Unerledigte Projekte in Wohnungsecken

Die Freundin dreht eine Runde durch die Wohnung „hat sich denn was verändert hier seit dem letzten Mal?“, nein, nicht viel. Es ist unaufgeräumt, zu viel Gerümpel immer noch überall. Doch plötzlich entdeckt sie im Wohnzimmer die roten Bänke. „Ha! Die waren letztes Mal noch nicht da.“ Ja, die sind von Oma, Erbstücke. Sie waren potthässlich bezogen mit Blümchenstoff. Ich habe einen roten 70er-Jahre-Vorhang darübergezogen und festgetackert. Jetzt sind sie zwar immer noch nicht hübsch, aber einigermaßen ok und funktional und überhaupt: eine Erinnerung an Oma. Wie oft saßen wir Enkel auf dieser Bank, schon als wir miniklein waren und zuletzt in ihrer Wohnung bei Kuchen und Kaffee.

„Das hast du selbst gemacht? AAAAhh. Da krieg ich doch glatt ein schlechtes Gewissen, wenn ich das sehe. Ich hab da seit Monaten ungenähte Kissenbezüge in der Ecke liegen, die wollte ich schon ewig mal …“ Einen Moment lang wundere ich mich, das ist doch eigentlich mein Part. Ich bin die Meisterin im Dinge-vornehmen, to-do-Listen schreiben, Pläne schmieden. Ich bin Meisterin im Dinge anschleppen, Material sammeln, Ideen überlegen. Ich bin Meisterin im mich-grämen, dass ich kaum etwas davon umsetze. Weil ich 1000 andere Dinge stattdessen tue. Arbeiten, Garten, Kind, Haushalt, surfen, faul rumhängen, lesen, Serien glotzen. Weil ich vielleicht einfach kein Händchen für Deko & co habe. Weil ich vielleicht einfach nicht so viel Energie habe wie andere. Weil ich vielleicht 1001 Dinge auf der do-to-Liste brauche, um mal 1 davon abzuhaken an einem kreativ-aktiven Tag. Ach, was weiß ich warum.

Schau mal hier: Die Bank in der Küche habe ich vor 12 Jahren vom Sperrmüll angeschleppt mit dem festen Vorsatz, sie wunderschön zu restaurieren. Seither steht sie da. Oder die Kommode in meinem Zimmer, geerbt von Opa, alt und so schrabbelig, dass die nicht mal als shabby-chic-vintage-trendy durchgeht. Schon ewig will ich die abschleifen oder mit irgendwas bekleben. Seit 25 Jahren, um genau zu sein. Im Wohnzimmer hatten wir fast 2 Jahre nur eine nackte Glühbirne von der Decke hängen, weil ich einen Lampenschirm basteln wollte. Irgendwann habe ich so einen Papierballon aus dem Bauhaus gekauft. In meinem Zimmer türmten sich wochenlang leere Tetrapacks, weil ich nach dem Vorbild meiner Schwester einen tollen coolen Upcycling-Korb flechten wollte. Ich habe sie irgendwann im gelben Sack versenkt. Noch mehr Beispiele gefällig?, frage ich leicht außer Atem. Nein nein, die Freundin ist beruhigt und ich bin es auch. Es tut ja gut zu hören, dass sich in anderen Wohnungsecken ebenfalls unerledigte Projekte türmen, und immerhin habe ich diese blöde Eckbank bezogen, es geht voran.

Im Wohnzimmer mag die Freundin sich dann aber doch nicht niederlassen, „es ist ungemütlich hier“, sagt sie. Ich mag es auch nicht, stimmt. Nur: Was tun? Vielleicht hilft ein bisschen Farbe an den Wänden? Ein anderer Teppich? Pflanzen? Ach, sie weiß es auch nicht und lässt sich demonstrativ auf meinem ungemachten Bett nieder. „Hier ist es gemütlicher“ Ich trage Kerzen, Wein & Chips hinterher und habe unversehens ein weiteres fettes Projekt auf meiner Liste stehen. Gleich morgen kümmere ich mich darum. Oder übermorgen. Oder …

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Warum ich an einem wunderschönen Tag zu Hause blieb

Was für ein Tag! Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht: Bei strahlendem altweibersommerlichem Sonnenschein den ganzen lieben langen Tag zu Hause bleiben. Weder setzte ich einen Fuß vor die Türe noch räumte ich auf oder putzte oder las Bücher. Die Sonne hinderte ich mittels Gardinen daran, allzu penetrant ins Zimmer zu scheinen, und ich stürzte mich kopfüber und ohne den Anflug eines schlechten Gewissens auf die Nähmaschine und saß wie festgetackert 6 h davor fest.

Ermöglicht hatte mir das der Mann, der samt Kind und Freund*innen einen Ausflug unternahm. Seinen Vorschlag, daheim zu bleiben, nahm ich nach 25 Millisekunden Überlegen an (schließlich möchte ich nicht als komplett unsozial gelten, haha).

Am Tag davor hatte ich auf dem Spielplatz das Büchlein „Nähen“ von Constanze Derham durchgelesen. Ein prima Einsteigerinnenbuch für Näh-Newbies!  Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht alles verstanden habe – so habe ich das Kapitel über Reißverschlüsse einnähen (ab S. 24) sicher 3x gelesen und nicht kapiert – aber das mag auch daran gelegen haben, dass gefühlt alle 25 Sekunden ein Kind neben mir saß und wollte, dass ich irgendetwas anschaue, mir anhöre oder womöglich mitmache. Außerdem ist „Anleitungen lesen“ für mich auch ein bisschen wie Trockenschwimmen. Ich muss es tun und beim Tun kann ich nachschlagen und mich durch Anleitungen wühlen. Aber wie gesagt: Das Buch ist super als Einstieg, schon alleine, weil viele Grundlagen und Fachbegriffe erklärt werden: wie man ein Schnittmuster vermisst, wie die unterschiedlichen Nähnähte heißen, was Blenden, Belege, Einkräuseln etc. ist.

Sehr gespannt habe ich den Projekte-Teil gelesen – hier sind Anleitungen für eigene kleine Nähvorhaben. Besonders gefallen haben mir hier die Taschen, zumal ich gerade einen kleinen Geldbeutel brauche.

Also habe ich mir das als erstes Projekt vorgenommen. Es ist gut beschrieben und für Anfängerinnen ganz gut machbar, finde ich. An Stoffen habe ich das genommen, was hier rumlag: Reste alter Handtücher, zerrissene Hosen von Kind2, ein alter roter 70er-Jahre-Vorhang und als Innenfutter den missratenen Rock aus meinen Ucycling-Näh-Projekt. War er also doch noch für etwas gut. Uralte Reißverschlüsse hatte ich auch noch.

Schon das erste Täschchen sah ganz gut aus, fand ich. So gut, dass ich, berauscht vom Erfolg, gleich ein zweites hinterherschob. Der Mann wollte schließlich auch eines haben. Und ein drittes. Ein viertes. Nunja, es wurden letztendlich 6 Stück. Weil .. Täschchen kann man ja nicht genug haben, oder? Oder: Es.machte.einfach.saumäßig.Spaß!!! So sehr, dass ich in den 6 Stunden weder den Schlafanzug auszog, noch Tee kochte, noch Schokolade aß.

Dafür hörte ich über weite Strecken die Podcasts „In trockenen Büchern“ von Alexandra Tobor. Sie stellt in 20 Minuten jeweils ein Sachbuch vor und verknüpft die Inhalte sehr unterhaltsam und interessant mit ihren persönlichen Erfahrungen. Z. B. „Konsumkids“ (Susanne Gaschke: „Die verkaufte Kindheit“) über Kinder & Werbung oder über Introversion (Susan Cain: „Die Kraft der Introvertierten“) oder über „Warenästhetik“ (Walter Ullrich: „Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung“). Sehr empfehlenswert!

Jetzt freue ich mich schon auf neue Ideen. Wage ich mich schon an Klamotten? Falls jemand Tipps hat für überschaubare Kleinprojekte: Gerne her damit :-). Morgen muss ich allerdings eine kleine Pause einschieben. Der Mann hat frei und ich bin Kind2 auf dem Bauernhof. Auch schön!!!

Täschchen mit den obligatorischen Eulen.
Täschchen aus Vorhang und alter Hose mit den obligatorischen Eulen.
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Sammlung aller Kleinprodukte
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Handtuchtäschchen. Beweis: innendrin befindet sich als Futter der olle braune Rockstoff

Von hässlicher Hose zum hässlichen Rock – mein 1. DIY-Upcycling-Näh-Projekt

Es war geplant als überschaubares erstes Nähprojekt. Das heißt: Eigentlich war überhaupt nichts daran geplant, es gab nur diese Idee, mir endlich einmal etwas selbst zu nähen. Seit Monaten herrscht hier nämlich Klamottenflaute. Ich kaufe mir keine neuen Sachen mehr, weil mir erstens nichts gefällt, was es so in den 08/15-Läden gibt. Zweites passt mir mit 98%iger Sicherheit das, was mir gefällt, nicht. Und drittens weigert sich mein Gewissen, Zeug zu kaufen, das unter übelsten Bedingungen irgendwo zusammengenäht wurde.  So weit, so klar. Weil ich aber schlecht dauerhaft in meinen mittlerweile ausgeleierten Klamotten das Haus verlassen kann, fing ich an, Second Hand zu kaufen. Wir haben hier einen sehr tollen und ziemlich günstigen Laden. Aber auch das löst ja nicht Problem eins und zwei und mildert höchstens Nummero 3.

Da ich zumindest theoretisch mit Upcycling liebäugele, dachte ich mir, dass ich diese Themen doch gut verbinden könnte. Warum also nicht aus einer alten Hose, die ich sowieso nicht mehr anziehe, einen Rock nähen? Also kurz durch verschiedene Anleitungen gesurft, Nähmaschine rausgeholt, Hosenbeine π mal Daumen abgesäbelt, Naht vorne und hinten aufgetrennt, 2 Dreiecke ausgeschnitten, die ich vorne und hinten einsetzen wollte, und los.

Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass der Unterfaden leer war. Das ist immer so. Aber nicht nur das, die Spulenkapsel wackelte hin und her wie ein Kuhschwanz und machte fürchterliche Geräusche. Also ab in den Nähladen und mir dort die Info geholt, dass die Spulenkapsel hinüber sei und ich meine 20 Jahre alte Nähmaschine gleich ganz entsorgen könne, denn so ein altes Ersatzteil bekomme man eh nicht oder nur mit gaaanz viel Glück. Halbgeknickt zog ich von dannen und bestellte das Teil im Internet, pah, der Nähmaschinenmechaniker hat nämlich alles und lieferte äußerst fix.

Neue Spulenkapsel eingesetzt. Das Ding wackelte wie ein Kuhschwanz und machte üble Geräusche und ich die Erfahrung: Read the fucking manual! Dort kann man bei näherem Hinschauen nämlich einer Abbildung entnehmen, dass man das Ding mit einem Schieber fixieren muss.

Ein paar übel schiefe Nähte, zerklumpte Unterfäden, eine abgebrochene Nadel und viele Flüche später fing ich an, Tutorials anzuschauen. Es gibt da ein paar wirklich schön gemachte bei Pattydoo, genau richtig für totale Anfängerinnen, empfohlen von ringelmiez. Dabei schwante mir so langsam, dass man solche Nähprojekte eventuell ein bisschen planen sollte. Korrekt zuschneiden zum Beispiel. Und dass es hilfreich sein könnte, die Kanten vorm Nähen umzubügeln. Bügeln. Bügeleisen. Mein Bügeleisen, wo war das denn gleich noch? Ich habe 2 Tage lang gesucht, erfolglos. Es war 10 Jahre lang immer in der gleichen Schublade und nun verschwunden. Bis heute. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! Hat sich hier denn alles gegen mich verschworen?

Aber so schnell gebe ich nicht auf, also eines ausgeliehen und weitergemacht. Kanten bügeln, zusammenstecken, nähen, Unterfadenverklumpungen großzügig hinnehmen, die Familie mit nicht-jugendfreien Flüchen tyrannisieren. Hundertfünfzig mal den „Rock“ anprobieren, die Erfahrung machen, dass Nähnadeln saumäßig stechen, hundertfünfzig mal die Nähte wieder auftrennen.

Als die Familie kurz davor war auszuziehen, setzte ich den Schlussstich. Zog das Teil an und stellte abschließend fest: Ich habe aus einer hässlichen Hose einen äußert hässlichen Rock genäht. Selbst wenn man die schiefen Nähte ignoriert, geht das Ding gar nicht. Nicht einmal für zuhause. Es spannt am Hintern, wellt sich an den eingesetzten Dreiecken und der Stoff ist nach wie vor hässlich braun.

Also packte ich das Ding kurzerhand in den Altkleidersack. Erfahrung Nr. 3 bis 243: Nähen ist nicht so einfach. Es will geplant sein. Man sollte einigermaßen sauber zuschneiden & arbeiten & vorher den Schreibtisch aufräumen, weil man sonst nicht richtig Platz hat. Es braucht Geduld, viel Zeit und es nützt überhaupt nichts, die Nähmaschine anzuschreien und ihr mit einem Wurf vom Balkon zu drohen.

Frust auf Twitter ablassen, bringt da schon mehr. Nämlich Zuspruch von den #Nähnerds (<3!!!), von denen gleich ein paar zur Stelle waren:

Stimmt. Bei einer meiner ersten Übungsfahrten auf dem Feldweg riss ich zum Entsetzen meines Vaters den Schalthebel seines Opels ab. Ich habe es trotzdem gelernt. Geht doch!

Also, ich gebe hier noch nicht auf! Das wäre doch gelacht. Ich übe. Ich nähe weiter. Und wenn es jetzt erst mal nur Lavendelsäckchen sind. Und Eulen, nunja. Einen sehr zufriedenen Fan habe ich bereits. Kind2 ist von allem begeistert und nimmt meine Produkte freudig entgegen. Und das mit dem Fluchen kriege ich vielleicht auch noch in den Griff (ähm, huhu Schatz?).

Nähprojekt Rock  (urgs) und Eulereien
Nähprojekte Rock (urgs) und Eulereien. Wenigstens alles aus alten Stoffresten.

Zweikampf mit dem Wasserhahn

Irgendwann im Dezember 2012: Der Badezimmerwasserhahn tropft. Durch kräftiges Zudrücken hält er dicht.

Februar 2013: Der Hahn schließt nur noch, wenn man ihn gaanz fest nach rechts zudrückt. Ich unterweise den Mann im richtigen Badezimmerwasserhahnzudrücken.

März 2013: Ich schreibe mit Kajal an die Kacheln: Kräftig zudrücken, sonst tropft es!! Und stelle fest: Es lässt sich über tropfende Wasserhähne vortrefflich streiten. „Der Hahn lief schon wieder!!!“ „Ich war nicht im Bad!!“ „Wer denn sonst, also ICH mache den immer richtig zu!!!!

April 2013: Besucher*innen werden mit den Worten begrüßt: Schön, dass ihr da seid, ihr müsst den Wasserhahn im Bad immer gut zudrücken, sonst läuft der!!!11!!

Juni 2013: Schreibe mit Kajal an die Kacheln: FEST ZUDRÜCKEN!!!! Und male einen Totenkopf dahinter. Gebe einen familieninternen Workshop zum Thema: Wie schließe ich unseren Wasserhahn richtig.

September 2013: Schaue mir ein Wasserhahn-Reparier-Video an und beschließe, das selbst in die Hand zu nehmen. Bis dahin erneuere ich den Kajal-Anschrieb: NACH RECHTS ZUDRÜCKEN VERDAMMTE KISTE!

Oktober 2013: Kaufe im Baumarkt einen äh etwas günstigen Wasserhahn und packe ihn zuhause aus: OMG. Das ist ja schlimmer als das 3-D-Kölner-Dom-Puzzle meiner Oma. Alles in Einzelteilen! Ich  bastele das Päckchen wieder zusammen und bringe es zurück in den Baumarkt.

November 2013: Bin schockiert von zwei Handwerkerrechnungen (andere Baustelle) und finde, dass man gut mit einem undichten Wasserhahn leben kann. Wenn MAN(N) sich anstrengt! Kaufe mir einen neuen Kajal.

19. Dezember 2013, 15.42 Uhr: Der Wasserhahn gibt den Geist endgültig auf und sprudelt wie ein Springbrunnen vor sich hin. Kacke. Der Mann und ich erwägen, ob der Misere doch einen Handwerker zu bestellen, erreichen aber überall nur ABs.

16.00 Uhr: Wir finden nach längerem Suchen den Hauptwasserhahn. Uff. Der Mann schrottet bei dem Versuch, den Wasserhahn abzumontieren, unseren Schraubenzieher. Wir streiten nicht.

16.15 Uhr: Der Mann geht mit Kind2 ins Kinderturnen. Ich google „Wasserhahn reparieren“. Dabei fällt mir auf, dass ich die DIY-Videos bereits kenne (sehr zu empfehlen!).

16.30 Uhr: Montiere erfolgreich den Wasserhahn ab. Schonmal ein Arbeitsschritt weniger. Erstelle einen Notfallplan für die Feiertage. Man kann ja gut auch in der Badewanne Zähneputzen. Oh wait. Das Wasser ist ja abgestellt. Mist.  Gut, dann halt auf morgen warten und einen Monteur suchen.

16.45 Uhr: Nein, ich probiere das nicht selbst. Das gibt eine Katastrophe. Wasserschaden im Bad. Ach was, im ganzen Haus. Ich kann das nicht.

17.00 Uhr: Ich finde mich auf dem Fahrrad gen Baumarkt fahrend wieder. Dort betrachte ich die  ca. 254 verschiedenen Modelle und frage einen Typ im Blaumann, worauf ich achten muss. „Naja, der Hahn muss halt passen!“. Ah, ja. Danke. Und wie genau? „Ha, zum Rest der Einrichtung muss der halt passen.“ ^^ Wenn es sonst nichts ist …

18.00 Uhr: Wieder zuhause. Mit einem Wasserhahn. 15 Euro mehr als letztes Mal, ich finde dafür einen fertig zusammengeschraubten Hahn in der Packung. Das sieht gut aus.

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18.10 Uhr: Ich schaue die Gebrauchsanleitung an und überlege, den ganzen Schrott wieder einzupacken.

18.16 Uhr: Ich klemme unter dem Waschbecken. Sieht soweit ganz gut aus.

18.25 Uhr: Ich klemme immer noch unter dem Waschbecken und bräuchte mal eben 3 Hände. Eine, die oben den Hahn hält, eine, die die Unterlegscheibe festhält, und eine, die die Schraube festzieht. Es knickt abwechselnd der Hahn oben weg und die Schraube flutscht mir aus den Fingern. RIESENGROßEFICKKACKE gehört zu den harmloseren Schimpfwörtern, die die Nachbarn in diesen Minuten hören.

18.28 Uhr: Kind2 kommt zurück und klemmt sich begeistert zu mir unters Waschbecken. „Was is deees? Was machst duuu?“. Es schnappt sich die Rohrzange und will mitmachen. Die folgenden Minuten zählen nicht gerade zu meinen mütterlichen Glanzstücken.

18.40 Uhr: Kind2 heult, der Mann ist genervt, die Schimpftiraden aus dem Bad sind nicht mehr jugendfrei.

18.53 Uhr: Der Wasserhahn ist festgezurrt!!! Jetzt noch die Anschlüsse dranfriemeln. Ächz. Der Mann stellt das Wasser wieder an. Mir ist schlecht vor Angst. Jetzt folgt gleich die Überflutung.

18.54 Uhr: Keine Überflutung. Es hat funktioniert? Echt jetzt?! ES HAT FUNKTIONIERT!!!!

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bis ca. 23 Uhr: Überprüfe im 5-Minuten-Takt den Wasserstand im Bad. Nix tropft. Alles super. TSCHAKKA!!!!!!!!!

20.12.13, 8.15 Uhr: Die Sanitärfirma ruft an. „Hat sich erledigt, wir haben das hingekriegt.“ „Ohh, super“, freut sich die Frau am anderen Ende der Leitung. Und ich mich erst. Ich sags ja. Selbst ist die Frau. Dauert nur manchmal ein Weilchen.

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Gepflegtes Dilettantentum – wie ich handwerkle

Wir haben einen kleinen Garten samt halbmarodem Gartenhäuschen. Da fault so die eine oder andere Dachlatte vor sich hin, in die Wand haben sich Mäuse und anderes Getier Löcher genagt. Und im Boden, ohje, da krachen die Dielen durch und zerfasern in der Mäusekacke. Mit ein bisschen Handwerksgeschick kann man da was draus machen, hier und da ein bisschen flicken, Bretter auswechseln, Dachpappe oben drauf – und schon hält das Ding eventuell noch ein paar Jahre. Nur ist die Sache mit der handwerklichen Begabung in unserer kleinen Familie leider sehr gleich verteilt: wir Großen können beide fast nichts, Tendenz gegen Null.

Was schade ist, denn mein Vater ist ein begnadeter Handwerker, er macht alles selbst, ob innen oder außen, nur leider hat er mir wenig davon vererbt. Oder wenig davon beigebracht. Ich war zwar oft dabei, jedoch eher in der Rolle der Operationsassistentin. „Tupfer! Schraube! NEIN, nicht die, die andere!“ Beim Bohren hielt ich den Staubsauger.

Das Bohren habe ich über die Jahre gelernt. Mit den restlichen Handwerksfähigkeiten sieht es nach wie vor mau aus. Und so steh ich also vor unserer hübschen Hütte und bin heillos überfordert. Der Mann ist keine große Hilfe. Er ist auch eher der, den den Bohrstaub wegsaugt. Wer kann helfen? Alle, die so was können, sind schwer beschäftigt. Bis auf meine Kollegin fällt mir zudem nicht eine Frau ein, die ich fragen könnte. Und professionelle Hilfe scheidet aus, ich möchte nicht all zu viel Kohle in die Hütte investieren.

Also: Muss ich wohl selbst ran. Und ich fange mit dem einfachsten an, dem Boden. Ohne Plan. Es gibt ein paar Dachlatten von der Vorbesitzerin, die säge ich zu. Wie gut, dass das Wetter kaum jemand ins Gärtchen lockt, so kann ich völlig unbeobachtet mein Dilettantentum ausleben. Die Säge hakt, ich schwitze wie blöd, aber irgendwie klappt es dann doch. Das Holz reicht sogar, vorher gemessen hatte ich natürlich nicht. Am Schluss bin ich so motiviert, dass ich an den Wandteilen sogar die Ecken aussäge, so dass es haargenau passt. Also fast jedenfalls.

Arbeitschaos
Arbeitschaos

Wie es in den Löchern aussieht, wollt ihr nicht wissen, und es ist alles ein bisschen krumm und schief. Aber hey! Es ist mein erster selbst verlegter Boden. Und wisst ihr was: Ich bin höllenstolz darauf! Als nächstes kommt das Dach.

Vorher - Nachher
Vorher – Nachher

Und liebe Eltern, Tanten, Onkel, Omas, Opas, Freundinnen, Freunde: Wenn ihr was könnt, dann zeigt es doch den Kindern. Die sind froh, wenn sie nicht nur die Staubsauger-Halter/innen spielen müssen. Wenn nicht jetzt, dann vermutlich irgendwann mal später.

Nachtrag: Ich hätte erwähnen können, dass wenigstens das Töchterchen ein „bisschen handwerkerinnenmut“ besitzt, beschwert sich eben dieses via Facebook. Ja, da hat sie recht! Und ich habe es nun erwähnt! ♥!!

Nackte Glühbirnen & geflickte Hosen

Ich finde DIY – „Do It Yourself“ ja prima. Sachen selber machen, Dinge reparieren, kreativ sein. Immer wieder schaue ich mir mit großem Respekt DIY-Blogs an:  Cat-und-Kascha zum Beispiel, deren erklärtes Ziel es ist, 365 Kleider zu nähen. Für jeden Tag eines. Oder Juten Tach Berlin, die für ihr Töchterlein tolle Sachen entwirft. Oder geballt bei Me Made Mittwoch, wo jede Woche Bloggerinnen ihre Kreationen vorstellen. Ich bin geplättet von deren Produktivität. Und ein bisschen neidisch, zugegeben. Viele der Frauen haben auch Kinder, Jobs, Haushalt etc. Und sie sind derartig kreativ & produktiv, kriegen so viel auf die Reihe, dass ich es manchmal kaum fassen kann. Jede Woche ein neues Kleid genäht, einen Schal gestrickt, Klamotten für die Kinder entworfen, alte Möbel aufgemöbelt etc. … H.a.m.m.e.r. Ich frage mich echt, wann und vor allem wie die das hinkriegen.

Bei mir sieht das eher so aus:

Der Kreativitätshöhepunkt

Am Kreativsten & Motiviertesten bin ich auf dem Spielplatz – oder wenn ich anderweitig sehr beschäftigt bin. Dann habe ich 10000 tolle Ideen. Von denen ich geschätzt 0,001 % umsetze, wenn überhaupt. Ich bin schon höllenstolz, wenn ich es schaffe, die Jeans vom Kleinen zu flicken. Das ist bereits eine Riesenaktion: Nähmaschine aufstellen, bei der Schwägerin Flicken abstauben, den Unterfaden neu auffädeln (ominös: aber er ist immer aus, wenn ich anfangen will), diese verda***ten Flicken einigermaßen gerade auf die Hose tackern – und bei all dem keinen Wutanfall zu bekommen und die Maschine an die Wand zu schmettern.
Meine Malsachen dümpeln seit ca. 10 Jahren vor sich hin, vermutlich sind die Tuben inzwischen alle eingetrocknet. Bei meinem Dunkelkammerequipment, das im Keller vor sich hinmodert, tröste ich mich ja immer damit, dass das eh eine völlig veraltete Technik ist, es sich also nicht lohnt, damit nochmal anzufangen.

Unsere hübsche Wohnzimmerlampe

Auch im handwerklichen Bereich sieht es düster aus: Unsere Wohnzimmerlampe strahlt seit Wochen nackt vor sich hin. Davor stieß sich der Liebste ca. 2 Jahre lang beim Zimmerdurchqueren jedes Mal den Kopf an dem blöden ikea-Papierballon, bis dieser nur noch in Fetzen von der Decke baumelte. Vor kurzem riss er das Ding dann mit einem „Jetzt reichts“ endlich runter. Na, da bastel ich doch eben mal einen neuen Lampenschirm …

Ich fürchte, die Glühbirne wird bis auf weiteres nackt bleiben.

Oder: Die Schwester hat uns kürzlich eine Schaukel fürs Kind geschenkt, die wir an der Zimmerdecke befestigen können … äh, ja. Seither liegt sie im Keller. Denn dazu müssten wir 1. ein Loch bohren die Bohrmaschine aus dem Keller holen, 2. einen passenden Bohrer (Übergröße) + Riesendübel organisieren, 3. ein Loch bohren. Nahezu unüberwindbare Hürden. Und was braucht das Kind eine Schaukel …

Ich könnte jetzt locker weitermachen mit dem Fahrrad, das seit zwei Wochen mit gerissenen Bremszügen vorm Haus steht oder unserer Küchenbank, die ich vor 10 (!) Jahren vom Sperrmüll mitnahm mit dem Vorhaben, sie abzuschleifen und neu anzumalen.

So. Ende des Geständnisses. Ich bin eine DIY-Banausin, fürchte ich. Ich nehme mir viele Dinge vor und bekomme handwerklich-kreativ nahezu nichts hin. Es liegt noch nicht einmal daran, dass ich keine Löcher bohren kann. Aber wo andere mal eben zack-zack irgendwas an die Wand dübeln, entsteht bei mir (im Hirn) immer eine Riesenaktion. Und dann verschiebe ich es lieber … auf irgendwann. Oder nie. Vielleicht gibt es da Tricks?

Dafür entwickle ich viel Kreativität, um mich in Provisorien einzurichten. Ich gehe tagelang zu Fuß, leihe mir ein Fahrrad, rede mir die schmuddelige Küchenbank schön etc. Und träume auf dem Spielplatz weiter von kreativen Kreationen …