TARDIS



Das Kind ist ganz eindeutig ne andere Generation :-D

(Für alle Nicht-Dr.Who-Fans: TARDIS steht für Time And Relative Dimension In Space und ist eine Art Raumschiff-Zeitmaschine. Von außen ähnelt sie einer Telefonzelle, genauer eigentlich einer britischen Polizeizelle, von innen ist sie riesig.)

Morgens beim Duschen*

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*Sie können „Morgens“ gerne durch eine beliebige andere Tageszeit und „Duschen“ durch „aufs Klo gehen“, „Telefonieren“, „am Laptop arbeiten“, „mit Freund*innen reden“ etc. pp. ersetzen. Passt eigentlich immer. Und „Mama“ durch „Papa“, selbstverständlich.

Kleine Ferne vom Alltag

Ein paar Tage unterwegs sein. Alleine mit dem Zug fahren. Alleine im Abteil, die Füße auf dem Gegenübersitz, das Buch vor der Nase, wie im Rausch, lesen, lesen, lesen. Eintauchen in die Geschichte und vor lauter Lesefieber vergessen, die vielen mitgenommenen Podcasts zu hören. Lesen, bis das Buch fertig ist und der Zug in die ferne Stadt einrollt, wo das große Kind und Freund am Bahnhof stehen. Küsschen, Umarmung. Leckere Pizza futtern, reden, während der Pizzamann uns alleine im leeren Restaurant zurücklässt, um Bestellungen auszuliefern. Spät abends noch völlig fit, denn kein Wecker quakt am nächsten Morgen.

Das WG-Kind miaut vorm Zimmer, wieder umdrehen, weiterdämmern, um nichts kümmern müssen. Barfuß in die Küche tapsen und mit Kaffee zurück ins noch warme Bett, räkeln, weiterlesen.

Bei der Freundin ankommen und im Café Schokoladenkuchen essen. Reden reden reden. Fast ohne Pause, mäandernd durch die Themen, und zwischendurch versuchen, den Anfangszipfel wiederzufinden, wie kamen wir jetzt da drauf? Es ist anregend, und wie so oft auf Reisen überfällt mich eine Sehnsucht, den ganzen Kram zusammenzupacken und wegzuziehen aus dem Gewohnten, so sehr ich es auch mag.

Bei der anderen Freundin, Gefährtin aus Land-WG-Zeiten, im Bauwagen sitzen. Tee trinken, Gestricktes bewundern, von schweren Themen zu leichten und zurück, Lebkuchen essen und vom vertrauten Geruch beseelt per Flashback in die Vergangenheit reisen.

Durch den Tag treiben, die Gedanken schweifen lassen. Mit dem großen Kind durch die Gegend ziehen, Pudelmütze kaufen und ein Strickpulli, der ein bisschen kratzt. Gentrifizierungsschuppen neben Ramsch und Netto. Im hippen Café  stehen alte Schultische und Stühle, ist die Bekritzelung wohl original? Quatsch, sagt das Kind, da stünde sonst Fick dich, Alta und ähnlich Poetisches. Also nachgemacht, es hat trotzdem was. So unterwegs bin ich geneigt, alles ok zu finden, das muss die Reisemilde sein.

Nach drei Tagen ein Anruf, es geht zurück. Wieder Zug fahren, wieder lesen lesen lesen in dem Buch, das unter dem Bett vom großen Kind lag und mich völlig fasziniert. Ein kurzer Ausflug in die Ferne vom Alltag. Mit unglaublich viel Zeit, Intensität, Ideen. Die Inspirationen nehme ich mit und hoffe, dass sie nicht so schnell verblassen.

So wahr!
So wahr!
Hipper Laden mit alten Schultischen. Und eher nicht originaler Bekritzelung.
Hipper Laden mit alten Schultischen. Und eher nicht originaler Bekritzelung.
Kaffee mit Katzenpfötchen und - jajaja! - Franzbrötchen
Kaffee mit Katzenpfötchen und – jajaja! – Franzbrötchen
(Mir fällt gerade auf, dass ich fast nur Futterfotos mitgebracht habe. Dabei habe ich nicht nur gegessen. Ehrlich.)

Kommunikation 3.0 mit dem Kind

Facebook ist ja anscheinend bei Jugendlichen ziemlich out – zumindest seit sich Mama, Papa, Onkel, Tante und co darauf herumtreiben. Denn wer mag sich schon ewig mit der Frage beschäftigen, wie eins die Freundschaftsanfrage von Onkel x am elegantesten ignoriert oder wie man ihn mittels Erstellen komplizierter Listen unauffällig aus der eigentlichen Timeline aussperrt. Da wechselt eins doch lieber zu Whatsapp, Snapchat oder was es halt sonst noch so gibt und chattet dort, unbeobachtet von der Verwandtschaft, in diversen Gruppen mit den Freund*innen. Kind1 praktiziert das schon seit Jahren … (Moment mal. Wann genau habe ich mich gleich noch bei Facebook angemeldet? Hallo? KIND1???)

Der neue heiße Scheiß ist nun, nicht mehr umständlich Nachrichten ins Smartphone zu tippen, sondern einfach Sprachnachrichten zu verschicken. Das erzählte mir zumindest eine Freundin, die es wissen muss. Die lassen sich ja bei Whatsapp über einen Klick erstellen und man kann so ganze Romane drauflabern und nebenbei noch lässig rauchen, in der Nase bohren oder sich am Po kratzen. Die Empfängerin hört sich das dann irgendwann an und kann irgendwann genauso monologisch antworten.

Ich habe das natürlich als Berufsjugendliche auch gleich ausprobiert und muss sagen: Sehr cool! Viel besser als telefonieren. Zumindest in der Kommunikation mit einem viereinhalbjährigen Kind, bei dem Telefonate doch eher, wie soll ich sagen, etwas zäh und zeitintensiv sind (es will das Telefon nicht mehr hergeben, sagt aber eigentlich außer „Hallo Mama“ nur Quatschkram oder gar nichts).

Als ich gerade eine Woche lang weg war, schickten das Kind (mit väterlichem Support) und ich uns morgens Textnachrichten. Und da morgens meist eine sehr trödelintensive Zeit ist und es bis zur KiTa-Schließung um 9.00 Uhr doch oft knapp wird, spielten wir Feuerwehr, um das Ganze etwas zu beschleunigen:

  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, schnell anziehen und los gehts zur KiTa!“

7 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo hier ist das Einsatzkind, hallo hier ist das Einsatzkind, wir fahren los!!“
  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, macht das Blaulicht an!“

6 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo Mama!!! Wir sind da!!!“

Tja, so schnell war das Kind selten in der KiTa. Einzig die Aufforderung, das Blaulicht einzuschalten, führte wohl fast zum Eklat, weil es natürlich keines hatte. Blöd von mir. Das mache ich beim nächsten Mal besser.

Wenn das Kind allerdings Nachrichten schickt a la:

  • „Hallo Mama …………. weißt du noch, wie ich heiße?“

dann wird es Zeit, schleunigst wieder nach Hause zu fahren.

Sprachnachrichten Mama - Kind1
Auf den grünen Knopf drücken, um Sprachnachrichten aufzunehmen. Ganz einfach ;-)