mittlerweile ausgeleierten Klamotten das Haus verlassen kann, fing ich an, Second Hand zu kaufen. Wir haben hier einen sehr tollen und ziemlich günstigen Laden. Aber auch das löst ja nicht Problem eins und zwei und mildert höchstens Nummero 3.

Da ich zumindest theoretisch mit Upcycling liebäugele, dachte ich mir, dass ich diese Themen doch gut verbinden könnte. Warum also nicht aus einer alten Hose, die ich sowieso nicht mehr anziehe, einen Rock nähen? Also kurz durch verschiedene Anleitungen gesurft, Nähmaschine rausgeholt, Hosenbeine π mal Daumen abgesäbelt, Naht vorne und hinten aufgetrennt, 2 Dreiecke ausgeschnitten, die ich vorne und hinten einsetzen wollte, und los.

Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass der Unterfaden leer war. Das ist immer so. Aber nicht nur das, die Spulenkapsel wackelte hin und her wie ein Kuhschwanz und machte fürchterliche Geräusche. Also ab in den Nähladen und mir dort die Info geholt, dass die Spulenkapsel hinüber sei und ich meine 20 Jahre alte Nähmaschine gleich ganz entsorgen könne, denn so ein altes Ersatzteil bekomme man eh nicht oder nur mit gaaanz viel Glück. Halbgeknickt zog ich von dannen und bestellte das Teil im Internet, pah, der Nähmaschinenmechaniker hat nämlich alles und lieferte äußerst fix.

Neue Spulenkapsel eingesetzt. Das Ding wackelte wie ein Kuhschwanz und machte üble Geräusche und ich die Erfahrung: Read the fucking manual! Dort kann man bei näherem Hinschauen nämlich einer Abbildung entnehmen, dass man das Ding mit einem Schieber fixieren muss.

Ein paar übel schiefe Nähte, zerklumpte Unterfäden, eine abgebrochene Nadel und viele Flüche später fing ich an, Tutorials anzuschauen. Es gibt da ein paar wirklich schön gemachte bei Pattydoo, genau richtig für totale Anfängerinnen, empfohlen von ringelmiez. Dabei schwante mir so langsam, dass man solche Nähprojekte eventuell ein bisschen planen sollte. Korrekt zuschneiden zum Beispiel. Und dass es hilfreich sein könnte, die Kanten vorm Nähen umzubügeln. Bügeln. Bügeleisen. Mein Bügeleisen, wo war das denn gleich noch? Ich habe 2 Tage lang gesucht, erfolglos. Es war 10 Jahre lang immer in der gleichen Schublade und nun verschwunden. Bis heute. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! Hat sich hier denn alles gegen mich verschworen?

Aber so schnell gebe ich nicht auf, also eines ausgeliehen und weitergemacht. Kanten bügeln, zusammenstecken, nähen, Unterfadenverklumpungen großzügig hinnehmen, die Familie mit nicht-jugendfreien Flüchen tyrannisieren. Hundertfünfzig mal den “Rock” anprobieren, die Erfahrung machen, dass Nähnadeln saumäßig stechen, hundertfünfzig mal die Nähte wieder auftrennen.

Als die Familie kurz davor war auszuziehen, setzte ich den Schlussstich. Zog das Teil an und stellte abschließend fest: Ich habe aus einer hässlichen Hose einen äußert hässlichen Rock genäht. Selbst wenn man die schiefen Nähte ignoriert, geht das Ding gar nicht. Nicht einmal für zuhause. Es spannt am Hintern, wellt sich an den eingesetzten Dreiecken und der Stoff ist nach wie vor hässlich braun.

Also packte ich das Ding kurzerhand in den Altkleidersack. Erfahrung Nr. 3 bis 243: Nähen ist nicht so einfach. Es will geplant sein. Man sollte einigermaßen sauber zuschneiden & arbeiten & vorher den Schreibtisch aufräumen, weil man sonst nicht richtig Platz hat. Es braucht Geduld, viel Zeit und es nützt überhaupt nichts, die Nähmaschine anzuschreien und ihr mit einem Wurf vom Balkon zu drohen.

Frust auf Twitter ablassen, bringt da schon mehr. Nämlich Zuspruch von den #Nähnerds (<3!!!), von denen gleich ein paar zur Stelle waren:

Stimmt. Bei einer meiner ersten Übungsfahrten auf dem Feldweg riss ich zum Entsetzen meines Vaters den Schalthebel seines Opels ab. Ich habe es trotzdem gelernt. Geht doch!

Also, ich gebe hier noch nicht auf! Das wäre doch gelacht. Ich übe. Ich nähe weiter. Und wenn es jetzt erst mal nur Lavendelsäckchen sind. Und Eulen, nunja. Einen sehr zufriedenen Fan habe ich bereits. Kind2 ist von allem begeistert und nimmt meine Produkte freudig entgegen. Und das mit dem Fluchen kriege ich vielleicht auch noch in den Griff (ähm, huhu Schatz?).

Nähprojekt Rock  (urgs) und Eulereien

Nähprojekte Rock (urgs) und Eulereien. Wenigstens alles aus alten Stoffresten.

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Kurzzeitig reich & berühmt. Oder: Ein Comic aus alten Zeiten

Kürzlich saßen wir beim Abendessen mit den Eltern, es gab Fisch & Spinat und ein Rest vom Vortag, und plauderten über dies & das, kamen vom Hüpfelchen zum Tüpfelchen. Über die Mama’sche Bemerkung, sie habe meinen Kindergartenfreund P. gesehen, landeten wir bei meiner Kindheit und ich fragte sie, was ich schon lange mal fragen wollte, nämlich ob sie früher auch stundenlang auf irgendwelchen Spielplätzen herumgesessen und ihrer Brut, also uns, beim Spielen zugesehen habe, was sie mit einem “ja schon”, mein Vater mit einem entschiedenen “achwas, dafür hatten wir doch gar keine Zeit!” beantwortete. Unentschieden also, wobei das Gedächtnis meiner Mutter in solchen Dingen deutlich verlässlicher ist. Wir sprachen über den Kindergarten und die alten Zeiten, als wir in einer Hochhaussiedlung am Rand der Kleinstadt lebten, wo fast jede jede kannte und wo wir Kinder nach dem Kindergarten von Haus zu Haus zogen, um die Freundinnen und Freunde herauszuklingeln. “Ist Peter da?? Darf Patrick raus?” Wir waren alleine unterwegs, das Viertel war ja recht überschaubar, und überhaupt, das war ja früher ganz normal. Der Verkehr war lange nicht so krass wie heute und alle fuhren viel langsamer, wie der Herr Papa behauptete. Wir landeten also gesprächstechnisch beim Verkehr, den vollgeparkten Gehwegen und vierspurigen Straßen, als meine Mutter meinte:

“Da gibt es doch auch so einen Comic, wo ein Kind an einer fetten Straße steht und zu einem anderen ruft: Wie bist du denn da rübergekommen?”.

“Ach was”, sage ich, “und weiter??”

“Stimmt, und dann sagt das andere: Ich wurde hier geboren”, ergänzt der Papa.

“Was ihr nicht sagt” hauche ich und staune über das erstaunlich übereinstimmende elterliche Gedächtnis, “und wo gibt es den?”

“Naja, in einer Zeitung war der”, meinen die Eltern unisono.

“Aha. In einer Zeitung. Und in welcher???”

“Weiß nicht mehr wo, aber wir haben ihn aufgehoben.”

“Na, dann sucht den mal. Da bin ich ja gespannt. DER IST NÄMLICH VON MIR!!1!1!!”

Mein Comic in einer Zeitung! So ein einträchtiges Elterngewissen kann sich wohl kaum täuschen. Ich.bin.berühmt! Oder Moment mal: Mein Comic wurde womöglich geklaut!? “Na wartet, dann klage ich, isch prozessiere!” gröhle ich, da will ich doch mein Stück vom Kuchen abhaben. Ich werde reich!!!!

Der Rest des Abends verläuft unspektakulär.

3 Tage später kommt eine Mail: “Hier ist der Comic als Kopie. Das Original haben wir leider nicht mehr.” Tja, ihr vielleicht nicht. ABER ICH! Gefunden in meiner Erinnerungskiste, die penetrant nach Räucherstäbchen riecht, ganz weit unten zwischen 1989 und 1992 irgendwo. Da ist er: gekritzelt in kleine Kästchen, sogar die Bleistiftvorzeichnung sieht man noch. Eindeutig von mir. Und eindeutig nicht in einer Zeitung. War wohl nichts mit dem Reich-und-berühmt-werden. Schade.

Und hier ist das gute Stück. Auch wenn die künstlerische Entwicklung in den letzten 22-25 Jahren recht übersichtlich geblieben ist, wenigstens veröffentlicht ist es jetzt*. Und überhaupt: Wer liest denn heutzutage noch Zeitungen. Pah.

ruebergekommen*werde ich jetzt berühmt, wenigstens??

 

 

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Mädchen oder Junge oder …?

Das Nuf war einkaufen und regt sich sehr schön über die in “Jungs” und “Mädchen”klamotten aufgeteilte Warenwelt auf. Zum Glück bleibt mir das Shoppen meist erspart, weil wir bisher fast alles von Freundinnen- und Schwesterkindern bekommen. Aber natürlich fällt mir das Rosa-hellblau-glitzer-Bagger-Gedöns auch überall auf, auf jedem Spielplatz, im Kindergarten, auf der Straße.

Ich habe hier mal ein Kindergartenbild aus den 70ern. Pullis in rot, gelb, grün. Latzhosen, Pullunder. Und ein sehr hübscher Topfschnitt. Bei fast allen Kindern. So. Und jetzt sagt mir mal, was hier Weiblein, Männlein oder sonstiges ist:

Was ist was?

Was ist was?

Ich stehe übrigens oben links.

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Freundinnenbesuch. Früher und heute.

Früher, wenn die Freundin zu Besuch war, saßen wir stundenlang auf dem Sofa, tranken Tee, quatschten die Welt- und Beziehungsgeschichte durch, schlürften Eiskaffee in der Sonne, wanderten durch Berg und Tal, verbrachten die Nächte mit Chips, Wein und Zigaretten. Und am nächsten Tag schliefen wir gemütlich aus und ließen uns in den neuen Tag treiben.

Das mit dem Wein und den Chips haben wir dieses Mal auch wieder versucht. Sündhaft lange, so bis Mitternacht also ungefähr. Sie wissen wahrscheinlich, wie es ist, wenn unausgeschlafenen Müttern frühmorgens drei Kinder auf dem Kopf herumhüpfen? Wenn Sie schlaftrunkend ins Bad torkeln und Ihnen aus dem Spiegel ein zerknittertes Wesen entgegenblickt, das Sie keinesfalls näher kennenlernen möchten? Wenn Sie froh sind, Ihren Morgenkaffee nicht komplett ins Bett zu verschütten, weil die Kinder bereits Turnübungen darauf machen? Wenn Ihnen noch mindestens 12 Stunden Action, Futter organisieren, Nasen putzen, Popos abwischen, Fragen beantworten, Streit schlichten, Genörgel aushalten, Gekreische, Gehopse etc. pp. von überdrehten Bestands- und Besuchskindern bevorstehen, bis Sie sich wieder hinlegen können? Bzw. hinlegen könnten, denn sind die Plagen die lieben Kleinen im Bett, können Sie sich schlecht gleich danebenlegen und den Abend verschnarchen, nein, Sie müssen die raren Ruhestunden nutzen, um all das, was tagsüber im Kindertrubel unterging und von zahllosen MAAAMAAA-Rufen unterbrochen wurde, nun noch zu besprechen. Und schwups ist es schon wieder Mitternacht! Und noch schneller ist es wieder Morgen und kleine Kinder sitzen auf Ihrem Kopf und in Ihrem Badezimmerspiegel wohnt ein Monster … ach, lassen wir das.

In den wenigen Verschnaufpausen denken wir an früher. Was war das gemütlich. Weißt du noch, damals, als wir eiskaffeeschlürfend in der Sonne saßen und stundenlang das Weltgeschehen durchplauderten?

Aber so ist das halt. Früher war ja auch mehr Lametta. Nicht wahr?

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After-“Besuch-von-der Freundin-mit-Familie”-Symbolbild mit Kind2

 

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Fragen über Fragen – Blogstöckchentag

Heute ist Blogstöckchentag, gleich zwei wurden mir zugetragen, vielen Dank. Eines kommt von gluecklich scheitern, deren Blog zu den ersten gehört, die ich überhaupt gelesen habe. Das andere von Craftingmom, deren Blog ich erst vor Kurzem entdeckt habe. Ihre Blogbeschreibung musste ich zweimal lesen, bis es mir ins Hirn sackte: Sie hat sage und schreibe 6 Kinder und schafft es zudem, 1000 kreative Dinge machen. Sehr beeindruckend finde ich!!!

Hier also die Fragen von gluecklich scheitern:

1. welche feste (karneval, st. martin, weihnachten…) sind dir mit kind wieder ans herz gewachsen (oder auch nicht) – wie feierst du/ ihr zum beispiel weihnachten (oder schreibe von einem anderen fest, das dir besonders gefällt)?
Mit Kind1 waren Weihnachten & Ostern immer besondere Feste. Weihnachten, weil wir da die 600 km auf uns nahmen, um zur Großfamilie zu fahren und – same procedure as every year – gemeinsam zu feiern. Fondue, Weihnachtsbaum, Geschenke. Ostern waren wir auch meist bei der Familie, Karneval gab es im Norden ja nicht so richtig, das wurde eigentlich nur im Kindergarten/in der Schule gefeiert. Mit den Jahren, als Kind1 größer wurde, verloren die Feste an Wichtigkeit, außer Weihnachten, das habe ich immer mit Kind1 gefeiert.

Mit Kind2 haben wir bisher erst ein Weihnachtsfest so richtig im Großfamilienverband gefeiert (zweimal waren wir im Ausland). Es war gleichzeitig das letzte mit Oma. Wir waren beim Fasnetsumzug (den das Kind2 gruselig, aufgrund der Bonbons dann aber zunehmend interessant fand), Ostern fiel eher aus.

So richtig schön finde ich ja die Vorweihnachtszeit. Traditionell backe ich als Adventskalendertante mit den Nichten Plätzchen (und trinke Sekt mit der Schwester). Ich mag die Kerzen-Tee-Wolldeckenzeit ganz gerne und erinnere mich auch gerne an meine eigene Kindheit zurück.

2. Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konntest?
Bei Nummer 1 war es ein großes Staunen über dieses winzigkleine Wunder, das da plötzlich neben mir lag. Viel Ruhe war zwar nicht – ich wohnte damals in einer WG und das Leben dort drehte sich einfach weiter, nebenan wurde ausgiebig gefeiert (nicht die Geburt). Aber für mich in meiner kleinen Blase stand die Welt ein Weilchen still.

Bei Nr. 2 war die Höhlenzeit einfach wunderschön. Wir zogen uns zu dritt zurück, lebten ca. 10 Tage im Bett, aßen Kuchen, empfingen die Hebamme und insgesamt nur sehr wenig Besuch. Das schönste war, ganz ehrlich, wie der Mann immer wieder “hach, ist das schön!!” seufzte, das Baby auf seinem Bauch.

3. Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?
Kommt sehr auf die Situation an. Wenn die Kinder einigermaßen vergleichbar stark/blöd/fordernd im Streit sind, lasse ich sie das untereinander ausmachen und ignoriere die Blicke in meine Richtung. Ich greife ein, wenn es ein Ungleichgewicht gibt, wenn eines davon Schutz sucht. Schwierig finde ich so Situationen wie “Ihr Kind da blockiert die Schaukel, meines will auch mal rutschen.” Da geht mir ziemlich schnell innerlich der Hut hoch, zumal wenn die Kinder offensichtlich gut damit klar kommen. Je nach Laune und Gelassenheit versuche ich das zu klären – oder greife dann halt doch ein.

4. Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)
Ja. Oft. Das ist ein Dauerthema hier. Und schon lange geplantes Thema für einen eigenen Beitrag. Wir leben als Kleinfamilie in einer nicht sehr kinderreichen Gegend und wünschen uns beide mehr Familien um uns rum. Leider ist hier alles so arschteuer, dass die Suche nach Alternativen schwer ist. Bliebe noch, ganz wegzuziehen, was mir schwer fallen würde, da meine Geschwister + Nichten hier leben und ich die Gegend einfach sehr mag.

5. hat dich das muttersein politisiert, wenn ja – in welchen bereichen, wie äußert sich das?
Mmmh, nun ist die Kleinkindzeit von Kind1 ja schon ziemlich lange her. Gleichberechtigung war schon vorher ein Thema für mich (das hieß damals noch nicht Feministin, sondern Emanze, hihi), weshalb ich mir auch eigentlich nichts anderes als zumindest ein 50/50-Modell vorstellen konnte. Hat nicht geklappt (das habe ich hier mal beschrieben). Ich empfand dieses “als-Mama-bin-ich-wohl-zuständig-für-den-Großteil-der-Reproduktionsarbeit” als hochgradig ungerecht. Ich habe tonnenweise Literatur aus der Frauenbewegung gelesen, was den Alltag nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Das Mama-sein hat mich sicher stark für feministische Themen sensibilisiert (wobei ich natürlich nicht weiß, ob das nicht sowieso passiert wäre …).

6. kinder bringen oft den gedanken an die zukunft mit. zukunft wie in: wie lange reichen die ressourcen unseres planeten noch (platt gesagt). hat sich dein konsum-/kauf-/essverhalten geändert, seit du kinder hast? denkst du über solche themen nach?
Naja, sagen wir so: In meiner Jugend war ich mir sicher, in diese irre Welt (es war die Zeit der Aufrüstung, Tschernobyl etc.) kein Kind setzen zu wollen. Kann man ja nicht verantworten so was. Dann kam Kind1 und mit ihm konnte ich zumindest meine persönliche Zukunft etwas weniger düster sehen.

Ich denke viel über solche Themen nach, ja. Ich versuche z. B., möglichst zu “konsumieren” in dem Sinne, dass ich Dinge, die ich kaufe, auch wirklich verbrauche. Das beschreibt Harald Welzer in “Selbst denken” sehr schön (S. 26): dass immer mehr Produkte gar nicht mehr konsumiert werden, sondern gekauft, um sie danach zu entsorgen. 30 % der Nahrungsmittel zum Beispiel. Und natürlich vieles mehr. Das gelingt mir / uns so halb-gut. Wir schmeißen immer noch zu viel weg.

7. auf welche erkenntnis im leben mit kind(ern) hättest du gerne verzichten können?
Dass Kinder hierzulande doch recht häufig als Störenfriede wahrgenommen werden. Und wenn etwas schief läuft, sind erst mal die Eltern schuld. Minikleines alltägliches Beispiel: wütendes (lautes Kind) im Einkaufszentrum = schlecht erzogen. Dass es 1001 Gründe geben kann, warum es weint, ist an dieser Stelle egal. Es wird einfach superschnell ge- und verurteilt (und entsprechend kommentiert).

8. urlaub mit kindern – eher hütte in holland oder dschungeltour im amazonas, wie hat sich dein/euer reiseverhalten geändert?
Ich liebe es, von Ort zu Ort zu ziehen. Ob mit VW-Bus oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat bisher auch sehr gut geklappt. Wir waren im Dschungel – allerdings nicht komplett blauäugig, sondern mit Guide. Wir waren in einer Ferienwohnung auf Gomera (tendenziell bisschen langweilig), in der Hohen Tatra auf diversen Bergspitzen, in der Türkei, in den National Parks der USA. Es geht vieles mit Kind, finde ich, und es kommt sehr auf die eigenen Interessen, die eigene Lust am Ausprobieren und auf das Alter der Kinder und deren Bedürfnisse an.

9. wenn dir eine frische schwangere begegnet und dich ausdrücklich um rat und tips bittet: was wären die drei wichtigsten ratschläge/tips fürs elternwerden, die dir am herzen liegen?
Nimm Rat an, wenn er dir passend erscheint. Lass ansonsten die anderen Leute labern und mache es so, wie du es für dich und dein Kind richtig findest.

10. die eltern anderer kinder: segen oder fluch?
Mal so mal so, oder? Es gibt ja äußerst nette Leute, die Eltern sind. Und welche, die es nicht sind …

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Und hier noch die Fragen von Craftingmom:

1. Hast du Geschwister?
Ja, Schwester & Bruder

2. Welche Person würdest du gerne mal kennenlernen?
So einige Bloggerkolleginnen!

3. Was ist dein Lieblingsgetränk?
Kaffee, Tee, (alkoholfreies) Bier (Lammsbräu, lecker!)

4. Welche ist deine Lieblings-Website?
Da kann ich mich nie und nimmer auf eine festlegen! Mir gefallen meist einzelne Beiträge (siehe auch meine Blogrolle, da ist eine Auswahl meiner Leseliste).

5. Beschreib dich mit 3 Wörtern :-)
Hilfe! (war das jetzt schon eines?)

6. Was war dein liebstes Fach in der Schule?
Schule? Das war das mit dem Stillsitzen und versuchen, nicht einzuschlafen, oder? Ich glaube: Religion. Aber auch nur deshalb, weil ich zwischenzeitlich mal eine gute Lehrerin hatte, bei der interessante Dinge diskutiert wurden.

7. Gibt es etwas Verrücktes, dass du unbedingt mal machen möchtest?:-P
Es ist zwar nicht wirklich verrückt, aber ein Wunsch: Ich würde gerne mal im Grand Canyon unten wandern.

8. Gehst du gerne ins Kino? Wenn ja, welchen Film hast du zuletzt gesehen?
Ich gehe gerne ins Kino, aber sehr selten. Letzte Woche war ich in “Feuerwerk am helllichten Tage”, das war eher Zufall. Eigentlich wollte ich in Grand Budapest Hotel, das mir über Twitter empfohlen wurde. Leider lief das aber im Furzkino und war fast ausverkauft. Letztendlich war ich aber froh darüber, mir hat der Film nämlich gut gefallen!

9. Welches ist dein Lieblingszitat?
“Nicht jedes Auto, das hupt, meint dich” <– das ist mir aus irgendeinem Blogeintrag von Das Nuf hängengeblieben. Gefällt mir gut. Leider weiß ich die genaue Quelle nicht mehr.

10. Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du unbedingt noch machen wollen?
Die Frage überfordert mich, ganz ehrlich. Wahrscheinlich Abschied nehmen von meinen Lieben. Ich hoffe, es dauert noch lange, bis es so weit ist.

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So, uff. Verzeiht, wenn ich mir keine eigenen Fragen ausdenke, ich bin zu faul. Ich gebe die Fragen von gluecklich scheitern einfach unverändert weiter, weil sie mir gefallen und zum Nachdenken angeregt haben. Und zwar völlig unverbindlich an:

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Wohin mit der Kinderkacke?

Es ist ja so, dass die Windelzeit auch Vorteile hat. Recht kleine. Aber nicht zu unterschätzende: Die kindlichen Ausscheidungen lassen sich bequem* und sauber* entsorgen: Windel zu und weg damit! (*Sie merken, bei mir tritt nach nur wenigen windelfreien Wochen bereits eine verklärende Vergangenheitsbetrachtung ein, aber nunja).

Mit einem windelfreien Kind steht man dagegen vor ganz anderen Herausforderungen, vor allem im öffentlichen Raum. Nun habe ich ja kein Problem damit, das Kind gegen einen Baum oder sonstwohin machen zu lassen.** Millionen Hunde in dieser Stadt dürfen das schließlich auch. An manchen Orten ist es aber tatsächlich nicht so toll, wenn die Verdauungsprodukte vermehrt auftreten. Auf Spielplätzen zum Beispiel.

Spielplätze sind Orte, an denen naturgemäß viele Kinder anzutreffen sind, vor allem kleine. Also welche in dem Alter, in dem vom “MaMAA-PAPAa-Tante-ich-muss-PIPII-KACKAAA!” bis zur Umsetzung nur wenige Minuten, ach was Sekunden verstreichen. Noch schnell nach Hause ist nicht drin, ebenso wenig, eine öffentliche Toilette zu suchen. Womit ich beim Thema wäre. In der Regel, oder sagen wir: in unserer kleinen Großstadt, findet sich in der Nähe von Kinderspielplätzen nie ein Klo. Weit und breit keines! Nein, es bleibt nichts anderes übrig, als das Kind zum nächstgelegenen Baum zu lotsen, Hose runter – und los! So sind die hiesigen Spielplätze ringsum markiert  … man mag sich das gar nicht bildlich vorstellen. Zum Verstecken spielen eignet sich das umliegende Gebüsch, soweit vorhanden, jedenfalls weniger.

Tja, und wenn die Begleitperson mal muss, dann heißt es notgedrungen irgendwann “Kiiiinder, wir geeeehen! ….. SOFOOORT!!!”

Deshalb bin ich für die Einrichtung von Klos auf Spielplätzen. So wie ich es in den USA auf fast jedem Spielplatz gesehen habe, den wir besuchten (und das waren viele). Da gab es meist sogar noch Grillstellen dabei und überdachte Sitzbänke, grandios. Und bis man alle ABERs (schon klar: Sauberkeit, Kosten, blabla) diskutiert aus dem Weg geräumt und die Klos aufgebaut hat, könnte man als Zwischenlösung mal diese tollen Tütenautomaten aufstellen, die man aus der Hundebranche kennt. Kinderkacke rein – und weg damit. Dann kann man im Gebüsch auch wieder prima Verstecken spielen.

**Bevor hier eine_r meckert: Selbstverständlich versuche ich, das “Produkt” dann möglichst irgendwie einzupacken und in den Müll zu werfen. Wenn es allerdings neben 3 Dutzend anderen liegt, dann nicht.

Tütchen

Ein besonders hübsches Tütchen-Expemplar

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