Das Kind alleine schaukeln – Hut ab!

5 Tage mit Kind 2 alleine, der Papa ist weit weg auf einer Konferenz. Puh, ich hatte ganz vergessen, was für eine Herausforderung es ist, alleine für ein Kind da zu sein. Im Großen und Ganzen wusste ich es natürlich noch (wenn auch die Kleinkindzeit mit Nr. 1 schon ewig her ist), aber die täglichen Kleinigkeiten hatte ich ein bisschen verdrängt:

Duschen: Das Kind möchte natürlich mit, ist ja sonst keiner da. Es steht am Badewannenrand, zieht seine Pulloverärmel durch die Wasserlachen und findet es sehr lustig, herumliegende Sachen in die Wanne hineinzuwerfen. Irgendwann reicht es mir die Klamotten an. „Da!“ Nett gemeint, aber blöderweise läuft das Wasser noch … *

Pünktlich sein: Das Kind ist, wie üblich, ab halb 6 wach (jaja, weiß auch nicht, was das für eine komische Phase ist) und gegen 7 wieder eingeschlafen. Ich muss um 9.00 Uhr im Büro sein. Es gibt kein Backup, also muss ich das Kind um 8 wecken (nicht gut). Hektik. Wickeln, anziehen, Frühstück, in Schneeanzug stopfen, zur KiTa rasen, das Kind möglichst unhektisch abgeben, zum Büro rasen. Und um Schlag 9 völlig verschwitzt zum Meeting erscheinen. Ich bin die Erste. Toll.

Wäsche waschen: Wie kriege ich den Wäschekorb in den Keller? Kind + Korb tragen geht nicht, zu schwer, zu unhandlich. Kind in den Korb setzen? Klappt nicht. Kind selbst laufen lassen? Dann brauchen wir ca. 1 Stunde in den Keller und wieder zurück, weil es jede Schraube am Treppengeländer untersuchen muss. Und warum treppabwärts gehen, wenn es auch hoch geht? Also das Projekt verschieben bis zur Schlafenszeit.

Müll runterbringen: siehe Wäsche waschen.

Kochen: Kind ist müde nach einem langen Tag. Hat Hunger, unaufschiebbar. Ist anhänglich, möchte auf den Arm. Einhändig Nudeln mit Soße kochen. Stärkt die Armmuskulatur.

Einkaufen: Mist, die Milch wird knapp. Es hat natürlich keiner eingekauft. Wer auch. Jetzt nochmal los? Kind wieder in 30 Schichten einwickeln – Kinderwagen aus dem Keller holen – einkaufen – Kinderwagen wieder runterbringen – Kind aus den Schichten herauspellen. Och nö.

Feierabend: Kindchen schläft. Das Sofa ruft. 7 h Bürojob plus family, das schlaucht mich auch an „normalen“ Tagen. Aber Moment, da war ja noch was. Das Wäsche-Projekt zum Beispiel, das hatte ich ja auf abends verschoben. Und der Abendbrottisch ist auch noch nicht abgeräumt. Überall liegt (Spiel)Zeug rum. Der Müll stinkt übelst vor sich hin, den müsste ich auch noch runterbringen … Alternativ könnte ich auch im Chaos versinken, aber das wird dann ja noch schlimmer am nächsten Tag. Also erst mal aufräumen. Danach Sofa. Müüüde. Sehr müde.

Feiertag / Wochenende: Herbeigesehnte Tage – solange ich kein Kleinkind (mehr) hatte. Nun dehnen sich ebendiese aus wie Kaugummi, haben gefühlt 36 Stunden. Erwische mich dabei, wie ich bereits am Sonntag um 16 Uhr nicht mehr weiß, was ich jetzt noch mit dem Kleinen tun soll und die Stunden bis zur Schlafenszeit zähle.

5 Tage sind völlig ok und es war eine schöne, intensive Zeit nur zu zweit. Aber sie haben mir auch wieder klar gemacht, wie krass es alleine ist. Niemand da, um einen abzulösen mal eben einzukaufen, den Müll runterzubringen etc. pp. Von sich austauschen, Verantwortung teilen und gemeinsam entscheiden mal gar nicht angefangen.

Deshalb möchte ich hier&jetzt mal virtuell den Hut ziehen vor all den Mamas und Papas, die das tagtäglich machen: Die allein erziehend sind oder aus anderen Gründen den Alltag alleine wuppen. R e s p e k t !!!!

Den Hut ziehen – welchen auch immer

Wer mag, kann hier weiterlesen: Blogs von Mamas (von Papas kenne ich keine), die das Kind weitgehend alleine schaukeln: Krähenmutter, AlsmenschverkleidetThisisyourdaughter, bzw. im Alltag hauptsächlich zuständig für die Versorgung sind: Achtung Mama, Mutter & Mensch.

* Bevor sich jemand hier und im Folgenden über vermeintlich schlechte Erziehung mokiert: Das Kind ist 1 1/2 Jahre alt. Wir üben noch.

Über cloudette

Familie, Feminismus & Firlefanz
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11 Antworten zu Das Kind alleine schaukeln – Hut ab!

  1. Bebe schreibt:

    Meine Schwester macht das alleine. Krass.
    Helden des Alltags. Hut ab!

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  2. aufZehenspitzen schreibt:

    ich stelle mich dazu und ziehe ebenfalls den hut. (grad neulich war der freund ein wochenende weg … kaugummi ist dafür gar kein ausdruck.)

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  3. achtungmama schreibt:

    Ja, ich habe auch riesigen Respekt davor. Es gibt zwar Momente, da wünsche ich mir auch mal wieder alleine zu sein, aber nach ein paar Tagen, an denen man nur abends zum essen und atmen kommt, reichts dann auch wieder.

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  4. momatka schreibt:

    Lieben Dank für die Verlinkung, aber ich bin – zum Glück – gar nicht alleinerziehend. Bin nur gerade alleine in Elternzeit und habe den Gatten trotz langem Arbeitstag (nicht nur) zum Müll runter bringen, Kindchen halten und mal ein paar Stunden kindfrei machen.
    Vor Alleinerziehenden habe ich einen riesigen Respekt. Und danke doch jeden Tag dafür, dass ich mich dieser Aufgabe nicht alleine stellen muss! Also, ich schließe mich an: Hut ab, ihr Held_innen des Alltags!

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    • cloudette schreibt:

      Ja, hatte ich auch so verstanden in deinen Posts: nicht dass du allein erziehend bist, aber im Alltag das Kind zum großen Teil alleine versorgst Auch eine Herausforderung. Ich mache nachher mal oben 2 Sätze draus (wenn der Kleinkindalarm hier rum ist. Hier randalieren grad zwei 1 1/2 jährige).

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  5. Mama arbeitet schreibt:

    Das geht mir gerade runter wie Öl. Denn ich bin alleinerziehende Mutter von dreien (3, 6, 12 Jahre alt), der Vater holt die Kinder so gut wie nie und dann nur stundenweise ab, und gerade habe ich 4 Tage am Stück die Kinder, denn hier ist Brückentag und Feiertag. Schön, wenn jemand merkt, dass das eine Leistung ist. 🙂

    Lieben Gruss, Christine

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  6. cloudette schreibt:

    @Christine: wow, gleich 3. Da ziehe ich glatt drei Hüte! Ich hoffe, du bringst die Feier-Brücken-Sams-und Sonntag gut und hoffentlich auch mit Spaß rum.
    @achtungmama: ich weiß nicht, ob ich’s richtig verstanden habe, aber manchmal ist es tatsächlich alleine einfacher, wenn auch nicht toll (wenn z. B. die Beziehung schlecht ist, es nur Streit gibt, der Papa sich eh nicht kümmert etc. pp.)

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  7. Marie schreibt:

    Ich weiß, es war sicher nicht lustig, aber ich musste gerade laut lachen bei der Abwägung Wäsche waschen versus Treppe laufen mit Kleinkind 🙂 Meine ist jezt fast ein Jahr, noch tragen wir sie überall hin, aber ich erinner mich bei meinem Großen waren die Treppen auch immer Tagesprojekte 😉 Danke für das schöne Schmunzeln am Abend!

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  8. kraehenmutter schreibt:

    haha auch ich musste lachen – thema duschen!
    genau so isses und ich bin jeden morgen froh wenns vorbei ist.

    und zum anderen organisatorischen: klar, viel geht nicht, aber ich finds auch entspannter. frau wartet nicht, dass es jemand anderes tut, sondern ihr ist ganz klar: ich muss es machen. oder auch nicht.

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  9. Pingback: Kollisionen « Mutter & Mensch

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