Fragen über Fragen – Blogstöckchentag

Heute ist Blogstöckchentag, gleich zwei wurden mir zugetragen, vielen Dank. Eines kommt von gluecklich scheitern, deren Blog zu den ersten gehört, die ich überhaupt gelesen habe. Das andere von Craftingmom, deren Blog ich erst vor Kurzem entdeckt habe. Ihre Blogbeschreibung musste ich zweimal lesen, bis es mir ins Hirn sackte: Sie hat sage und schreibe 6 Kinder und schafft es zudem, 1000 kreative Dinge machen. Sehr beeindruckend finde ich!!!

Hier also die Fragen von gluecklich scheitern:

1. welche feste (karneval, st. martin, weihnachten…) sind dir mit kind wieder ans herz gewachsen (oder auch nicht) – wie feierst du/ ihr zum beispiel weihnachten (oder schreibe von einem anderen fest, das dir besonders gefällt)?
Mit Kind1 waren Weihnachten & Ostern immer besondere Feste. Weihnachten, weil wir da die 600 km auf uns nahmen, um zur Großfamilie zu fahren und – same procedure as every year – gemeinsam zu feiern. Fondue, Weihnachtsbaum, Geschenke. Ostern waren wir auch meist bei der Familie, Karneval gab es im Norden ja nicht so richtig, das wurde eigentlich nur im Kindergarten/in der Schule gefeiert. Mit den Jahren, als Kind1 größer wurde, verloren die Feste an Wichtigkeit, außer Weihnachten, das habe ich immer mit Kind1 gefeiert.

Mit Kind2 haben wir bisher erst ein Weihnachtsfest so richtig im Großfamilienverband gefeiert (zweimal waren wir im Ausland). Es war gleichzeitig das letzte mit Oma. Wir waren beim Fasnetsumzug (den das Kind2 gruselig, aufgrund der Bonbons dann aber zunehmend interessant fand), Ostern fiel eher aus.

So richtig schön finde ich ja die Vorweihnachtszeit. Traditionell backe ich als Adventskalendertante mit den Nichten Plätzchen (und trinke Sekt mit der Schwester). Ich mag die Kerzen-Tee-Wolldeckenzeit ganz gerne und erinnere mich auch gerne an meine eigene Kindheit zurück.

2. Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konntest?
Bei Nummer 1 war es ein großes Staunen über dieses winzigkleine Wunder, das da plötzlich neben mir lag. Viel Ruhe war zwar nicht – ich wohnte damals in einer WG und das Leben dort drehte sich einfach weiter, nebenan wurde ausgiebig gefeiert (nicht die Geburt). Aber für mich in meiner kleinen Blase stand die Welt ein Weilchen still.

Bei Nr. 2 war die Höhlenzeit einfach wunderschön. Wir zogen uns zu dritt zurück, lebten ca. 10 Tage im Bett, aßen Kuchen, empfingen die Hebamme und insgesamt nur sehr wenig Besuch. Das schönste war, ganz ehrlich, wie der Mann immer wieder “hach, ist das schön!!” seufzte, das Baby auf seinem Bauch.

3. Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?
Kommt sehr auf die Situation an. Wenn die Kinder einigermaßen vergleichbar stark/blöd/fordernd im Streit sind, lasse ich sie das untereinander ausmachen und ignoriere die Blicke in meine Richtung. Ich greife ein, wenn es ein Ungleichgewicht gibt, wenn eines davon Schutz sucht. Schwierig finde ich so Situationen wie “Ihr Kind da blockiert die Schaukel, meines will auch mal rutschen.” Da geht mir ziemlich schnell innerlich der Hut hoch, zumal wenn die Kinder offensichtlich gut damit klar kommen. Je nach Laune und Gelassenheit versuche ich das zu klären – oder greife dann halt doch ein.

4. Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)
Ja. Oft. Das ist ein Dauerthema hier. Und schon lange geplantes Thema für einen eigenen Beitrag. Wir leben als Kleinfamilie in einer nicht sehr kinderreichen Gegend und wünschen uns beide mehr Familien um uns rum. Leider ist hier alles so arschteuer, dass die Suche nach Alternativen schwer ist. Bliebe noch, ganz wegzuziehen, was mir schwer fallen würde, da meine Geschwister + Nichten hier leben und ich die Gegend einfach sehr mag.

5. hat dich das muttersein politisiert, wenn ja – in welchen bereichen, wie äußert sich das?
Mmmh, nun ist die Kleinkindzeit von Kind1 ja schon ziemlich lange her. Gleichberechtigung war schon vorher ein Thema für mich (das hieß damals noch nicht Feministin, sondern Emanze, hihi), weshalb ich mir auch eigentlich nichts anderes als zumindest ein 50/50-Modell vorstellen konnte. Hat nicht geklappt (das habe ich hier mal beschrieben). Ich empfand dieses “als-Mama-bin-ich-wohl-zuständig-für-den-Großteil-der-Reproduktionsarbeit” als hochgradig ungerecht. Ich habe tonnenweise Literatur aus der Frauenbewegung gelesen, was den Alltag nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Das Mama-sein hat mich sicher stark für feministische Themen sensibilisiert (wobei ich natürlich nicht weiß, ob das nicht sowieso passiert wäre …).

6. kinder bringen oft den gedanken an die zukunft mit. zukunft wie in: wie lange reichen die ressourcen unseres planeten noch (platt gesagt). hat sich dein konsum-/kauf-/essverhalten geändert, seit du kinder hast? denkst du über solche themen nach?
Naja, sagen wir so: In meiner Jugend war ich mir sicher, in diese irre Welt (es war die Zeit der Aufrüstung, Tschernobyl etc.) kein Kind setzen zu wollen. Kann man ja nicht verantworten so was. Dann kam Kind1 und mit ihm konnte ich zumindest meine persönliche Zukunft etwas weniger düster sehen.

Ich denke viel über solche Themen nach, ja. Ich versuche z. B., möglichst zu “konsumieren” in dem Sinne, dass ich Dinge, die ich kaufe, auch wirklich verbrauche. Das beschreibt Harald Welzer in “Selbst denken” sehr schön (S. 26): dass immer mehr Produkte gar nicht mehr konsumiert werden, sondern gekauft, um sie danach zu entsorgen. 30 % der Nahrungsmittel zum Beispiel. Und natürlich vieles mehr. Das gelingt mir / uns so halb-gut. Wir schmeißen immer noch zu viel weg.

7. auf welche erkenntnis im leben mit kind(ern) hättest du gerne verzichten können?
Dass Kinder hierzulande doch recht häufig als Störenfriede wahrgenommen werden. Und wenn etwas schief läuft, sind erst mal die Eltern schuld. Minikleines alltägliches Beispiel: wütendes (lautes Kind) im Einkaufszentrum = schlecht erzogen. Dass es 1001 Gründe geben kann, warum es weint, ist an dieser Stelle egal. Es wird einfach superschnell ge- und verurteilt (und entsprechend kommentiert).

8. urlaub mit kindern – eher hütte in holland oder dschungeltour im amazonas, wie hat sich dein/euer reiseverhalten geändert?
Ich liebe es, von Ort zu Ort zu ziehen. Ob mit VW-Bus oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat bisher auch sehr gut geklappt. Wir waren im Dschungel – allerdings nicht komplett blauäugig, sondern mit Guide. Wir waren in einer Ferienwohnung auf Gomera (tendenziell bisschen langweilig), in der Hohen Tatra auf diversen Bergspitzen, in der Türkei, in den National Parks der USA. Es geht vieles mit Kind, finde ich, und es kommt sehr auf die eigenen Interessen, die eigene Lust am Ausprobieren und auf das Alter der Kinder und deren Bedürfnisse an.

9. wenn dir eine frische schwangere begegnet und dich ausdrücklich um rat und tips bittet: was wären die drei wichtigsten ratschläge/tips fürs elternwerden, die dir am herzen liegen?
Nimm Rat an, wenn er dir passend erscheint. Lass ansonsten die anderen Leute labern und mache es so, wie du es für dich und dein Kind richtig findest.

10. die eltern anderer kinder: segen oder fluch?
Mal so mal so, oder? Es gibt ja äußerst nette Leute, die Eltern sind. Und welche, die es nicht sind …

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Und hier noch die Fragen von Craftingmom:

1. Hast du Geschwister?
Ja, Schwester & Bruder

2. Welche Person würdest du gerne mal kennenlernen?
So einige Bloggerkolleginnen!

3. Was ist dein Lieblingsgetränk?
Kaffee, Tee, (alkoholfreies) Bier (Lammsbräu, lecker!)

4. Welche ist deine Lieblings-Website?
Da kann ich mich nie und nimmer auf eine festlegen! Mir gefallen meist einzelne Beiträge (siehe auch meine Blogrolle, da ist eine Auswahl meiner Leseliste).

5. Beschreib dich mit 3 Wörtern :-)
Hilfe! (war das jetzt schon eines?)

6. Was war dein liebstes Fach in der Schule?
Schule? Das war das mit dem Stillsitzen und versuchen, nicht einzuschlafen, oder? Ich glaube: Religion. Aber auch nur deshalb, weil ich zwischenzeitlich mal eine gute Lehrerin hatte, bei der interessante Dinge diskutiert wurden.

7. Gibt es etwas Verrücktes, dass du unbedingt mal machen möchtest?:-P
Es ist zwar nicht wirklich verrückt, aber ein Wunsch: Ich würde gerne mal im Grand Canyon unten wandern.

8. Gehst du gerne ins Kino? Wenn ja, welchen Film hast du zuletzt gesehen?
Ich gehe gerne ins Kino, aber sehr selten. Letzte Woche war ich in “Feuerwerk am helllichten Tage”, das war eher Zufall. Eigentlich wollte ich in Grand Budapest Hotel, das mir über Twitter empfohlen wurde. Leider lief das aber im Furzkino und war fast ausverkauft. Letztendlich war ich aber froh darüber, mir hat der Film nämlich gut gefallen!

9. Welches ist dein Lieblingszitat?
“Nicht jedes Auto, das hupt, meint dich” <– das ist mir aus irgendeinem Blogeintrag von Das Nuf hängengeblieben. Gefällt mir gut. Leider weiß ich die genaue Quelle nicht mehr.

10. Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du unbedingt noch machen wollen?
Die Frage überfordert mich, ganz ehrlich. Wahrscheinlich Abschied nehmen von meinen Lieben. Ich hoffe, es dauert noch lange, bis es so weit ist.

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So, uff. Verzeiht, wenn ich mir keine eigenen Fragen ausdenke, ich bin zu faul. Ich gebe die Fragen von gluecklich scheitern einfach unverändert weiter, weil sie mir gefallen und zum Nachdenken angeregt haben. Und zwar völlig unverbindlich an:

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Wohin mit der Kinderkacke?

Es ist ja so, dass die Windelzeit auch Vorteile hat. Recht kleine. Aber nicht zu unterschätzende: Die kindlichen Ausscheidungen lassen sich bequem* und sauber* entsorgen: Windel zu und weg damit! (*Sie merken, bei mir tritt nach nur wenigen windelfreien Wochen bereits eine verklärende Vergangenheitsbetrachtung ein, aber nunja).

Mit einem windelfreien Kind steht man dagegen vor ganz anderen Herausforderungen, vor allem im öffentlichen Raum. Nun habe ich ja kein Problem damit, das Kind gegen einen Baum oder sonstwohin machen zu lassen.** Millionen Hunde in dieser Stadt dürfen das schließlich auch. An manchen Orten ist es aber tatsächlich nicht so toll, wenn die Verdauungsprodukte vermehrt auftreten. Auf Spielplätzen zum Beispiel.

Spielplätze sind Orte, an denen naturgemäß viele Kinder anzutreffen sind, vor allem kleine. Also welche in dem Alter, in dem vom “MaMAA-PAPAa-Tante-ich-muss-PIPII-KACKAAA!” bis zur Umsetzung nur wenige Minuten, ach was Sekunden verstreichen. Noch schnell nach Hause ist nicht drin, ebenso wenig, eine öffentliche Toilette zu suchen. Womit ich beim Thema wäre. In der Regel, oder sagen wir: in unserer kleinen Großstadt, findet sich in der Nähe von Kinderspielplätzen nie ein Klo. Weit und breit keines! Nein, es bleibt nichts anderes übrig, als das Kind zum nächstgelegenen Baum zu lotsen, Hose runter – und los! So sind die hiesigen Spielplätze ringsum markiert  … man mag sich das gar nicht bildlich vorstellen. Zum Verstecken spielen eignet sich das umliegende Gebüsch, soweit vorhanden, jedenfalls weniger.

Tja, und wenn die Begleitperson mal muss, dann heißt es notgedrungen irgendwann “Kiiiinder, wir geeeehen! ….. SOFOOORT!!!”

Deshalb bin ich für die Einrichtung von Klos auf Spielplätzen. So wie ich es in den USA auf fast jedem Spielplatz gesehen habe, den wir besuchten (und das waren viele). Da gab es meist sogar noch Grillstellen dabei und überdachte Sitzbänke, grandios. Und bis man alle ABERs (schon klar: Sauberkeit, Kosten, blabla) diskutiert aus dem Weg geräumt und die Klos aufgebaut hat, könnte man als Zwischenlösung mal diese tollen Tütenautomaten aufstellen, die man aus der Hundebranche kennt. Kinderkacke rein – und weg damit. Dann kann man im Gebüsch auch wieder prima Verstecken spielen.

**Bevor hier eine_r meckert: Selbstverständlich versuche ich, das “Produkt” dann möglichst irgendwie einzupacken und in den Müll zu werfen. Wenn es allerdings neben 3 Dutzend anderen liegt, dann nicht.

Tütchen

Ein besonders hübsches Tütchen-Expemplar

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Die fragende Freundin

Ich habe da so eine Freundin, die ist ein bisschen schüchtern. Sie wälzt gerne Probleme, macht sich viele Gedanken, traut sich aber meist nicht, um Hilfe zu fragen. Das gibt sie gerne geschickt ab. “Frag du doch mal, was man da machen kann!” Und da ich bekanntlich ein hilfsbereiter Mensch bin, gebe ich die Frage dann gerne mal an ein Expert*innenteam weiter (ich weiß ja schließlich auch nicht alles). Manchmal ist das ein bisschen peinlich, aber was tut man nicht alles für die Freundschaft.

Sehr erleichternd ist ja, dass ich damit nicht alleine bin. Noch andere scheinen etwas unbeholfene Freundinnen zu haben, wie dieser miniwinzigkleine Ausschnitt einer großartigen Dokumentation der Zeitgeschichte (auch Twitter genannt) zeigt:

Den fragenden Freund gibt es übrigens auch, wenn auch, wie mir scheint, nicht ganz so oft (aber da kann ich mich filterbubblebedingt auch täuschen):

Und nun entschuldigt mich, ich muss meiner Freundin helfen, die Weihnachtsdeko abzuhängen.

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Die Bücher und ich. Wie und was ich lese.

Sommerzeit – Bücherzeit, schreibt Momatka, und erinnert sich an lange Sommer, die nur dem Lesen gewidmet waren. “Ja, das war einmal. Und schön war es … Statt fauler Tage auf dem Balkon zu schmökern, heißt es nun Spielplatz, Schwimmbad, Zoo (oder Arbeiten!!)”. Ich erinnere mich auch noch verschwommen an die Zeiten, in denen ich wochenends oder in den Ferien auf dem Sofa lag und ein Buch nach dem anderen wie im Flow in mich hineinsaugte. Aufstehen nur, wenn der Tee alle war oder die Blase drückte. Ansonsten las ich, was das Zeug hielt. Ja, das ist sehr lange her.

Mit Kind1, ich war 20, waren die ausgiebigen Leseorgien erst einmal vorbei. Lange Zeit maß ich das Zurückgewinnen von Freiräumen daran, wie viel ich wieder am Stück lesen konnte. Ohne dass ich ständig wegen “Rabbäääh, mir is langweilig, ich hab Durst, Maaaamaaaa, AAAAAAUAAAA” vom Sofa musste. Es dauerte ein paar Jahre, aber die Lesefreiheit kam wieder. Es gab Urlaube, in denen Kind1 und ich stundenlang auf irgendeinem Handtuch am Strand lagen, unter einem Sonnenschirm aus zerfetzten Palmwedeln, und ein Buch nach dem anderen inhalierten. Meistens nahm ich mir ein paar Krimis mit und 1-2 fette Wälzer, die im Alltag keine Chance gegen die herabfallenden Augenlider am Abend hatten.

Es kamen mit den Jahren die Zeiten zurück, in denen ich am Wochenende morgens schlaftrunken in die Küche schlappte, einen Kaffee machte und zurück ins Bett zog, um mein Buch weiterzulesen. Das Kind schlief eh bis in die Puppen und war froh, nicht geweckt zu werden.

Mit Kleinkind2 sind die Lesezeiten nun wieder äußerst limitiert. Abends im Bett schaffe ich oft gerade so 4 Seiten, bis mir das Buch auf die Nase kippt, ich kurz aufschrecke und das Licht lösche. Am nächsten Abend lese ich zwei davon noch einmal in der festen Überzeugung, sie noch nie zuvor gelesen zu haben. Leider führt das dazu, dass ich nur bedingt mitkriege, ob die gelesene Literatur nun eine anspruchsvolle welche ist oder nicht. Ich bin froh, wenn ich der Story folgen kann.

Ich lese meistens das, was mir über den Weg läuft – nach dem Überraschungseiprinzip – und das geht so:

1. Ich finde Bücher in Verschenkkisten auf der Straße. Davon gibt’s bei uns in der Gegend ziemlich viele.

2. Ein kleiner alternativer Buchladen hier im Ort hat draußen immer eine Kiste mit reduzierten Büchern stehen. Da sind meistens Sachen dabei, die nicht besonders mainstreammäßig sind.

3. Ich bekomme Bücher von Freund*innen geschenkt oder geliehen.

4. Ich habe sie seit Urzeiten im Regal stehen.

5. Neu gekauft habe ich mir in letzter Zeit nur Sachbücher. “Darm mit Charme” von Giulia Enders oder “Selbst denken” von Harald Welzer, die ich beide sehr empfehlen kann.

Die Bücher suche ich meistens so ähnlich aus, wie ich Wein kaufe: Mir müssen Titel und Umschlag gefallen. Peinlich, aber wahr. Dann lese ich noch die ersten paar Sätze der ersten Seite. Wenn das ok klingt, nehme ich es mit bzw. entscheide mich dafür, es zu lesen. Den Umschlagstext lese ich eigentlich nie. Mich nervt, dass dort oft schon wesentliche Inhalte verraten werden (besonders bei Krimis höchst ätzend) oder irgendwelche Lobhudeleien zu finden sind. Ich lese diese Texte nur ganz am Schluss, wenn ich mit dem Buch fertig bin. Meistens bin ich froh darüber. Auch Buchbesprechungen und Kritiken lese ich immer erst hinterher. Ich lasse mir sehr gerne Bücher empfehlen, allerdings reichen mir das Genre und ein “ich fand es gut geschrieben” oder “mich hat die Geschichte berührt”. Ich mag keine Details über den Inhalt wissen.

Das Schöne daran ist, dass ich meistens nicht weiß, was auf mich zukommt. Das Buch ist wie eine Überraschung. Es kann der totale Schrott sein. Es kann eine Perle sein. Es kann so lala sein. So habe ich in letzter Zeit z. B. “Die Kippwende” von Jenifer Levin gelesen. Die Beschreibung der (Frauen)Figuren und die Sprache haben mir sehr gut gefallen. Oder “Die Tochter meines Vaters” von Mareike Krügel. Das fand ich etwas skurril, ein bisschen faszinierend und ein bisschen “naja”. Oder “Bilder einer Ex” von Jean-Luc Benoziglio. Ich mochte die etwas verschlungenen Gedankengängen des Protagonisten und die Sprachbilder ebenfalls sehr. Derzeit lese ich vor allem Regalhüter, also Bücher, die schon lange bei mir herumstehen. Zuletzt war das “Der Vorleser” von Berhard Schlink und aktuell “Der Büßer” von Isaac B. Singer.

Wenn mir ein Buch so ganz und gar nicht gefällt, quäle ich mich nicht durch. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Wenn ich das Gefühl habe, dass das Buch nicht zu meiner derzeitigen Stimmung passt, an sich aber lesenswert sein könnte, hebe ich es auf, um es später noch einmal zu versuchen. Das kann viele Jahre später sein. So kommt es, dass in meinem Regal sich noch so das eine oder andere ungelesene Buch befindet.

Die Bücher in meinem Regal stehen wild durcheinander. Nichts ist alphabetisch oder thematisch geordnet. Nicht mehr. Sachbücher stehen neben Romanen, gelesene neben ungelesenen.  Es sind überschaubar viele, ich weiß in der Regel, wo welches steht.

Früher hatte ich drei fette Regale vollgestopft mit Büchern. Bücher waren für mich Fetische. Ich habe keine Eselsohren reingemacht, nichts reingeschrieben, man hat kaum bemerkt, wenn ich eines gelesen hatte. Sie standen ordentlich nach Genre und Autorin geordnet im Regal. Ich war damals völlig entsetzt, als mir meine Tante erzählte, sie lasse gelesene Bücher einfach im Zug oder auf der Parkbank liegen und hoffe, es nehme jemand sie mit und lese sie. Das war unvorstellbar für mich. Inzwischen, viele Jahre später, gebe ich auch fast alle gelesenen Bücher weiter. An meine Mutter, eine Freundin, die Schwester oder ich stelle sie wieder auf die Straße. Ich habe rigoros ausgemistet und kistenweise Bücher verschenkt. Auch ungelesene – diese Berge an “must-read-Büchern”, die wie eine ständige Mahnung dumm herumstanden. Weg damit. Ich habe sie nie vermisst. Es gibt nur sehr wenige Bücher, die einen Ehrenplatz im Regal erhalten. “Wenn ich einmal groß bin” von Jose de Vasconcelos ist eines davon. Weil ich jedes Mal heulen musste, wenn ich es las. Und das Kind1 auch. “Die Grasharfe” von Truman Capote, weil es so schön ist. “Die Töchter Egalias”, weil ich nostalgisch bin. Die Feuchtwangers, weil ich sie vielleicht noch einmal lesen möchte. Und einige der Fach- und Sachbücher.

Mich hat schon lange kein Buch mehr komplett vom Hocker gerissen bzw. auf dem Sofa festgenagelt. Das liegt vermutlich aber zum Großteil daran, dass ich die Zeit für einen kompletten Bücherflow gerade nicht habe und mich in den wenigen Vorschlafminuten nicht genug auf ein Buch einlassen kann. Das vermisse ich. Ich liebe es, in einem Buch komplett zu versinken. Es zu verschlingen. Und gegen Ende immer langsamer zu lesen, damit ich noch ein bisschen länger was davon habe. Aber die Zeiten kommen auch wieder. Vielleicht liege ich dann irgendwann mit Kind2 & Kind1 auf einem Badetuch am Strand und wir verschlingen gemeinsam unsere Urlaubslektüre.

Bücherregalausschnitt - Gelesenes & Ungelesenes

Bücherregalausschnitt – Gelesenes & Ungelesenes

Und wenn ihr mir potenzielle “Flow”-Bücher empfehlen könnt: gerne!!! Nur nicht zu viel darüber verraten bitte!

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Neulich, als das Essen zu heiß war …

essen

 

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Schön, wenn die Kinder genau das machen, was man sagt, ne?!

 

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Wer das Tempo bestimmt

Manchmal fällt es mir schwer, geduldig zu sein. Da geht Kind x, gleich alt wie meines, schon ewig und drei Tage alleine aufs Klo. Oder fährt Fahrrad. Oder isst mit Messer&Gabel und schmiert sich die Hände nicht nach jedem Bissen am T-Shirt ab. Dann kommen bei den Eltern so Gedanken auf wie: Sollten wir da mal mehr hinterher sein, das Kind mehr fordern?, oder: haben wir irgend so einen mystischen Entwicklungsmoment, irgendwelche Signale verpasst – und alles zieht sich wegen unserer Unaufmerksamkeit in die Länge?

Tja, und dann erinnert uns das Kind2 daran, dass das Gras halt doch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Dass es ihm egal ist, wenn die Eltern drängeln. Dass es mit unglaublichem Willen an die Dinge herangeht, wenn es so weit ist. Und dann setzt es sich von einem Tag auf den anderen auf sein Geburtstagsfahrrad, das seit 4 Monaten unbeachtet im Keller steht. Und fährt los. Den einen Tag noch mit der Mama-oder-Papa-Hand im Rücken, am nächsten braucht es das nicht mehr. Oder es beschließt von einem Tag auf den anderen: weg mit den Windeln. Ich kann das alleine! Die Eltern haben bitte vor der Türe zu warten.

Wer hier das Tempo bestimmt, ist also klar – und wir Eltern joggen staunend hinterher.

… und die Eltern keuchen hinterher

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Elternlogik I: Die anderen Kinder

Neulich im Schwimmbad:

Elternlogik 1

Später:

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