Zweikampf mit dem Wasserhahn

Irgendwann im Dezember 2012: Der Badezimmerwasserhahn tropft. Durch kräftiges Zudrücken hält er dicht.

Februar 2013: Der Hahn schließt nur noch, wenn man ihn gaanz fest nach rechts zudrückt. Ich unterweise den Mann im richtigen Badezimmerwasserhahnzudrücken.

März 2013: Ich schreibe mit Kajal an die Kacheln: Kräftig zudrücken, sonst tropft es!! Und stelle fest: Es lässt sich über tropfende Wasserhähne vortrefflich streiten. „Der Hahn lief schon wieder!!!“ „Ich war nicht im Bad!!“ „Wer denn sonst, also ICH mache den immer richtig zu!!!!

April 2013: Besucher*innen werden mit den Worten begrüßt: Schön, dass ihr da seid, ihr müsst den Wasserhahn im Bad immer gut zudrücken, sonst läuft der!!!11!!

Juni 2013: Schreibe mit Kajal an die Kacheln: FEST ZUDRÜCKEN!!!! Und male einen Totenkopf dahinter. Gebe einen familieninternen Workshop zum Thema: Wie schließe ich unseren Wasserhahn richtig.

September 2013: Schaue mir ein Wasserhahn-Reparier-Video an und beschließe, das selbst in die Hand zu nehmen. Bis dahin erneuere ich den Kajal-Anschrieb: NACH RECHTS ZUDRÜCKEN VERDAMMTE KISTE!

Oktober 2013: Kaufe im Baumarkt einen äh etwas günstigen Wasserhahn und packe ihn zuhause aus: OMG. Das ist ja schlimmer als das 3-D-Kölner-Dom-Puzzle meiner Oma. Alles in Einzelteilen! Ich  bastele das Päckchen wieder zusammen und bringe es zurück in den Baumarkt.

November 2013: Bin schockiert von zwei Handwerkerrechnungen (andere Baustelle) und finde, dass man gut mit einem undichten Wasserhahn leben kann. Wenn MAN(N) sich anstrengt! Kaufe mir einen neuen Kajal.

19. Dezember 2013, 15.42 Uhr: Der Wasserhahn gibt den Geist endgültig auf und sprudelt wie ein Springbrunnen vor sich hin. Kacke. Der Mann und ich erwägen, ob der Misere doch einen Handwerker zu bestellen, erreichen aber überall nur ABs.

16.00 Uhr: Wir finden nach längerem Suchen den Hauptwasserhahn. Uff. Der Mann schrottet bei dem Versuch, den Wasserhahn abzumontieren, unseren Schraubenzieher. Wir streiten nicht.

16.15 Uhr: Der Mann geht mit Kind2 ins Kinderturnen. Ich google „Wasserhahn reparieren“. Dabei fällt mir auf, dass ich die DIY-Videos bereits kenne (sehr zu empfehlen!).

16.30 Uhr: Montiere erfolgreich den Wasserhahn ab. Schonmal ein Arbeitsschritt weniger. Erstelle einen Notfallplan für die Feiertage. Man kann ja gut auch in der Badewanne Zähneputzen. Oh wait. Das Wasser ist ja abgestellt. Mist.  Gut, dann halt auf morgen warten und einen Monteur suchen.

16.45 Uhr: Nein, ich probiere das nicht selbst. Das gibt eine Katastrophe. Wasserschaden im Bad. Ach was, im ganzen Haus. Ich kann das nicht.

17.00 Uhr: Ich finde mich auf dem Fahrrad gen Baumarkt fahrend wieder. Dort betrachte ich die  ca. 254 verschiedenen Modelle und frage einen Typ im Blaumann, worauf ich achten muss. „Naja, der Hahn muss halt passen!“. Ah, ja. Danke. Und wie genau? „Ha, zum Rest der Einrichtung muss der halt passen.“ ^^ Wenn es sonst nichts ist …

18.00 Uhr: Wieder zuhause. Mit einem Wasserhahn. 15 Euro mehr als letztes Mal, ich finde dafür einen fertig zusammengeschraubten Hahn in der Packung. Das sieht gut aus.

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18.10 Uhr: Ich schaue die Gebrauchsanleitung an und überlege, den ganzen Schrott wieder einzupacken.

18.16 Uhr: Ich klemme unter dem Waschbecken. Sieht soweit ganz gut aus.

18.25 Uhr: Ich klemme immer noch unter dem Waschbecken und bräuchte mal eben 3 Hände. Eine, die oben den Hahn hält, eine, die die Unterlegscheibe festhält, und eine, die die Schraube festzieht. Es knickt abwechselnd der Hahn oben weg und die Schraube flutscht mir aus den Fingern. RIESENGROßEFICKKACKE gehört zu den harmloseren Schimpfwörtern, die die Nachbarn in diesen Minuten hören.

18.28 Uhr: Kind2 kommt zurück und klemmt sich begeistert zu mir unters Waschbecken. „Was is deees? Was machst duuu?“. Es schnappt sich die Rohrzange und will mitmachen. Die folgenden Minuten zählen nicht gerade zu meinen mütterlichen Glanzstücken.

18.40 Uhr: Kind2 heult, der Mann ist genervt, die Schimpftiraden aus dem Bad sind nicht mehr jugendfrei.

18.53 Uhr: Der Wasserhahn ist festgezurrt!!! Jetzt noch die Anschlüsse dranfriemeln. Ächz. Der Mann stellt das Wasser wieder an. Mir ist schlecht vor Angst. Jetzt folgt gleich die Überflutung.

18.54 Uhr: Keine Überflutung. Es hat funktioniert? Echt jetzt?! ES HAT FUNKTIONIERT!!!!

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bis ca. 23 Uhr: Überprüfe im 5-Minuten-Takt den Wasserstand im Bad. Nix tropft. Alles super. TSCHAKKA!!!!!!!!!

20.12.13, 8.15 Uhr: Die Sanitärfirma ruft an. „Hat sich erledigt, wir haben das hingekriegt.“ „Ohh, super“, freut sich die Frau am anderen Ende der Leitung. Und ich mich erst. Ich sags ja. Selbst ist die Frau. Dauert nur manchmal ein Weilchen.

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Familie, Feminismus & Firlefanz
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13 Antworten zu Zweikampf mit dem Wasserhahn

  1. Nesselsetzer schreibt:

    Hast Du gut gemacht. Da kann ja eigentlich nichts mehr passieren – eigentlich. Wasser könnte höchstens noch am Anschluss langsam in die Wand laufen, wenn dieser nicht richtig abgedichtet ist und die Wand unmerklich aufweichen, bis sie einfällt – oder durch die Wand langsam in den Keller laufen – oder heimlich eine Stromleitung in der Wand wässern bis sie schmort, oder plötzlich das Gewinde abspringen und die Wohnung über Nacht überfluten, oder… alles zusammen! (Panik!)
    Aber ich will ja niemanden beunruhigen….

    😀

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  2. Ute schreibt:

    Danke für diesen Post !!! Ich kann das so gut nachfühlen.
    Drücke die Daumen dass alles weiter passt und hält .
    liebe Weihnachtsgrüße !
    Ute

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  3. momatka schreibt:

    Was für eine herrliche Geschichte. Ich dachte gar nicht, dass das so kompliziert wäre. Ich gratuliere dir zu dieser erfolgreichen Reparatur & bin zuversichtlich, dass ihr trocken durchs neue Jahr kommt. 🙂

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  4. vomwerdenzumsein schreibt:

    Sehr gelacht. Vielen Dank dafür. Und Respekt!

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  5. kraehenmutter schreibt:

    haha, schön!

    dann tiefenentspannte feiertage mit eurem neuen mitbewohner! ❤

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  6. Auberle schreibt:

    Ich hab mich köstlich amüsiert und den Hunger vergessen, als ich lange auf das Frühstück mit Kind 1 warten musste (der musste mal wieder richtig ausschlafen). Danke!!!
    A.S.

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  7. Pingback: What to do mit alten to-do-Listen? | cloudette

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