Familienausflug zum #32c3

Nachdem wir letztes Jahr völlig begeistert vom Familienausflug zum Chaos Communication Congress waren, machten wir uns auch dieses Jahr wieder am 2. Weihnachtsfeiertag mit K1 (24) und K2 (4) auf den Weg. Wir holten uns noch am Abend von Tag0 die Eintrittsbänder, um lange Warterei am Eingang zu vermeiden. Dachten wir zumindest. Wir hatten nämlich nicht mit der kleinen Horde elektronischer Weihnachtsmänner im Eingangsbereich gerechnet, die Seifenblasen machten und schreckliche Lieder grölten und die Aufmerksamkeit von Kind2 völlig absorbierten. Es war erst wegzubekommen, als es eine der Figuren mitnehmen durfte*.

Kidspace

Dank der Vorjahreserfahrung war unsere Orientierung deutlich besser und wir konnten schnurstracks unser erstes Ziel anpeilen, das – natürlich – der Kidspace war. Schließlich ist für das nun 4jährige Kind der Congress gleichbedeutend mit „Kidspace“ („Wann gehen wir endlich wieder zum Kidspace????“) und es hatte  so seine Erwartungen, die da hießen: Bällebad und Duplo. Viel Duplo. Tonnenweise Duplosteine. Ein ganzer Berg von … So wie im letzten Jahr halt. Und auf dem CCCamp. Das Problem war nur: Es gab keins. Den ersten Abend vertrösteten wir das Kind noch auf den nächsten Tag, doch nach und nach sickerte die Info durch, dass es – aus welchen Gründen auch immer – kein Duplo geben werde. Erklären Sie das mal einem 4jährigen … genau!

Aber dank eines schnell gefundenen neuen Freundes ähnlichen Kalibers war auch das Kind2 irgendwann getröstet. Und es gab ja noch das große Bällebad. Und viel Platz zum Rumtoben. Und eine Landschaft aus Sand, verschiedene (Computer)Spiele, Bastelaktionen, eine kleine Kletterwand und diverse Workshops** für Kinder. Supertoll war der Malroboterworkshop, in dem das Kind nach einer sehr netten Einführung weitgehend selbstständig einen kleinen Roboter, angetrieben von einem Milchschäumer und mit 3 Filzstiften als Beinen, baute. Das Ding funktionierte wunderbar und war im Kidspace danach ein derartiger Renner, dass sich eine Traube Kinder um K2 herum bildete, die alle gucken und anfassen wollten. Nach einer Stunde Dauerbetrieb auf dem wunderbaren Teppich (natürlich waren die Deckel auf den Stiften drauf!!!!!) und Dauergetatsche der Kinder, gab es allerdings dann doch den Geist auf.

Dass es den Kidspace gibt und sich Leute darum kümmern, ist grandios. Es ist ein wunderbarer Ort, um ein bisschen abzuhängen und mit anderen Eltern zu quatschen. Mir wurde erst in diesem Jahr so richtig klar, wie self organized der Kidspace ist. Duplo und Eisenbahn wurden z. B. wohl über die Jahre immer privat von jemand mitgebracht und gehören nicht zum Inventar des ccc. Für das nächste Jahr ist für uns als Eltern klar, dass wir uns mehr einbringen werden. Wir vermissen eine Malecke? Dann müssen wir sie über die Mailingliste mitorganisieren. Wir finden eine Stelltafel sinnvoll, auf der die tollen Workshopangebote angekündigt werden können? Same procedure. Und wie lösen wir das mit den 10.000 Duplosteinen?

Vorträge

Der Mann und ich haben uns wieder abgewechselt in der Kinderbetreuung. Genau genommen haben wir als Familie auf dem 32c3 überhaupt nichts zusammen gemacht, sondern uns lediglich die Klinke bzw. K2 in die Hand gegeben. In meiner freien Zeit zog ich meist mit K1 durch das Gebäude und war in einigen Vorträgen. Es gab wieder eine breite Palette an technischen und politischen Themen. Meine Highlights waren:

Alle Vorträge wurden wieder aufgezeichnet und können hier angeschaut werden. Das Theaterstück Asyldialoge (leider nicht aufgezeichnet) war übrigens auch sehr gut, lief leider aber erst nach Mitternacht – und selbst mit viel Mate stand ich es nicht ganz durch, dafür waren die Sessel zu flauschig, der Saal zu dunkel zzzzZZZZ

Der große Rest

Eigentlich sind die Vorträge nur ein kleiner Teil des Congresses. Es gibt noch 1000x andere Dinge zu sehen, zu tun, zu genießen. Vom Cocktailroboter über Stickmaschinen, 3-D-Druckern, Infoständen, selbst organisierten Workshops, Podcasts beim Sendezentrum bis hin zur legendären Partyhölle (auch Lounge genannt), einer riesigen Halle, in der eine grandiose Installation mit Lasershow sowie etliche Wohnwagen mit Bars aufgebaut waren. K1 und ich verbrachten eine Nacht dort feiernd und tanzend zu ziiiiemlich lautem Techno. Und es gibt natürlich 12.000 potenziell interessante Menschen, mit denen eine ins Gespräch kommen könnte.

Auch für Verpflegung war versorgt. Crepes, Pommes, veganes Essen, alles da. Ein prima Tipp war übrigens die Fressmeile auf der Sternschanze, die nur eine S-Bahnstation entfernt liegt und wo eins sehr gut arabisch, türkisch, indisch … essen gehen kann. Obligatorisch ist natürlich das Matetrinken. Am 4. Tag hatte ich so viel Mate intus, dass mich die Dosis noch über Silvester rüberrettete.

Der Teppich

Irgendeins twitterte im Vorfeld sinngemäß, dass ein Großteil der Vorbereitungszeit doch sicher für die Verlegung des tollen Retrotreppichs im ganzen CCH draufgehe. Aber echt jetzt! Der Teppich ist super, er dämmt viele Geräusche und trägt zur Gemütlichkeit der ganzen Veranstaltung bei. Es wird sicher schwer, einen würdigen Nachfolge-Veranstaltungsort für 2017 zu finden.

Fazit

Ich fand den 32c3 insgesamt wieder sehr schön und inspirierend, wenn auch nicht ganz so flashig wie beim ersten Mal (normal vielleicht) und deutlich anstrengender. Das kleine Kind, das keinen Mittagsschlaf mehr machte, war manchmal etwas überreizt und mir selbst war manchmal eher nach Höhle als nach Massenevent zumute – allerdings hatte das nichts mit dem Congress zu tun.

Es ist fast unglaublich, wie friedlich, respektvoll und freundlich so viele Menschen auf relativ engem Raum sein können. Ich selbst habe nichts Blödes selbst erlebt oder mitbekommen (was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Aber offensichtlich nicht so geballt wie bei sonstigen Menschenansammlungen). Die auf dem Congress gepflegte Kultur macht ihn zu etwas ganz Besonderem und sehr Inspirierendem! Kein Wunder, dass viele danach einen gewissen Realitätsschock erleiden.

Ich nehme jedenfalls eine Menge Anregungen und nette Begegnungen mit und freue mich auf den 33c3.

Hier ein paar Impressionen in gewohnt schlechter Handyqualität:

Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter - große Attraktion im Kidspace.
Malroboter – große Attraktion im Kidspace. Mit Teppich!
Laserinstallation in der Partyhölle
Laserinstallation in der Partyhölle

*wir haben sie aus Versehen bei unserer Gastgeberin stehen lassen. oO. Das war keine Absicht. Ganz ehrlich!!

** Für viele Angebote war K2 natürlich noch etwas zu klein – da freue ich mich auf die kommenden Jahre. Das Nuf hat ausführliche Berichte über den 32c3 mit etwas größeren Kindern (>6) geschrieben.

Kommunikation 3.0 mit dem Kind

Facebook ist ja anscheinend bei Jugendlichen ziemlich out – zumindest seit sich Mama, Papa, Onkel, Tante und co darauf herumtreiben. Denn wer mag sich schon ewig mit der Frage beschäftigen, wie eins die Freundschaftsanfrage von Onkel x am elegantesten ignoriert oder wie man ihn mittels Erstellen komplizierter Listen unauffällig aus der eigentlichen Timeline aussperrt. Da wechselt eins doch lieber zu Whatsapp, Snapchat oder was es halt sonst noch so gibt und chattet dort, unbeobachtet von der Verwandtschaft, in diversen Gruppen mit den Freund*innen. Kind1 praktiziert das schon seit Jahren … (Moment mal. Wann genau habe ich mich gleich noch bei Facebook angemeldet? Hallo? KIND1???)

Der neue heiße Scheiß ist nun, nicht mehr umständlich Nachrichten ins Smartphone zu tippen, sondern einfach Sprachnachrichten zu verschicken. Das erzählte mir zumindest eine Freundin, die es wissen muss. Die lassen sich ja bei Whatsapp über einen Klick erstellen und man kann so ganze Romane drauflabern und nebenbei noch lässig rauchen, in der Nase bohren oder sich am Po kratzen. Die Empfängerin hört sich das dann irgendwann an und kann irgendwann genauso monologisch antworten.

Ich habe das natürlich als Berufsjugendliche auch gleich ausprobiert und muss sagen: Sehr cool! Viel besser als telefonieren. Zumindest in der Kommunikation mit einem viereinhalbjährigen Kind, bei dem Telefonate doch eher, wie soll ich sagen, etwas zäh und zeitintensiv sind (es will das Telefon nicht mehr hergeben, sagt aber eigentlich außer „Hallo Mama“ nur Quatschkram oder gar nichts).

Als ich gerade eine Woche lang weg war, schickten das Kind (mit väterlichem Support) und ich uns morgens Textnachrichten. Und da morgens meist eine sehr trödelintensive Zeit ist und es bis zur KiTa-Schließung um 9.00 Uhr doch oft knapp wird, spielten wir Feuerwehr, um das Ganze etwas zu beschleunigen:

  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, schnell anziehen und los gehts zur KiTa!“

7 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo hier ist das Einsatzkind, hallo hier ist das Einsatzkind, wir fahren los!!“
  • Sprachnachricht Mama: „Einsatzzentrale an Kind2, Einsatzzentrale an Kind2, macht das Blaulicht an!“

6 Minuten später:

  • Sprachnachricht Kind: „Hallo Mama!!! Wir sind da!!!“

Tja, so schnell war das Kind selten in der KiTa. Einzig die Aufforderung, das Blaulicht einzuschalten, führte wohl fast zum Eklat, weil es natürlich keines hatte. Blöd von mir. Das mache ich beim nächsten Mal besser.

Wenn das Kind allerdings Nachrichten schickt a la:

  • „Hallo Mama …………. weißt du noch, wie ich heiße?“

dann wird es Zeit, schleunigst wieder nach Hause zu fahren.

Sprachnachrichten Mama - Kind1
Auf den grünen Knopf drücken, um Sprachnachrichten aufzunehmen. Ganz einfach ;-)

Das „Business-Festival“ re:publica 2015. Ein persönliches & kritisches Fazit.

Als ich zur re:publica fuhr, nahm ich mir eigentlich fest vor, sie nicht mit dem 31. Chaos Communication Concress zu vergleichen. Dort war ich im Dezember und es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht nur bei mir, auch bei meiner Familie, mit der ich angereist war. Einen Lobgesang habe ich hier veröffentlicht. Mich hat dort so ziemlich alles begeistert: die Vielfalt und Tiefe der Vorträge, die interessanten, offenen und verspielten Menschen, die Aufbruchsstimmung, die politischen Statements, der tolle Kinderbereich, die kreative Gestaltung der Räume … Die Begeisterung und das leichte Hüpfen im Bauch halten sich bis heute, wenn ich daran denke.

Auf der re:publica war ich auch zum ersten Mal und – ich nehme es fairerweise mal vorweg – es wurde keine Liebe, auch nicht auf den 2. Blick. Vielleicht auf den 3. – und damit komme ich zunächst einmal zum absoluten Highlight meiner Reise:

Auf der re:publica gab es sehr schöne Begegnungen mit Leuten, deren Blogs ich lese und denen ich auf Twitter folge. Oder die ich einfach so dort kennengelernt habe. Ich bin noch nie so vielen Leuten, die ich vorher nie gesehen hatte, spontan in den Arm gefallen. „Ach, du bist die soundso, wie toll dich mal zu sehen!!“. Das war wirklich schön. Manche Begegnungen waren intensiv, manche eher flüchtig, ich habe mich auf jeden Fall gefreut, so viele einmal persönlich zu sehen und ein paar Worte zu wechseln. Gerne hätte ich mich mit der einen oder anderen länger und in Ruhe unterhalten, für mich als Small-Talk-DAU waren diese vielen kurzen Begegnungen eine Herausforderung. Die netten Menschen wären für mich der einzige Grund, noch einmal auf die re:publica zu fahren, es ist einfach eine tolle Gelegenheit, Leuten zu begegnen und diese mit der Zeit auch ein wenig besser kennenzulernen. Außerdem verbrachte sehr schöne Abende mit einer alten Freundin und einen mit @alsmenschverkleidet und @buntzone. Hier war Zeit und Raum für intensive Gespräche, viel Flausch und Herz. Das war einfach schön!

Wenn ich aber ehrlich bin, habe ich es dann natürlich doch gemacht, ich habe die Veranstaltung mit dem ccc verglichen, dauernd, sorry. Schon am Eingang, als ich auf ein Schild stieß, auf dem verlautet wurde, dass während der Veranstaltung gefilmt und fotografiert werde, während es auf dem ccc völliger Konsens war, dass eins ohne Einverständnis natürlich keine Aufnahmen von Personen macht. Kleiner, aber feiner Unterschied. Ich habe verglichen, weil für mich die beiden Konferenzen zunächst auch einiges gemeinsam haben, in meiner Vorstellung zumindest. Beides, so dachte ich, sind Veranstaltungen, bei denen Leute zusammenkommen, die sich gerne im Netz bewegen und dieses und die Gesellschaft kritisch und kreativ mitgestalten möchten. Aber halt! Die re:publica ist ja neuerdings gar kein Community Event mehr, sondern offiziell ein Business-Festival (!), wie ich im Vorfeld von den Veranstalter!nnen erfuhr. Da stellten sich bei mir erstmals die Nackenhaare etwas hoch.

Die Veranstalter!nnen hatte ich übrigens angeschrieben, um mich nach Angeboten für Kinder und Familien* zu erkundigen. Womit ich beim nächsten Punkt wäre: Eigentlich planten wir, nach der erfolgreichen Tour nach Hamburg einen Familienausflug zur re:publica zu machen. Auf Twitter fragte ich also vorab mal rum, wer so alles mit Kindern käme und wie die Erfahrungen aus den Vorjahren seien. Die Antworten waren, gelinde gesagt, ernüchternd, darum fragte ich direkt nach. Auf die Mail an die republica kam u.a.:

„Bisher haben wir als Business-Festival keine nachhaltige Infrastruktur für einen Kidsspace entwickelt und auch keine Erfahrung wie z.B. relevante, pädagogische Inhalte für die Kids angeboten werden können.“

Man plane irgendetwas, genaueres wisse man noch nicht. Auf meine Bitte, mich auf dem Laufenden zu halten, kam nichts mehr, so dass der Mann nach einigem Hin und Her beschloss, mit dem Kind2 zu Hause zu bleiben. Das erschien uns stressfreier. Und ich muss sagen: Das war eine gute Entscheidung. Ich kann mir im Nachhinein nicht vorstellen, dass wir uns dort mit Kind sonderlich wohl und gut aufgehoben gefühlt hätten. Angefangen vom Kinderbereich, der mitten im Geschehen in der Riesenhalle platziert war, im totalen Getöse der Tagung. Es gab dort ein kleines Planschbecken mit ein paar Bällen („Bällebad“ höhö), es lag ein bisschen Lego und Bastelkram rum, der Lärmpegel war unglaublich hoch (von der Musik und den Leute, nicht wegen der Kinder). Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das vierjährige Kind2 es länger als 10 Minuten dort spannend gefunden hätte. Die Sessions waren natürlich nicht kinderkompatibel, es war überall voll und über dem Innenhof hing permanent eine Rauchwolke. Verspielte Nerds, die den Kleinen irgendwas erklärt hätten, habe ich auch keine gesehen. Nüscht für das Kind, fand ich. Innerlich seufzte ich also erleichtert auf – schließlich hatte ich ja auch dadurch frei – und widmete mich dem Programm.

Ich weiß nicht in wie vielen Vorträgen ich war. Aus ca. 30 % bin ich vorzeitig raus, weil sie sich für mich als belanglos herausstellten, bei 40 % habe ich durchgetwittert, weil ich zu faul war rauszugehen, der Rest war eine Mischung aus ganz interessant und/oder gut performed, wenn auch zumindest teilweise inhaltlich etwas flach. Highlights waren für mich die Vorträge von Juna zur jüdischen Blogosphäre, der von Journelle zur Vielfalt von Beziehungen in Zeiten des Internet, der von Felix Schwenzel zur Kognitiven Dissonanz („Wahrheit ist ein Kompromiss“ – kann eins ja nicht oft genug sagen!), der von Jasna Lisha Strick zu Critical Crafting (und zwar vor allem deshalb, weil hier mal was Kritisches, nicht-mainstreammäßiges von der Bühne kam). Den Vortrag von Ines Dorian Gütt zu „Surveillance Art und die fehlende Ästhetik der digitalen Massenüberwachung“ fand ich interessant, der hätte ruhig noch etwas tiefer einsteigen können. Außerdem war ich in der Kinderfotos-im-Netz-Session, wo ich mich zu 100% den Statements von @dasNuf anschließen konnte – nämlich keine erkennbaren Fotos und Namen von Kindern im Netz zu veröffentlichen.

Natürlich war ich in vielen womöglich tollen Vorträgen auch nicht. Weil ich mich mit dem temporären Mitbewohner beim Kaffee festgequatscht hatte und nicht früh genug loskam, weil ich mit Leuten im Gespräch war oder beim Klo anstand. Oder weil ich, während der gefeierte Astronaut sprach, lieber im Park im Cafe Eule saß, weil mir alles zu viel wurde und ich eine Auszeit brauchte. Aber erklärt das die schlechte Trefferquote? Ich hatte irgendwann das blöde Gefühl, dass ich mir zielsicher immer die falschen Vorträge herausgesucht hatte – womöglich war der parallele viel besser! Lustiger! Warum lachen die nebenan so und klatschen wie verrückt? Oder wurden da gerade animinierte Gifs eingeblendet? Ich fragte Leute in der Halle nach Tipps und Favorit!nnen, aber so richtige Empfehlungen bekam ich nicht. Auch sah ich kein Leuchten in den Augen ob des grandiosen Vortrags von xx. Habe ich also wirklich nichts verpasst? (jaja, außer Alex, ich weiß ^^), waren die Themen einfach nicht so meine Baustelle, waren die aufrüttelnden, visionarischen, widerständigen, inspirierenden Sessions einfach total dünn gesät? Mich hat es jedenfalls thematisch nicht gepackt.

Um die Meckereien jetzt mal abzuschließen, erwähne ich noch schnell, dass die Räumlichkeiten recht nüchtern waren, es keine kreative Deko gab und sich das Gelände gegen Abend doch relativ fix leerte. In der großen Haupthalle wurden ab 20 Uhr tonnenweise Flyer in große Müllsäcke gesammelt – um am nächsten Morgen wieder neue zu verteilen. Gerüchten zufolge soll es in Nebengebäuden Partys gegeben haben. Ob diese rauschend waren, vermag ich nicht zu sagen, da ich mich zu Privatveranstaltungen verabredetet hatte. Die Stimmung lud mich jedenfalls nicht zum gechillten Verweilen ein.

Mein Fazit: Die re:publica hat mich mit ihrem „Flair“ eines Business-Festivals leider nicht begeistert, was ein bisschen schade ist.  Die Hauptausrichtung auf Social-Media-Irgendwas, digitales Marketing, Popkultur und Twitterwitzchen war für mich persönlich im Großen und Ganzen nicht besonders inspirierend und interessant.  Nun ja. Aber ich hatte trotzdem superschöne Tage in Berlin, habe tolle Leute getroffen, mich gut unterhalten und bin sehr froh, dass ich die Reise unternommen habe! Ich hatte Zeit, war unglaublich entspannt und konnte mich erholen, was hauptsächlich daran lag, dass der Mann netterweise mit dem Kind zu Hause geblieben war und ich mich einfach mal treiben lassen konnte. Wie toll, vielen Dank dafür! Und herzlichen Dank auch an meine reizende Gastgeberin für den Unterschlupf!

______

* Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Mierau und Aluberlin, die mit großem persönlichen Engagement die kleine, sehr feine Blogfamilia-Konferenz ins Leben gerufen haben. Mit Kinderbetreuung! Eigentlich wollte ich ohne Kind da erst nicht hin, habe mich wegen der netten Leute aber umentschieden. Vielen Dank, dass ich noch kommen durfte, das war alles sehr liebevoll und toll gemacht!!!

P.S. Einige Vorträge werde ich wohl noch nachschauen. Wie die von Zygmunt Bauman und Mareike Kaiser & Raul Krauthausen beispielsweise. Und den vom Astronauten vielleicht auch.

Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)
Der Kinderbereich. Mit Bällebad (rechts)
Symbolbild Vortrag
Symbolbild Vortrag

Fragen über Fragen – Blogstöckchentag

Heute ist Blogstöckchentag, gleich zwei wurden mir zugetragen, vielen Dank. Eines kommt von gluecklich scheitern, deren Blog zu den ersten gehört, die ich überhaupt gelesen habe. Das andere von Craftingmom, deren Blog ich erst vor Kurzem entdeckt habe. Ihre Blogbeschreibung musste ich zweimal lesen, bis es mir ins Hirn sackte: Sie hat sage und schreibe 6 Kinder und schafft es zudem, 1000 kreative Dinge machen. Sehr beeindruckend finde ich!!!

Hier also die Fragen von gluecklich scheitern:

1. welche feste (karneval, st. martin, weihnachten…) sind dir mit kind wieder ans herz gewachsen (oder auch nicht) – wie feierst du/ ihr zum beispiel weihnachten (oder schreibe von einem anderen fest, das dir besonders gefällt)?
Mit Kind1 waren Weihnachten & Ostern immer besondere Feste. Weihnachten, weil wir da die 600 km auf uns nahmen, um zur Großfamilie zu fahren und – same procedure as every year – gemeinsam zu feiern. Fondue, Weihnachtsbaum, Geschenke. Ostern waren wir auch meist bei der Familie, Karneval gab es im Norden ja nicht so richtig, das wurde eigentlich nur im Kindergarten/in der Schule gefeiert. Mit den Jahren, als Kind1 größer wurde, verloren die Feste an Wichtigkeit, außer Weihnachten, das habe ich immer mit Kind1 gefeiert.

Mit Kind2 haben wir bisher erst ein Weihnachtsfest so richtig im Großfamilienverband gefeiert (zweimal waren wir im Ausland). Es war gleichzeitig das letzte mit Oma. Wir waren beim Fasnetsumzug (den das Kind2 gruselig, aufgrund der Bonbons dann aber zunehmend interessant fand), Ostern fiel eher aus.

So richtig schön finde ich ja die Vorweihnachtszeit. Traditionell backe ich als Adventskalendertante mit den Nichten Plätzchen (und trinke Sekt mit der Schwester). Ich mag die Kerzen-Tee-Wolldeckenzeit ganz gerne und erinnere mich auch gerne an meine eigene Kindheit zurück.

2. Was war dein erster Gedanke, als du dein erstes Kind zum ersten Mal zu Hause in Ruhe geniessen konntest?
Bei Nummer 1 war es ein großes Staunen über dieses winzigkleine Wunder, das da plötzlich neben mir lag. Viel Ruhe war zwar nicht – ich wohnte damals in einer WG und das Leben dort drehte sich einfach weiter, nebenan wurde ausgiebig gefeiert (nicht die Geburt). Aber für mich in meiner kleinen Blase stand die Welt ein Weilchen still.

Bei Nr. 2 war die Höhlenzeit einfach wunderschön. Wir zogen uns zu dritt zurück, lebten ca. 10 Tage im Bett, aßen Kuchen, empfingen die Hebamme und insgesamt nur sehr wenig Besuch. Das schönste war, ganz ehrlich, wie der Mann immer wieder „hach, ist das schön!!“ seufzte, das Baby auf seinem Bauch.

3. Zu Streit unter Kindern gibt es gewagte Thesen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?
Kommt sehr auf die Situation an. Wenn die Kinder einigermaßen vergleichbar stark/blöd/fordernd im Streit sind, lasse ich sie das untereinander ausmachen und ignoriere die Blicke in meine Richtung. Ich greife ein, wenn es ein Ungleichgewicht gibt, wenn eines davon Schutz sucht. Schwierig finde ich so Situationen wie „Ihr Kind da blockiert die Schaukel, meines will auch mal rutschen.“ Da geht mir ziemlich schnell innerlich der Hut hoch, zumal wenn die Kinder offensichtlich gut damit klar kommen. Je nach Laune und Gelassenheit versuche ich das zu klären – oder greife dann halt doch ein.

4. Hast du schon jemals darüber nachgedacht, mit der Familie einfach anders leben zu wollen? (z.B. Kommune, auf dem Bauernhof, in einem anderen Land, etc.)
Ja. Oft. Das ist ein Dauerthema hier. Und schon lange geplantes Thema für einen eigenen Beitrag. Wir leben als Kleinfamilie in einer nicht sehr kinderreichen Gegend und wünschen uns beide mehr Familien um uns rum. Leider ist hier alles so arschteuer, dass die Suche nach Alternativen schwer ist. Bliebe noch, ganz wegzuziehen, was mir schwer fallen würde, da meine Geschwister + Nichten hier leben und ich die Gegend einfach sehr mag.

5. hat dich das muttersein politisiert, wenn ja – in welchen bereichen, wie äußert sich das?
Mmmh, nun ist die Kleinkindzeit von Kind1 ja schon ziemlich lange her. Gleichberechtigung war schon vorher ein Thema für mich (das hieß damals noch nicht Feministin, sondern Emanze, hihi), weshalb ich mir auch eigentlich nichts anderes als zumindest ein 50/50-Modell vorstellen konnte. Hat nicht geklappt (das habe ich hier mal beschrieben). Ich empfand dieses „als-Mama-bin-ich-wohl-zuständig-für-den-Großteil-der-Reproduktionsarbeit“ als hochgradig ungerecht. Ich habe tonnenweise Literatur aus der Frauenbewegung gelesen, was den Alltag nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Das Mama-sein hat mich sicher stark für feministische Themen sensibilisiert (wobei ich natürlich nicht weiß, ob das nicht sowieso passiert wäre …).

6. kinder bringen oft den gedanken an die zukunft mit. zukunft wie in: wie lange reichen die ressourcen unseres planeten noch (platt gesagt). hat sich dein konsum-/kauf-/essverhalten geändert, seit du kinder hast? denkst du über solche themen nach?
Naja, sagen wir so: In meiner Jugend war ich mir sicher, in diese irre Welt (es war die Zeit der Aufrüstung, Tschernobyl etc.) kein Kind setzen zu wollen. Kann man ja nicht verantworten so was. Dann kam Kind1 und mit ihm konnte ich zumindest meine persönliche Zukunft etwas weniger düster sehen.

Ich denke viel über solche Themen nach, ja. Ich versuche z. B., möglichst zu „konsumieren“ in dem Sinne, dass ich Dinge, die ich kaufe, auch wirklich verbrauche. Das beschreibt Harald Welzer in „Selbst denken“ sehr schön (S. 26): dass immer mehr Produkte gar nicht mehr konsumiert werden, sondern gekauft, um sie danach zu entsorgen. 30 % der Nahrungsmittel zum Beispiel. Und natürlich vieles mehr. Das gelingt mir / uns so halb-gut. Wir schmeißen immer noch zu viel weg.

7. auf welche erkenntnis im leben mit kind(ern) hättest du gerne verzichten können?
Dass Kinder hierzulande doch recht häufig als Störenfriede wahrgenommen werden. Und wenn etwas schief läuft, sind erst mal die Eltern schuld. Minikleines alltägliches Beispiel: wütendes (lautes Kind) im Einkaufszentrum = schlecht erzogen. Dass es 1001 Gründe geben kann, warum es weint, ist an dieser Stelle egal. Es wird einfach superschnell ge- und verurteilt (und entsprechend kommentiert).

8. urlaub mit kindern – eher hütte in holland oder dschungeltour im amazonas, wie hat sich dein/euer reiseverhalten geändert?
Ich liebe es, von Ort zu Ort zu ziehen. Ob mit VW-Bus oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat bisher auch sehr gut geklappt. Wir waren im Dschungel – allerdings nicht komplett blauäugig, sondern mit Guide. Wir waren in einer Ferienwohnung auf Gomera (tendenziell bisschen langweilig), in der Hohen Tatra auf diversen Bergspitzen, in der Türkei, in den National Parks der USA. Es geht vieles mit Kind, finde ich, und es kommt sehr auf die eigenen Interessen, die eigene Lust am Ausprobieren und auf das Alter der Kinder und deren Bedürfnisse an.

9. wenn dir eine frische schwangere begegnet und dich ausdrücklich um rat und tips bittet: was wären die drei wichtigsten ratschläge/tips fürs elternwerden, die dir am herzen liegen?
Nimm Rat an, wenn er dir passend erscheint. Lass ansonsten die anderen Leute labern und mache es so, wie du es für dich und dein Kind richtig findest.

10. die eltern anderer kinder: segen oder fluch?
Mal so mal so, oder? Es gibt ja äußerst nette Leute, die Eltern sind. Und welche, die es nicht sind …

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Und hier noch die Fragen von Craftingmom:

1. Hast du Geschwister?
Ja, Schwester & Bruder

2. Welche Person würdest du gerne mal kennenlernen?
So einige Bloggerkolleginnen!

3. Was ist dein Lieblingsgetränk?
Kaffee, Tee, (alkoholfreies) Bier (Lammsbräu, lecker!)

4. Welche ist deine Lieblings-Website?
Da kann ich mich nie und nimmer auf eine festlegen! Mir gefallen meist einzelne Beiträge (siehe auch meine Blogrolle, da ist eine Auswahl meiner Leseliste).

5. Beschreib dich mit 3 Wörtern :-)
Hilfe! (war das jetzt schon eines?)

6. Was war dein liebstes Fach in der Schule?
Schule? Das war das mit dem Stillsitzen und versuchen, nicht einzuschlafen, oder? Ich glaube: Religion. Aber auch nur deshalb, weil ich zwischenzeitlich mal eine gute Lehrerin hatte, bei der interessante Dinge diskutiert wurden.

7. Gibt es etwas Verrücktes, dass du unbedingt mal machen möchtest?:-P
Es ist zwar nicht wirklich verrückt, aber ein Wunsch: Ich würde gerne mal im Grand Canyon unten wandern.

8. Gehst du gerne ins Kino? Wenn ja, welchen Film hast du zuletzt gesehen?
Ich gehe gerne ins Kino, aber sehr selten. Letzte Woche war ich in „Feuerwerk am helllichten Tage“, das war eher Zufall. Eigentlich wollte ich in Grand Budapest Hotel, das mir über Twitter empfohlen wurde. Leider lief das aber im Furzkino und war fast ausverkauft. Letztendlich war ich aber froh darüber, mir hat der Film nämlich gut gefallen!

9. Welches ist dein Lieblingszitat?
„Nicht jedes Auto, das hupt, meint dich“ <– das ist mir aus irgendeinem Blogeintrag von Das Nuf hängengeblieben. Gefällt mir gut. Leider weiß ich die genaue Quelle nicht mehr.

10. Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du unbedingt noch machen wollen?
Die Frage überfordert mich, ganz ehrlich. Wahrscheinlich Abschied nehmen von meinen Lieben. Ich hoffe, es dauert noch lange, bis es so weit ist.

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So, uff. Verzeiht, wenn ich mir keine eigenen Fragen ausdenke, ich bin zu faul. Ich gebe die Fragen von gluecklich scheitern einfach unverändert weiter, weil sie mir gefallen und zum Nachdenken angeregt haben. Und zwar völlig unverbindlich an:

Die fragende Freundin

Ich habe da so eine Freundin, die ist ein bisschen schüchtern. Sie wälzt gerne Probleme, macht sich viele Gedanken, traut sich aber meist nicht, um Hilfe zu fragen. Das gibt sie gerne geschickt ab. „Frag du doch mal, was man da machen kann!“ Und da ich bekanntlich ein hilfsbereiter Mensch bin, gebe ich die Frage dann gerne mal an ein Expert*innenteam weiter (ich weiß ja schließlich auch nicht alles). Manchmal ist das ein bisschen peinlich, aber was tut man nicht alles für die Freundschaft.

Sehr erleichternd ist ja, dass ich damit nicht alleine bin. Noch andere scheinen etwas unbeholfene Freundinnen zu haben, wie dieser miniwinzigkleine Ausschnitt einer großartigen Dokumentation der Zeitgeschichte (auch Twitter genannt) zeigt:

Den fragenden Freund gibt es übrigens auch, wenn auch, wie mir scheint, nicht ganz so oft (aber da kann ich mich filterbubblebedingt auch täuschen):

Und nun entschuldigt mich, ich muss meiner Freundin helfen, die Weihnachtsdeko abzuhängen.