Nackte Glühbirnen & geflickte Hosen

Ich finde DIY – „Do It Yourself“ ja prima. Sachen selber machen, Dinge reparieren, kreativ sein. Immer wieder schaue ich mir mit großem Respekt DIY-Blogs an:  Cat-und-Kascha zum Beispiel, deren erklärtes Ziel es ist, 365 Kleider zu nähen. Für jeden Tag eines. Oder Juten Tach Berlin, die für ihr Töchterlein tolle Sachen entwirft. Oder geballt bei Me Made Mittwoch, wo jede Woche Bloggerinnen ihre Kreationen vorstellen. Ich bin geplättet von deren Produktivität. Und ein bisschen neidisch, zugegeben. Viele der Frauen haben auch Kinder, Jobs, Haushalt etc. Und sie sind derartig kreativ & produktiv, kriegen so viel auf die Reihe, dass ich es manchmal kaum fassen kann. Jede Woche ein neues Kleid genäht, einen Schal gestrickt, Klamotten für die Kinder entworfen, alte Möbel aufgemöbelt etc. … H.a.m.m.e.r. Ich frage mich echt, wann und vor allem wie die das hinkriegen.

Bei mir sieht das eher so aus:

Der Kreativitätshöhepunkt

Am Kreativsten & Motiviertesten bin ich auf dem Spielplatz – oder wenn ich anderweitig sehr beschäftigt bin. Dann habe ich 10000 tolle Ideen. Von denen ich geschätzt 0,001 % umsetze, wenn überhaupt. Ich bin schon höllenstolz, wenn ich es schaffe, die Jeans vom Kleinen zu flicken. Das ist bereits eine Riesenaktion: Nähmaschine aufstellen, bei der Schwägerin Flicken abstauben, den Unterfaden neu auffädeln (ominös: aber er ist immer aus, wenn ich anfangen will), diese verda***ten Flicken einigermaßen gerade auf die Hose tackern – und bei all dem keinen Wutanfall zu bekommen und die Maschine an die Wand zu schmettern.
Meine Malsachen dümpeln seit ca. 10 Jahren vor sich hin, vermutlich sind die Tuben inzwischen alle eingetrocknet. Bei meinem Dunkelkammerequipment, das im Keller vor sich hinmodert, tröste ich mich ja immer damit, dass das eh eine völlig veraltete Technik ist, es sich also nicht lohnt, damit nochmal anzufangen.

Unsere hübsche Wohnzimmerlampe

Auch im handwerklichen Bereich sieht es düster aus: Unsere Wohnzimmerlampe strahlt seit Wochen nackt vor sich hin. Davor stieß sich der Liebste ca. 2 Jahre lang beim Zimmerdurchqueren jedes Mal den Kopf an dem blöden ikea-Papierballon, bis dieser nur noch in Fetzen von der Decke baumelte. Vor kurzem riss er das Ding dann mit einem „Jetzt reichts“ endlich runter. Na, da bastel ich doch eben mal einen neuen Lampenschirm …

Ich fürchte, die Glühbirne wird bis auf weiteres nackt bleiben.

Oder: Die Schwester hat uns kürzlich eine Schaukel fürs Kind geschenkt, die wir an der Zimmerdecke befestigen können … äh, ja. Seither liegt sie im Keller. Denn dazu müssten wir 1. ein Loch bohren die Bohrmaschine aus dem Keller holen, 2. einen passenden Bohrer (Übergröße) + Riesendübel organisieren, 3. ein Loch bohren. Nahezu unüberwindbare Hürden. Und was braucht das Kind eine Schaukel …

Ich könnte jetzt locker weitermachen mit dem Fahrrad, das seit zwei Wochen mit gerissenen Bremszügen vorm Haus steht oder unserer Küchenbank, die ich vor 10 (!) Jahren vom Sperrmüll mitnahm mit dem Vorhaben, sie abzuschleifen und neu anzumalen.

So. Ende des Geständnisses. Ich bin eine DIY-Banausin, fürchte ich. Ich nehme mir viele Dinge vor und bekomme handwerklich-kreativ nahezu nichts hin. Es liegt noch nicht einmal daran, dass ich keine Löcher bohren kann. Aber wo andere mal eben zack-zack irgendwas an die Wand dübeln, entsteht bei mir (im Hirn) immer eine Riesenaktion. Und dann verschiebe ich es lieber … auf irgendwann. Oder nie. Vielleicht gibt es da Tricks?

Dafür entwickle ich viel Kreativität, um mich in Provisorien einzurichten. Ich gehe tagelang zu Fuß, leihe mir ein Fahrrad, rede mir die schmuddelige Küchenbank schön etc. Und träume auf dem Spielplatz weiter von kreativen Kreationen …

Dieser Beitrag wurde unter Nestgeplauder abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Nackte Glühbirnen & geflickte Hosen

  1. Bebe schreibt:

    Vielleicht der Bank mit zum Spielplatz nehmen? manche schlagen vor, sich 6 Tagen die Woche 20 Minuten Zeit nehmen um solche kreative Sachen zu machen (1. Tag: die Bohrmaschine aus dem Keller holen, 2 Tag: einen passenden Bohrer (Übergröße) finden 3.Tag: Riesendübel organisieren und so weiter). ich wollte es immer ausprobieren aber kam nicht dazu. Vielleicht erst nur 2 Tage die Woche es praktizieren und gucken wie es geht? Ich würde da mitmachen und vielleicht endlich mal ein Buch gestalten. p.s. Ich mag deine gemütliche „Provisorium“ zu Hause 🙂

    Gefällt mir

  2. B. Cottin schreibt:

    Fahrrad muss sein. Ich gehe mit Bremsen immer direkt zur Werkstatt, wegen der dann nötigen Einstellung. Der Rest … darf warten.

    Gefällt mir

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s