Kleingartenliebe

Seit 3,5 Jahren habe ich nun meinen kleinen Schrebergarten. Ich liebe ihn. Wann immer ich Zeit habe, bin ich dort und wühle in der Erde, zupfe Gras und Unkräuter, jage Schnecken und schaue dem Gemüse beim Wachsen zu. Oft nehme ich mir ein Buch mit, doch selten lese ich wirklich darin. Ich schlage es auf und werde abgelenkt vom Summen und Brummen. Dann sitze ich auf der Bank unter der Weinrebe und beobachte die Bienen und die Blumen und freue mich über das wilde Bunt.

Im Beet wächst alles durcheinander. Kraut neben Unkraut, Blumen neben Gemüse, große wilde Stauden neben Kapuzinerkresse. Das angepflanzte Gemüse hat es manchmal etwas schwer bei all dem Durcheinander, den Schnecken, der Feuchtigkeit vom nahe gelegenen Wald, dem Mehltau. Ein paar russische Gurken, Feuerbohnen, Cocktailtomaten, wenige Zucchini haben es dieses Jahr geschafft zu reifen, der Ertrag ist überschaubar. Dafür gibt es Pfefferminze ohne Ende und Zitronenmelisse, die Herrinnen über das Beet, und viele viele Blüten. Eine riesige Wegwarte, Blutweiderich, Lavendel, Goldrute und Herbstastern. Das meiste lasse ich einfach blühen. Für die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, und weil es einfach schön aussieht.

Vom alten Rebstock, der die Hütte halb bedeckt und von dem es bei der Gartenübergabe vor 3 Jahren hieß, er trage nur saure Früchte, erntete ich dieses Jahr über 45 kg wunderbare süße Trauben. Es hängen immer noch so einige Kilo an unerreichbaren Stellen. Die Vögel freuen sich darüber. Krass, dass ein einziger Stock so viel Ertrag liefern kann.

„Macht so ein Garten nicht viel Arbeit?“, werde ich immer wieder gefragt. Ja klar. Diese Woche stand ich zum Beispiel stundenlang in unserer Küche und kochte die riesige Traubenernte ein. Marmelade (was anfänglich ein richtiges Desaster war), Saft, Gelee, Likör. Das war ein Arsch voll Arbeit. Und manchmal habe ich mich zwischendrin gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. Ich könnte ja ebenso gut in meiner freien Zeit in der Hängematte liegen. Cocktails schlürfen, ein Buch lesen. Irgendwas anderes machen. Tatsächlich ist es aber so, dass es mir Spaß macht. Ich finde das bei all dem Chaos, das ich drumherum anrichte, bei all der Arbeit und Zeit, die das kostet, 100000 mal befriedigender, als mir im Büro (oder zuhause) den Hintern breitzusitzen. Ich freue mich darüber, dass es im Garten kunterbunt wächst, dass ich immer wieder Neues lerne, dass aus Samen Setzlinge, aus Setzlingen Pflanzen, aus Pflanzen wieder Samen werden. Ich freue mich, wenn supertolle Sachen wie Saft & Likör und Pfefferminztee dabei herauskommen. Und das alles 100% ungespritzt und voll bio und (erwähnte ich das schon?) extrem lecker. Und wenn es mal nicht so klappt, die Schnecken alles fressen, es zu viel oder zu wenig regnet und sich Mehltau über die Kürbisse zieht, schmiede ich halt Pläne fürs nächste Jahr, sinniere über Hügelbeete und doktore im Kopf an neuen Pflanzensorten rum.

Vor drei Jahren, als ich den überwucherten Garten übernahm, hätte ich nie gedacht, dass mich das Gärtnern mal so packen könnte. Inzwischen habe ich meine Leidenschaft noch ausgedehnt auf den Balkon (Tomaten, Salat, Kräuter) und den Hinterhof (Blumen, Kräuter, Tomaten). Die Nachbarinnen von rechts und links sind auch gut dabei und so entsteht so langsam eine richtig nette Hinterhofkultur mit Fachgesimpel über Pflänzlein, Setzlingstausch und Gießgemeinschaften. Ich hätte vor drei Jahren auch nicht gedacht, dass das Gärtnern so ein prima Thema ist, mit dem eins wunderbar mit allen möglichen Leuten in Kontakt kommt. Urban Gardening Projekte, Permakultur, Balkongärtnern, Mundraub, partielle Selbstversorgung, ökologische-politische-soziologische-psychologische Aspekte – es gibt unglaublich viele Ansatzpunkte, über die man sich austauschen kann. Von wegen einsames Gemuggel im engen Schrebergarten!

Ich freue mich schon jetzt auf mein 4. Garten-, Balkon- und Hinterhofjahr und werde hoffentlich wieder die Zeit haben, stundenlang zu werkeln, zu fachsimpeln oder einfach dazusitzen und die Pflanzen und Tiere zu beobachten.

Kleingartenliebe

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Das trojanische Pferd. Gefüllt mit Zucchini

Zucchinis sind ein ideales Gemüse für die amateurhaft vor sich hinwerkelnde Kleingärtnerin. Es ist pflegeleicht und wächst mit ein bisschen Wasser und ein wenig Kompost einfach so vor sich hin. Man muss es nicht groß pflegen und es ist sehr ertragreich, eine Wonne für das Gärtnerinnenherz. Doch genau das ist auch das Problem, Stichwort Zucchinischwemme. Anfangs des Sommers freuen sich noch alle über die erste eigene Ernte und trompeten stolz „Bei mir wächst schon eine!!!!1!!!11“ über den Gartenzaun. Eifrig wird geerntet und gegessen. Es gibt Zucchini gegrillt, gekocht, gebacken. Mit Feta, Rosmarin, Tomaten. In Würfeln, Scheiben und fein gerieben. Keine Grillparty ohne „ich habe eingelegte Zucchini mitgebracht“.

Nähert sich langsam der August, schleicht sich in der bekochten Familie leichter Verdruss ein. „Oh, du hast gekocht, toll! Was gibt es?“ … „Was ganz Leckeres. Nudeln mit Tomatensoße.“ … „Und was ist das grün-schleimi…äh das grüne Zeug da drin?“ … „Nur gaanz bisschen Zucchini“ … „Oh. Mh. Ich bin ja nicht so ein Zucchini-Fan, weißt du“ – ein leicht gereizter Subtext, der sich anfangs noch gut ignorieren lässt. Doch allmählich beginnt die Familie, die bisher versucht hat, das grüne Gemüse in jeglichem Aggregatzustand irgendwie zu ertragen, zu rebellieren:

„Was kochen wir heute?“
Wir haben im Kühlschrank noch Zucchi…
“ ICH WILL PIZZA!!!!
Ah, sehr gut, die können wir doch mit Zucchini beleg…hee, wen rufst du denn an??“
„DEN PIZZABRINGDIENST!1!!11“

Aber es gibt keinen Ausweg, denn das Gemeine an der Zucchini ist ja, dass sie um so mehr produziert, je mehr sie geerntet wird. Wie bei einem Ungeheuer, dem man einen Fangarm abhackt – schwups sind zwei neue da. Lässt man die Zucchini allerdings wachsen, produziert sie Früchte monströsen Umfangs. Es hilft also nichts: Wer Zucchini pflanzt, bekommt Zucchini ohne Ende.

Dieses Jahr machte ich das nicht mit, nein, ich war ganz besonders schlau. Ich habe einfach keine angepflanzt und damit meiner Familie die Pein erspart, sich mit halbsaidenen Ausreden um das Abendessen zu drücken. Während also in den Nachbarsgärten die Zucchini vor sich hinreiften, lehnte ich mich entspannt zurück und wimmelte jeden Versuch, mir eine davon anzudrehen, entschieden ab. Pah, deren Problem. Dachte ich.

Bis eines Tages Nachbar M. im Garten erschien und mir kurz ein Eichhörnchen zeigen wollte, schau mal, da!! HE? HALT!!! Was war das denn!!!! Urplötzlich hatte ich eine Zucchini vom Ausmaß eines Säuglings in den Armen! NEEEEIN, ich will das Ding nicht und schon gar nicht so viel! Doch da war M. bereits verschwunden, irgendwas von „sorry, muss dringend weiter, bei dir ist sie in guten Händen“ murmelnd. Auch die anderen Gartengäste machten sich schnell vom Acker und so stand ich da. Alleine. Mit einem Monstrum.

Und nun? Unmöglich, das Ding der Familie in Reinform unterzujubeln, ohne Scheidung, Liebesentzug und einen Berg Pizzakartons zu riskieren. Nein, jetzt war Fantasie gefragt. Was ich brauchte, war ein Trojanisches Pferd. Gefüllt mit Zucchini. Ich setzte einen Hilferuf an das Universum (aka Twitter) ab und wurde erhört: Von Bettina bekam ich den Rat, das Gemüse in einem Schokoladenkuchen zu verstecken. Was für eine geniale, raffinierte Idee! Ich machte mich gleich ans Werk, haute ordentlich Zucchini und Schokolade in den Teig (was ja Sinn macht bei den derzeitigen 34°C) und schob das Ding in den Ofen. Was soll ich sagen: Es hat funktioniert! Das Kind hat den Kuchen gleich morgens zum Frühstück begeistert verputzt und wollte auch zum Abendessen nichts anderes (ist ja Gemüse, also schon ok, oder?). Die Kolleg*innen bekamen welchen zur Kaffeepause (und errieten nur mit massiver Unterstützung, was die Zutaten waren – nachdem sie ihn gegessen hatten, versteht sich). Der Mann war leider auf Dienstreise und ging leer aus. Aus weiteren 400g machte ich Pesto mit ordentlich Knoblauch, das kommt nun überall mit rein, sei es Soße oder Salat.

Nun sind nur noch 700g übrig *seufz*. Wobei, gerade hat der Kindergarten angefragt, wer für das Sommerfest einen Kuchen spenden mag. Ich glaube, ich melde mich mal freiwillig.

 


Hier noch ein paar Rezepttipps, vielen Dank an den tollen Support per Twitter!!!

(Ich habe die Tweets nur verlinkt, weil beim Einbinden immer der vorhergehende Konversationstweet mitangezeigt wird, das wird spätestens bei Nr. 2 nervig.)

https://twitter.com/dorothy_jane/status/623230334193242112

Türkische Puffer, aus dem Gemüse, das man nicht nennen darf? Ich mache die mit den Zutaten so wie hier: (@nahtzugabe)

Zum Verstecken ist Aufstrich vielleicht ne gute Idee. Mit ordentlich Dill und Knoblauch. (@loosy83)

Nudelsalat mit fein geraspelteter Zucchini (@strassenelfe)

Wie heißen noch diese ital. Brote mit getrockneten Tomaten & Pepperoni drin? Sowas machen & die Zucchini in den Teig raspeln? (@dorothy_jane)

bei @_frischebrise 3 gefunden: (evtl abändern), und (@moepern)

Ja, Zucchini geraspelt auch in Lasagne-Sauce für Gemüse meidende Kinder. (@kdoerfner)

Das trojanische Pferd!
Das trojanische Pferd!

10 Dinge, die mich das Gärtnern (nicht) gelehrt hat

1. Mein Einfluss darauf, was wie wächst, ist äußerst bescheiden und die Gründe für tolles Wachstum sind nicht unbedingt nachvollziehbar. Bei der direkten Nachbarin sprießen die Erbsen wir verrückt – bei mir nicht. Bei mir wächst der Knoblauch – bei der Nachbarin nicht. Sätze wie „säe doch xy, das wächst garantiert überall“ sind falsch (naja, gut, Pusteblumen vielleicht).

2. Es gibt Tiere, die mal eben 20 Tulpenzwiebeln fressen.

3. Gartennachbarschaftliche Tauschereien sind grandios und müssen nicht gegenseitig sein (a gibt Tomatensetzlinge an b, b gibt Knoblauch an c, c gibt Stauden an a, d gibt b und c Bier aus …). Zu Erntezeiten ist die Frage: „Wollt ihr Zucchini (bitte!!!)?“ allerdings ein running gag.

3. a Sehr schön sind  auch die nachbarschaftlichen Kommunikationen:
„Und, bist du auch da?“ – „jo“
„Da wird aber kräftig g’schafft!!“ – „Haja, immer!“
Ne, im Ernst: Unsere Gartennachbarinnenschaft ist toll!

4. Aber zurück zum Gärtnern: Es gibt unglaublich viele unglaublich abgefahren Pflanzen. Ich könnte stundenlang zuschauen, wie sie wachsen, und ich lasse alles stehen, was mir gefällt – Unkraut hin oder her.

Laut Gartenexpertinnen wohl ein Unkraut. Aber ein schönes. Und die Bienen mögen es auch.
Laut Gartenexpertinnen wohl ein Unkraut. Aber ein schönes. Und die Bienen mögen es auch.

5. Ich kann Ausgesätes nicht von Unkraut unterscheiden – außerdem sind die Schnecken meist schneller. Darum bevorzuge ich Setzlinge. Gelernt: Auch wenn es mir angesichts frühlingshafter Temperaturen schon im Februar in den Fingern juckt: Nicht zu früh mit Aussäen anfangen. Denn dann kann eine den Balkon ca. 2 Monate nicht benutzen, da man den ganzen Krempel ja erst Mitte Mai nach den Eisheiligen ins Freie setzen kann. Theoretisch. Siehe Punkt 6.

6. Ich bin nicht abergläubisch. Aber dass dieser f***cking Eisheilige Servatius mir meine 2 Tage zuvor rausgesetzten Tomaten, Gurken und Peperoni komplett verhagelt (und das Dach der Gartenhütte in ein Sieb verwandelt) hat, finde ich dann doch ziemlich kacke. Immerhin machte es nun aber Sinn, dass ich den ganzen Balkon voller Setzlinge hatte, so konnte ich zumindest die Tomaten ersetzen (und die Nachbarinnen gleich mitversorgen). Nächstes Jahr warte ich die Eisheiligen ab.

7. An Punkt 6 schließt sich dieser – von Dr_Gretchen treffend formuliert – an:

8. Das einzige, das Hagel ziemlich sicher überlebt, ist das hier:

Wozu sind die jetzt gleich noch mal gut?

9. Das einzige wirksame Mittel gegen Schnecken (wenn eins nicht gerade mit der Giftkeule die armen Igel etc. vergiften will) ist das:

Nicht schön, aber es hilft: Anti-Schnecken-Tupperdings
Nicht schön, aber es hilft: Anti-Schnecken-Tupperdings

10. Die Natur ist der reinste Wahnsinn (dass das Zeug jedes Jahr wieder wächst!) und unberechenbar. Zum Glück kann ich das aus Spaß machen, kann einfach Ausprobieren und muss nicht davon leben (Hagel, Schnecken, Dauerregen, kein Regen, Wühlmäuse, Nährstoffmangel, Fäule etc. pp. sind für mich zwar zum Beispiel saublöd, aber eben keine Katastrophe).

So, das waren jetzt schon 10 Punkte. Was mache ich mit den restlichen 534? Lesen Sie doch einfach die anderen 10-Punkte-Listen, z. B. im Gärtnerinnenblog (und hier) und bei der Frischen Brise.

Hier noch ein Blick ins Gärtchen:

Das Gemüse-Blumen-Unkraut Beet
Das Gemüse-Blumen-Unkraut Beet

Urwald auf dem Balkon

„Also, do glaub i net dro“, sagt der Bauer auf dem Markt zu mir, als ihn ich nach den Eisheiligen frage. Die Eisheiligen, so alle mir bekannten Gartenratgeber, vom alten Pötschke bis hin zu irgendwelchen Gartenblogs, müssen unbedingt abgewartet werden, bevor eins empfindliches Junggemüse wie Tomaten und Gurken ins Freiland setzen könne. Es könnte ja noch Nachtfrost geben. Der Bauer dagegen hält das für Quatsch, Klimaerwärmung und so, schließlich seien schon die Apfelbäume am Blühen und es komme nur noch sehr selten vor, dass es so spät im Frühling noch nachts friere.

Also packe ich meine 3 Gurken ein, die 4. lasse ich sicherheitshalber zu Hause, und setze sie in den Kleingarten. Prompt setzt am nächsten Tag Dauerregen ein, es wird schnatterkalt und ich fahre mit schlechtem Gewissen raus in den Garten, um die armen schlappen Gestalten wieder einzusammeln und zurück zur Herde auf den geschützten Balkon zu bringen. Dort warten 27 Tomaten, 9 Salbei, 8 undefinierbare kleine Grünlinge (leider vergessen, was ich da in die Töpfe versenkt habe), 5 Chili und eine Restgurke auf Gesellschaft.

Es ist das erste Mal, dass ich selbst gesät habe. Es kann sein, dass ich es ein winzigkleinesbisschen übertrieben habe. Dass ich ein minibisschen zu früh damit angefangen haben, denn das Grün wuchert wie verrückt vor sich hin, so dass kaum noch ein Plätzchen für mich auf dem Balkon übrigbleibt. Aber es ist ganz wunderbar. Faszinierend. Unglaublich, was aus einem kleinen Samenkorn so wächst. Morgens schaue ich als erstes, was meine Kinder Pflanzenschar so macht, rücke hier ein Stöckchen zurecht, gebe dort ein bisschen Wasser dazu,  freue mich an den ersten Blüten der Gurken und hoffe, dass ein paar Bienen vorbeikommen zum Befruchten (sonst klappt das nicht mit den Gurken, oder?). Noch eine Gartenaussetzaktion traue ich mich gerade nicht, jetzt warte ich doch zumindest bis nach der Republica, bis ich die Pflanzen in den Garten bringen kann. Einige bleiben auf dem Balkon, ein paar tausche ich mit den Gartennachbarinnen, ein paar verschenke ich. Und nächstes Jahr fange ich vielleicht ein bisschen später mit dem Aussäen an …

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Es sind Tomaten! Nicht was Sie denken!!

Was habe ich heute gemacht?

Heute war so ein Tag, der von dem lauen Gefühl, wieder nichts geschafft zu haben, begleitet war und vorläufig damit endete, dass ich übellaunig den Rest der Karamelschokolade in mich hineinstopfte. Das Kind2 war im Bett, erschöpft nach einem langen, vollen Kindertag, nicht ohne vorher noch sein Provokationspotenzial an mir ausgetestet zu haben. Nimmt mir die Mama wirklich die Trinkflasche weg, wenn ich den Inhalt ins Treppenhaus spucke? Ja – tut sie. Rabbääää. Der Papa soll kommen! Doch der ist nicht da, beruflich unterwegs, da hilft alles nichts. Gebadet und zum neunhundertfünfunddreißigsten Mal das Flugzeugbuch vorgelesen. Gesungen, Hullaballoobaley, wir fahren übers weite Meer, weil es das Lied so gerne mag, „wo fahren wir hin, Mama?“ Und Schlaf Kindlein schlaf – wie immer unterbrochen von „ich bin ein Trampeltier. Mamaaaa! Ich bin ein Trampeltier“. Ich mag nicht unterbrochen werden beim Singen und muss dann doch lachen, denn es ist absurd und das Kind kann ja nichts für meine temporäre Unausstehlichkeit.

Beim Gang in die Küche zur Restschokolade wieder der Gedanke, den Tag verschlurft zu haben, meinen freien Tag heute. So halbfrei zumindest, da ich nicht arbeiten musste, knapp 5 Stunden eigentlich nur, um genau zu sein, denn freitags schließt die KiTa um 2. Was habe ich heute alles nicht gemacht. Die Punkte meiner do-to-Liste, die irgendwo unter den Papierbergen auf dem Schreibtisch vor sich hingammelt: alle unbearbeitet. Und wenn schon nicht das, dann hätte ich zumindest lesen oder zeichnen oder über mein Leben allgemein und meine beruflichen Perspektiven im Besonderen nachdenken können, aber Pustekuchen. Hätte hätte. It’s all the the same fucking day …

Und andersherum betrachtet?

Ich habe heute

  • Frühstück gemacht, das Kind angezogen und es in die KiTa gebracht,
  • die Gefährten von Kind2 wieder aufgetrieben, die es gestern im Einkaufszentrum liegen gelassen hat. Ein Affe und ein Löwe, wofür ich einmal durch alle Geschäfte lief, überall herumfragte und schließlich zum Center Management geschickt wurde, wo die Dame der Putzkolonne mich in die Tiefen der Verwaltungsräume führte und sie aus einem dunklen Eck hervorzauberte. Wir waren beide gerührt und ich bekam noch Lutscher für das Kind obendrauf,
  • eingekauft, die Wohnung aufgeräumt, Zeug aussortiert und gekocht,
  • einen Brief Korrektur gelesen,
  • Blumen auf dem Balkon gepflanzt,
  • mich auf Twitter rumgetrieben und mit den Damen gequatscht,
  • eine Ecke im Vorgarten aufgeräumt, in die irgendjemand viele Töpfe mit verblühten Narzissen gestellt hat, letztes Jahr schon, das Kind abgeholt und mit ihm die ca. 40 Zwiebeln in den Garten gesteckt (was man erst im Herbst tun sollte, wie ich erst später erfuhr),
  • mit Kind2 beim Kinderturnen „geschnuppert“, das in einer verratzten Schulturnhallte stattfand, und dabei festgestellt, dass die Klos und Umkleideräume seit mindestens 30 Jahren nicht mehr renoviert wurden. Krass. Wie eine Zeitreise war das.
  • das Kind zu Cousine gekarrt und dort 1 h später wieder abgeholt. Mit ihm im Garten gepicknickt, es gebadet, vorgelesen, gesungen,
  • Schokolade gegessen
  • und jetzt gebloggt.

Wenn wieder so ein mistiger Ich-habe-nix-auf-die-Reihe-gekriegt-Tag ist, nehme ich mir einen Zettel und notiere, was ich gemacht habe. Dann sieht das alles schon ein kleines bisschen anders aus. Auch wenn die to-do-Liste davon nicht kürzer wird. Sollte ich es vergessen, erinnert mich gerne daran.

Gute Nacht.

Die wiedergefundenen Gefährten von Kind2
Die wiedergefundenen Gefährten von Kind2

 

Gärtnerischer Hoffnungsschimmer für die „Liebe Hausfrau“!

Gäbe es ein Halbjahreszeugnis fürs Gärtnern, in meinem stünde: „Sie hat sich bemüht, zeigte sich  lernwillig und anstrengungsbereit und brachte angefangene Arbeiten meist zu Ende.“ Ja, ich habe gepflanzt, gerupft und umgegraben, das Gärtchen gehegt und gepflegt, gegossen und die Pflanzen umsorgt – allein die Ausbeute, nun, die ist wahrlich etwas mau.  Von den Gurken blieben nur traurige Stängel übrig, umrankt von Schneckenschleim. Von den ausgesäten Kräuter fehlt bislang jede Spur. Die Zucchini mickerten trübe vor sich hin, bis sich die Schnecken ihrer erbarmten. Der Romanesco (von dem ich wochenlang nicht wusste, dass er so heißt) mutierte zu einer Art Gemüsemonster. Und die ganze Blumenpracht, die überall wuchert und gedeiht, bezeichnen böse Zungen übern Gartenzaun hinweg schlicht als Unkraut, das man nie mehr losbekomme. Einzig ein einsamer Kürbis könnte vielleicht noch etwas werden.

Wie oft schlich ich mich in den letzten Wochen in den Nachbargarten und betrachtete neidvoll und erstaunt die prallen Früchte, um danach zum eigenen Beet zurückzukehren und das Drama zu beklagen. Die liebe Bebe, damals noch Mitbewohnerin, schrieb ob meiner Jammerei sogar ihren Eltern im fernen Polen einen Hilferuf: „Warum wachsen die Zucchini nicht, woran kann es liegen?“. Der Antwort kam prompt und sehr bestimmt: „Das kann nicht sein. Zucchini wächst immer und überall, da kann man nichts falsch machen!!“ Schluchz.

Aber, ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont: Das wird nun alles besser. Denn die bezaubernde Bebe hat mir aus der Ferne ein kleines Päckchen geschickt. Darin: Die Rettung, entdeckt in einem Trödelladen:

Die Rettung!!!
Die Rettung!!!

Gärtner Pötschkes Großes Gartenbuch!!!11! DIE wichtigsten Tipps & Tricks zum Gärtnern, mit hübschen Zeichnungen, vielen Erklärungen, alles ganz einfach und verständlich für einen Garten-DAU wie mich. Das kommt ja wie gerufen. Fantastisch.

Auf einem Kärtchen wünscht Bebe viel Erfolg und rät noch vorsichtshalber: „Mach nur die Augen zu, wenn er dich per ‚Liebe Hausfrau‘ anspricht“. Das mache ich selbstverständlich nicht, dann würde ich ja die witzigsten Stellen verpassen, die vielfältigen Verwertungstipps für die „Liebe Hausfrau“:

Liebe Hausfrau!!
Liebe Hausfrau!!

Besonders wenn diese auch noch in Versform daherkommen:

„Die Hausfrau schätzt

die gute Möhre,

wie ich tagtäglich

wieder höre!“ *

Grandios! Da fühle ich mich doch direkt angesprochen. Ich frage mich, ob diese sprachlichen Perlen auch noch in den neueren Auflagen zu finden sind oder ob auch in der Gärtner_innenwelt zwischenzeitlich gegendert wird. Meine ist von ca. 1960. Ein interessanter Einblick in ein vergangenes Jahrhundert.

Ich werde mir das gute Stück jedenfalls den Winter über unters Kopfkissen legen, abendlich ein Verslein darin lesen, um gewappnet ins nächste Gartenjahr zu starten. Der wundervollen Bebe sei dank <3!

* S. 77, 16. Auflage, ca. 1960 laut Internet

Ein Baum fällt um

Ich war weit genug weg, um nicht erschlagen zu werden, und nah genug dran, um mir einen Riesenschreck einzufangen.
Der Sturm kam innerhalb von Minuten, hektisch packten wir unsere Siebensachen im Gärtchen zusammen und radelten gen Hause. Ich machte eine kleinen Abstecher zur Mülltonne an der Wiese, als der Sturm aufkam. Der Wald rauschte, Blätter flogen mir um die Ohren. Dann ein knarzenden Geräusch, ein Rumms – und wie ein Streichholz kippte der große Baum in der Mitte der Partywiese um. Bumm. Einfach so. Nie flitzte ich schneller über die Brücke, wer weiß am Waldrand schon, ob mir nicht der nächste auf den Kopf kracht. Den Müll nahm ich mit.

Als der Sturm vorüber war, fuhr ich noch einmal hin. Ein Mann stand da, es dämmerte schon, er weinte „So ein schöner Baum, das war der schönste hier“, sagte er. Wir standen eine Weile schweigend beisammen. Ein mächtiger, sehr alter Baum. Er war innen völlig morsch, ihn hielt nur noch der äußere Ring zusammen.

Zum Glück waren an dem Abend keine Menschen auf der Wiese, im Unterschied zum Tag davor, als viele die laue Sommernacht feierten. Wie oft saßen auch wir in seinem Schatten. Mit gutem Gefühl werde ich wohl so schnell nicht mehr unter einem Baum Schutz vor Regen & Sturm suchen. Mannomann.

Umgeknickt
Umgeknickt. The day after.
Attraktion heute
Attraktion heute
Innen völlig morsch
Innen völlig morsch