Typisch Mädchen – typisch Jungs. Alles ganz natürlich. Oder?

Es ist doch typisch, dass die meistens Jungs gerne toben und kämpfen, Bewegungsspiele und Waffen lieben, mehr Konflikte produzieren und diese lautstark lösen? Dass die meisten Mädchen fürsorglicher und kreativer sind, ruhigere Spiele bevorzugen, weniger Aufmerksamkeit einfordern und rosaglitzer über alles lieben? Und nicht nur typisch – sondern NATÜRLICH! Wegen der Hormone (Testosteronschub!!!) und der unterschiedlichen Gehirnentwicklung. Das fällt quasi vom Himmel bzw. liegt in den Genen – da ist der Einfluss von außen doch recht begrenzt („Von uns haben sie das gewiss nicht!!!“). Nicht wahr?

Andererseits:

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Kleine Auswahl zum Weiterlesen:

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Warum das Kind in Jeans schläft.

Es ist jeden Abend derzeit das gleiche Spiel: Kind2 weigert sich seit etlichen Tagen beharrlich, den Schlafanzug anziehen. Nein, es will in seinen Klamotten schlafen, in denen, die es gerade anhat. Das geht nun gar nicht, schließlich war es damit den ganzen Tag unterwegs, hat sich im Dreck gewälzt, ist durch den Sandkasten gerobbt und hat den Boden der KiTa damit gefeudelt. Anfangs versuchte ich noch, es in langen, ermüdenden Diskussionen umzustimmen. Der Schlafi ist doch viel gemütlicher, schau mal, die Jeans ist doch voll eng, blabla – das Ganze endete meist in großem Geschrei ob der mütterlichen Begriffstutzigkeit und nervlicher Kapitulation bei mir. Also musste ein Kompromiss her: Das Kind muss keinen Schlafi anziehen, aber saubere Hosen + T-Shirt. Die dreckigen Klamotten kommen in die Wäsche. Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich gibt es gerade nur 2 vom Kind akzeptierte Hosen. Außerdem muss der gesamte Inhalt der Hosentaschen in die neue Hose transferiert werden. Nach gefühlt ewigem Hin- und Hergepacke geht das Kind dann in voller Montur ins Bett: Jeans, Unterhosen, Socken, T-Shirt. Die Taschen der Hose vollgestopft mit Zeugs:  seinem Lieblingskindertaschenmesser (einem Geschenk der Schnullerfee. Wir können da nüscht für), diversen Stöckchen, einer kleinen Flasche 4711 und meinem alten Handy.

Apropos Bett, das ist bereits voll belegt: Auf dem Kopfkissen steht abflugbereit der gelbe große Hubschrauber, daneben parken diverse Feuerautos und ein Traktor. Der kleine Karton mit den Pixiebüchern findet auch noch Platz sowie die eine oder andere Stoffeule. Wer allerdings kaum noch Platz hat, ist Kind2. Aber wehe, es rührt eins an den Sachen, selbstverständlich müssen diese genau so stehen bleiben. Oke, oke, wie du meinst, Kind2.

Machen wir weiter mit dem morgendlichen Prozedere. Selbst bei Temperaturen deutlich unter 10° C und Dauerniesel ging das Kind in den letzten Wochen in Sandalen oder seinen geliebten pinken Crocs in  die KiTa. Es weiterte sich beharrlich, andere Schuhe anzuziehen, egal welche ich auch anschleppte. Alle „scheiße“, so das Kind. Also gut, dann zieh halt die Sandalen an.

Manchmal habe ich die Sorge, dass wir erzieherisch hier völlig versagen. Auf der anderen Seite: Eigentlich ist es doch auch piepegal, oder? Soll es in Jeans schlafen. Das stört ja niemand. Soll es in Sandalen in die KiTa – who cares (zur Not stehen dort ja noch Gummistiefel, der Waldtag ist damit auch gerettet). Soll es zwischen seinem ganzen Gerümpel schlafen – hauptsache es schläft gut.

Choose your battles. Denn es gibt genügend andere Baustellen, an denen wir uns aufreiben können.  Manche Sachen gehen einfach nicht, weil sie zu gefährlich sind (alleine die Fenster im 2. Stock öffnen), weil sie andere stören (andauerndes Rumgepoltere in der hellhörigen Wohnung), weil sie nerven (Kopfhörer aufbehalten wollen, während Mama vorliest ^^). Die Kunst ist, einschätzen zu lernen, was wirklich stört/gefährlich ist/nervt und was „nur“ irgendwelches Beharren auf Konventionen ist (für uns alle). Ich kapiere das nicht immer gleich, reagiere oft reflexartig (ohne Schlafanzug ins Bett? pah!) – manchmal dauert es sogar ein paar Tage, bis wir uns geeinigt haben. Was für eine Erleichterung, wenn die Eltern es endlich einsehen. Was für eine Erleichterung für unsere Nerven. Leider poppt meist genau dann eine neue Baustelle auf, wenn wir uns auf die alte gerade gemütlich eingegroovt haben.

Warum das Kind nun derzeit unbedingt in Jeans schlafen möchte, habe ich noch nicht so richtig herausgefunden. Aber manche Sachen, die wir Großen so machen, sind vermutlich auch komisch.

Immerhin die Eulen sind ordentlich aufgeräumt
Immerhin sind die Eulen an ihrem Platz

 

Backen mit Kleinkind. So gelingt’s!

Backen mit kleinen Kindern scheint nicht all zu beliebt zu sein. Zu Unrecht! Man muss nur ein paar winzige Kleinigkeiten beachten, dann klappt das schon und die St. Martins- oder Adventsbäckerei läuft ganz entspannt ab und wird zum unvergesslichen Eltern-Kind-Erlebnis:

1. Planen Sie mindestens 4x so viel Zeit ein, wie Sie eigentlich vorhaben („Das schaffe ich in einer dreiviertel Stunde“ –> gute 3h einplanen!)

2. Achten Sie darauf, dass alle Zutaten und Utensilien im Haus sind. Vergessen Sie zum Beispiel nicht, dass Sie für’s Plätzchen ausstechen die passenden Ausstechförmchen benötigen. (Ich sach ja nur … )

3. Eine kleine Herausforderung ist das Zutatenzusammenmischen. Bewahren Sie Ruhe, wenn das Kind die ganze Packung Zucker in der Schüssel versenkt, und schöpfen Sie das Überzählige vorsichtig wieder ab.

4. Rechnen Sie beim Teigkneten damit, dass das Kind die klebrige Masse an seinen Fingern nur semi-toll findet und geben Sie ihm auf dem Weg zum Waschbecken die Anweisung mit, ja NICHTS ANZUFASSE … HAAAALT! Ach egal. Man kann Türklinken und Lichtschalter auch auch wieder abwaschen.

5. Noch sind wir bei den Vorarbeiten: Teig ausrollen. Bewahren Sie dabei einen kühlen Kopf, auch wenn die Temperatur in der Küche bei gefühlten 50°C liegt. Erklären Sie dem Kind liebevoll zum 143 mal, warum es den rohen Teig nicht essen soll (Salmonellen und so. „Was is des? Wieso denn? Kann ich des eeessen? I will aber!!!“). Mit ein bisschen Geduld und viel Mehl bekommen Sie den Klebebollen schön plan ausgerollt.

6. Jetzt aber, endlich, die Kür: Ausstechen! Sie können nun das Kind wieder in die Küche rufen, das zwischenzeitlich dann doch die Lust verloren hat. Und nein, man muss beim Ausstechen nicht zwingend optimieren, sondern kann auch in der Mitte der Teigplatte damit beginnen und dann 3-4 Förmchen drumrum quetschen. Ein bisschen Gelassenheit tut hier gut. Schließlich lässt sich der Restteig wieder zusammenkneten und erneut ausrollen, siehe Punkt 5.

7. Die Form eines Sternes, Mondes oder Engels ist variabel. Seien Sie hier nicht kleinlich. Zur Not können Sie die bereits leicht bräunlich verfärbten, da gut mit Patschhänden durchgekneteten Teigbollen Kreationen Ihres Kindes unaufällig ein bisschen (! nicht zu sehr! Stichwort „kindliche Kreativität nicht behindern!“) nachformen oder in der Biotonne verschwinden lassen. Reagieren Sie gelassen auf kritische Nachfragen des Kindes an Ihren eigenen Werken („Was is des?“ Eine Gans! „Wieso sieht die so komisch aus?“ Die sieht nicht komisch aus! „DOCH! SO SIEHT EINE NICHT AUS!1!!!).

8. So, jetzt alles in den Ofen schieben, das Kind davon abhalten, die Ofentüre zu berühren und 10 Minuten warten. Kekse gut pusten. Probieren. Aber nicht alle, bitte.

9. Das glückliche mehl- und teigverschmierte Kind in die Badewanne stecken und die Klamotten in die Waschmaschine.

10. Jetzt nur noch schnell aufräumen und die Küche renovieren. Das war’s.

Ganz einfach, oder? Viel Spaß bei der kommenden Adventsbäckerei!

Das links ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren.
Das in der Mitte ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren. Das links unten sind Mond & Stern. Klar, oder? Und das rechts war eine Gans, die zum einäugigen Weckmann mutierte.

Wer das Tempo bestimmt

Manchmal fällt es mir schwer, geduldig zu sein. Da geht Kind x, gleich alt wie meines, schon ewig und drei Tage alleine aufs Klo. Oder fährt Fahrrad. Oder isst mit Messer&Gabel und schmiert sich die Hände nicht nach jedem Bissen am T-Shirt ab. Dann kommen bei den Eltern so Gedanken auf wie: Sollten wir da mal mehr hinterher sein, das Kind mehr fordern?, oder: haben wir irgend so einen mystischen Entwicklungsmoment, irgendwelche Signale verpasst – und alles zieht sich wegen unserer Unaufmerksamkeit in die Länge?

Tja, und dann erinnert uns das Kind2 daran, dass das Gras halt doch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Dass es ihm egal ist, wenn die Eltern drängeln. Dass es mit unglaublichem Willen an die Dinge herangeht, wenn es so weit ist. Und dann setzt es sich von einem Tag auf den anderen auf sein Geburtstagsfahrrad, das seit 4 Monaten unbeachtet im Keller steht. Und fährt los. Den einen Tag noch mit der Mama-oder-Papa-Hand im Rücken, am nächsten braucht es das nicht mehr. Oder es beschließt von einem Tag auf den anderen: weg mit den Windeln. Ich kann das alleine! Die Eltern haben bitte vor der Türe zu warten.

Wer hier das Tempo bestimmt, ist also klar – und wir Eltern joggen staunend hinterher.

… und die Eltern keuchen hinterher

Es lebe das Chaos … und wer räumt am Ende auf?

Wenn Kind2 und seine Cousine, beide 2 3/4 Jahre alt, miteinander spielen, bleibt kein Stein auf dem anderen. Wörtlich. Sie haben in den letzten Wochen ein Spiel entwickelt, das sich „Wegfahrn“ nennt und mit größtmöglichem Chaos endet.  Unter ständigen „Wir fahrn weg!!!“-Rufen räumen sie den kompletten Kinderzimmerinhalt (plus Bettdecken&Kissen&Dies&Das) aus und packen ihn irgendwo wieder komprimiert zusammen.*

Zum Beispiel in das Spielhäuschen (das inzwischen zerstört ist):

ins Häuschen Dabei blieb es eine ganze Weile, bis sie weiter entferntere Ziele entdeckten, z. B. das Büro des Mannes:
büroUnd jüngst den Wohnzimmertisch: untern Wohnzimmertisch Zwischenzeitliche elterliche Mahnrufe a la „das müsst ihr nachher aber wieder aufräumen“ werden mit einem „noch nicht, wir fahrn nämlich weg“ gekontert. Ist alles ausgeräumt und irgendwohin gestapelt, setzen sie sich mitten in das Chaos hinein und „fahren“.

Von mir aus können sie das machen. Es könnte sein, dass das pädagogisch ziemlich unklug ist, aber nunja: Die Kinder haben einen Riesenspaß dabei, sie sind wirklich ziemlich lange beschäftigt und völlig versunken in ihr komisches Spiel. Außerdem hauen sie sich in der Zeit nicht die Köpfe ein, keines plärrt, keines zieht nölig an meinem Rockzipfel. Sie spielen einfach, das ist toll.

Ein kleiner (mittelgroßer bis teilweise auch massiver) Wermutstropfen ist, wie könnte es anders sein, das Aufräumen. „Dreijährige sind mit dem alleine Aufräumen überfordert“, sagt der Mann, der zwischenzeitlich irgendwelche Foren zu Rate gezogen hat. „Das muss man spielerisch machen“. Äh, ja. Ich fürchte, unsere spielerischen Versuche sind noch nicht so wirklich überzeugend, dass die Kinder darauf reinfallen. Die riechen den Braten natürlich sofort. „Los, Kinder, wir fahren weg und räumen alles ins Kinderzimmer. Das macht Spaß!!!“. Netter Versuch.  „Ok, du nimmst die Kissen, ich die Bücher.“ Mmmh. Das Besuchskind räumt meistens ein bisschen mit auf, das eigene ist meistens stur. Am Ende schleppen wir den Großteil wieder zurück und fragen uns, wie man das wohl taktisch klüger löst.

Na, lieber Clan, wie macht ihr das? Oder unterbindet ihr so ein Chaos schon in den Anfängen?

* Von uns haben sie das selbstverständlich nicht. Wir fahren immer geordnet in den Urlaub.

Schlaf Kindchen schlaf … jetzt endlich!

Jeden Abend das Gleiche: Nach einem kleineren Zähneputz-Kampf in Variationen geht Kind2 ins Bett, meist einigermaßen freiwillig. Ich lege mich daneben, singe ein paar Liedchen, dann liegt es da, krault mir im Haar, blubbert vor sich hin, singt, Schnuller rein, Schnuller raus, Fläschchen rein, Fläschchen raus etc. pp, dann das Ganze wieder von vorne. Es dauert ewig, bis ihm die Äuglein zufallen, zumindest gefühlt ewig, die Minuten rinnen dahin, wertvolle Feierabendminuten. Ich übe mich derweil im innerlichen Om-Singen, nutze die Zeit, um ruhig zu werden, nichts zu denken oder irgendwas zu denken, bloß nicht ungeduldig werden, denn das spüren diese kleinen Mons.. Engelchen ja sofort, und dann geht erfahrungsgemäß gar nichts mehr.

Das funktioniert etwa 20 Minuten, je nach Stresslevel und Ruhebedürfnis meinerseits, dann beginnt das innere Hadern und 20 min später quillt mir langsam der Rauch aus den Ohren. „Schlaf jetzt e.n.d.l.i.c.h“. Tja. Damit beginnt dann die eher unproduktive Phase. Nach einer Stunde torkele ich aus dem Zimmer, geblendet vom Licht und fest entschlossen, morgen mit dem Einschlafprogramm zu beginnen. Aber echt jetzt.

Denn natürlich weiß ich um diese „das Kind kontrolliert schreien lassen“-Schlafbibel. Erfahrungsberichte von Freund*innen lassen kaum Zweifel am Erfolg: 1 – 2 Wochen Schreistress, dann ist Ruhe im Karton, das Kind wird einfach ins Bett gelegt und schläft irgendwann von alleine ein. Grandios.

Nur, ich komme mir vor wie die Monstermama*, wenn ich aus dem Zimmer gehe und ein herzzerreißend brüllendes Kind zurücklasse. Ein Kind, das mit einem bittenden „da“ neben sich tippt, um mir zu signalisieren, dass ich mich dazu hinlegen soll. Das einsam und verlassen im dunklen Zimmer … traumatisiert, frustriert … achja. Dann frage ich mich, warum ich ihm nicht einfach die abendliche Einschlafstunde schenke, ohne Hadern, weil er sie vielleicht einfach braucht.

Und gleichzeitig ist da die Frage, ob das begleitete Einschlafen ein Bedürfnis ist, oder bereits eine Gewöhnung, inzwischen Verwöhnung, die wir nun wieder auflösen sollten. Denn ich habe keine Lust, noch ein 5 jähriges stundenlang beim Einschlafen zu begleiten. Ich kann mich zwar nicht mehr daran erinnern, wie das so im Detail bei Kind1 war, aber bei Freund*innen habe ich manchmal schon innerlich den Kopf geschüttelt, wenn sie ewig nicht mehr aus dem Kinderzimmer auftauchten. Das ist jetzt vermutlich die Rechnung, Blöd-Kosmos, du..

Frl. Rabatzki hat kürzlich einen schönen Text über das Verwöhnen geschrieben. Für ein Baby würde ich das alles unterschreiben. Aber wenn es größer wird? Da finde ich es zunehmend schwieriger, Bedürfnisse von Verwöhnung zu unterscheiden. Was das Kind alleine kann, soll es auch alleine tun (dürfen). Außerdem: Wie schwer wiegt mein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung nach einem langen Tag? Mama-Dilemma. Papa-Dilemma. Wer gute Tipps hat, gerne her damit.

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Ein sehr schönes Abendritual hat sich z. B. Lotte(r)leben ausgedacht, die sich mit ihrem schlafrenitenten Kind im Traum verabredet. Das behalte ich mal im Hinterkopf bis Kind2 ein bisschen größer ist, noch ist das wohl etwas zu abstrakt.

* von Krähenmutter entnommen