Was ich mache, wenn das Kind im Bett ist

Es ist Abend, das Kind2 ist im Bett, fast wäre ich beim „Der Mond ist aufgegangen“ singen – dem derzeitigen Lieblingssong – miteingeschlafen. Schon beim Buch anschauen holte ich mir fast eine Kieferstarre vor lauter Gähnen. Doch damit ist jetzt Schluss, denn jetzt,  jippii, ist viel Zeit, um ein paar tolle Dinge für mich zu tun.

Es stehen ein paar Dinge auf meiner virtuellen to-do-Liste, die ich längst mal der Reihe nach abhaken möchte:

Ich möchte mich bei meiner weit entfernt wohnenden Freundin melden, der ich vor einer Woche versprach, zurückzurufen. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen und schon lange nicht mehr ausführlich gesprochen. Oh. „Ausführlich“ …. äh …. das geht dann sicher eine Stunde und mehr, und eigentlich bin ich gar nicht kommunikativ aufgelegt, ich habe den ganzen Tag über schon geredet, im Büro, beim KiTa-Elterngespräch, mit dem Kind, mit dem Mann, es reicht mir eigentlich für heute. Ich rufe sie ein anderes Mal an, ganz sicher. Jetzt bin ich zu schlapp.

Und dann ist da noch die andere Freundin, die letzte Woche Geburtstag hatte, der ich nicht einmal eine SMS schrieb – ok, auch die rufe ich nicht an, ich bin inzwischen eh so spät dran, das kann noch ein paar Tage warten.

Also heute keine kommunikativen Interaktionen, keine eigentlich dringend notwendige Freundinnenschaftpflege mehr, es geht mir so ähnlich wie Eva, die heute auf umstandslos darüber schrub.

Dann eben ein bisschen politische Bildung, das kann nicht schaden. Ich könnte zum Beispiel weitere re:publica-Vorträge hören, ein paar habe ich bisher schon geschafft: die Vorträge von journelle (Beyond Porn oder Die digitale sexuelle Revolution), Nele Tabler & Andrea Meyer, (#idpet – Wenn Partizipation und Grundrechte kollidieren), Felix Schwenzel (Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben), Sascha Lobo (Rede zur Lage der Nation) und Susanne Mierau (Der Online-Elternclan) – alle sehr empfehlenswert! Aber es gibt noch so viele mehr (Empfehlungen anyone?)! Ich schaue ein paar Minuten in verschiedene Vorträge rein, die über netzpolitik.org u.a. in den Feedreader flatterten, und merke, dass ich mich nicht recht konzentrieren. Zu schlapp.

Dann liegt da noch der Comic von Bechdel – jaaa, genau DIE Bechdel vom gleichnamigen Test  – den ich mir gekauft hatte, nachdem @dressedasahuman einen Link dazu twitterte. Allerdings: Es ist keine leichte Kost, man muss sich ziemlich konzentrieren, es geht um Tochter-Mutter-Beziehungen und wimmelt nur so von Anspielungen und Exkursen in die Psychologie. Ohoh, wäre schade, das nur mit halbem Hirn zu lesen, also wird das nichts. Zu schlapp.

Ok. Keine Interaktionen, keine Bildung. Dann vielleicht ein bisschen zeichnen? Oder die Küche aufräumen (urgs)? Wäsche waschen? Das häusliche Chaos lichten? Nein. Da war irgendwas mit „zu schlapp“.

Ich lege eine Denkpause ein und suche die Schokoladenvorräte in meinem Kleiderschrank. Kokos und Karamell, wen es interessiert. Ich denke an Mama007, die mir kürzlich nach meiner Litanei riet, gute Schokolade zu genießen. Und das mache ich. Ziemlich ausführlich. Ich koche Tee und beschließe: Nein, es reicht für heute, genug getan. Zu schlapp.

Dann lande ich, wer hätte es gedacht, noch einmal vorm Rechner, schlendere bei Twitter vorbei und hinterlasse:

TwitterdingsEin wenig ärgere ich mich über den Schreibfehler im Tweet, die Perfektionistin lässt grüßen, und dann tue ich genau das. Werfe alle weiteren Vorhaben über Bord und mache nach einem kleinem Chat mit dem Twitterclan die Kiste aus.

Bettdecke bis unters Kinn. Tee. Buch. Schlafen. Morgen ist schließlich auch noch ein Abend.

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Familie, Feminismus & Firlefanz
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5 Antworten zu Was ich mache, wenn das Kind im Bett ist

  1. Xeniana schreibt:

    Genau:)

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  2. perlenmama schreibt:

    So bekannt…der Zustand und das Gefühl.

    „Morgen ist auch noch ein Abend!“
    Das hast du wunderbar gesagt!

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  3. Bebe schreibt:

    Dritter Absatz konnte ich auch sagen in Bezug auf dich! Da bist du nicht alleine……<3

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