Ich so beim Friseur II

Ich sitze vor dem Spiegel und sehe Falten. Dicke schwarze Ringe unter den Augen. Große Poren auf der Nase. Scharfe Falten, die sich von der Nase zu den Mundwinkel herabziehen und sich dort merkelesk die Kinnpartie hinunterfräsen. Strähnige Haare, grau-straßenköterkackbraun gestreift, ohne den Hauch einer Frisur. Irgendetwas stimmt mit diesem Spiegel nicht, das sah doch zu Hause nicht so schlimm aus!

Die Friseurin greift mit spitzen Fingern in die Federn, lässt die Haare fallen und fragt, was gemacht werden soll. Waschen, schneiden – und wie genau? Ich starre in den Spiegel und sehe Falten, schwarze Ringe unter den Augen, strähnige Haare. Kacke. Da ist doch Hopfen und Malz verloren. Hinter mir steht die Friseurin, perfekt gestylt, frisch, fröhlich, faltenfrei, überhaupt sehen alle in diesem Salon so aus, auch die Kundinnen, warum zum Teufel sind die überhaupt da? Irgendetwas muss ich jetzt wohl sagen, ach, schneiden Sie das Ganze einfach kürzer, so, dass es wieder wie eine Frisur aussieht, nur bitte nicht wie ein Topf. Wenn das möglich ist. Die Friseurin zupft ein bisschen am Deckhaar rum, zieht in die eine, in die andere Richtung. Hier ein bisschen stufig, da ein bisschen kürzer. Sie versucht zu retten, was zu retten ist. Und macht ihre Sache gut. Die Haare sind jetzt ok. Aber diese Falten. Die schwarzen Ringe unter Augen. Die Pickel. Irgendwas stimmt doch mit diesem Spiegel nicht, oder?

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