Das „Business-Festival“ re:publica 2015. Ein persönliches & kritisches Fazit.

Als ich zur re:publica fuhr, nahm ich mir eigentlich fest vor, sie nicht mit dem 31. Chaos Communication Concress zu vergleichen. Dort war ich im Dezember und es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht nur bei mir, auch bei meiner Familie, mit der ich angereist war. Einen Lobgesang habe ich hier veröffentlicht. Mich hat dort so ziemlich alles begeistert: die Vielfalt und Tiefe der Vorträge, die interessanten, offenen und verspielten Menschen, die Aufbruchsstimmung, die politischen Statements, der tolle Kinderbereich, die kreative Gestaltung der Räume … Die Begeisterung und das leichte Hüpfen im Bauch halten sich bis heute, wenn ich daran denke.

Auf der re:publica war ich auch zum ersten Mal und – ich nehme es fairerweise mal vorweg – es wurde keine Liebe, auch nicht auf den 2. Blick. Vielleicht auf den 3. – und damit komme ich zunächst einmal zum absoluten Highlight meiner Reise:

Auf der re:publica gab es sehr schöne Begegnungen mit Leuten, deren Blogs ich lese und denen ich auf Twitter folge. Oder die ich einfach so dort kennengelernt habe. Ich bin noch nie so vielen Leuten, die ich vorher nie gesehen hatte, spontan in den Arm gefallen. „Ach, du bist die soundso, wie toll dich mal zu sehen!!“. Das war wirklich schön. Manche Begegnungen waren intensiv, manche eher flüchtig, ich habe mich auf jeden Fall gefreut, so viele einmal persönlich zu sehen und ein paar Worte zu wechseln. Gerne hätte ich mich mit der einen oder anderen länger und in Ruhe unterhalten, für mich als Small-Talk-DAU waren diese vielen kurzen Begegnungen eine Herausforderung. Die netten Menschen wären für mich der einzige Grund, noch einmal auf die re:publica zu fahren, es ist einfach eine tolle Gelegenheit, Leuten zu begegnen und diese mit der Zeit auch ein wenig besser kennenzulernen. Außerdem verbrachte sehr schöne Abende mit einer alten Freundin und einen mit @alsmenschverkleidet und @buntzone. Hier war Zeit und Raum für intensive Gespräche, viel Flausch und Herz. Das war einfach schön!

Wenn ich aber ehrlich bin, habe ich es dann natürlich doch gemacht, ich habe die Veranstaltung mit dem ccc verglichen, dauernd, sorry. Schon am Eingang, als ich auf ein Schild stieß, auf dem verlautet wurde, dass während der Veranstaltung gefilmt und fotografiert werde, während es auf dem ccc völliger Konsens war, dass eins ohne Einverständnis natürlich keine Aufnahmen von Personen macht. Kleiner, aber feiner Unterschied. Ich habe verglichen, weil für mich die beiden Konferenzen zunächst auch einiges gemeinsam haben, in meiner Vorstellung zumindest. Beides, so dachte ich, sind Veranstaltungen, bei denen Leute zusammenkommen, die sich gerne im Netz bewegen und dieses und die Gesellschaft kritisch und kreativ mitgestalten möchten. Aber halt! Die re:publica ist ja neuerdings gar kein Community Event mehr, sondern offiziell ein Business-Festival (!), wie ich im Vorfeld von den Veranstalter!nnen erfuhr. Da stellten sich bei mir erstmals die Nackenhaare etwas hoch.

Die Veranstalter!nnen hatte ich übrigens angeschrieben, um mich nach Angeboten für Kinder und Familien* zu erkundigen. Womit ich beim nächsten Punkt wäre: Eigentlich planten wir, nach der erfolgreichen Tour nach Hamburg einen Familienausflug zur re:publica zu machen. Auf Twitter fragte ich also vorab mal rum, wer so alles mit Kindern käme und wie die Erfahrungen aus den Vorjahren seien. Die Antworten waren, gelinde gesagt, ernüchternd, darum fragte ich direkt nach. Auf die Mail an die republica kam u.a.:

„Bisher haben wir als Business-Festival keine nachhaltige Infrastruktur für einen Kidsspace entwickelt und auch keine Erfahrung wie z.B. relevante, pädagogische Inhalte für die Kids angeboten werden können.“

Man plane irgendetwas, genaueres wisse man noch nicht. Auf meine Bitte, mich auf dem Laufenden zu halten, kam nichts mehr, so dass der Mann nach einigem Hin und Her beschloss, mit dem Kind2 zu Hause zu bleiben. Das erschien uns stressfreier. Und ich muss sagen: Das war eine gute Entscheidung. Ich kann mir im Nachhinein nicht vorstellen, dass wir uns dort mit Kind sonderlich wohl und gut aufgehoben gefühlt hätten. Angefangen vom Kinderbereich, der mitten im Geschehen in der Riesenhalle platziert war, im totalen Getöse der Tagung. Es gab dort ein kleines Planschbecken mit ein paar Bällen („Bällebad“ höhö), es lag ein bisschen Lego und Bastelkram rum, der Lärmpegel war unglaublich hoch (von der Musik und den Leute, nicht wegen der Kinder). Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das vierjährige Kind2 es länger als 10 Minuten dort spannend gefunden hätte. Die Sessions waren natürlich nicht kinderkompatibel, es war überall voll und über dem Innenhof hing permanent eine Rauchwolke. Verspielte Nerds, die den Kleinen irgendwas erklärt hätten, habe ich auch keine gesehen. Nüscht für das Kind, fand ich. Innerlich seufzte ich also erleichtert auf – schließlich hatte ich ja auch dadurch frei – und widmete mich dem Programm.

Ich weiß nicht in wie vielen Vorträgen ich war. Aus ca. 30 % bin ich vorzeitig raus, weil sie sich für mich als belanglos herausstellten, bei 40 % habe ich durchgetwittert, weil ich zu faul war rauszugehen, der Rest war eine Mischung aus ganz interessant und/oder gut performed, wenn auch zumindest teilweise inhaltlich etwas flach. Highlights waren für mich die Vorträge von Juna zur jüdischen Blogosphäre, der von Journelle zur Vielfalt von Beziehungen in Zeiten des Internet, der von Felix Schwenzel zur Kognitiven Dissonanz („Wahrheit ist ein Kompromiss“ – kann eins ja nicht oft genug sagen!), der von Jasna Lisha Strick zu Critical Crafting (und zwar vor allem deshalb, weil hier mal was Kritisches, nicht-mainstreammäßiges von der Bühne kam). Den Vortrag von Ines Dorian Gütt zu „Surveillance Art und die fehlende Ästhetik der digitalen Massenüberwachung“ fand ich interessant, der hätte ruhig noch etwas tiefer einsteigen können. Außerdem war ich in der Kinderfotos-im-Netz-Session, wo ich mich zu 100% den Statements von @dasNuf anschließen konnte – nämlich keine erkennbaren Fotos und Namen von Kindern im Netz zu veröffentlichen.

Natürlich war ich in vielen womöglich tollen Vorträgen auch nicht. Weil ich mich mit dem temporären Mitbewohner beim Kaffee festgequatscht hatte und nicht früh genug loskam, weil ich mit Leuten im Gespräch war oder beim Klo anstand. Oder weil ich, während der gefeierte Astronaut sprach, lieber im Park im Cafe Eule saß, weil mir alles zu viel wurde und ich eine Auszeit brauchte. Aber erklärt das die schlechte Trefferquote? Ich hatte irgendwann das blöde Gefühl, dass ich mir zielsicher immer die falschen Vorträge herausgesucht hatte – womöglich war der parallele viel besser! Lustiger! Warum lachen die nebenan so und klatschen wie verrückt? Oder wurden da gerade animinierte Gifs eingeblendet? Ich fragte Leute in der Halle nach Tipps und Favorit!nnen, aber so richtige Empfehlungen bekam ich nicht. Auch sah ich kein Leuchten in den Augen ob des grandiosen Vortrags von xx. Habe ich also wirklich nichts verpasst? (jaja, außer Alex, ich weiß ^^), waren die Themen einfach nicht so meine Baustelle, waren die aufrüttelnden, visionarischen, widerständigen, inspirierenden Sessions einfach total dünn gesät? Mich hat es jedenfalls thematisch nicht gepackt.

Um die Meckereien jetzt mal abzuschließen, erwähne ich noch schnell, dass die Räumlichkeiten recht nüchtern waren, es keine kreative Deko gab und sich das Gelände gegen Abend doch relativ fix leerte. In der großen Haupthalle wurden ab 20 Uhr tonnenweise Flyer in große Müllsäcke gesammelt – um am nächsten Morgen wieder neue zu verteilen. Gerüchten zufolge soll es in Nebengebäuden Partys gegeben haben. Ob diese rauschend waren, vermag ich nicht zu sagen, da ich mich zu Privatveranstaltungen verabredetet hatte. Die Stimmung lud mich jedenfalls nicht zum gechillten Verweilen ein.

Mein Fazit: Die re:publica hat mich mit ihrem „Flair“ eines Business-Festivals leider nicht begeistert, was ein bisschen schade ist.  Die Hauptausrichtung auf Social-Media-Irgendwas, digitales Marketing, Popkultur und Twitterwitzchen war für mich persönlich im Großen und Ganzen nicht besonders inspirierend und interessant.  Nun ja. Aber ich hatte trotzdem superschöne Tage in Berlin, habe tolle Leute getroffen, mich gut unterhalten und bin sehr froh, dass ich die Reise unternommen habe! Ich hatte Zeit, war unglaublich entspannt und konnte mich erholen, was hauptsächlich daran lag, dass der Mann netterweise mit dem Kind zu Hause geblieben war und ich mich einfach mal treiben lassen konnte. Wie toll, vielen Dank dafür! Und herzlichen Dank auch an meine reizende Gastgeberin für den Unterschlupf!

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* Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Mierau und Aluberlin, die mit großem persönlichen Engagement die kleine, sehr feine Blogfamilia-Konferenz ins Leben gerufen haben. Mit Kinderbetreuung! Eigentlich wollte ich ohne Kind da erst nicht hin, habe mich wegen der netten Leute aber umentschieden. Vielen Dank, dass ich noch kommen durfte, das war alles sehr liebevoll und toll gemacht!!!

P.S. Einige Vorträge werde ich wohl noch nachschauen. Wie die von Zygmunt Bauman und Mareike Kaiser & Raul Krauthausen beispielsweise. Und den vom Astronauten vielleicht auch.

Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)
Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)
Symbolbild Vortrag
Symbolbild Vortrag

Fragen über Fragen – Blogstöckchentag

Heute ist Blogstöckchentag, gleich zwei wurden mir zugetragen, vielen Dank. Eines kommt von gluecklich scheitern, deren Blog zu den ersten gehört, die ich überhaupt gelesen habe. Das andere von Craftingmom, deren Blog ich erst vor Kurzem entdeckt habe. Ihre Blogbeschreibung musste ich zweimal lesen, bis es mir ins Hirn sackte: Sie hat sage und schreibe 6 Kinder und schafft es zudem, 1000 kreative Dinge machen. Sehr beeindruckend finde ich!!!

Hier also die Fragen von gluecklich scheitern:

1. welche feste (karneval, st. martin, weihnachten…) sind dir mit kind wieder ans herz gewachsen (oder auch nicht) – wie feierst du/ ihr zum beispiel weihnachten (oder schreibe von einem anderen fest, das dir besonders gefällt)?
Mit Kind1 waren Weihnachten & Ostern immer besondere Feste. Weihnachten, weil wir da die 600 km auf uns nahmen, um zur Großfamilie zu fahren und – same procedure as every year – gemeinsam zu feiern. Fondue, Weihnachtsbaum, Geschenke. Ostern waren wir auch meist bei der Familie, Karneval gab es im Norden ja nicht so richtig, das wurde eigentlich nur im Kindergarten/in der Schule gefeiert. Mit den Jahren, als Kind1 größer wurde, verloren die Feste an Wichtigkeit, außer Weihnachten, das habe ich immer mit Kind1 gefeiert.

Mit Kind2 haben wir bisher erst ein Weihnachtsfest so richtig im Großfamilienverband gefeiert (zweimal waren wir im Ausland). Es war gleichzeitig das letzte mit Oma. Wir waren beim Fasnetsumzug (den das Kind2 gruselig, aufgrund der Bonbons dann aber zunehmend interessant fand), Ostern fiel eher aus.

So richtig schön finde ich ja die Vorweihnachtszeit. Traditionell backe ich als Adventskalendertante mit den Nichten Plätzchen (und trinke Sekt mit der Schwester). Ich mag die Kerzen-Tee-Wolldeckenzeit ganz gerne und erinnere mich auch gerne an meine eigene Kindheit zurück.

2. Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konntest?
Bei Nummer 1 war es ein großes Staunen über dieses winzigkleine Wunder, das da plötzlich neben mir lag. Viel Ruhe war zwar nicht – ich wohnte damals in einer WG und das Leben dort drehte sich einfach weiter, nebenan wurde ausgiebig gefeiert (nicht die Geburt). Aber für mich in meiner kleinen Blase stand die Welt ein Weilchen still.

Bei Nr. 2 war die Höhlenzeit einfach wunderschön. Wir zogen uns zu dritt zurück, lebten ca. 10 Tage im Bett, aßen Kuchen, empfingen die Hebamme und insgesamt nur sehr wenig Besuch. Das schönste war, ganz ehrlich, wie der Mann immer wieder „hach, ist das schön!!“ seufzte, das Baby auf seinem Bauch.

3. Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?
Kommt sehr auf die Situation an. Wenn die Kinder einigermaßen vergleichbar stark/blöd/fordernd im Streit sind, lasse ich sie das untereinander ausmachen und ignoriere die Blicke in meine Richtung. Ich greife ein, wenn es ein Ungleichgewicht gibt, wenn eines davon Schutz sucht. Schwierig finde ich so Situationen wie „Ihr Kind da blockiert die Schaukel, meines will auch mal rutschen.“ Da geht mir ziemlich schnell innerlich der Hut hoch, zumal wenn die Kinder offensichtlich gut damit klar kommen. Je nach Laune und Gelassenheit versuche ich das zu klären – oder greife dann halt doch ein.

4. Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)
Ja. Oft. Das ist ein Dauerthema hier. Und schon lange geplantes Thema für einen eigenen Beitrag. Wir leben als Kleinfamilie in einer nicht sehr kinderreichen Gegend und wünschen uns beide mehr Familien um uns rum. Leider ist hier alles so arschteuer, dass die Suche nach Alternativen schwer ist. Bliebe noch, ganz wegzuziehen, was mir schwer fallen würde, da meine Geschwister + Nichten hier leben und ich die Gegend einfach sehr mag.

5. hat dich das muttersein politisiert, wenn ja – in welchen bereichen, wie äußert sich das?
Mmmh, nun ist die Kleinkindzeit von Kind1 ja schon ziemlich lange her. Gleichberechtigung war schon vorher ein Thema für mich (das hieß damals noch nicht Feministin, sondern Emanze, hihi), weshalb ich mir auch eigentlich nichts anderes als zumindest ein 50/50-Modell vorstellen konnte. Hat nicht geklappt (das habe ich hier mal beschrieben). Ich empfand dieses „als-Mama-bin-ich-wohl-zuständig-für-den-Großteil-der-Reproduktionsarbeit“ als hochgradig ungerecht. Ich habe tonnenweise Literatur aus der Frauenbewegung gelesen, was den Alltag nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Das Mama-sein hat mich sicher stark für feministische Themen sensibilisiert (wobei ich natürlich nicht weiß, ob das nicht sowieso passiert wäre …).

6. kinder bringen oft den gedanken an die zukunft mit. zukunft wie in: wie lange reichen die ressourcen unseres planeten noch (platt gesagt). hat sich dein konsum-/kauf-/essverhalten geändert, seit du kinder hast? denkst du über solche themen nach?
Naja, sagen wir so: In meiner Jugend war ich mir sicher, in diese irre Welt (es war die Zeit der Aufrüstung, Tschernobyl etc.) kein Kind setzen zu wollen. Kann man ja nicht verantworten so was. Dann kam Kind1 und mit ihm konnte ich zumindest meine persönliche Zukunft etwas weniger düster sehen.

Ich denke viel über solche Themen nach, ja. Ich versuche z. B., möglichst zu „konsumieren“ in dem Sinne, dass ich Dinge, die ich kaufe, auch wirklich verbrauche. Das beschreibt Harald Welzer in „Selbst denken“ sehr schön (S. 26): dass immer mehr Produkte gar nicht mehr konsumiert werden, sondern gekauft, um sie danach zu entsorgen. 30 % der Nahrungsmittel zum Beispiel. Und natürlich vieles mehr. Das gelingt mir / uns so halb-gut. Wir schmeißen immer noch zu viel weg.

7. auf welche erkenntnis im leben mit kind(ern) hättest du gerne verzichten können?
Dass Kinder hierzulande doch recht häufig als Störenfriede wahrgenommen werden. Und wenn etwas schief läuft, sind erst mal die Eltern schuld. Minikleines alltägliches Beispiel: wütendes (lautes Kind) im Einkaufszentrum = schlecht erzogen. Dass es 1001 Gründe geben kann, warum es weint, ist an dieser Stelle egal. Es wird einfach superschnell ge- und verurteilt (und entsprechend kommentiert).

8. urlaub mit kindern – eher hütte in holland oder dschungeltour im amazonas, wie hat sich dein/euer reiseverhalten geändert?
Ich liebe es, von Ort zu Ort zu ziehen. Ob mit VW-Bus oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat bisher auch sehr gut geklappt. Wir waren im Dschungel – allerdings nicht komplett blauäugig, sondern mit Guide. Wir waren in einer Ferienwohnung auf Gomera (tendenziell bisschen langweilig), in der Hohen Tatra auf diversen Bergspitzen, in der Türkei, in den National Parks der USA. Es geht vieles mit Kind, finde ich, und es kommt sehr auf die eigenen Interessen, die eigene Lust am Ausprobieren und auf das Alter der Kinder und deren Bedürfnisse an.

9. wenn dir eine frische schwangere begegnet und dich ausdrücklich um rat und tips bittet: was wären die drei wichtigsten ratschläge/tips fürs elternwerden, die dir am herzen liegen?
Nimm Rat an, wenn er dir passend erscheint. Lass ansonsten die anderen Leute labern und mache es so, wie du es für dich und dein Kind richtig findest.

10. die eltern anderer kinder: segen oder fluch?
Mal so mal so, oder? Es gibt ja äußerst nette Leute, die Eltern sind. Und welche, die es nicht sind …

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Und hier noch die Fragen von Craftingmom:

1. Hast du Geschwister?
Ja, Schwester & Bruder

2. Welche Person würdest du gerne mal kennenlernen?
So einige Bloggerkolleginnen!

3. Was ist dein Lieblingsgetränk?
Kaffee, Tee, (alkoholfreies) Bier (Lammsbräu, lecker!)

4. Welche ist deine Lieblings-Website?
Da kann ich mich nie und nimmer auf eine festlegen! Mir gefallen meist einzelne Beiträge (siehe auch meine Blogrolle, da ist eine Auswahl meiner Leseliste).

5. Beschreib dich mit 3 Wörtern :-)
Hilfe! (war das jetzt schon eines?)

6. Was war dein liebstes Fach in der Schule?
Schule? Das war das mit dem Stillsitzen und versuchen, nicht einzuschlafen, oder? Ich glaube: Religion. Aber auch nur deshalb, weil ich zwischenzeitlich mal eine gute Lehrerin hatte, bei der interessante Dinge diskutiert wurden.

7. Gibt es etwas Verrücktes, dass du unbedingt mal machen möchtest?:-P
Es ist zwar nicht wirklich verrückt, aber ein Wunsch: Ich würde gerne mal im Grand Canyon unten wandern.

8. Gehst du gerne ins Kino? Wenn ja, welchen Film hast du zuletzt gesehen?
Ich gehe gerne ins Kino, aber sehr selten. Letzte Woche war ich in „Feuerwerk am helllichten Tage“, das war eher Zufall. Eigentlich wollte ich in Grand Budapest Hotel, das mir über Twitter empfohlen wurde. Leider lief das aber im Furzkino und war fast ausverkauft. Letztendlich war ich aber froh darüber, mir hat der Film nämlich gut gefallen!

9. Welches ist dein Lieblingszitat?
„Nicht jedes Auto, das hupt, meint dich“ <– das ist mir aus irgendeinem Blogeintrag von Das Nuf hängengeblieben. Gefällt mir gut. Leider weiß ich die genaue Quelle nicht mehr.

10. Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du unbedingt noch machen wollen?
Die Frage überfordert mich, ganz ehrlich. Wahrscheinlich Abschied nehmen von meinen Lieben. Ich hoffe, es dauert noch lange, bis es so weit ist.

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So, uff. Verzeiht, wenn ich mir keine eigenen Fragen ausdenke, ich bin zu faul. Ich gebe die Fragen von gluecklich scheitern einfach unverändert weiter, weil sie mir gefallen und zum Nachdenken angeregt haben. Und zwar völlig unverbindlich an:

Die fragende Freundin

Ich habe da so eine Freundin, die ist ein bisschen schüchtern. Sie wälzt gerne Probleme, macht sich viele Gedanken, traut sich aber meist nicht, um Hilfe zu fragen. Das gibt sie gerne geschickt ab. „Frag du doch mal, was man da machen kann!“ Und da ich bekanntlich ein hilfsbereiter Mensch bin, gebe ich die Frage dann gerne mal an ein Expert*innenteam weiter (ich weiß ja schließlich auch nicht alles). Manchmal ist das ein bisschen peinlich, aber was tut man nicht alles für die Freundschaft.

Sehr erleichternd ist ja, dass ich damit nicht alleine bin. Noch andere scheinen etwas unbeholfene Freundinnen zu haben, wie dieser miniwinzigkleine Ausschnitt einer großartigen Dokumentation der Zeitgeschichte (auch Twitter genannt) zeigt:

Den fragenden Freund gibt es übrigens auch, wenn auch, wie mir scheint, nicht ganz so oft (aber da kann ich mich filterbubblebedingt auch täuschen):

Und nun entschuldigt mich, ich muss meiner Freundin helfen, die Weihnachtsdeko abzuhängen.

Fatalismus hilft nicht gegen weltweite Überwachung

Kürzlich hielt Sascha Lobo auf der re:publica 2014 einen Vortrag mit dem (bescheuerten, wie er selbst zugab) Titel „Rede zur Lage der Nation„. Er machte von Anfang an klar, dass er keine spaßige Unterhaltung bieten würde und was er sagte, war auch wenig witzig.

Für diejenigen, die es nicht gesehen haben: Es geht grob gesagt um die weltweite Überwachung und den Kampf für Grundrechte im Netz. Seit einem Jahr ist dank Snowden bekannt, in welch einem Ausmaß die Geheimdienste NSA und GCHQ systematisch und praktisch allumfassend Informationen aus dem Netz saugen, speichern & auswerten, Telefonate abhören etc. Das hat inzwischen wohl jede*r mitbekommen. Die Liste an Absurditäten, Ausweichmanövern, Lügen und Einschüchterungsversuchen  (z. B. gegen Parlamentarier*innen, die untersuchen sollen, welche Rolle die deutschen Dienste dabei spielen), ist elends lang. Auf heise.de kann man sich das auf einer Timeline anschauen.

Es geht darum, wie wichtig „uns“* das Internet ist und was „wir“ eigentlich dafür tun, dass Grundrechte geachtet werden – außer von Whatsapp auf Threema oder so zu wechseln und Petitionen zu twittern. Geld wächst von Seiten der Netzgemeinde – den Begriff hat er verwendet, um das leicht piefig-gemütliche zu unterstreichen – jedenfalls kaum zu den Initiativen rüber, die sich gegen Überwachung und für ein freies Netz einsetzen.

Nun kann man sich über Art&Weise&Tonfall der Rede sicher streiten – das war kein netter Spendenaufruf, sondern eher ein verbaler Arschtritt, den Lobo da losgelassen hat. Das soll hier aber nicht Thema sein. Ich finde, er hat inhaltlich recht und ich fühlte mich – ebenfalls inhaltlich – durchaus angesprochen. Ich habe Petitionen getwittert, rege mich gerne offline gegen die Überwachung auf, bin ansonsten aber, wie das Nuf kürzlich mal sehr treffend schrieb, zu faul, um nicht überwacht zu werden. Und: ich habe nicht einen müden Euro dafür eingesetzt, um zumindest andere, die ETWAS TUN, zu unterstützen (das zumindest habe ich gleich mal geändert). Dabei liegt mir das Thema sehr am Herzen, denn: Es geht natürlich nicht nur um das Netz, es geht um Grundrechte, die gerade systematisch untergraben, ausgehöhlt, missachtet werden. Es geht um weltweite Überwachung, um Kontrolle, um Macht – die technische Überwachung ist hier das Mittel zum Zweck. Das schrieb der damalige NSA-Chef Kenneth Minihans ziemlich unverblümt bereits 1996 in einem Rundbrief an die Mitarbeitenden:

„Eine Informationsrevolution fegt durch die Welt, die so radikale Veränderungen erzwingt wie einst die Entwicklung der Atombombe. So wie die Kontrolle der industriellen Technologie einst der Schlüssel zu militärischer und ökonomischer Macht während der vergangenen zwei Jahrhunderte war, wird die Kontrolle der Informationstechnologie der Schlüssel zur Macht im 21. Jahrhundert.“ Quelle

Das ganze Überwachungsgedöns betrifft mitnichten nur die Twittergemeinde, die Netzbewohner*innen. Das betrifft – zumindest irgendwann – alle.

Man könnte bei dem ganzen Scheiß doch recht fatalistisch werden. Was kann eine schon groß tun – das war gestern der Tenor bei einer Veranstaltung zum Thema, die ich besucht habe. Lobo hat ein paar Vorschläge gemacht, wie z. B.: die Verantwortlichen zu brandmarken – was ich jetzt mal damit übersetze, Verantwortliche konkret zu benennen, anzusprechen, nicht in Ruhe zu lassen – , daran schließt sich an: Parlamentarier*innen auf die Füße zu treten, in die Institutionen zu gehen.  Das Einfachste ist sicher: Kohle an Leute, die sich den Arsch aufreißen, zu transferieren (zum Beispiel an: Digitale Gesellschaft, AK Zensur, Netzpolitik …).

Und: Ich finde es auch wichtig, darüber zu reden, zu schreiben, zu twittern, zu unterschreiben, zu demonstrieren. Leute zu unterstützen, die überwachungssicherere Systeme programmieren (hier hilft Geld ebenfalls ungemein). Asyl für Snowden zu fordern. Das sollte alles nicht gegeneinander stehen. Hauptsache dem Fatalismus keine Chance zu geben – sonst haben „wir“ bereits verloren.

* ich schreibe normalerweise ungerne „uns/wir“ – dieses Mal finde ich keinen anderen Begriff. Gemeint ist damit konkret: Diejenigen, die potenziell von Überwachung bedroht sind. Das sind, nach derzeitigem Stand, wohl so ziemlich alle.

Ein Stöckchen mit WG-Erinnerungen und Jugendschwank

Ich bin ja ein bisschen aus der Übung – nach 4 Wochen Internetabstinenz. Um hier wieder einzusteigen, beantworte ich doch mal ein paar Fragen, die mir Momatka bereits vor … oh! das war schon irgendwann Anfang Februar! … gestellt hat. Vielen Dank für die „Liebster-Blog-Award-Nominierung“!

1. Tee oder Kaffee – und wie ist der Suchtfaktor?

Kaffee. Ganz klar.

2. Gehörtest du in der Schule zu den coolen Kids oder warst du Außenseiterin?

Dazwischen irgendwas oder: weder noch. Ich fand mich eher immer ziemlich uncool, hatte aber immer tolle Freund*innen.

3. Was möchtest du unbedingt gesehen haben in deinem Leben?

Ich möchte gerne mal nach China. Und nach Island. Und nach Marokko. Und überhaupt …

4. Hast du mal in einer WG gelebt und wie fandest du es?

Ja, viele Jahre lang. Auf dem Lande, janz weit draußen, mit vielen Leuten. Wenn ich zurückdenke an die Zeiten, werde ich immer ganz nostalgisch. Ich denke an Abende vorm Ofen im Zimmer der Freundin, wo wir uns bei Tee oder Wein unterhielten und die Nachbars-Oma dabei ihre Socken strickte. An viele Nachmittage auf der Terrasse mit Kaffee und Gesprächen. An Lagerfeuer im Garten und Holzaktionen im Wald … hachja. Und dazwischen immer Kind1. Wenn ich ein bisschen unter der idyllischen Erinnerungsoberfläche kratze, fallen mir so Dinge wie „Plenum“ ein – ich bekomme noch heute grüneitrige Ausschläge bei dem Wort. Diskussionen über „wer hat schon wieder nicht abgespült“ und „Ist eine Spülmaschine pc oder des Teufels“ und „dürfen Dosenbier oder Biokäse aus der Haushaltskasse bezahlt werden“. Urgs. Lassen wir das besser.
Insgesamt-Fazit: Es war eine tolle Zeit und viele meiner besten Freund*innen kenne ich aus meinen WGs.

5. Buchladen, Boutique oder Ap*lestore –wo findet man dich?

Öhm. Noch am ehesten im Buchladen.

6. Worin bist du richtig schlecht?

Fremdsprachen. Mir fehlt da ein Gen, glaube ich. Leider leider.

7. Worin bist du richtig gut?

Im „um die wesentlichen Fragen rumeiern“

8. Mit welchem Job hast du dein erstes Geld verdient?

Ich glaube, das war ein Ferienjob in der Großküche des heimatlichen Krankenhauses.

9. Mit welchem Blogger würdest du dich gerne mal auf ein Heißgetränk treffen?

Eigentlich mit all den Bloggerinnen, deren Blogs ich regelmäßig lese

10. Wenn du aufgefordert wirst, einen Schwank aus deiner Jugend zu erzählen, was erzählst du dann?

Puh. Mit einem kleinen Stichwort wäre das einfacher zu beantworten … meine ganze Jugend bestand aus Schwänken … so rückwirkend betrachtet. Etwas absurd ist vielleicht dieser:
</schwank> Ich habe mit einer Freundin mal eine Tomate aus dem Schulbadezimmerfenster auf den Schultennisplatz geworfen – ohne allerdings Sicht darauf zu haben. Blöderweise hat dort gerade ein Lehrer von uns gespielt. Der hat uns nahezu in flagranti ertappt – wir ahnten ja nichts Böses und sind nicht abgehauen (mann waren wir naiv). Die ganze Sache hat uns nach großem Geschrei, Empörung & Gezeter von Seiten des Kollegiums ein schulisches Ultimatum beschert. Wir haben uns dann mit einem Korb Tomaten bei ihm entschuldigt.

Fand er nicht witzig. </schwank>

11. Was hast du in den letzten zwölf Monaten zum ersten Mal gemacht?

Nichts Aufregendes, fürchte ich.
Oh wait, da fällt mir was ein: den Badezimmer-Wasserhahn ausgetauscht. Ghnihihi. Auch nicht spannend, aber sehr aufregend für mich.

Diese Bild hat keinen inhaltlichen Bezug zum Text.
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Warum ich eine Pause brauche

„Wenn wir hier sturmfrei haben, feiern wir ne Strohwitwenparty!“, sagte ich zur Mitbewohnerin.

„Auja, wir sitzen auf dem Balkon, trinken Malibu und bloggen wie verrückt.“

Das war der grobe Plan für die Woche, in der die Männer auf Reisen waren. Was daraus wurde: aus dem Balkon die Küche, aus dem Malibu Radler und aus dem Bloggen … nunja: nichts. Wir saßen abends beisammen und redeten, über dies und jenes, wir besprachen unser Bloggerinnen-Dasein hoch und runter. Und wird schrieben beide keine Zeile, aus unterschiedlichen Gründen. Bei der Mitbewohnerin, die ein erfolgreiches Blog auf Polnisch betreibt, puzzelt sich ihr Leben nach erfolgreicher Dissertation neu zusammen. Und mir wuchs mein digitales Leben gerade ein bisschen über den Kopf.

Jede freie Sekunde nutzte ich in den letzten Monaten für das Netz, ließ mich mittreiben von vielen Geschichten, verfolgte Blog-Soaps und Berichte. Mit einer Hirnhälfte hing ich stets auf Twitter, ich surfte durch meine 282 abonnierten Blogs, war sogar auf Facebook unterwegs. Ich formulierte Gedanken in 140 Zeichen, chattete mit den Twitter-Damen, schrieb Kommentare.

„Das ist ein bisschen so, als würdest du jeden Tag Besuch von mehreren Freundinnen bekommen“, sagt die Mitbewohnerin dazu. Ja. Und jede davon erzählt ihre Geschichten. Traurige, schöne, fröhliche, trübe, spannende. Über die erfolglose Jobsuche, den fehlenden KiTa-Platz, das letzte gelesene Buch, die Beziehungskrise, die Ferienpläne, undsoweiterundsofort. Dazu kommt noch die politische Groß- und Kleinwetterlage. Prism, Überwachung, Asylpolitik etc. pp. Und die Säue, die durchs Twitterdorf rennen, aufgeregte Tweets, Retweets, Posts. Durch meinen Kopf spukten 10000 Dinge, Schicksale, Aufreger von vielen Menschen. Und ich fühlte mich irgendwann etwas getrieben. Überfordert.

Verrückt, oder?

Oder auch nicht. Denn hinter all den Geschichten stecken Menschen. Menschen, die ich zwar nicht persönlich kenne, die mir aber über die Zeit trotzdem nahe gekommen sind. Von deren Leben ich einen Ausschnitt über ihre Blogs mitbekommen habe und über Twitter, den großer Zwitscherfluss. Die große Kunst ist hier vielleicht, auszuwählen, zu sortieren, nicht alles in den Kopf zu lassen. Das ist Neuland, für mich zumindest. Ich habe noch keinen Weg gefunden, damit umzugehen.

Die Offline-Welt hat Schwierigkeiten, das nachzuvollziehen. Ich begann irgendwann, heimlich auf dem Klo zu lesen und zu twittern. Nicht nur, weil ich dort meine Ruhe hatte, sondern weil ich keine blöden Kommentare hören wollte. Es ist von Zeitverschwendung die Rede, von Banalitäten, die ins Netz gepustet werden. Man kennt das ja, die twittern doch alle, dass sie gerade in der Sonne sitzen und in der Nase bohren, wer braucht das schon, das wahre Leben findet dort nicht statt.

Mich erstaunt diese Urteilssicherheit immer wieder. Etwas zu bewerten, das man nicht kennt, von dem man allenfalls ein vages Bild hat, keine eigenen Erfahrungen. Manchmal ärgert mich das gewaltig, dann möchte ich nur mit Menschen darüber reden, die sich auch einmal kopfüber in das Netz gestürzt haben, die nachvollziehen können, was das heißt. Wie die Mitbewohnerin zum Beispiel. Und der Freund. Sie wissen, was ich meine. Sie kennen die Bereicherung, die Faszination, die tollen Kommunikationen. Und sie kennen auch die Überforderung.

Ist es Zeitverschwendung? Manchmal, vielleicht. Oder es ist einfach Zeitverwendung. Zeit, die mit Job und Kind einfach immer knapp ist, ein kostbares Gut. Die ich mir besser einteilen möchte.

Ich beschloss also, mal eine kurze Pause zu machen, zumindest in der Strohwitwenwoche, damit das Alleinzuständigsein für das Kind nicht so anstrengend wird. Aus der einen Woche wurden zwei. Und dann drei. Dann vier. Ich fühle mich tatsächlich entspannter, präsenter im Offline-Dasein. Ich gehe arbeiten, buddel stundenlang im Garten rum, bin  mit dem Kind auf Spielplätzen, mit der Mitbewohnerin am Quatschen, lese Bücher. Alles ganz gechillt, wenig Aufreger – bis auf die, die ich über die Nachrichten mitbekomme (das sind derzeit auch schon ganz schön viele).

Kann man Menschen vermissen, die man eigentlich nicht kennt? Ja. Sehr sogar. Ich vermisse die Twitteritas, die Mädels (und ein paar Jungs), die Kommunikationen mit ihnen. Ihre Sprüche, ihr Leben, ihre Kommentare. Momatka hat das kürzlich auch beschrieben. Ich unterschreibe.

Die Frage ist jetzt, wie ich eine Balance finden kann. Wie ich es schaffe, mich nicht wieder kopfüber in den Twitterstrom zu stürzen, nicht alles zu lesen, alles in meinen Kopf zu lassen. Es wird mir schnell zu viel. Ich möchte das, was ich mache, konzentriert tun. Nicht gedanklich halb im Netz sein, wenn ich mit dem Kind unterwegs oder auf der Arbeit bin. Ich möchte mich andererseits nicht rechtfertigen müssen, wenn mir eine Unterhaltung im Netz genau so wichtig ist, wie ein Gespräch offline. Ich weiß noch nicht, wie ich das mache. Wahrscheinlich muss ich auswählen, meine Blogrolle abspecken. Mir Online-Zeiten setzen. Nur noch all x-Tage lesen … Keine Ahnung. Meine Freundinnen kommen ja auch nicht jeden Tag zu Besuch – das würde mich Höhlenbewohnerin auch schwer überfordern.

Ihr seht, ich bin ein bisschen ratlos, wie sich das wohl lösen wird. Vielleicht bin ich morgen wieder da, vielleicht nächste Woche, im Herbst, ich weiß es nicht. Bis dahin: Gehabt euch wohl, genießt den Sommer und lasst es euch gut gehen! <3!

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Freie Zeit und keine Muße

Ein freier Tag. So richtig frei. Keine Termine, kein Büro, das Kind ist in der KiTa. Ich fange an, meine innere to-do-Liste durchzugehen, wie immer, wenn ich Zeit habe. Denn es stehen 1000 Dinge an. Weitere KiTa-Anmeldungen, die aussortierten Klamotten entsorgen, Sand organisieren für die Buddelkiste, die ich zudem noch streichen sollte. Küche renovieren, Gartenhaus entrümpeln und ausbessern … achja, und die Wohnung. Die sieht auch auch mal wieder aus wie Sau. Also auch noch putzen und bergeweise Wäsche waschen.

Wo fange ich an, was ist am Wichtigsten? Mit dem Bürokram vielleicht. Wo war gleich das Anmeldeformular für die KiTa? Irgendwo vergraben unter riesigen Papierstapeln. In denen finde ich bei der Gelegenheit auch noch eine Anfrage von der Krankenkasse, die ich nicht beantwortet habe. Und die Steuererklärung. Sche**e! Die gibt’s ja auch noch. Ich wühle mich durch den Papierkram, derweil die Zeit vor sich hintickt.

Es ist ein Kreuz. Ich fühle mich gehetzt, möchte die freie Zeit möglichst effektiv nutzen, möglichst viel erledigen – und dann auch noch lesen, schreiben, mich ein bisschen erholen. Aber schaffe es einfach nicht. Alleine die Vielzahl der Dinge überfordert mich, lähmt mich geradezu. Ich kann nicht wirklich Nichtstun, wenn sich in meinem Kopf die to-dos-auftürmen. Die to-dos wiederum prokrastiniere ich wochenlang vor mir hin. Wie schaffen das andere, ihren Kram zu organisieren? Und dabei noch ihre Wohnung aufgeräumt & hübsch dekoriert zu halten? Bücher zu lesen und darüber auch noch zu bloggen? Und ihre Steuererklärung rechtzeitig abzugeben? Es ist mir ein Rätsel. Bin ich zu unorganisiert? Ein halber Messie so langsam?

Vielleicht sollte ich tatsächlich mal dieses Internet abschalten, komplett offlinen, löst das mein Problem? Denn tatsächlich zerrinnen mit ziellosem Surfen, Twittern, durch die Blogwelt huschen die raren freien Stunden wie Butter in der Sonne. Und schwups ist der  Vormittag schon rum. Oder ist das eine Scheinlösung, vielleicht?

Die „notorische Unruhe“ ist ein Symptom der modernen Gesellschaft, sagt der Soziologe Hartmut Rosa in einem kleinen Interview in der neuen Technology Review (6/2013). Und: „Wer systematisch Zeit spart, geht total gehetzt durch Leben und hat das Gefühl, er hat keine.“ Dabei kommen die wirklich guten Ideen, die Kreativität eigentlich erst mit dem Gegenteil, mit der Muße. Nur: Wie kommt man da hin? Und wer putzt derweil die Küche?

Sonnenbrilleneulen - immerhin, die Daily Owl gibt's immer noch!
Sonnenbrilleneulen – immerhin, die Daily Owl gibt’s immer noch!