Wer das Tempo bestimmt

Manchmal fällt es mir schwer, geduldig zu sein. Da geht Kind x, gleich alt wie meines, schon ewig und drei Tage alleine aufs Klo. Oder fährt Fahrrad. Oder isst mit Messer&Gabel und schmiert sich die Hände nicht nach jedem Bissen am T-Shirt ab. Dann kommen bei den Eltern so Gedanken auf wie: Sollten wir da mal mehr hinterher sein, das Kind mehr fordern?, oder: haben wir irgend so einen mystischen Entwicklungsmoment, irgendwelche Signale verpasst – und alles zieht sich wegen unserer Unaufmerksamkeit in die Länge?

Tja, und dann erinnert uns das Kind2 daran, dass das Gras halt doch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Dass es ihm egal ist, wenn die Eltern drängeln. Dass es mit unglaublichem Willen an die Dinge herangeht, wenn es so weit ist. Und dann setzt es sich von einem Tag auf den anderen auf sein Geburtstagsfahrrad, das seit 4 Monaten unbeachtet im Keller steht. Und fährt los. Den einen Tag noch mit der Mama-oder-Papa-Hand im Rücken, am nächsten braucht es das nicht mehr. Oder es beschließt von einem Tag auf den anderen: weg mit den Windeln. Ich kann das alleine! Die Eltern haben bitte vor der Türe zu warten.

Wer hier das Tempo bestimmt, ist also klar – und wir Eltern joggen staunend hinterher.

… und die Eltern keuchen hinterher
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Alarm im Fahrradsitz

Dieses Kind2 wirft mich manchmal fast aus der Bahn. Beim Fahrradfahren zum Beispiel, auf dem Weg zur KiTa oder nach Hause:

WUAAAHHH – ein gellender Schrei ertönt von hinten. 14 Kilo Kind werfen sich hektisch hin und her, das Rad fängt an zu schlingern, ich verliere fast die Kontrolle.

Riesenschreck. Vollbremsung. Umdrehen. Kontrollieren: Es ist noch alles dran, Kind scheint unverletzt. Uff.

„KIND2!!! WAS ist los?!“

„BAGGGGAAAA!“ Es deutet auf einen Punkt irgendwo. Und tatsächlich. Ich erahne in weiter Ferne einen Bagger. An dem bin ich glatt einfach so vorbeigedüst, ohne ihn zu beachten. Das geht natürlich gar nicht.

Meine Knie entschlottern langsam wieder, das Herz pocht noch ein bisschen nach. Meine Güte, da brauchst du doch nicht so zu brüllen, oke, ein Bagger*. Einmal winken, dann wieder aufsteigen. Weiterfahren. Same procedure as … nunja, fast jeden Tag.

Ich muss dringend mal an meiner Coolness arbeiten, sonst krieg‘ ich noch einen Herzinfarkt. Ein Gewöhnungseffekt ist meinerseits nämlich noch nicht in Sicht.

* Das Ganze funktioniert übrigens auch ganz prima bei Betonmischern, Müllautos, Straßenkehrmaschinen etc. pp. ^^