Delta Chat – ein neuer Star am Messenger-Himmel?!

Telegram? Threema? Nein! Delta-Chat! :-)  Mit Lesebestätigungshäkchen und Verschlüsselungszeichen.

Messenger sind so ein Thema. Das Nuf hat sich kürzlich etwas ausführlicher damit auseinander gesetzt und beschrieben, was an Whatsapp problematisch ist. Die App gehört zu (evil) Facebook und schickt, das dürfte mittlerweile bekannt sein, ungefragt Adressbuchdaten an den Konzern, was scheiße und nach aktueller Rechtsprechung zudem nicht legal ist. Auch die Metadaten landen natürlich bei Facebook.

Auf Whatsapp zu verzichten ist für viele nicht ganz einfach. Für mich auch nicht. Schließlich tummeln sich dort viele viele Freund*innen, die gesamte Großfamilie und fast alle Kindergartenmamis und -papis. Deswegen habe ich sie auch immer noch aktiv – allerdings habe ich der App den Zugriff aufs Adressbuch entzogen (das geht mit neuen Android Versionen unter Einstellungen –> Apps –> Whatsapp –> Berechtigungen ändern). Zugegebenermaßen ist das unkomfortabel. Denn nun kann ich meine Chatpartner!nnen nur noch über deren Profilbild und Telefonnummer (die statt des Namens angezeigt wird) identifizieren. Das ist unschön und unübersichtlich.

Als Alternative habe ich über längere Zeit Signal, Threema und Telegram ausprobiert. Die Messenger sind im Prinzip vom Funktionsumfang ähnlich wie Whatsapp und funktionieren alle drei sehr gut. Der große Nachteil ist die Reichweite: Meine Kontaktlisten in diesen Messengern sind extrem übersichtlich. Nur eine Handvoll Leute in meinem Bekanntenkreis nutzt diese Alternativen, so dass ich dort jeweils nur ca. 3-4 aktive Chats habe. Außerdem sind alle drei Messenger ebenso wie Whatsapp zentral organisiert, d.h. alle (Meta)Daten laufen über die Server der jeweiligen Anbieter. Zudem nutzen zumindest Threema und Telegram Google Cloud Messaging (neuerdings umbenannt in Firebase Cloud Messaging), also einen Google Service, um das Handy über neue Nachrichten zu informieren.

Vor einigen Wochen habe ich mir den neuen Messenger Delta Chat runtergeladen. Delta Chat ist ein Open Source Projekt und bisher nur für Android verfügbar. Es nennt sich „Der Messenger mit der größten Reichweite der Welt“. Ein bisschen großspurig, dachte ich zuerst. Aber es stimmt: Denn Deltachat funktioniert auf E-Mail-Basis, man richtet also keinen eigenen Account ein, sondern nimmt einfach eine bestehende E-Mail-Adresse und kann dann über die App hin- und herchatten.

Das Gegenüber muss sich die App nicht installieren, sondern kann einfach über ihren E-Mail-Client kommunizieren. Dort erscheinen die Nachrichten als normale Mail. Damit kann ich also potenziell alle Leute erreichen, von denen ich eine Mailadresse habe.

Als Nutzerin habe ich die Wahl, von Delta Chat aus Nachrichten zu verschicken oder der Bequemlichkeit halber zwischendurch auch am Notebook vom Mail-Client aus zu antworten. Die Nachrichten tauchen alle sowohl in der Inbox bzw. in einem eigenen Chatordner sowie in der App im Chatverlauf auf.

Der Instant E-Mail-Messenger kommuniziert nur zwischen den beteiligten E-Mail-Servern, er ist damit also im Unterschied zu allen anderen (zumindest mir bekannten) Messengern dezentral organisiert. Es gibt keinen Deltachat-Server, auf dem Nachrichten, Metadaten oder Adressbuchdaten gespeichert werden, alles liegt auf den eigenen Rechnern bzw. beim E-Mail-Provider. Und den kann eine sich ja frei aussuchen. Gerade in Deutschland gibt es einige, die Datenschutz ernst nehmen und sich nicht über Werbung/Datenweitergabe finanzieren (dafür dann halt wie posteo 12 € im Jahr kosten. Das ist es mir wert).

Die Kommunikation zwischen Delta Chat Messengern ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Verwendet wird hierfür OpenPGP, der Schlüsselaustausch findet automatisch über den Autocrypt-Standard statt. Die Verschlüsselung wird durch ein Schloss in der Nachricht angezeigt (mehr zur Verschlüsselung hier).

Optisch und von den Funktionalitäten her ist Delta Chat mit den anderen Messengern vergleichbar. Es ist möglich, Bilder, Videos, Sprachnachrichten etc. zu versenden, man kann Gruppenchats einrichten und erhält, wenn entsprechend aktiviert, Lesebestätigungen. Delta ist schnell und das chatten darüber macht Spaß.

Noch gibt’s Delta Chat erst in einer Beta Version (0.9.3) und die App wird derzeit noch an einigen Stellen weiterentwickelt, z.B. wird derzeit das Konzept der Kontaktanfragen überarbeitet. Man kann sie über die Website des Projekts oder über FDroid beziehen und einfach mal ausprobieren und ggf. auch mitdiskutieren oder mitübersetzen (es gibt die Website schon in 6 Sprachen). Mit Version 1 kommt die App voraussichtlich auch in den Play Store. Für Apple soll es auch eine App geben (irgendwann).

Für mich sieht das Ganze bisher sehr sehr gut aus und ich könnte mir vorstellen, dass ich damit nach und nach alle anderen Chat Messenger ablösen kann – allen voran endlich endgültig auch Whats App. Für mich also ganz eindeutig „der“ Star im Wust der Messenger!

++ + Discloser: Mein Partner ist in Autocrypt involviert und inzwischen kenne ich den Entwickler von Deltachat auch persönlich. Das hebt vermutlich meine Bereitschaft, den Messenger geduldig zu testen. Andererseits habe ich durchaus eine äußerst kritische Ader (zum Leidwesen manch Nahestehender).  +++

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Noch ein Jahr

Oh, eine E-Mail in meinem verwaisten cloudette.net-Postwach! Womöglich ein Kommentar auf einen nicht mehr ganz taufrischen Artikel? Oder nette Leser*innenpost? Ihwoo, es ist nur WordPress, das mich informiert, dass meine URL in 30 Tagen automatisch verlängert wird. Ich müsse nichts tun, nur abwarten und die 26 $ bezahlen, die mich das im Jahr kostet. Eine kurze Weile überlegte ich, doch etwas zu tun. Nämlich einfach nicht zu zahlen und die Domain zu kündigen. Schwups und weg. Es wäre eine Gelegenheit, das Kapitel „Blog“ kurz und schmerzlos abzuschließen. Schließlich dümpelt das hier ja nur noch vor sich hin. Einen (1!) ganzen Artikel habe ich dieses Jahr zustande gebracht. Letztes waren es immerhin noch 22. Das Jahr davor 37. Nicht, dass es jemals viel gewesen wären – aber Sie erkennen die Tendenz. Ich könnte den Deckel drauf machen und den 5. Jahrestag, der sich jetzt im Juni jährt, mit einem Abschied feiern. Denn eigentlich tut mir diese weitgehende Internetabstinenz, die auch noch Twitter und Facebook und den ganzen Krempel umfasst, ganz gut.  Ich sehe Sie förmlich die Augen verdrehen: „Jajaja, diese schrullige Offline-Verklärung, bleib uns weg damit“. Ich höre ja auch schon auf und erkläre Ihnen also nicht die 143 Gründe, warum ich derzeit nicht mehr blogge.

Um zurück auf den Anfang dieses etwas improvisierten und dahingerotzten Posts zu kommen: Meine Gedanken endeten irgendwann in einem Vorschlag, den ich mir selbst machte (es folgt ein weiterer Doppelpunkt!!!): Ich gebe mir nun noch ein weiteres Jahr und schaue mal, was dieses so blogtechnisch mit sich bringt. Vielleicht neue Inspirationen, vielleicht wildes Geblogge. Vielleicht nur noch Comics. Vielleicht bleibt es auch bei den mittlerweile schon 2 Artikeln in diesem Jahr. Und schließlich kann ich auch getrost auch noch am 6. Bloggeburtstag den Deckel druff machen.

Vielen Dank an die Handvoll Leser*innen, die hier immer noch vorbeischaut. Ich weiß Ihre Ausdauer und Treue sehr zu schätzen.

Küsschen und vielleicht auf bald.

 

 

 

Machen Sie doch, was Sie wollen. Echt jetzt.

Ich habe gestern in der Kaffeepause im Büro einen Text über das Basteln von Adventskalendern gelesen, den ich sehr lustig fand. Ich fand ihn rotzig, sarkastisch und wunderbar schön überzogen. Und weil ich ihn so lustig fand, habe ich ihn schnell mal auf Facebook (evil, ja) geteilt, dann meinen Kaffee ausgeschlürft und weitergearbeitet. Erst abends bekam ich zufällig mit, dass es „Adventskalenderdiskussionen“ in meiner Twitter-Eltern-Filterbubble gab und zuerst dachte ich hö? Was gibts denn da zu diskutieren?, bis ich blickte, dass es ebenjener Artikel war, der wohl für hohe Wellen sorgte. Nicht weil ich ihn geteilt hatte, wo denken Sie hin, mit meiner bescheidenen Reichweite, aber weil ihn andere mit hoher Reichweite geteilt hatten. Ist auch egal. Jedenfalls führte dieser Artikel zu Diskussionen, die ich nicht nachgelesen habe, weil sie mich nullkommaüberhauptnicht interessieren. Es ist mir völlig wumpe, ob Mütter (ich kenne keinen, nicht einen einzigen Vater, der das macht, aber das ist ein anderes Thema) die Adventskalender selbst basteln oder sie beim Discounter kaufen. Es ist mir egal. Ich selbst verwende für K2 exakt den gleichen Kalender, den ich vor 20 Jahren schon für K1 verwendet habe und befülle ihn mit Plastikscheiß und Zucker hochwertigem Kleinkram. Aber das ist egal, denn worauf ich eigentlich nach langem Intro hinauswill:

Diese ganzen Diskussionen sind mir wumpe. Genauso, wie es mir obertotalwumpe ist, wo die Kinder anderer Eltern schlafen. Ob im Familienbett oder alleine oder unterm Tisch. Wie es mir egal ist, wie lange und wie oft eine stillt, ob ihr Baby Brei bekommt oder Fingerfood, ob das Pausenbrot in olles Butterbrotpapier eingewickelt oder ge-bentoboxt wird, wie oft und mit das Kind gebadet wird, was die Kinder zu WeihnachtenGeburtstagOstern bekommen, was sie essen oder auch nicht, wie oft sie fernsehen oder nicht und so weiter und so fort. Alles, was andere Eltern aus Überzeugung, ideologischen Gründen oder meinetwegen auch Zeitmangel oder -überschuss machen, ist mir, so lange sie damit nicht andere willentlich gefährden oder beschädigen, wumpe. Das heißt nicht, dass es mich nicht interessiert. Ich finde es im Gegenteil oft höchst interessant, was und warum Andere anders machen – aber ich finde in 99,9 % der Fälle nicht, dass man sich darüber shitstormmäßig aufregen muss.

Es geht mir immer häufiger so, dass ich den Diskussionen um irgendeine durchs Online-Elterndorf getriebenen Sau im Internet nicht folgen kann und mag. Ich denke „na und? Macht doch, was ihr wollt. Möge doch jede machen, was sie will! Mögt ihr euch doch mal bitte einfach IN RUHE LASSEN VERDAMMT“. Und Sie merken schon, so langsam mischt sich in die totale Gleichgültigkeit dann doch ein Hauch von Emotion. Was mir nämlich tatsächlich nicht oberfuckingscheißegal ist, ist dieses Rumgehacke aufeinander, das Abwerten, das abfällige Kommentieren. Oft mache ich Twitter einfach zu und schaue später wieder rein, wenn sich die Aufregung gelegt hat. Was aber oft noch weiterbrodelt ist der Gedanke, warum es so schwer ist, Andere anders sein zu lassen.

Und nein, ich bin da auch keineswegs frei davon. Viel zu oft werte ich selber ab, denke „wie kann man nur, wie kann die nur, nie würde ich“-Blabla. Ich hoffe aber, ich schreibe das dann nicht ins Internet (gelegentliche Ausrutscher kann ich nicht ausschließen, sorry). Sondern ich hoffe, ich lasse es in meinem Hirn oder labere höchstens den Mann damit voll (auch sorry). Denn es geht mich nichts an und ich habe kein Recht, anderen die Stimmung zu vermiesen, nur weil ich womöglich selbst gerade empfindlich bin, einen kackbeschissenen Tag habe oder weil mich selbst das ganze Gebastele oder was auch immer stresst.

Ich werde mir auch in diesem Jahr eine Flasche Wein kaufen einen Kräutertee aus biologisch-dynamischen Anbau brauen und in einer nächtlichen Aktion den Adventskalender für K1 basteln (K2 geht schnell, siehe oben). Das „Kind“ kriegt nämlich auch mit 25 Jahren immer noch einen (Stichwort: Langzeitadventskalenderbasteln!!11!!!!! OMG, wie kann ich nur) und ich verpacke tatsächlich jedes Geschenk einzeln. Und Ihnen da draußen wünsche ich viel Spaß beim Basteln, Kaufen, Streiten, Kiffen, Saufen, Rauchen, Stillen und was Sie sonst so gerne machen für sich, für Ihre Kinder, für Andere. Amen.

P.S. Den supertollsten Adventskalender macht ja meine Schwester, falls es Sie interessiert.

PPS: Lesen Sie einfach den Text von AufZehenspitzen.  Sie bringt das mal wieder klug auf den Punkt.

Urlaubseskapismus

Drei Wochen Urlaub – drei Wochen offline. Nur Meer, Strand, Sonne. Berge, Schluchten, Burgen. Es dauerte nur ein kleines bisschen, bis ich mich daran gewöhnt hatte, nicht ständig auf das Handy zu schauen. Dort war eh nichts los. Kein *pieppiep* aus den diversen Whatsapp-Gruppen. Keine Mails, kein Twitter, kein Facebook. Nur SMS konnten mich erreichen, das waren überschaubar wenige. In der ersten Woche führte ich gedanklich noch eine Liste, was ich später alles Nachgoogeln wollte. Die Liste versickerte allerdings in der allgemeinen Urlaubsträgheit und tauchte bis heute nicht mehr auf. Nur spärliche Nachrichten drangen zu uns durch. Ich habe nichts vermisst. Erschreckend überhaupt nichts. Im Gegenteil.

Und natürlich, wie könnte es anders sein, beschloss ich, diesen himmlich-eskapistischen Zustand so lange wie möglich zu erhalten. So im Hier und Jetzt zu sein, mich nicht in Kommunikationen, Internetgedöns und dem Weltgeschehen zu verheddern. Einfach mal Gespräche ohne ein „ich google das mal schnell“ zu führen. Einfach mal Verabredungen zu treffen, ohne x-Mal hinundher zu whatsappen. Nicht wieder stundenlang im Internet zu versumpfen.

Der Vorsatz hielt so ca. 12 Stunden. 8 Stunden davon habe ich geschlafen. 2 h ausgeräumt, ausgepackt, Wäsche gewaschen, Post geöffnet, gegessen. 2 h den geliehenen Bus sauber gemacht. Dann beschloss ich, mal eben kurz das Fotobuch mit den Urlaubsbildern anzufangen. Und mal kurz auf Twitter nachzuschauen, was so los ist. Und mal kurz die Mails zu checken. Und die >300 Whatsapp-Nachrichten … und das Weltgeschehen …

„Du bist ja schon wieder am Rechner, wolltest du nicht eigentlich …“, sprach der Mann heute morgen um 8. ICH MACH DOCH NUR KURZ DAS FOTOBUCH!!!1!11!!

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Familienausflug zum #32c3

Nachdem wir letztes Jahr völlig begeistert vom Familienausflug zum Chaos Communication Congress waren, machten wir uns auch dieses Jahr wieder am 2. Weihnachtsfeiertag mit K1 (24) und K2 (4) auf den Weg. Wir holten uns noch am Abend von Tag0 die Eintrittsbänder, um lange Warterei am Eingang zu vermeiden. Dachten wir zumindest. Wir hatten nämlich nicht mit der kleinen Horde elektronischer Weihnachtsmänner im Eingangsbereich gerechnet, die Seifenblasen machten und schreckliche Lieder grölten und die Aufmerksamkeit von Kind2 völlig absorbierten. Es war erst wegzubekommen, als es eine der Figuren mitnehmen durfte*.

Kidspace

Dank der Vorjahreserfahrung war unsere Orientierung deutlich besser und wir konnten schnurstracks unser erstes Ziel anpeilen, das – natürlich – der Kidspace war. Schließlich ist für das nun 4jährige Kind der Congress gleichbedeutend mit „Kidspace“ („Wann gehen wir endlich wieder zum Kidspace????“) und es hatte  so seine Erwartungen, die da hießen: Bällebad und Duplo. Viel Duplo. Tonnenweise Duplosteine. Ein ganzer Berg von … So wie im letzten Jahr halt. Und auf dem CCCamp. Das Problem war nur: Es gab keins. Den ersten Abend vertrösteten wir das Kind noch auf den nächsten Tag, doch nach und nach sickerte die Info durch, dass es – aus welchen Gründen auch immer – kein Duplo geben werde. Erklären Sie das mal einem 4jährigen … genau!

Aber dank eines schnell gefundenen neuen Freundes ähnlichen Kalibers war auch das Kind2 irgendwann getröstet. Und es gab ja noch das große Bällebad. Und viel Platz zum Rumtoben. Und eine Landschaft aus Sand, verschiedene (Computer)Spiele, Bastelaktionen, eine kleine Kletterwand und diverse Workshops** für Kinder. Supertoll war der Malroboterworkshop, in dem das Kind nach einer sehr netten Einführung weitgehend selbstständig einen kleinen Roboter, angetrieben von einem Milchschäumer und mit 3 Filzstiften als Beinen, baute. Das Ding funktionierte wunderbar und war im Kidspace danach ein derartiger Renner, dass sich eine Traube Kinder um K2 herum bildete, die alle gucken und anfassen wollten. Nach einer Stunde Dauerbetrieb auf dem wunderbaren Teppich (natürlich waren die Deckel auf den Stiften drauf!!!!!) und Dauergetatsche der Kinder, gab es allerdings dann doch den Geist auf.

Dass es den Kidspace gibt und sich Leute darum kümmern, ist grandios. Es ist ein wunderbarer Ort, um ein bisschen abzuhängen und mit anderen Eltern zu quatschen. Mir wurde erst in diesem Jahr so richtig klar, wie self organized der Kidspace ist. Duplo und Eisenbahn wurden z. B. wohl über die Jahre immer privat von jemand mitgebracht und gehören nicht zum Inventar des ccc. Für das nächste Jahr ist für uns als Eltern klar, dass wir uns mehr einbringen werden. Wir vermissen eine Malecke? Dann müssen wir sie über die Mailingliste mitorganisieren. Wir finden eine Stelltafel sinnvoll, auf der die tollen Workshopangebote angekündigt werden können? Same procedure. Und wie lösen wir das mit den 10.000 Duplosteinen?

Vorträge

Der Mann und ich haben uns wieder abgewechselt in der Kinderbetreuung. Genau genommen haben wir als Familie auf dem 32c3 überhaupt nichts zusammen gemacht, sondern uns lediglich die Klinke bzw. K2 in die Hand gegeben. In meiner freien Zeit zog ich meist mit K1 durch das Gebäude und war in einigen Vorträgen. Es gab wieder eine breite Palette an technischen und politischen Themen. Meine Highlights waren:

Alle Vorträge wurden wieder aufgezeichnet und können hier angeschaut werden. Das Theaterstück Asyldialoge (leider nicht aufgezeichnet) war übrigens auch sehr gut, lief leider aber erst nach Mitternacht – und selbst mit viel Mate stand ich es nicht ganz durch, dafür waren die Sessel zu flauschig, der Saal zu dunkel zzzzZZZZ

Der große Rest

Eigentlich sind die Vorträge nur ein kleiner Teil des Congresses. Es gibt noch 1000x andere Dinge zu sehen, zu tun, zu genießen. Vom Cocktailroboter über Stickmaschinen, 3-D-Druckern, Infoständen, selbst organisierten Workshops, Podcasts beim Sendezentrum bis hin zur legendären Partyhölle (auch Lounge genannt), einer riesigen Halle, in der eine grandiose Installation mit Lasershow sowie etliche Wohnwagen mit Bars aufgebaut waren. K1 und ich verbrachten eine Nacht dort feiernd und tanzend zu ziiiiemlich lautem Techno. Und es gibt natürlich 12.000 potenziell interessante Menschen, mit denen eine ins Gespräch kommen könnte.

Auch für Verpflegung war versorgt. Crepes, Pommes, veganes Essen, alles da. Ein prima Tipp war übrigens die Fressmeile auf der Sternschanze, die nur eine S-Bahnstation entfernt liegt und wo eins sehr gut arabisch, türkisch, indisch … essen gehen kann. Obligatorisch ist natürlich das Matetrinken. Am 4. Tag hatte ich so viel Mate intus, dass mich die Dosis noch über Silvester rüberrettete.

Der Teppich

Irgendeins twitterte im Vorfeld sinngemäß, dass ein Großteil der Vorbereitungszeit doch sicher für die Verlegung des tollen Retrotreppichs im ganzen CCH draufgehe. Aber echt jetzt! Der Teppich ist super, er dämmt viele Geräusche und trägt zur Gemütlichkeit der ganzen Veranstaltung bei. Es wird sicher schwer, einen würdigen Nachfolge-Veranstaltungsort für 2017 zu finden.

Fazit

Ich fand den 32c3 insgesamt wieder sehr schön und inspirierend, wenn auch nicht ganz so flashig wie beim ersten Mal (normal vielleicht) und deutlich anstrengender. Das kleine Kind, das keinen Mittagsschlaf mehr machte, war manchmal etwas überreizt und mir selbst war manchmal eher nach Höhle als nach Massenevent zumute – allerdings hatte das nichts mit dem Congress zu tun.

Es ist fast unglaublich, wie friedlich, respektvoll und freundlich so viele Menschen auf relativ engem Raum sein können. Ich selbst habe nichts Blödes selbst erlebt oder mitbekommen (was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Aber offensichtlich nicht so geballt wie bei sonstigen Menschenansammlungen). Die auf dem Congress gepflegte Kultur macht ihn zu etwas ganz Besonderem und sehr Inspirierendem! Kein Wunder, dass viele danach einen gewissen Realitätsschock erleiden.

Ich nehme jedenfalls eine Menge Anregungen und nette Begegnungen mit und freue mich auf den 33c3.

Hier ein paar Impressionen in gewohnt schlechter Handyqualität:

Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter - große Attraktion im Kidspace.
Malroboter – große Attraktion im Kidspace. Mit Teppich!
Laserinstallation in der Partyhölle
Laserinstallation in der Partyhölle

*wir haben sie aus Versehen bei unserer Gastgeberin stehen lassen. oO. Das war keine Absicht. Ganz ehrlich!!

** Für viele Angebote war K2 natürlich noch etwas zu klein – da freue ich mich auf die kommenden Jahre. Das Nuf hat ausführliche Berichte über den 32c3 mit etwas größeren Kindern (>6) geschrieben.

Kommunikation 3.0 mit dem Kind

Facebook ist ja anscheinend bei Jugendlichen ziemlich out – zumindest seit sich Mama, Papa, Onkel, Tante und co darauf herumtreiben. Denn wer mag sich schon ewig mit der Frage beschäftigen, wie eins die Freundschaftsanfrage von Onkel x am elegantesten ignoriert oder wie man ihn mittels Erstellen komplizierter Listen unauffällig aus der eigentlichen Timeline aussperrt. Da wechselt eins doch lieber zu Whatsapp, Snapchat oder was es halt sonst noch so gibt und chattet dort, unbeobachtet von der Verwandtschaft, in diversen Gruppen mit den Freund*innen. Kind1 praktiziert das schon seit Jahren … (Moment mal. Wann genau habe ich mich gleich noch bei Facebook angemeldet? Hallo? KIND1???)

Der neue heiße Scheiß ist nun, nicht mehr umständlich Nachrichten ins Smartphone zu tippen, sondern einfach Sprachnachrichten zu verschicken. Das erzählte mir zumindest eine Freundin, die es wissen muss. Die lassen sich ja bei Whatsapp über einen Klick erstellen und man kann so ganze Romane drauflabern und nebenbei noch lässig rauchen, in der Nase bohren oder sich am Po kratzen. Die Empfängerin hört sich das dann irgendwann an und kann irgendwann genauso monologisch antworten.

Ich habe das natürlich als Berufsjugendliche auch gleich ausprobiert und muss sagen: Sehr cool! Viel besser als telefonieren. Zumindest in der Kommunikation mit einem viereinhalbjährigen Kind, bei dem Telefonate doch eher, wie soll ich sagen, etwas zäh und zeitintensiv sind (es will das Telefon nicht mehr hergeben, sagt aber eigentlich außer „Hallo Mama“ nur Quatschkram oder gar nichts).

Als ich gerade eine Woche lang weg war, schickten das Kind (mit väterlichem Support) und ich uns morgens Textnachrichten. Und da morgens meist eine sehr trödelintensive Zeit ist und es bis zur KiTa-Schließung um 9.00 Uhr doch oft knapp wird, spielten wir Feuerwehr, um das Ganze etwas zu beschleunigen:

  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, schnell anziehen und los gehts zur KiTa!“

7 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo hier ist das Einsatzkind, hallo hier ist das Einsatzkind, wir fahren los!!“
  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, macht das Blaulicht an!“

6 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo Mama!!! Wir sind da!!!“

Tja, so schnell war das Kind selten in der KiTa. Einzig die Aufforderung, das Blaulicht einzuschalten, führte wohl fast zum Eklat, weil es natürlich keines hatte. Blöd von mir. Das mache ich beim nächsten Mal besser.

Wenn das Kind allerdings Nachrichten schickt a la:

  • „Hallo Mama …………. weißt du noch, wie ich heiße?“

dann wird es Zeit, schleunigst wieder nach Hause zu fahren.

Sprachnachrichten Mama - Kind1
Auf den grünen Knopf drücken, um Sprachnachrichten aufzunehmen. Ganz einfach ;-)