Das Winterstubenkind

Alles weiß weiß weiß, die Sonne strahlt, knallblau der Himmel. Das treibt selbst uns vom Sofa runter. Wir müssen raus, das Kind ausführen, Kinder brauchen Bewegung, frische Luft, sie lieben Schnee.

Alle Kinder? Nun, fast alle Kinder. Bis auf eines, ein sehr kleines. Das mag keine Bewegung, zumindest nicht in kalter Luft, schon gar keine im Schnee. Schnee, das komische Zeug, von dem die Eltern so begeistert sind, „schau doch mal, wie schön“, das kalte, nasse, blöde Zeug. Nein, das kleine Kind bleibt wie angewurzelt an der Haustüre stehen, es geht keinen Schritt, will in den Kinderwagen, und zwar sofort. Genau wie gestern, vorgestern, so geht das schon seit Wochen.

Wir rollen los, vielleicht gibt sich das ja, den Berg hinauf, schwitzend über Stock und Stein. Durch den Wald und bis zur Wiese. An vielen Schafe vorbei, über viel Schafsscheiße hinweg, es blökt von allen Seiten. Das Kind ist erstarrt, unbeweglich, ungerührt. Sollen die Eltern doch ihren Spaß haben, ihm ist’s egal. Es läuft nicht einen einzigen Schritt, will  nicht einmal den Boden berühren. Der Kinderwagen ist sein sicherer Hort. Selbst die Schokomuffins, am Kiosk in der Sonne, können es nicht erweichen.

keine Stubenhocker

Stunden später plumpsen die Eltern mehlsackschwer aufs Sofa, sehr erschöpft von Sonne, Schnee und frischer Luft. Ein minikleines Mittagsschläfchen, ach das wäre schön. Doch kaum im Warmen, erwacht der kleine Wicht aus der Erstarrung. Jetzt kann die Party steigen. Und schwupps werden die Großen vom Sofa gehüpft.

Ein kleines Winterstubenkind!