Besinnliches Adventsbasteln

Das kleine Kind hat seine adventliche Bastelader entdeckt und nachdem es alle in der Schule gelernten Faltschachteln, -sterne, -girlanden ausgiebig nachgebaut hatte, schaut es sich nun gerne im Internet diese hübschen Bastelvideos an. Bevorzugt solche, in denen gepflegt-manikürte Hände mal eben ein Origamikunstwerk zaubern, während eine Stimme die Arbeitsschritte dazusäuselt „das-ist-gaaanz-einfach, wir müssen nun nur den unteren rechten Rand vorsichtig in einem 32° Winkel durch die Lasche in der zweituntersten Papierlage ziehen“. Nach fünf Minuten ist der häusliche Bastelfrieden dann meist vorbei … und die Mama muss einschreiten. Das geht immer sehr pädagogisch vonstatten:

Am Ende brennt das Internet, das „Werk“ landet zerknüllt im Mülleimer und wir widmen uns friedlich einfacheren Dingen. Schokolade essen zum Beispiel. Oder Plätzchen. …. bis zum nächsten Bastelexzess.

 

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Familiengesetze zum Thema „Aufräumen“

Nach jahrelanger Beobachtung habe ich herausgefunden, dass es ein gewisses Schema gibt, nach dem gebrauchte Dinge in unserem kleinen Haushalt wieder an ihren Platz zurückgebracht werden – oder eben auch nicht.

Zurückgestellt bzw. ignoriert werden in der Regel z. B.:

  • Klopapierrollen, an denen noch maximal ein Blatt dran ist
  • Leere Shampoo-Duschgel-etc-pp-Verpackungen

Nahrungsmittel – genauer: ihre Verpackungen – werden immer dann zurück in den (Kühl-)Schrank gestellt, wenn sich in ihnen maximal noch Spurenelemente des einst darin Enthaltenen befinden:

  • Ein Joghurtglas zum Beispiel, aus dem in mühseliger Kleinarbeit noch ein halber Löffel rausgekratzt werden könnte, kommt wieder in den Kühlschrank.
  • Ebenso Milchtüten, in den sich noch maximal ein Schluck Milch befindet.
  • Keksverpackungen verbleiben der Einfachheit halber gleich im Schrank, nachdem der letzte Keks herausgeangelt wurde.

⇒ Es scheint die Regel zu gelten: Je leckerer der Inhalt, desto wahrscheinlicher findet sich die leere Verpackung im Schrank (Schokolade, Samba …).

Hintergrund hierfür muss irgendein bislang noch unzureichend erforschter Reflex sein. Vermutung: Er wird ausgelöst durch die in dem Moment erfolgreiche Verdrängung, dass die Köstlichkeiten zu nun leider leer sind. Eventuell liegt dem aber auch eine gewisse Absicht zugrunde, ausgelöst durch schlechtes Gewissen  (weil man den Rest aufgefressgegessen und nix mehr übrig gelassen hat). Oder der kümmerlichste Rest wird als noch essbar für die Restfamilie eingestuft.

Hier noch als Übersicht:

Nicht zurückgestellt werden in der Regel folgende Dinge:

  • So lange sich noch einigermaßen viel in Verpackungen befindet, verbleiben Nahrungsmittel gerne an Ort und Stelle des letzten Genusses (Brot, Käse ..). Auf dem Küchentisch oder im warmen Zimmer ….
  • Nasse Handtücher finden selten den Weg zurück an den Haken, sondern sie werden ebenfalls an Ort und Stelle des Abtrocknens fallengelasseb
  • Jacken, Schuhe, Handschuhe, dreckige Klamotten etc pp müssen scheinbar auch zwingend mit Schwung auf den Boden geworfen werden. .

Vermutlich hat das viel mit Erdanziehungskraft und dem Vermeiden komplexer Vorgänge (Dinge an andere Orte zurückbringen, z. B. zum Wäschekorb) zu tun.

Auch dies als (selbstverständlich nicht vollständige) Übersicht:

Ich nehme das Ganze mal in unsere Familiengesetzsammlung auf. (Niemand hat gesagt, dass Gesetze logisch sein müssen, oder?!)

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Hier noch ein älterer Paragraph:

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TARDIS



Das Kind ist ganz eindeutig ne andere Generation :-D

(Für alle Nicht-Dr.Who-Fans: TARDIS steht für Time And Relative Dimension In Space und ist eine Art Raumschiff-Zeitmaschine. Von außen ähnelt sie einer Telefonzelle, genauer eigentlich einer britischen Polizeizelle, von innen ist sie riesig.)

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Steter Tropfen

„Der Text für die Broschüre ist gut“, sagt die Kollegin. „Aber an der Stelle hier steht noch ‚Mitarbeiter‘, das musst du noch gendern.“

„Stimmt, mach ich“, erwidert der Kollege.

Ich sitze daneben und freue mich. Es gibt keine Diskussion, keine dummen Sprüche, kein Augenrollen. Vor 6 Jahren war das noch anders. Es gab nur „Mitarbeiter“, die Texte waren im generischen Maskulinum verfasst und Hinweise darauf wurden nicht selten als „persönliche Empfindlichkeit“ abgetan. Es ist besser geworden. Nicht immer, nicht perfekt, aber es ist ein Anfang – und es bemühen sich nun auch andere darum. Es ist schön zu sehen, dass sich langsam etwas verändert.

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Äh, nein, google!

Meinte ich nicht.

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Hören Sie auf Ihren Bauch!

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Kurz vor der Verwahrlosung

In der Küche ziehen sich braune Flecken von der Kaffeemaschine bis zum Waschbecken. Krümel liegen auf dem Boden, der Müll ist randvoll. Jacken und Taschen auf den Stühlen, Zeitschriften und ungeöffnete Briefe auf dem Küchentisch. Im Kühlschrank gammelt eine verschrumpelte halbe Gurke vor sich hin, dazu Käserinden, ein alter Salat und ein bisschen Milch. Das Brot ist steinhart und über den Zwetschgen kreisen Armeen von Fruchtfliegen. Das Geschirr steht dreckig über der Spülmaschine, denn die ist noch immer nicht ausgeräumt. Vor der Waschmaschine stapeln sich die dreckigen Klamotten. Die vor Tagen frisch gewaschene Wäsche liegt auf dem Sofa, ungefaltet, auf einen Haufen geworfen. Die Klamotten von gestern liegen vorm Bett, genauso so, wie sie beim Ausziehen fielen. Die von vorgestern auch. Und die von vorvorgestern eventuell auch. Wenn sie nicht schon auf dem Stapel vor der Waschmaschine sind. Der Schreibtisch ist übersät mit Dingen. Irgendwelchen Dingen. Büchern, Stiften, Nagellack, kaputtem Spielzeug, USB-Kabeln und einem Wasserhahnadapter. Auf dem Boden liegen Bastelsachen, Taschentücher (benutzt) und eine große Stoffeule. Kaffeetassen mit eingetrockneten Resten stehen auf dem Balkon und dem Nachtisch. Daneben der want-to-read-Bücherstapel, auf einen halben Meter angewachsen und bedenklich instabil. Staub auf allen Flächen. Wollmäuse auf dem Boden. Das Bad ist ungeputzt, Zahnpasta klebt im Waschbecken, die Ablagen sind zugerümpelt und auf dem Boden liegt der abgekrachte Handtuchhalter, noch immer nicht repariert. Daneben das Handtuch. Und noch mehr Klamotten.

Im Bett liege ich. Am Sonntag um halb 11. Mit Kaffee und Buch und Laptop. Ich habe noch genau 3 Tage, um dieses Chaos zu beseitigen und so zu tun, als hätte ich in den 9 (!!!) Tagen sturmfrei selbstverständlich höchst diszipliniert in dem höchst ordentlichen Zustand gelebt, den ich sonst  der Familie gegenüber gerne proklamiere – und nicht etwa kurz vor der völligen Verwahrlosung. Ich nehme an, Sie kennen das. Oder? ODER?!

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