Wer das Tempo bestimmt

Manchmal fällt es mir schwer, geduldig zu sein. Da geht Kind x, gleich alt wie meines, schon ewig und drei Tage alleine aufs Klo. Oder fährt Fahrrad. Oder isst mit Messer&Gabel und schmiert sich die Hände nicht nach jedem Bissen am T-Shirt ab. Dann kommen bei den Eltern so Gedanken auf wie: Sollten wir da mal mehr hinterher sein, das Kind mehr fordern?, oder: haben wir irgend so einen mystischen Entwicklungsmoment, irgendwelche Signale verpasst – und alles zieht sich wegen unserer Unaufmerksamkeit in die Länge?

Tja, und dann erinnert uns das Kind2 daran, dass das Gras halt doch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Dass es ihm egal ist, wenn die Eltern drängeln. Dass es mit unglaublichem Willen an die Dinge herangeht, wenn es so weit ist. Und dann setzt es sich von einem Tag auf den anderen auf sein Geburtstagsfahrrad, das seit 4 Monaten unbeachtet im Keller steht. Und fährt los. Den einen Tag noch mit der Mama-oder-Papa-Hand im Rücken, am nächsten braucht es das nicht mehr. Oder es beschließt von einem Tag auf den anderen: weg mit den Windeln. Ich kann das alleine! Die Eltern haben bitte vor der Türe zu warten.

Wer hier das Tempo bestimmt, ist also klar – und wir Eltern joggen staunend hinterher.

… und die Eltern keuchen hinterher

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12 Antworten zu Wer das Tempo bestimmt

  1. momatka schreibt:


    Wie alt ist Kind2 nochmal? 3? Ich warte auch auf manches ungeduldig. Die Sache mit den Windeln zum Beispiel könnte langsam ein Ende finden. Aber der Punkt ist ja eher gemütlich, bewegungsökonomisch und lässt gerne Mama machen. Zumindest wenn er nicht gerade zerspringt vor Bewegungsenergie und durch vehementes NEIN! klar macht, wer hier den Tön angibt. 🙂

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    • cloudette schreibt:

      3J + 4M jung. Ja, das hätte von mir aus auch schneller gehen können, Windeln wechseln ist jetzt nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Aber: Drängeln hilft echt nix und nervt nur alle Beteiligten. Von daher: viel Geduld! Der Punkt macht das schon!

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  2. Katharina schreibt:

    Ach. Bei manchen Themen (jenen auf der Liste der Entwicklungskontrollen…) wird dann plötzlich von Aussen gezogen und geschoben… „Sooo ein grosser Junge braucht doch keinen Schnuller mehr“ (hach, er ist nur lang geraten, mein Junge, aber noch ganz klein!) und das Thema Klogang…… bääää-pfui, wenn die Omas anfangen sich einzumischen, ist das Kind am Ende so verbockt, dass gar nichts mehr geht…. von wegen SELBER! So gebt ihm doch die Chance, sich SELBER dazu zu entscheiden und hört auf zu drängeln, habe ich jahrelang gerufen. Und am Ende half nur die Drohung mit Enkelentzug.

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    • cloudette schreibt:

      Ohhh ja, die Sprüche kenne ich zu gut, vor allem beim Schnuller (den sieht halt auch jede*r)! Ich finde es manchmal echt krass, was Erwachsene so an Kinder rankommentieren. Ungefragt. Selbst würden sie es vermutlich ohne Ende unverschämt finden, wenn Kinder so etwas in der Art zu ihnen sagten würden. Traurig, dass du drohen musstest. Ich hoffe, es hat nachhaltig geholfen!

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  3. C. Rosenblatt schreibt:

    auch immer schln zu lesen, was es für Entwicklungsschritte in den erwachsenen Menschen gibt, die erst (bewusst) passieren, wenn das Kind sich für sie spürbar entwickelt ;o)

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  4. nudge schreibt:

    Also abgesehen von den duftenden „Überraschungen“, die man manchmal so aus den Windeln auspackt, hat diese Zeit auch ihre Vorteile! Wir sind auch seit ca. 2-3 Monaten „windellos“ und das erfordert manchmal etwas Vorraussicht (wo gehen wir hin? wie lange dauert der Weg dorthin? gibt es auf dem Weg Klos? Wenn ja, wie sehen die aus? Ich sag nur: Raststätte…, wenn das Kind sagt, dass es muss, wie lange kann es noch anhalten, wenn der Moment grad ungünstig ist, z.B. in einer langen Schlange am Supermarkt etc. etc. etc.) wie gesagt: hat alles seine Vor-und Nachteile! Und: es kann NOCH ein Faktor dazu kommen (wie neben der fehlenden Gabel, dem umgekippten Trinkglas, dem Wunsch nach etwas Anderem zu Essen…) das ein gemeinsames Essen zusätzlich zerhackstückeln kann: Nämlich der Satz:“Mama, ich muss Pip!“

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    • cloudette schreibt:

      hehe, stimmt :-). Bisher hielt sich das bei uns noch in Grenzen und notfalls wird halt an den Baum gepieselt. Auto fahren ist sicher ein anstrengender Faktor! Aber trotz allem: Ich finde es super!

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  5. Mir hat auch geholfen 2 Kinder zu haben, die unterschiedlicher nicht sein können. Da wurde mir klar, wie wenig Einfluss ich selbst habe und wieviel wirklich vom Kind selbst kommt. Das war heilsam.

    lg
    Maria

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  6. Pingback: Ich wollte euch etwas zu lesen geben. Was dann geschah, holte mich aus dem Urlaub zurück! « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack

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