Mist, die Sonne scheint!

Familienbesuch. Ein großer Ausflug ist geplant zum Bergwerk. 3 Erwachsene, 2 Teenies, 1 Kleinkind. Leider fehlt ein Platz im Auto und so komme ich unverhofft zu einem freien Tag.

Die Tür geht zu: alle sind weg. Frei! Ein ganzer langer Samstag Mittag. Schnell das Morgenchaos der ganzen Bande beseitigen und dann aufs Sofa hechten. Laptop an und kopfüber in die Endlosschlaufe: Twitter, Blog, Facebook, Feedreader, Nachrichten. Und wieder zurück.

Ärgerlich ist nur, dass die Sonne so aufdringlich scheint. Ein güldener Herbsttag. Selbst Vorhänge zuziehen bringt nur bedingt etwas. Bei Sonnenschein kommt die von den Eltern in jahrelanger Kleinarbeit mühsam eingeträufelte Konditionierung zum Ausbruch: „Kinder, Sonne scheint! Rausgehen!“. Jahrelang kam ich gut dagegen an, wenn auch mit latent schlechtem Gewissen. Aber mit zunehmendem Alter juckt es mich selbst in den Knochen … manche Erziehungserfolge zeigen sich halt doch erst spät. Aber trotzdem: Gleichzeitig zieht mich das Netz in seinen Bann – und schwupps ist die erste Stunde der freien Zeit vorüber.

Dann kommt eine SMS vom fürsorglichen Liebsten (der bereits vorm Bergwerk steht, aber nicht mit hinein kann, weil das Söhnchen seelig im Autositz schlummert): „Freundlicher Reminder: Rausgehen nicht vergessen“.

Okehe, ich gebe auf. Also gut. Schuhe an, Kamera gepackt. Raus in den Herbst. In die Sonne. In den BuntenBlätterWald. Auf den Berg.

Ich brauche ca. doppelt so lange wie sonst für den Weg, weil ich an jedem zweiten Pilz & Blatt stehenbleiben muss. Zum Bewundern (und Luft holen, ehrlich gesagt … Mannomann, dass sich Kondition immer so rasch verflüchtigt!). Pilze in Hülle und Fülle. Schade, dass ich mich null auskenne, sonst könnte ich eine Schwammerlsuppe für die ganze Familie + Nachbarschaft kochen. Überall beginnen die Herbstmalereien. Es ist wunderschön. Und bei all der Herumschauerei entdecke ich doch tatsächlich noch diesen Herrn hier ^, der abseits im Brombeergebüsch wohnt. Er ist mir noch nie aufgefallen, obwohl ich den Lieblingsweg sicher schon 100 mal gegangen bin.

Zuhause angekommen, nach 4 h Wald, erwartet mich die Familie am Kaffeetisch. Ein Glück haben sie mir etwas vom weltbesten Käsekuchen übrig gelassen*, so dass ich das Kalorienloch wieder auffüllen kann.
*(ha, und wehe wenn nicht. Ich habe auf dem Weg ca. 95 prophylaktische Droh-SMS geschrieben)

Tja, und wie immer nach so einem schönen Tag nehme ich mir vor, mich öfters aufzuraffen und in meiner freien Zeit rauszugehen, statt all zu sehr in der Bude und vor dem Rechner zu versumpfen. Hilft (zumindest bei mir) gegen zu heftiges Grübeln & tut sehr gut. Wenn nur diese Überwindung nicht wäre …

Außerdem könnte ich langsam mal anfangen, Kind 2 zu konditionieren. Und bei Kind 1 nachhaken, wie es um den Rausgehdrang bestellt ist. Selbstverständlich bekam es auch immer zu hören: „Kind, Sonne scheint! Rausgehen!“.

So, und zum Schluss noch:

Ein tränendes Herz
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2 Antworten zu Mist, die Sonne scheint!

  1. Bebe schreibt:

    Schön! Bei uns, zum Glück, regnet es heute 😉 Das mit Kondition finde ich auch unverschämt!
    Tja, Das schwierigste ist der erste Schritt. Komischerweise, geht es mir leichter joggen zu gehen als spazieren. Spazieren alleine finde ich irgendwie schwieriger zum umsetzen. Komisch.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Advent, Advent – nur die Sonne brennt | cloudette

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