Warum das Kind in Jeans schläft.

Es ist jeden Abend derzeit das gleiche Spiel: Kind2 weigert sich seit etlichen Tagen beharrlich, den Schlafanzug anziehen. Nein, es will in seinen Klamotten schlafen, in denen, die es gerade anhat. Das geht nun gar nicht, schließlich war es damit den ganzen Tag unterwegs, hat sich im Dreck gewälzt, ist durch den Sandkasten gerobbt und hat den Boden der KiTa damit gefeudelt. Anfangs versuchte ich noch, es in langen, ermüdenden Diskussionen umzustimmen. Der Schlafi ist doch viel gemütlicher, schau mal, die Jeans ist doch voll eng, blabla – das Ganze endete meist in großem Geschrei ob der mütterlichen Begriffstutzigkeit und nervlicher Kapitulation bei mir. Also musste ein Kompromiss her: Das Kind muss keinen Schlafi anziehen, aber saubere Hosen + T-Shirt. Die dreckigen Klamotten kommen in die Wäsche. Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich gibt es gerade nur 2 vom Kind akzeptierte Hosen. Außerdem muss der gesamte Inhalt der Hosentaschen in die neue Hose transferiert werden. Nach gefühlt ewigem Hin- und Hergepacke geht das Kind dann in voller Montur ins Bett: Jeans, Unterhosen, Socken, T-Shirt. Die Taschen der Hose vollgestopft mit Zeugs:  seinem Lieblingskindertaschenmesser (einem Geschenk der Schnullerfee. Wir können da nüscht für), diversen Stöckchen, einer kleinen Flasche 4711 und meinem alten Handy.

Apropos Bett, das ist bereits voll belegt: Auf dem Kopfkissen steht abflugbereit der gelbe große Hubschrauber, daneben parken diverse Feuerautos und ein Traktor. Der kleine Karton mit den Pixiebüchern findet auch noch Platz sowie die eine oder andere Stoffeule. Wer allerdings kaum noch Platz hat, ist Kind2. Aber wehe, es rührt eins an den Sachen, selbstverständlich müssen diese genau so stehen bleiben. Oke, oke, wie du meinst, Kind2.

Machen wir weiter mit dem morgendlichen Prozedere. Selbst bei Temperaturen deutlich unter 10° C und Dauerniesel ging das Kind in den letzten Wochen in Sandalen oder seinen geliebten pinken Crocs in  die KiTa. Es weiterte sich beharrlich, andere Schuhe anzuziehen, egal welche ich auch anschleppte. Alle „scheiße“, so das Kind. Also gut, dann zieh halt die Sandalen an.

Manchmal habe ich die Sorge, dass wir erzieherisch hier völlig versagen. Auf der anderen Seite: Eigentlich ist es doch auch piepegal, oder? Soll es in Jeans schlafen. Das stört ja niemand. Soll es in Sandalen in die KiTa – who cares (zur Not stehen dort ja noch Gummistiefel, der Waldtag ist damit auch gerettet). Soll es zwischen seinem ganzen Gerümpel schlafen – hauptsache es schläft gut.

Choose your battles. Denn es gibt genügend andere Baustellen, an denen wir uns aufreiben können.  Manche Sachen gehen einfach nicht, weil sie zu gefährlich sind (alleine die Fenster im 2. Stock öffnen), weil sie andere stören (andauerndes Rumgepoltere in der hellhörigen Wohnung), weil sie nerven (Kopfhörer aufbehalten wollen, während Mama vorliest ^^). Die Kunst ist, einschätzen zu lernen, was wirklich stört/gefährlich ist/nervt und was „nur“ irgendwelches Beharren auf Konventionen ist (für uns alle). Ich kapiere das nicht immer gleich, reagiere oft reflexartig (ohne Schlafanzug ins Bett? pah!) – manchmal dauert es sogar ein paar Tage, bis wir uns geeinigt haben. Was für eine Erleichterung, wenn die Eltern es endlich einsehen. Was für eine Erleichterung für unsere Nerven. Leider poppt meist genau dann eine neue Baustelle auf, wenn wir uns auf die alte gerade gemütlich eingegroovt haben.

Warum das Kind nun derzeit unbedingt in Jeans schlafen möchte, habe ich noch nicht so richtig herausgefunden. Aber manche Sachen, die wir Großen so machen, sind vermutlich auch komisch.

Immerhin die Eulen sind ordentlich aufgeräumt
Immerhin sind die Eulen an ihrem Platz