Familiengesetze zum Thema „Aufräumen“

Nach jahrelanger Beobachtung habe ich herausgefunden, dass es ein gewisses Schema gibt, nach dem gebrauchte Dinge in unserem kleinen Haushalt wieder an ihren Platz zurückgebracht werden – oder eben auch nicht.

Zurückgestellt bzw. ignoriert werden in der Regel z. B.:

  • Klopapierrollen, an denen noch maximal ein Blatt dran ist
  • Leere Shampoo-Duschgel-etc-pp-Verpackungen

Nahrungsmittel – genauer: ihre Verpackungen – werden immer dann zurück in den (Kühl-)Schrank gestellt, wenn sich in ihnen maximal noch Spurenelemente des einst darin Enthaltenen befinden:

  • Ein Joghurtglas zum Beispiel, aus dem in mühseliger Kleinarbeit noch ein halber Löffel rausgekratzt werden könnte, kommt wieder in den Kühlschrank.
  • Ebenso Milchtüten, in den sich noch maximal ein Schluck Milch befindet.
  • Keksverpackungen verbleiben der Einfachheit halber gleich im Schrank, nachdem der letzte Keks herausgeangelt wurde.

⇒ Es scheint die Regel zu gelten: Je leckerer der Inhalt, desto wahrscheinlicher findet sich die leere Verpackung im Schrank (Schokolade, Samba …).

Hintergrund hierfür muss irgendein bislang noch unzureichend erforschter Reflex sein. Vermutung: Er wird ausgelöst durch die in dem Moment erfolgreiche Verdrängung, dass die Köstlichkeiten zu nun leider leer sind. Eventuell liegt dem aber auch eine gewisse Absicht zugrunde, ausgelöst durch schlechtes Gewissen  (weil man den Rest aufgefressgegessen und nix mehr übrig gelassen hat). Oder der kümmerlichste Rest wird als noch essbar für die Restfamilie eingestuft.

Hier noch als Übersicht:

Nicht zurückgestellt werden in der Regel folgende Dinge:

  • So lange sich noch einigermaßen viel in Verpackungen befindet, verbleiben Nahrungsmittel gerne an Ort und Stelle des letzten Genusses (Brot, Käse ..). Auf dem Küchentisch oder im warmen Zimmer ….
  • Nasse Handtücher finden selten den Weg zurück an den Haken, sondern sie werden ebenfalls an Ort und Stelle des Abtrocknens fallengelasseb
  • Jacken, Schuhe, Handschuhe, dreckige Klamotten etc pp müssen scheinbar auch zwingend mit Schwung auf den Boden geworfen werden. .

Vermutlich hat das viel mit Erdanziehungskraft und dem Vermeiden komplexer Vorgänge (Dinge an andere Orte zurückbringen, z. B. zum Wäschekorb) zu tun.

Auch dies als (selbstverständlich nicht vollständige) Übersicht:

Ich nehme das Ganze mal in unsere Familiengesetzsammlung auf. (Niemand hat gesagt, dass Gesetze logisch sein müssen, oder?!)

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Hier noch ein älterer Paragraph:

Kurz vor der Verwahrlosung

In der Küche ziehen sich braune Flecken von der Kaffeemaschine bis zum Waschbecken. Krümel liegen auf dem Boden, der Müll ist randvoll. Jacken und Taschen auf den Stühlen, Zeitschriften und ungeöffnete Briefe auf dem Küchentisch. Im Kühlschrank gammelt eine verschrumpelte halbe Gurke vor sich hin, dazu Käserinden, ein alter Salat und ein bisschen Milch. Das Brot ist steinhart und über den Zwetschgen kreisen Armeen von Fruchtfliegen. Das Geschirr steht dreckig über der Spülmaschine, denn die ist noch immer nicht ausgeräumt. Vor der Waschmaschine stapeln sich die dreckigen Klamotten. Die vor Tagen frisch gewaschene Wäsche liegt auf dem Sofa, ungefaltet, auf einen Haufen geworfen. Die Klamotten von gestern liegen vorm Bett, genauso so, wie sie beim Ausziehen fielen. Die von vorgestern auch. Und die von vorvorgestern eventuell auch. Wenn sie nicht schon auf dem Stapel vor der Waschmaschine sind. Der Schreibtisch ist übersät mit Dingen. Irgendwelchen Dingen. Büchern, Stiften, Nagellack, kaputtem Spielzeug, USB-Kabeln und einem Wasserhahnadapter. Auf dem Boden liegen Bastelsachen, Taschentücher (benutzt) und eine große Stoffeule. Kaffeetassen mit eingetrockneten Resten stehen auf dem Balkon und dem Nachtisch. Daneben der want-to-read-Bücherstapel, auf einen halben Meter angewachsen und bedenklich instabil. Staub auf allen Flächen. Wollmäuse auf dem Boden. Das Bad ist ungeputzt, Zahnpasta klebt im Waschbecken, die Ablagen sind zugerümpelt und auf dem Boden liegt der abgekrachte Handtuchhalter, noch immer nicht repariert. Daneben das Handtuch. Und noch mehr Klamotten.

Im Bett liege ich. Am Sonntag um halb 11. Mit Kaffee und Buch und Laptop. Ich habe noch genau 3 Tage, um dieses Chaos zu beseitigen und so zu tun, als hätte ich in den 9 (!!!) Tagen sturmfrei selbstverständlich höchst diszipliniert in dem höchst ordentlichen Zustand gelebt, den ich sonst  der Familie gegenüber gerne proklamiere – und nicht etwa kurz vor der völligen Verwahrlosung. Ich nehme an, Sie kennen das. Oder? ODER?!

Kleingartenliebe

Seit 3,5 Jahren habe ich nun meinen kleinen Schrebergarten. Ich liebe ihn. Wann immer ich Zeit habe, bin ich dort und wühle in der Erde, zupfe Gras und Unkräuter, jage Schnecken und schaue dem Gemüse beim Wachsen zu. Oft nehme ich mir ein Buch mit, doch selten lese ich wirklich darin. Ich schlage es auf und werde abgelenkt vom Summen und Brummen. Dann sitze ich auf der Bank unter der Weinrebe und beobachte die Bienen und die Blumen und freue mich über das wilde Bunt.

Im Beet wächst alles durcheinander. Kraut neben Unkraut, Blumen neben Gemüse, große wilde Stauden neben Kapuzinerkresse. Das angepflanzte Gemüse hat es manchmal etwas schwer bei all dem Durcheinander, den Schnecken, der Feuchtigkeit vom nahe gelegenen Wald, dem Mehltau. Ein paar russische Gurken, Feuerbohnen, Cocktailtomaten, wenige Zucchini haben es dieses Jahr geschafft zu reifen, der Ertrag ist überschaubar. Dafür gibt es Pfefferminze ohne Ende und Zitronenmelisse, die Herrinnen über das Beet, und viele viele Blüten. Eine riesige Wegwarte, Blutweiderich, Lavendel, Goldrute und Herbstastern. Das meiste lasse ich einfach blühen. Für die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, und weil es einfach schön aussieht.

Vom alten Rebstock, der die Hütte halb bedeckt und von dem es bei der Gartenübergabe vor 3 Jahren hieß, er trage nur saure Früchte, erntete ich dieses Jahr über 45 kg wunderbare süße Trauben. Es hängen immer noch so einige Kilo an unerreichbaren Stellen. Die Vögel freuen sich darüber. Krass, dass ein einziger Stock so viel Ertrag liefern kann.

„Macht so ein Garten nicht viel Arbeit?“, werde ich immer wieder gefragt. Ja klar. Diese Woche stand ich zum Beispiel stundenlang in unserer Küche und kochte die riesige Traubenernte ein. Marmelade (was anfänglich ein richtiges Desaster war), Saft, Gelee, Likör. Das war ein Arsch voll Arbeit. Und manchmal habe ich mich zwischendrin gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. Ich könnte ja ebenso gut in meiner freien Zeit in der Hängematte liegen. Cocktails schlürfen, ein Buch lesen. Irgendwas anderes machen. Tatsächlich ist es aber so, dass es mir Spaß macht. Ich finde das bei all dem Chaos, das ich drumherum anrichte, bei all der Arbeit und Zeit, die das kostet, 100000 mal befriedigender, als mir im Büro (oder zuhause) den Hintern breitzusitzen. Ich freue mich darüber, dass es im Garten kunterbunt wächst, dass ich immer wieder Neues lerne, dass aus Samen Setzlinge, aus Setzlingen Pflanzen, aus Pflanzen wieder Samen werden. Ich freue mich, wenn supertolle Sachen wie Saft & Likör und Pfefferminztee dabei herauskommen. Und das alles 100% ungespritzt und voll bio und (erwähnte ich das schon?) extrem lecker. Und wenn es mal nicht so klappt, die Schnecken alles fressen, es zu viel oder zu wenig regnet und sich Mehltau über die Kürbisse zieht, schmiede ich halt Pläne fürs nächste Jahr, sinniere über Hügelbeete und doktore im Kopf an neuen Pflanzensorten rum.

Vor drei Jahren, als ich den überwucherten Garten übernahm, hätte ich nie gedacht, dass mich das Gärtnern mal so packen könnte. Inzwischen habe ich meine Leidenschaft noch ausgedehnt auf den Balkon (Tomaten, Salat, Kräuter) und den Hinterhof (Blumen, Kräuter, Tomaten). Die Nachbarinnen von rechts und links sind auch gut dabei und so entsteht so langsam eine richtig nette Hinterhofkultur mit Fachgesimpel über Pflänzlein, Setzlingstausch und Gießgemeinschaften. Ich hätte vor drei Jahren auch nicht gedacht, dass das Gärtnern so ein prima Thema ist, mit dem eins wunderbar mit allen möglichen Leuten in Kontakt kommt. Urban Gardening Projekte, Permakultur, Balkongärtnern, Mundraub, partielle Selbstversorgung, ökologische-politische-soziologische-psychologische Aspekte – es gibt unglaublich viele Ansatzpunkte, über die man sich austauschen kann. Von wegen einsames Gemuggel im engen Schrebergarten!

Ich freue mich schon jetzt auf mein 4. Garten-, Balkon- und Hinterhofjahr und werde hoffentlich wieder die Zeit haben, stundenlang zu werkeln, zu fachsimpeln oder einfach dazusitzen und die Pflanzen und Tiere zu beobachten.

Kleingartenliebe

Das Marmeladen-Massaker

Wenn ich bei meinen Eltern bin, blättere ich gerne mal in den dort herumliegenden Natur-Hochglanz-Zeitschriften. Gerade jetzt im Herbst reihen sich die DIY-Einmach-Einkoch-Vorratshaltungsartikel aneinander. In dieser sauberen, übersichtlichen Welt (die der Zeitschriften natürlich. Wobei es bei meinen Eltern auch höchst sauber ist. Selbstverständlich) sieht das alles so einfach aus. So einfach, dass ich das sicher auch mal probieren kann. In Gedanken stehe ich also Landliebelust-like in meiner blitzsauberen Küche, lasse das Obst ein bisschen köcheln, fülle es in rustikale Gläser und beklebe diese anschließend mit verklärtem Blick mit wunderhübschen Etiketten und garniere sie noch mit einem trockenen Lavendelsträußchen. Selbstverständlich arbeite ich so strukturiert, dass größere Putzarbeiten dabei nicht anfallen (von Putzen ist in diesen Heftchen eh nie was zu lesen).

Praktisch nähere ich mich diesem Hochglanzbild derzeit langsam an. Sehr langsam. Als Übungsobjekt wählte ich ca. 25 kg Weintrauben aus dem Garten, die ich zu Saft, Marmelade etc. verarbeiten wollte (s. Bild 1). Ich startete also hochmotiviert und begann in stundenlanger Kleinstarbeit die Trauben abzuzupfen, um die Früchte anschließend zu pürieren. Ich pürierte und pürierte und schaffte es tatsächlich, nicht die ganze Küche vollzuspritzen. Stolz ließ ich den Pürierstab ganz kurz und – jaja, gaaanz sicher – umfallsicher in der Schüssel stehen, um schnell einen Topf zu holen. Wie sich der Stab dabei selbstständig machen konnte, ist mir ein Rätsel. Machte er aber. Und mit ihm ein Teil der Fruchtbrühe, die munter in der Küche und auf meiner Strumpfhose herumspritzte (selbstverständlich bin ich immer schick angezogen, wenn ich in der Küche arbeite). Ich nahm das natürlich mit Humor, höhö, wie ungeschickt, muss ich gleich mal ein Foto machen und twittern (s. Bild 2. Zum Twittern kam ich dann aber nicht, siehe weiter unten). Ich wischte das ganze Geschmodder auf und stellte die Brühe auf den Herd.

Als die Fruchtbrühe schon langsam am kochen war, fiel mir siedendheiß ein, dass ich das Geliermittel vergessen hatte. Wie kann eins nur so blöd sein! Schnell die Tüte aufgerissen, Packungsinhalt in die Brühe … WIE KANN EINS NUR SO BLÖ …. Ich vermute mal, SIE wissen, was passiert, wenn Geliermittel mit heißer Flüssigkeit in Berührung kommt? Ja? Ich weiß es jetzt auch. Es geliert. Und zwar zu fetten Klumpen, die sich null und gar nicht mit der Restsuppe verbinden. So ein Schei…!! Da ich jedoch grundoptimistisch bin, nahm ich ein Sieb, um die Gelierklumpen abzusieben und kippte die Brühe durch Sieb und Trichter in das erste Glas. Unten kam tatsächlich feine Marmelade raus. Cool. Ich kippte weiter … und bedachte nicht, dass die Flüssigkeit durch Sieb und Trichter ziemlich langsam läuft. Sprich: Das Glas war nun schon voll, das Sieb allerdings auch noch. Verflixter Kackmist! Natürlich lief das Glas komplett über und saute mir die Ablage, diverse Küchenhandtücher plus ein paar der anderen Gläser und Deckel voll.

Bei Glas 2, das noch nicht vom heißen Matsch kontaminiert war, war ich vorsichtiger – ich lerne ja dazu. Allerdings erwischte ich wohl aus Versehen den falschen Deckel, was beim Auf-den-Kopf-stellen des Glases die nächste Sauerei verursachte. Mein Gefluche war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr jugendfrei – und zum Abfotografieren dieser Peinlichkeiten kam ich auch nicht mehr. Meine Laune war etwas frostig. Irgendwie schaffte ich es, 4 Gläser zu füllen. In der Küche sah es mittlerweile aus, als hätte ein Massaker stattgefunden (auch kein Foto. Siehe Laune).

Sie meinen, jetzt reicht es aber? Ja? Ich auch. Es war aber noch nicht ausgestanden. Die Marmelade wurde nämlich nicht fest. Nicht ein kleines bisschen. Was ja auch kein Wunder war, da das Geliermittel ja komplett in sich verklumpte. Ich zog also nochmal los, kaufte neues Gelierzeugs und startete abends nochmal eine Aktion. Und machte alles richtig. Also fast alles. Ich kippte die nun kalte Pseudomarmelade in einen Topf, wusch und sterilisierte die Gläser erneut, rührte Gelierdings in die kalte Brühe, kochte alles auf, füllte sie in das erste Glas, schraubte es zu, stellte es auf den Kopf. AAAAARGGGH, DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN!!! Ich erwischte wieder den falschen Deckel!! Große Sauerei! Zu dem Zeitpunkt erwägte ich, sämtliche beknackten Naturliebelandlustheftchen mit all ihren beknackten DIY-Marmeladen-Bildstrecken zu verklagen. Wegen Vortäuschens falscher Tatsachen. Oder einfach so. Weil ich sie hasse!!!

Die nächsten verschmierten Handtücher wanderten in die inzwischen fast volle Waschmaschine. Weil ich nun keine sauberen mehr hatte, mussten die alten Lätzchen von K2 ran, die ich ganz unten in der Schublade noch fand. Die Restmarmelade, die inzwischen verdächtig braun am Topfboden brodelte, kam in die verbliebenen sauberen Gläser. Es ergab genau 2. Zwei Marmeladengläser, ein Dutzend rosa verfärbter Handtücher, eine komplett vollgesaute Küche sowie leicht unterirdische Laune waren das Ergebnis dieser stundenlangen Aktion. Wenigstens wurde die Brühe dieses Mal fest. Ziemlich fest sogar. Ich vermute mal, wir benötigen einen Meißel, um sie aus den Gläsern zu bekommen.

Das mit den Etiketten bekam ich dann aber noch hin. Wenn auch ohne verklärtes Lächeln. Und ohne Lavendelsträußchen (s. Bild 3).

(Und ja, zugegeben: Sie schmeckt gut. Sehr gut sogar. Extrem gut um genau zu sein. Vielleicht sollte ich einen weiteren Versuch starten. Übung macht ja bekanntlich die Meisterin. Die Küchenrenovierung sollte ich wohl aber auf Danach verschieben.)

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Bild 1: Die Ernte
Erste Massakerspuren
Bild 2: erste Massakerspuren
2 Gläschen. 2. ZWEI!!!
Bild 3: 2 Gläschen. 2. ZWEI!!!

Backen mit Kleinkind. So gelingt’s!

Backen mit kleinen Kindern scheint nicht all zu beliebt zu sein. Zu Unrecht! Man muss nur ein paar winzige Kleinigkeiten beachten, dann klappt das schon und die St. Martins- oder Adventsbäckerei läuft ganz entspannt ab und wird zum unvergesslichen Eltern-Kind-Erlebnis:

1. Planen Sie mindestens 4x so viel Zeit ein, wie Sie eigentlich vorhaben („Das schaffe ich in einer dreiviertel Stunde“ –> gute 3h einplanen!)

2. Achten Sie darauf, dass alle Zutaten und Utensilien im Haus sind. Vergessen Sie zum Beispiel nicht, dass Sie für’s Plätzchen ausstechen die passenden Ausstechförmchen benötigen. (Ich sach ja nur … )

3. Eine kleine Herausforderung ist das Zutatenzusammenmischen. Bewahren Sie Ruhe, wenn das Kind die ganze Packung Zucker in der Schüssel versenkt, und schöpfen Sie das Überzählige vorsichtig wieder ab.

4. Rechnen Sie beim Teigkneten damit, dass das Kind die klebrige Masse an seinen Fingern nur semi-toll findet und geben Sie ihm auf dem Weg zum Waschbecken die Anweisung mit, ja NICHTS ANZUFASSE … HAAAALT! Ach egal. Man kann Türklinken und Lichtschalter auch auch wieder abwaschen.

5. Noch sind wir bei den Vorarbeiten: Teig ausrollen. Bewahren Sie dabei einen kühlen Kopf, auch wenn die Temperatur in der Küche bei gefühlten 50°C liegt. Erklären Sie dem Kind liebevoll zum 143 mal, warum es den rohen Teig nicht essen soll (Salmonellen und so. „Was is des? Wieso denn? Kann ich des eeessen? I will aber!!!“). Mit ein bisschen Geduld und viel Mehl bekommen Sie den Klebebollen schön plan ausgerollt.

6. Jetzt aber, endlich, die Kür: Ausstechen! Sie können nun das Kind wieder in die Küche rufen, das zwischenzeitlich dann doch die Lust verloren hat. Und nein, man muss beim Ausstechen nicht zwingend optimieren, sondern kann auch in der Mitte der Teigplatte damit beginnen und dann 3-4 Förmchen drumrum quetschen. Ein bisschen Gelassenheit tut hier gut. Schließlich lässt sich der Restteig wieder zusammenkneten und erneut ausrollen, siehe Punkt 5.

7. Die Form eines Sternes, Mondes oder Engels ist variabel. Seien Sie hier nicht kleinlich. Zur Not können Sie die bereits leicht bräunlich verfärbten, da gut mit Patschhänden durchgekneteten Teigbollen Kreationen Ihres Kindes unaufällig ein bisschen (! nicht zu sehr! Stichwort „kindliche Kreativität nicht behindern!“) nachformen oder in der Biotonne verschwinden lassen. Reagieren Sie gelassen auf kritische Nachfragen des Kindes an Ihren eigenen Werken („Was is des?“ Eine Gans! „Wieso sieht die so komisch aus?“ Die sieht nicht komisch aus! „DOCH! SO SIEHT EINE NICHT AUS!1!!!).

8. So, jetzt alles in den Ofen schieben, das Kind davon abhalten, die Ofentüre zu berühren und 10 Minuten warten. Kekse gut pusten. Probieren. Aber nicht alle, bitte.

9. Das glückliche mehl- und teigverschmierte Kind in die Badewanne stecken und die Klamotten in die Waschmaschine.

10. Jetzt nur noch schnell aufräumen und die Küche renovieren. Das war’s.

Ganz einfach, oder? Viel Spaß bei der kommenden Adventsbäckerei!

Das links ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren.
Das in der Mitte ist eine Martinsgans. Hätten Sie aber erkannt, oder? Die Chefbäckerin vergaß, ein entsprechendes Förmchen zu organisieren. Das links unten sind Mond & Stern. Klar, oder? Und das rechts war eine Gans, die zum einäugigen Weckmann mutierte.

Was ich mache, wenn das Kind im Bett ist

Es ist Abend, das Kind2 ist im Bett, fast wäre ich beim „Der Mond ist aufgegangen“ singen – dem derzeitigen Lieblingssong – miteingeschlafen. Schon beim Buch anschauen holte ich mir fast eine Kieferstarre vor lauter Gähnen. Doch damit ist jetzt Schluss, denn jetzt,  jippii, ist viel Zeit, um ein paar tolle Dinge für mich zu tun.

Es stehen ein paar Dinge auf meiner virtuellen to-do-Liste, die ich längst mal der Reihe nach abhaken möchte:

Ich möchte mich bei meiner weit entfernt wohnenden Freundin melden, der ich vor einer Woche versprach, zurückzurufen. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen und schon lange nicht mehr ausführlich gesprochen. Oh. „Ausführlich“ …. äh …. das geht dann sicher eine Stunde und mehr, und eigentlich bin ich gar nicht kommunikativ aufgelegt, ich habe den ganzen Tag über schon geredet, im Büro, beim KiTa-Elterngespräch, mit dem Kind, mit dem Mann, es reicht mir eigentlich für heute. Ich rufe sie ein anderes Mal an, ganz sicher. Jetzt bin ich zu schlapp.

Und dann ist da noch die andere Freundin, die letzte Woche Geburtstag hatte, der ich nicht einmal eine SMS schrieb – ok, auch die rufe ich nicht an, ich bin inzwischen eh so spät dran, das kann noch ein paar Tage warten.

Also heute keine kommunikativen Interaktionen, keine eigentlich dringend notwendige Freundinnenschaftpflege mehr, es geht mir so ähnlich wie Eva, die heute auf umstandslos darüber schrub.

Dann eben ein bisschen politische Bildung, das kann nicht schaden. Ich könnte zum Beispiel weitere re:publica-Vorträge hören, ein paar habe ich bisher schon geschafft: die Vorträge von journelle (Beyond Porn oder Die digitale sexuelle Revolution), Nele Tabler & Andrea Meyer, (#idpet – Wenn Partizipation und Grundrechte kollidieren), Felix Schwenzel (Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben), Sascha Lobo (Rede zur Lage der Nation) und Susanne Mierau (Der Online-Elternclan) – alle sehr empfehlenswert! Aber es gibt noch so viele mehr (Empfehlungen anyone?)! Ich schaue ein paar Minuten in verschiedene Vorträge rein, die über netzpolitik.org u.a. in den Feedreader flatterten, und merke, dass ich mich nicht recht konzentrieren. Zu schlapp.

Dann liegt da noch der Comic von Bechdel – jaaa, genau DIE Bechdel vom gleichnamigen Test  – den ich mir gekauft hatte, nachdem @dressedasahuman einen Link dazu twitterte. Allerdings: Es ist keine leichte Kost, man muss sich ziemlich konzentrieren, es geht um Tochter-Mutter-Beziehungen und wimmelt nur so von Anspielungen und Exkursen in die Psychologie. Ohoh, wäre schade, das nur mit halbem Hirn zu lesen, also wird das nichts. Zu schlapp.

Ok. Keine Interaktionen, keine Bildung. Dann vielleicht ein bisschen zeichnen? Oder die Küche aufräumen (urgs)? Wäsche waschen? Das häusliche Chaos lichten? Nein. Da war irgendwas mit „zu schlapp“.

Ich lege eine Denkpause ein und suche die Schokoladenvorräte in meinem Kleiderschrank. Kokos und Karamell, wen es interessiert. Ich denke an Mama007, die mir kürzlich nach meiner Litanei riet, gute Schokolade zu genießen. Und das mache ich. Ziemlich ausführlich. Ich koche Tee und beschließe: Nein, es reicht für heute, genug getan. Zu schlapp.

Dann lande ich, wer hätte es gedacht, noch einmal vorm Rechner, schlendere bei Twitter vorbei und hinterlasse:

TwitterdingsEin wenig ärgere ich mich über den Schreibfehler im Tweet, die Perfektionistin lässt grüßen, und dann tue ich genau das. Werfe alle weiteren Vorhaben über Bord und mache nach einem kleinem Chat mit dem Twitterclan die Kiste aus.

Bettdecke bis unters Kinn. Tee. Buch. Schlafen. Morgen ist schließlich auch noch ein Abend.

Was habe ich heute gemacht?

Heute war so ein Tag, der von dem lauen Gefühl, wieder nichts geschafft zu haben, begleitet war und vorläufig damit endete, dass ich übellaunig den Rest der Karamelschokolade in mich hineinstopfte. Das Kind2 war im Bett, erschöpft nach einem langen, vollen Kindertag, nicht ohne vorher noch sein Provokationspotenzial an mir ausgetestet zu haben. Nimmt mir die Mama wirklich die Trinkflasche weg, wenn ich den Inhalt ins Treppenhaus spucke? Ja – tut sie. Rabbääää. Der Papa soll kommen! Doch der ist nicht da, beruflich unterwegs, da hilft alles nichts. Gebadet und zum neunhundertfünfunddreißigsten Mal das Flugzeugbuch vorgelesen. Gesungen, Hullaballoobaley, wir fahren übers weite Meer, weil es das Lied so gerne mag, „wo fahren wir hin, Mama?“ Und Schlaf Kindlein schlaf – wie immer unterbrochen von „ich bin ein Trampeltier. Mamaaaa! Ich bin ein Trampeltier“. Ich mag nicht unterbrochen werden beim Singen und muss dann doch lachen, denn es ist absurd und das Kind kann ja nichts für meine temporäre Unausstehlichkeit.

Beim Gang in die Küche zur Restschokolade wieder der Gedanke, den Tag verschlurft zu haben, meinen freien Tag heute. So halbfrei zumindest, da ich nicht arbeiten musste, knapp 5 Stunden eigentlich nur, um genau zu sein, denn freitags schließt die KiTa um 2. Was habe ich heute alles nicht gemacht. Die Punkte meiner do-to-Liste, die irgendwo unter den Papierbergen auf dem Schreibtisch vor sich hingammelt: alle unbearbeitet. Und wenn schon nicht das, dann hätte ich zumindest lesen oder zeichnen oder über mein Leben allgemein und meine beruflichen Perspektiven im Besonderen nachdenken können, aber Pustekuchen. Hätte hätte. It’s all the the same fucking day …

Und andersherum betrachtet?

Ich habe heute

  • Frühstück gemacht, das Kind angezogen und es in die KiTa gebracht,
  • die Gefährten von Kind2 wieder aufgetrieben, die es gestern im Einkaufszentrum liegen gelassen hat. Ein Affe und ein Löwe, wofür ich einmal durch alle Geschäfte lief, überall herumfragte und schließlich zum Center Management geschickt wurde, wo die Dame der Putzkolonne mich in die Tiefen der Verwaltungsräume führte und sie aus einem dunklen Eck hervorzauberte. Wir waren beide gerührt und ich bekam noch Lutscher für das Kind obendrauf,
  • eingekauft, die Wohnung aufgeräumt, Zeug aussortiert und gekocht,
  • einen Brief Korrektur gelesen,
  • Blumen auf dem Balkon gepflanzt,
  • mich auf Twitter rumgetrieben und mit den Damen gequatscht,
  • eine Ecke im Vorgarten aufgeräumt, in die irgendjemand viele Töpfe mit verblühten Narzissen gestellt hat, letztes Jahr schon, das Kind abgeholt und mit ihm die ca. 40 Zwiebeln in den Garten gesteckt (was man erst im Herbst tun sollte, wie ich erst später erfuhr),
  • mit Kind2 beim Kinderturnen „geschnuppert“, das in einer verratzten Schulturnhallte stattfand, und dabei festgestellt, dass die Klos und Umkleideräume seit mindestens 30 Jahren nicht mehr renoviert wurden. Krass. Wie eine Zeitreise war das.
  • das Kind zu Cousine gekarrt und dort 1 h später wieder abgeholt. Mit ihm im Garten gepicknickt, es gebadet, vorgelesen, gesungen,
  • Schokolade gegessen
  • und jetzt gebloggt.

Wenn wieder so ein mistiger Ich-habe-nix-auf-die-Reihe-gekriegt-Tag ist, nehme ich mir einen Zettel und notiere, was ich gemacht habe. Dann sieht das alles schon ein kleines bisschen anders aus. Auch wenn die to-do-Liste davon nicht kürzer wird. Sollte ich es vergessen, erinnert mich gerne daran.

Gute Nacht.

Die wiedergefundenen Gefährten von Kind2
Die wiedergefundenen Gefährten von Kind2