10 Dinge, die mich das Gärtnern (nicht) gelehrt hat

1. Mein Einfluss darauf, was wie wächst, ist äußerst bescheiden und die Gründe für tolles Wachstum sind nicht unbedingt nachvollziehbar. Bei der direkten Nachbarin sprießen die Erbsen wir verrückt – bei mir nicht. Bei mir wächst der Knoblauch – bei der Nachbarin nicht. Sätze wie “säe doch xy, das wächst garantiert überall” sind falsch (naja, gut, Pusteblumen vielleicht).

2. Es gibt Tiere, die mal eben 20 Tulpenzwiebeln fressen.

3. Gartennachbarschaftliche Tauschereien sind grandios und müssen nicht gegenseitig sein (a gibt Tomatensetzlinge an b, b gibt Knoblauch an c, c gibt Stauden an a, d gibt b und c Bier aus …). Zu Erntezeiten ist die Frage: “Wollt ihr Zucchini (bitte!!!)?” allerdings ein running gag.

3. a Sehr schön sind  auch die nachbarschaftlichen Kommunikationen:
“Und, bist du auch da?” – “jo”
“Da wird aber kräftig g’schafft!!” – “Haja, immer!”
Ne, im Ernst: Unsere Gartennachbarinnenschaft ist toll!

4. Aber zurück zum Gärtnern: Es gibt unglaublich viele unglaublich abgefahren Pflanzen. Ich könnte stundenlang zuschauen, wie sie wachsen, und ich lasse alles stehen, was mir gefällt – Unkraut hin oder her.

Laut Gartenexpertinnen wohl ein Unkraut. Aber ein schönes. Und die Bienen mögen es auch.

Laut Gartenexpertinnen wohl ein Unkraut. Aber ein schönes. Und die Bienen mögen es auch.

5. Ich kann Ausgesätes nicht von Unkraut unterscheiden – außerdem sind die Schnecken meist schneller. Darum bevorzuge ich Setzlinge. Gelernt: Auch wenn es mir angesichts frühlingshafter Temperaturen schon im Februar in den Fingern juckt: Nicht zu früh mit Aussäen anfangen. Denn dann kann eine den Balkon ca. 2 Monate nicht benutzen, da man den ganzen Krempel ja erst Mitte Mai nach den Eisheiligen ins Freie setzen kann. Theoretisch. Siehe Punkt 6.

6. Ich bin nicht abergläubisch. Aber dass dieser f***cking Eisheilige Servatius mir meine 2 Tage zuvor rausgesetzten Tomaten, Gurken und Peperoni komplett verhagelt (und das Dach der Gartenhütte in ein Sieb verwandelt) hat, finde ich dann doch ziemlich kacke. Immerhin machte es nun aber Sinn, dass ich den ganzen Balkon voller Setzlinge hatte, so konnte ich zumindest die Tomaten ersetzen (und die Nachbarinnen gleich mitversorgen). Nächstes Jahr warte ich die Eisheiligen ab.

7. An Punkt 6 schließt sich dieser – von Dr_Gretchen treffend formuliert – an:

8. Das einzige, das Hagel ziemlich sicher überlebt, ist das hier:

Wozu sind die jetzt gleich noch mal gut?

9. Das einzige wirksame Mittel gegen Schnecken (wenn eins nicht gerade mit der Giftkeule die armen Igel etc. vergiften will) ist das:

Nicht schön, aber es hilft: Anti-Schnecken-Tupperdings

Nicht schön, aber es hilft: Anti-Schnecken-Tupperdings

10. Die Natur ist der reinste Wahnsinn (dass das Zeug jedes Jahr wieder wächst!) und unberechenbar. Zum Glück kann ich das aus Spaß machen, kann einfach Ausprobieren und muss nicht davon leben (Hagel, Schnecken, Dauerregen, kein Regen, Wühlmäuse, Nährstoffmangel, Fäule etc. pp. sind für mich zwar zum Beispiel saublöd, aber eben keine Katastrophe).

So, das waren jetzt schon 10 Punkte. Was mache ich mit den restlichen 534? Lesen Sie doch einfach die anderen 10-Punkte-Listen, z. B. im Gärtnerinnenblog (und hier) und bei der Frischen Brise.

Hier noch ein Blick ins Gärtchen:

Das Gemüse-Blumen-Unkraut Beet

Das Gemüse-Blumen-Unkraut Beet

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Essen mit Kind. Oder: Kocht doch, was ihr wollt!

Irgendwann in den 1990ern: Same procedure … every day. Die liebevoll zubereiteten Speisevariationen mit Spurenelementen von Gemüse (Zniebel!!! ääääh!!!) werden von Kind1 entschieden abgelehnt.

täglich grüßt das Murmeltier

Na gut, dann gibt es halt Nudeln, sei’s drum!

also gut

Doch dann:

20 Jahre später

Also Leute, es ist völlig egal, was ihr kocht! 20 Jahre später habt ihr den Salat. Also haut rein.

(P.S.: Kind1 hat diesen – selbstverständlich höchst fiktiven – Beitrag abgesegnet.)

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Das “Business-Festival” re:publica 2015. Ein persönliches & kritisches Fazit.

Als ich zur re:publica fuhr, nahm ich mir eigentlich fest vor, sie nicht mit dem 31. Chaos Communication Concress zu vergleichen. Dort war ich im Dezember und es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht nur bei mir, auch bei meiner Familie, mit der ich angereist war. Einen Lobgesang habe ich hier veröffentlicht. Mich hat dort so ziemlich alles begeistert: die Vielfalt und Tiefe der Vorträge, die interessanten, offenen und verspielten Menschen, die Aufbruchsstimmung, die politischen Statements, der tolle Kinderbereich, die kreative Gestaltung der Räume … Die Begeisterung und das leichte Hüpfen im Bauch halten sich bis heute, wenn ich daran denke.

Auf der re:publica war ich auch zum ersten Mal und – ich nehme es fairerweise mal vorweg – es wurde keine Liebe, auch nicht auf den 2. Blick. Vielleicht auf den 3. – und damit komme ich zunächst einmal zum absoluten Highlight meiner Reise:

Auf der re:publica gab es sehr schöne Begegnungen mit Leuten, deren Blogs ich lese und denen ich auf Twitter folge. Oder die ich einfach so dort kennengelernt habe. Ich bin noch nie so vielen Leuten, die ich vorher nie gesehen hatte, spontan in den Arm gefallen. “Ach, du bist die soundso, wie toll dich mal zu sehen!!”. Das war wirklich schön. Manche Begegnungen waren intensiv, manche eher flüchtig, ich habe mich auf jeden Fall gefreut, so viele einmal persönlich zu sehen und ein paar Worte zu wechseln. Gerne hätte ich mich mit der einen oder anderen länger und in Ruhe unterhalten, für mich als Small-Talk-DAU waren diese vielen kurzen Begegnungen eine Herausforderung. Die netten Menschen wären für mich der einzige Grund, noch einmal auf die re:publica zu fahren, es ist einfach eine tolle Gelegenheit, Leuten zu begegnen und diese mit der Zeit auch ein wenig besser kennenzulernen. Außerdem verbrachte sehr schöne Abende mit einer alten Freundin und einen mit @alsmenschverkleidet und @buntzone. Hier war Zeit und Raum für intensive Gespräche, viel Flausch und Herz. Das war einfach schön!

Wenn ich aber ehrlich bin, habe ich es dann natürlich doch gemacht, ich habe die Veranstaltung mit dem ccc verglichen, dauernd, sorry. Schon am Eingang, als ich auf ein Schild stieß, auf dem verlautet wurde, dass während der Veranstaltung gefilmt und fotografiert werde, während es auf dem ccc völliger Konsens war, dass eins ohne Einverständnis natürlich keine Aufnahmen von Personen macht. Kleiner, aber feiner Unterschied. Ich habe verglichen, weil für mich die beiden Konferenzen zunächst auch einiges gemeinsam haben, in meiner Vorstellung zumindest. Beides, so dachte ich, sind Veranstaltungen, bei denen Leute zusammenkommen, die sich gerne im Netz bewegen und dieses und die Gesellschaft kritisch und kreativ mitgestalten möchten. Aber halt! Die re:publica ist ja neuerdings gar kein Community Event mehr, sondern offiziell ein Business-Festival (!), wie ich im Vorfeld von den Veranstalter!nnen erfuhr. Da stellten sich bei mir erstmals die Nackenhaare etwas hoch.

Die Veranstalter!nnen hatte ich übrigens angeschrieben, um mich nach Angeboten für Kinder und Familien* zu erkundigen. Womit ich beim nächsten Punkt wäre: Eigentlich planten wir, nach der erfolgreichen Tour nach Hamburg einen Familienausflug zur re:publica zu machen. Auf Twitter fragte ich also vorab mal rum, wer so alles mit Kindern käme und wie die Erfahrungen aus den Vorjahren seien. Die Antworten waren, gelinde gesagt, ernüchternd, darum fragte ich direkt nach. Auf die Mail an die republica kam u.a.:

“Bisher haben wir als Business-Festival keine nachhaltige Infrastruktur für einen Kidsspace entwickelt und auch keine Erfahrung wie z.B. relevante, pädagogische Inhalte für die Kids angeboten werden können.”

Man plane irgendetwas, genaueres wisse man noch nicht. Auf meine Bitte, mich auf dem Laufenden zu halten, kam nichts mehr, so dass der Mann nach einigem Hin und Her beschloss, mit dem Kind2 zu Hause zu bleiben. Das erschien uns stressfreier. Und ich muss sagen: Das war eine gute Entscheidung. Ich kann mir im Nachhinein nicht vorstellen, dass wir uns dort mit Kind sonderlich wohl und gut aufgehoben gefühlt hätten. Angefangen vom Kinderbereich, der mitten im Geschehen in der Riesenhalle platziert war, im totalen Getöse der Tagung. Es gab dort ein kleines Planschbecken mit ein paar Bällen (“Bällebad” höhö), es lag ein bisschen Lego und Bastelkram rum, der Lärmpegel war unglaublich hoch (von der Musik und den Leute, nicht wegen der Kinder). Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das vierjährige Kind2 es länger als 10 Minuten dort spannend gefunden hätte. Die Sessions waren natürlich nicht kinderkompatibel, es war überall voll und über dem Innenhof hing permanent eine Rauchwolke. Verspielte Nerds, die den Kleinen irgendwas erklärt hätten, habe ich auch keine gesehen. Nüscht für das Kind, fand ich. Innerlich seufzte ich also erleichtert auf – schließlich hatte ich ja auch dadurch frei – und widmete mich dem Programm.

Ich weiß nicht in wie vielen Vorträgen ich war. Aus ca. 30 % bin ich vorzeitig raus, weil sie sich für mich als belanglos herausstellten, bei 40 % habe ich durchgetwittert, weil ich zu faul war rauszugehen, der Rest war eine Mischung aus ganz interessant und/oder gut performed, wenn auch zumindest teilweise inhaltlich etwas flach. Highlights waren für mich die Vorträge von Juna zur jüdischen Blogosphäre, der von Journelle zur Vielfalt von Beziehungen in Zeiten des Internet, der von Felix Schwenzel zur Kognitiven Dissonanz (“Wahrheit ist ein Kompromiss” – kann eins ja nicht oft genug sagen!), der von Jasna Lisha Strick zu Critical Crafting (und zwar vor allem deshalb, weil hier mal was Kritisches, nicht-mainstreammäßiges von der Bühne kam). Den Vortrag von Ines Dorian Gütt zu “Surveillance Art und die fehlende Ästhetik der digitalen Massenüberwachung” fand ich interessant, der hätte ruhig noch etwas tiefer einsteigen können. Außerdem war ich in der Kinderfotos-im-Netz-Session, wo ich mich zu 100% den Statements von @dasNuf anschließen konnte – nämlich keine erkennbaren Fotos und Namen von Kindern im Netz zu veröffentlichen.

Natürlich war ich in vielen womöglich tollen Vorträgen auch nicht. Weil ich mich mit dem temporären Mitbewohner beim Kaffee festgequatscht hatte und nicht früh genug loskam, weil ich mit Leuten im Gespräch war oder beim Klo anstand. Oder weil ich, während der gefeierte Astronaut sprach, lieber im Park im Cafe Eule saß, weil mir alles zu viel wurde und ich eine Auszeit brauchte. Aber erklärt das die schlechte Trefferquote? Ich hatte irgendwann das blöde Gefühl, dass ich mir zielsicher immer die falschen Vorträge herausgesucht hatte – womöglich war der parallele viel besser! Lustiger! Warum lachen die nebenan so und klatschen wie verrückt? Oder wurden da gerade animinierte Gifs eingeblendet? Ich fragte Leute in der Halle nach Tipps und Favorit!nnen, aber so richtige Empfehlungen bekam ich nicht. Auch sah ich kein Leuchten in den Augen ob des grandiosen Vortrags von xx. Habe ich also wirklich nichts verpasst? (jaja, außer Alex, ich weiß ^^), waren die Themen einfach nicht so meine Baustelle, waren die aufrüttelnden, visionarischen, widerständigen, inspirierenden Sessions einfach total dünn gesät? Mich hat es jedenfalls thematisch nicht gepackt.

Um die Meckereien jetzt mal abzuschließen, erwähne ich noch schnell, dass die Räumlichkeiten recht nüchtern waren, es keine kreative Deko gab und sich das Gelände gegen Abend doch relativ fix leerte. In der großen Haupthalle wurden ab 20 Uhr tonnenweise Flyer in große Müllsäcke gesammelt – um am nächsten Morgen wieder neue zu verteilen. Gerüchten zufolge soll es in Nebengebäuden Partys gegeben haben. Ob diese rauschend waren, vermag ich nicht zu sagen, da ich mich zu Privatveranstaltungen verabredetet hatte. Die Stimmung lud mich jedenfalls nicht zum gechillten Verweilen ein.

Mein Fazit: Die re:publica hat mich mit ihrem “Flair” eines Business-Festivals leider nicht begeistert, was ein bisschen schade ist.  Die Hauptausrichtung auf Social-Media-Irgendwas, digitales Marketing, Popkultur und Twitterwitzchen war für mich persönlich im Großen und Ganzen nicht besonders inspirierend und interessant.  Nun ja. Aber ich hatte trotzdem superschöne Tage in Berlin, habe tolle Leute getroffen, mich gut unterhalten und bin sehr froh, dass ich die Reise unternommen habe! Ich hatte Zeit, war unglaublich entspannt und konnte mich erholen, was hauptsächlich daran lag, dass der Mann netterweise mit dem Kind zu Hause geblieben war und ich mich einfach mal treiben lassen konnte. Wie toll, vielen Dank dafür! Und herzlichen Dank auch an meine reizende Gastgeberin für den Unterschlupf!

______

* Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Mierau und Aluberlin, die mit großem persönlichen Engagement die kleine, sehr feine Blogfamilia-Konferenz ins Leben gerufen haben. Mit Kinderbetreuung! Eigentlich wollte ich ohne Kind da erst nicht hin, habe mich wegen der netten Leute aber umentschieden. Vielen Dank, dass ich noch kommen durfte, das war alles sehr liebevoll und toll gemacht!!!

P.S. Einige Vorträge werde ich wohl noch nachschauen. Wie die von Zygmunt Bauman und Mareike Kaiser & Raul Krauthausen beispielsweise. Und den vom Astronauten vielleicht auch.

Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)

Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)

Symbolbild Vortrag

Symbolbild Vortrag

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Urwald auf dem Balkon

“Also, do glaub i net dro”, sagt der Bauer auf dem Markt zu mir, als ihn ich nach den Eisheiligen frage. Die Eisheiligen, so alle mir bekannten Gartenratgeber, vom alten Pötschke bis hin zu irgendwelchen Gartenblogs, müssen unbedingt abgewartet werden, bevor eins empfindliches Junggemüse wie Tomaten und Gurken ins Freiland setzen könne. Es könnte ja noch Nachtfrost geben. Der Bauer dagegen hält das für Quatsch, Klimaerwärmung und so, schließlich seien schon die Apfelbäume am Blühen und es komme nur noch sehr selten vor, dass es so spät im Frühling noch nachts friere.

Also packe ich meine 3 Gurken ein, die 4. lasse ich sicherheitshalber zu Hause, und setze sie in den Kleingarten. Prompt setzt am nächsten Tag Dauerregen ein, es wird schnatterkalt und ich fahre mit schlechtem Gewissen raus in den Garten, um die armen schlappen Gestalten wieder einzusammeln und zurück zur Herde auf den geschützten Balkon zu bringen. Dort warten 27 Tomaten, 9 Salbei, 8 undefinierbare kleine Grünlinge (leider vergessen, was ich da in die Töpfe versenkt habe), 5 Chili und eine Restgurke auf Gesellschaft.

Es ist das erste Mal, dass ich selbst gesät habe. Es kann sein, dass ich es ein winzigkleinesbisschen übertrieben habe. Dass ich ein minibisschen zu früh damit angefangen haben, denn das Grün wuchert wie verrückt vor sich hin, so dass kaum noch ein Plätzchen für mich auf dem Balkon übrigbleibt. Aber es ist ganz wunderbar. Faszinierend. Unglaublich, was aus einem kleinen Samenkorn so wächst. Morgens schaue ich als erstes, was meine Kinder Pflanzenschar so macht, rücke hier ein Stöckchen zurecht, gebe dort ein bisschen Wasser dazu,  freue mich an den ersten Blüten der Gurken und hoffe, dass ein paar Bienen vorbeikommen zum Befruchten (sonst klappt das nicht mit den Gurken, oder?). Noch eine Gartenaussetzaktion traue ich mich gerade nicht, jetzt warte ich doch zumindest bis nach der Republica, bis ich die Pflanzen in den Garten bringen kann. Einige bleiben auf dem Balkon, ein paar tausche ich mit den Gartennachbarinnen, ein paar verschenke ich. Und nächstes Jahr fange ich vielleicht ein bisschen später mit dem Aussäen an …

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Es sind Tomaten! Nicht was Sie denken!!

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Verpackungskunstwerke

Seit einiger Zeit packt Kind2 die Geburtstagsgeschenke für seine Freund!nnen selbst ein. Es holt sich aus meiner Schublade Papier und eine der zigtausend Versandtaschen, die ich gehortet habe, und verschwindet damit in seinem Zimmer. Schere und Kreppklebeband gibt es dort. Manchmal muss eineR von uns ein bisschen helfen, das Papier festhalten oder das Kreppband abreißen, weil sich das gerne mal verheddert (Der Befehl hierzu lautet: “MENNO DES GEHT NET! MAAAMAAA ODER PAPPAAAA IHR MÜSST KOMMEN!!!!1!11!!”). Oft kramt das Kind in seinem eigenen Bestand nach Verschenkbarem und packt das dazu. Süßigkeiten zum Beispiel. Die müssen aufs Päckchen obendrauf geklebt werden, immer! Für die Gestaltung der Verpackungskunstwerke nimmt sich Kind2 viel Zeit. Und so sieht das zum Beispiel dann aus:

Geschenk - hübsch verpackt

Geschenk – hübsch verpackt

Die Umverpackung fürs Geschenk

Die Umverpackung fürs Geschenk. Die drei kleinen Dinger sind Schoko-Ostereier

Cool, oder?

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Auf dem Weg zu einer gerechten Sprache

Auf Luise F. Pusch war ich sehr gespannt – und doch hätte ich ihren Vortrag fast verpasst, saß ich doch gemütlich beim Abendessen im Garten, als der Mann meinte: He, du wolltest doch heute noch weg! Die innere Schweinehündin versuchte ein paar Sekunden, mich zu einem entspannten Abend zu bewegen, aber zum Glück raffte ich mich auf, denn – Spoiler: der Vortrag von Frau Pusch war wirklich toll.

Luise F. Pusch ist die Grande Dame der feministischen Linguistik, 71 Jahre alt und seit den 1970er Jahren im Dienste einer gerechten Sprache unterwegs. Etappen dieses Weges zeichnete sie in ihrem Vortrag nach. Gleich zu Beginn machte sie deutlich, um was es ihr geht: eine gerechte Sprache – nicht etwa eine geschlechtergerechte, frauengerechte oder was auch immer, sondern eine, die für alle gerecht ist. Dabei geht es ihr nicht darum, einzelne Wörter zu verändern, sondern die Grammatik der deutschen Sprache, die, so Pusch, eine “Männersprache” ist.

Das Deutsche ist eine Genussprache, bei der die weibliche Form i. d. R. von der männlichen abgeleitet wird (Lehrer –> Lehrer-in), wobei das Männliche die Norm- und Standardversion ist, das Weibliche die Ergänzung: ‘die Lehrer’ meint in der männlichen Form Lehrerinnen mit. Ein einzelner Mann macht aus einer Gruppe von Lehrerinnen sprachlich eine Männergruppe (9 Lehrerinnen + 1 Lehrer = eine Gruppe Lehrer). Pusch nennt das M.a.N. –> Mann als Norm. Dabei werden männliche Bilder im Kopf erzeugt. Als Beispiel brachte sie eine Studie, bei der Proband!nnen die Frage gestellt wurde, welcher Politiker sich als nächster Bundeskanzler eignet bzw. welcher Politiker / welche Politikerin sich als nächster Bundeskanzler / Bundeskanzlerin eignet. Bei der ersten Frage wurden deutlich mehr Männer genannt als bei der zweiten – unerstaunlich, oder? Von der Formulierung der Frage hängen also bereits Chancen ab.

Die gängigen Vorschläge zu einer gerechteren Sprache gingen bisher in die Richtung D.N.A.: Differenzierung (Lehrerinnen und Lehrer, Lehrer(innen)), Neutralisierung (Lehrende) und Abstraktion (das Dekanat, die Regie, der Lehrkörper). Und dann gibt es noch das Binnen-I, das 1981 ein Schweizer Journalist erfunden hat (LehrerInnen). Einige setzen dem generischen Maskulinum, das Frauen immer “mitmeint”, das generische Femininum gegenüber, das dann eben Männer mitmeint. Die Grundordnung der Universität Leipzig ist im generischen Femininum  verfasst, im Plural heißt es dort also immer “Professorinnen”.

Seit einigen Jahren gibt es auf Anstoß der queeren Szene den Genderstern bzw. Gendergap (Lehrer*innen, Lehrer_innen), der die bipolare Sprache öffnet und einen symbolischen Ort für Menschen bietet, die sich nicht der Zweigeschlechtlichkeit zuordnen. Dieser Lösung steht Pusch eher kritisch gegenüber, da die weiblichen Endungen hier erneut auf das Abstellgleis geführt werden, als Anhang, als 2. Wahl. Angeregt durch die Sängerin P!nk schlägt sie vor, als Kompromiss zwischen der Pflege feministischer Errungenschaften und der Öffnung für Neuerungen, das Ausrufezeichen statt des kleinen i als Fusion von Binnen-I und Genderstern zu verwenden (Lehrer!nnen) – oder einen Stern auf dem kleinen i, was sich allerdings mit den gängigen Tastaturen nicht umsetzen lässt. Weiteren Vorschlägen aus dem Publikum, wie eine Neutralisierung der Sprache oder ein neuer Genus, der die beiden bisherigen ersetzt, steht sie offen gegenüber. Sprache ist ein Aushandlungsprozess, wichtig ist ihr, alle betroffenen Gruppen anzuhören und diese so anzusprechen, wie diese das möchten.

Die Etappen auf dem Weg zu einer gerechten Sprache zeichnete Pusch anhand einiger ihrer Aufsätze und Glossen nach. Die Glosse ist ihre Spezialität. Hier schreibt sie seit vielen Jahren wöchentlich in kurzer und unterhaltsamer Form ihre Beobachtungen zur Sprache auf. Drei dieser Glossen aus den letzten 3 Jahrzehnten gab sie zum Besten, alle waren derartig witzig geschrieben, dass das Publikum bei der letzten bereits losgackerte, als Pusch den ersten Satz vorlas. Eine kurze Sekunde sah es so aus, als würde der Abend in einem gigantischen Lachanfall enden, bevor sich alle wieder etwas beruhigten.

Luise Pusch hat mich auf mehreren Ebenen beeindruckt: Sie ist seit ca. 40 Jahren als feministische Linguistin unterwegs, ihre akademische Karriere musste sie deshalb an den Nagel hängen und sie hat so einige üble Shitstorms mit Anfeindungen & Morddrohnungen über sich ergehen lassen müssen (jüngst zur Quotenregelung in Cockpits, interessant auch ihre Nachlese dazu hier und hier). Sie macht trotzdem immer weiter und ist dabei beeindruckend undogmatisch, offen für Neues und humorvoll. Sehr gut gefällt mir ihr Vorgehen, zwischen persönlicher und allgemeiner Ebene zu unterscheiden: Möchte eine Frau von ihr z. B. als Autor (oder Lehrer …) bezeichnet werden, dann respektiert sie dies, auch wenn da sicher ihr feministisches Herz etwas weint. Auf öffentlicher Ebene setzt sie sich dagegen streitbar für eine gerechte Sprache ein. Bemerkenswert fand ich, dass sie interessiert und ohne Abwertung alle Wortmeldungen anhörte. Auch als sich ein Student meldete und mit bedeutungsschwangerer Stimme verkündete, er verwende ja aus Platzgründen immer das generische Maskulinum in Hausarbeiten und erkläre per Fußnote, dass Frauen mitgemeint seien, was sie denn davon halte?, sagte sie nicht viel mehr als “Nichts. Das ist ja das, was wir schon immer haben, nur mit Fußnote” (während ich dagegen nur “Waaah. Kopf –> Tisch” denken konnte).

Ich nahm viele Anregungen und als Lektüre ihre neueste Glossensammlung Gerecht und Geschlecht mit. Über ihre Ablehnung des Gendersterns, den ich bisher benutze, denke ich noch etwas nach. So ganz ganz hat mich ihre Argumentation hier noch nicht überzeugt. Vielleicht ist das ! ja eine gute Lösung, auch wenn es mir noch schwer von der Tastatur geht. Aber letztendlich ist das alles eine Frage der Gewöhnung.

Luise F. Pusch

Luise F. Pusch am 22.4.2015

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Süßigkeiten

Als ich klein war, reglementieren meine Eltern meinen Süßigkeitenkonsum ziemlich stark. Es gab ab und zu eine Winzigkeit aus Mamas Hand – eine Schokolinse, 1-2 Gummibärchen, ein Rippchen (so hieß ein Stück bei uns) Schokolade. Süßigkeiten waren böööse, sie machten dick und schlechte Zähne. Kontrollieren und sparsam dosieren war also das Motto.

Das Süßigkeitendepot war in für mich unerreichbaren Höhen oben im Schrank – und ich hätte es nie gewagt, dort etwas zu stibitzen. Dafür entwickelte ich mit der Zeit ausgefeilte Strategien, um an das geliebte Süßzeug ranzukommen, für das ich schon früh eine ausgeprägte Leidenschaft hatte: Morgens, wenn die Eltern noch schliefen, schlich ich mich an das Frühstückszeugs und vergriff mich am wertvollen und äußerst seltenen Schokoaufstrich, den es damals zeitweise in einer Tube gab (erinnert sich jemand?). War ich zum Kindergeburtstag eingeladen, futterte ich auf dem Weg dorthin die Süßigkeiten, die oben auf dem Geschenk festgeklebt waren. Sobald ich Taschengeld bekam, gab ich alles für Süßkram aus und vor allem rechnete ich jeden Geldbetrag im Kopf sofort in Kinderüberraschungseier und bunte Tüten um. 1 DM = 1 Kinderüberraschungsei = 10 Lakritzschnecken = 20 Colafläschchen = 50 Brausetabletten. Eine super Matheübung übrigens. Toll waren die Wochenenden bei Oma und Opa auf dem Dorf. Dort durften wir Enkelkinder immer den Einkauf übernehmen und uns selbst etwas kaufen, was wir schamlos ausnutzten. Die Beute schmuggelten wir in unser 3er-Zimmer und futterten sie dort über das Wochenende restlos auf. Toll waren natürlich auch Nikolaus und Ostern. Die Schokofiguren bohrte ich immer vom Boden her auf und knapperte den kompletten Rücken bis oben weg, so dass sie von vorne noch wie unangetastet aussahen und die Eltern nichts merkten – bildete ich mir zumindest ein.

Mein Heißhunger auf Süßes hat sich bis heute erhalten. Ich entkomme dem nur, wenn ich es wie die Raupe Nimmersatt halte: Futtern, futtern, futtern – und irgendwann die Reißleine ziehen d. h. den Zuckerkonsum komplett auf Null runterfahren. Keine Schokolade, keine Gummibärchen, kein Kuchen. Nix. So eine No-sugar-Phase lege ich immer wieder nach besonders exzessiven Futterwochen ein und quäle meine Familie mit meinem Leid. Nach ein paar Tagen Verzicht lassen die Entzugserscheinungen nach, aber wehe, ich rieche an einer Tafel Schokolade, dann bricht der Damm und es gibt kein Halten mehr. Schlimm.

Meine Kinder haben das zum Glück nicht von mir übernommen. Sie kommen beide gut mit Süßkram klar. Ob das Typsache ist, ich ein schlechtes Vorbild bin oder meine Erziehungsstrategie (wenig eingreifen, selbst verwalten lassen) aufgeht, weiß ich nicht. Vielleicht alles ein bisschen.

Als ich neulich mal wieder so durch die Wohnung tapste – auf Zuckerentzug, versteht sich, fiel mein Blick auf den noch immer prall gefüllten Osterkorb von Kind2. Ob es ihm wohl auffällt, wenn ich unauffällig den hübschen Hasen mit der Glocke von unten anbohre und vorsichtig den Rücken hinauf … nur ein winzigkleines Stückchen vielleicht? … Aber solch schäbige Tricks waren überhaupt nicht notwendig. Das Kind hat mir einfach einen geschenkt. “Welchen willst du, Mama? Dann kriegst du den. Da!” Ach ja.

Objekte der Begierde

Objekte der Begierde

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