Ein Fragment mit vielen Fakten

An einem perfekten Sonntagnachmittag regnet es in Strömen. Damit erübrigt sich die Frage, ob ich raus muss in die Welt, nein!, mit bestem Gewissen liege ich gemütlich im Bett. Mein Bett ist zufällig nämlich der schönste Platz auf der Welt, direkt nach den US-National Parks vermutlich. Auf dem Nachtisch stehen Tee und Schokolade und ich versinke in einem spannenden Buch, lese stundenlang. Nicht wie sonst nur abends kurz vorm Schlafengehen.

Vielleicht stehe ich zwischendurch kurz auf, um mir etwas zu kochen, ein bisschen Bewegung braucht der Mensch ja schließlich auch. Nudeln vermutlich mit Soße oder Gemüse, je nachdem, was der Kühlschrank hergibt, improvisiert in die Pfanne gehauen. Ein Rezept für jede Gelegenheit, dabei koche nie so gut wie nie nach Rezept, aber es schmeckt trotzdem meist, finde ich. Vielleicht sollte ich mal anfangen Foodseiten im Internet zu folgen, aber eigentlich finde Rezepte nur bedingt spannend. Es sei denn, ich will gerade mal einen Hefezopf backen, dann suche ich auf scheffkoch nach einem, besorge Hefe, Mehl und Rosinen … und gehe nach einer Woche zum Bäcker, um mir einen zu kaufen. Ein bisschen traurig, aber wahr. Beim Essen lese ich weiter, natürlich, das geht ja nur, wenn ich alleine bin, denn Vorbilder lesen nicht, die essen konzentriert und kauen alles 86 mal.

Aber zurück zum perfekten Sonntag, den es so nur selten gibt, doch betrachten wir die perfekte Familien-Version. Die sähe wohl so aus, dass der Tag mit meinem Lieblings-Alltagsmoment mit Kind2 und Mann beginnt, einem heimeligen, aber höchst theoretischem Konstrukt, denn in diesem liegen wir morgens noch gemütlich bei Kaffee und Kinderkaffee (Milchschaum) im Bett und träumen vor uns hin. Praktisch allerdings hüpft ein kleiner Gummiball mit Hummeln im Arsch zwischen schwankenden Kaffeetassen hin und her und weckt die gesamte Nachbarschaft. Also, raus aus dem Bett, denn die Sonne scheint, es ist wunderbares Wetter, wir machen wir einen Ausflug. Alle sind super gelaunt, ausgeschlafen, wir haben tolles Picknick dabei und abends kommen wir entspannt nach Hause, essen entspannt und bringen entspannt das Kind ins Bett.

So eine Serie wäre nun richtig nett, nur eine Folge … oder zwei? Am Tatortabend glotzen wir also Dr. Who, nachdem es ja keine neue Folge von „Person of Interest“ und Sherlock gibt, wohl zwei Bechdel-Durchfall-Kandidaten, auch wenn es sonst spannende, oft klug konstruierte Episoden sind. Es werden sogar 3, so dass der Montagmorgen  mit dunklen Augenringen startet, an denen Kind2 völlig unschuldig ist, hat es doch mal durchgeschlafen.  Mein Alter Ego Zwangslerche quält sich aus dem Bett und hofft, möglichst wenig angesprochen zu werden.

Mit trüben Augen lese ich beim Duschen die Shampoo-Texte und die Werbung auf der Brötchentüte beim Brote schmieren. In Gedanken freue ich mich schon auf mein Bett am Abend, auf das vor dem Einschlafen lesen, die üblichen 2-15 Seiten, bis mir mein Buch auf die Nase fällt. Vielleicht „Die Bücherdiebin“, die mir meine Mutter empfohlen hat, oder Harald Welzers „Selbst denken“ nun schon zum zweiten Mal. Vergesslich (oder müde) wie ich bin, kommt es mir vor wie neu.

Nach Feierabend schlendere ich auf der Suche nach einer Überraschung für die Freundin durch das Kaufhaus in der Stadt und wundere mich, dass es schon Fasnetverkleidung gibt, bis mir dämmert, dass hier für den Konsum zu Halloween getrommelt wird. Stimmt, den gibt’s ja bald, wann war das gleich?, da klingeln kreischende Kinderhorden Sturm und verlangen Saures androhend nach Süßem. Lebten unsere Ratten noch, die Kind1 und ich unser eigen nannten, könnte ich ja auch die mal anbieten, Gruseleffekt garantiert, sie haben aber schon lange das Zeitliche gesegnet und weitere Haustiere sind nicht in Sicht. Aber das wäre auch gemein, das mit den Ratten, wobei das äußerst putzige Tierchen waren, sicher keine Kindheitsmonster. Diese nämlich wohnen nachts unter den Betten und im offenen Schrank, da hilft nur, sich ganz unter der Bettdecke zu verstecken oder nach den Eltern zu rufen.

Bin ich abergläubisch? frage ich mich, und was soll das überhaupt sein, das setzt doch einen rechten Glauben erst voraus, der mir längst abhanden kam oder nie existierte, gibt es Geister, Gott & co? Wer kann das wissen, ich bestimmt nicht, bin ich Göttin, mir das anzumaßen? Würde ich meine Seele verkaufen für ein paar Euronen, bestimmt nicht, meine ich und denke an meinen Kindheitshelden Tim Thaler, mit dem ich heute vermutlich kein Heißgetränk mehr trinken möchte. Lieber dafür mit der Frau Mama007 im fernen Berlin, die es mit den Geistern so sympathisch hält und für die Toten eine Kerze anzündet, wie ich für Oma, als sie von uns ging. Der Tod ist mitten im Leben, wenn geliebte Menschen sterben, und bewegt mich das ganze Jahr.

Wo war ich eigentlich, als das neue Jahrtausend begann, fegt ein neuer Gedanke durch mein Hirn, vielleicht auf einer sehr vollen Brücke überm Rhein in Köln? Oder war das ein anderes Jahr? Ein wenig einschneidendes Ereignis, wie mir scheint, sonst wüsste ich das wohl noch genau. Einschneidend dagegen die Geburten der Kinder, wo ich beide Male etwas dämlich-ergriffen „krass, ein Baby!“ dachte, als könnte es etwas anderes sein.

Ich radle nach Hause durch den Herbst und fühle mich etwas zerstreut. Wer bin ich eigentlich und warum all die Fragen an einem lauen Mittwochabend? Mir scheint, ich wurde von zu vielen Blogstöckchen beworfen, die mir mein Hirn etwas vernebeln. Heraus kam nur ein Fragment mit vielen Fakten und wenig Lügen. Und dem Wunsch auf ein Heißgetränk mit sehr reizenden Damen:  Mama007 (hier und hier), Momatka (hier) und bleibCOOLmami (hier).

Mein Lieblingsblogbild auf Wunsch von Mama007. Eule in Cornflakesbehälter

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***legt sich erschöpft aufs Sofa***

Über cloudette

Familie, Feminismus & Firlefanz
Dieser Beitrag wurde unter Alltag mit Kind, Kurioses, Nestgeplauder abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Ein Fragment mit vielen Fakten

  1. abgefahren.me schreibt:

    Um deine Frage zu beantworten, wo du zu Beginn des Jahrtausends warst: du warst hier mit mir in unserer Stadt, grauenvollerweise in der Innenstadt, wo wir uns vor lauter Panik angesichts der Menschenmeute und fliegenden Raketen an die Hauptkirche gedrückt und uns dort in Nischen versteckt haben, in der Hoffnung, daß es, alt wie es ist, nicht nur die letzten 1000 Jahre überlebt hat, sondern auch diese Nacht irgendwie überstehen wird. Weiß ja nie, wie sich so ein Millenium auswirkt 😉 . Auf dem Nachhauseweg wurden wir gefühlt von 2000 unbekannten, sehr betrunkenden Menschen umarmt und abgeknutscht.

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    • cloudette schreibt:

      Aaaahhh, genial! Natürlich erinnere mich an dieses Silvester! Ich hatte mir Zigarettenfilter in die Ohren gestopft, um den Höllenlärm zu dämpfen und die Raketen kamen waagerecht die engen Gassen langgeschossen. Ich wusste nur nicht mehr, dass das dieses Millenniumsdings war. Du hattest schon immer ein besseres Gedächtnis als ich!!!

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