National-Park-Hopping. Von einer Schönheit zur nächsten

Als wir im Februar aus der tropischen Hitze Mittelamerikas in Kalifornien ankamen, atmete ich erst einmal tief durch. Kühle Luft, fantastisch! Endlich wieder bewegen, ohne dass der Schweiß überall herunterläuft und die Sonne die Glieder schwer werden lässt.

L.A. – groß. Viele Palmen. Riesige Supermärkte. Nach unserem Leben auf dem Lande in Panama mit überwiegend Linsen, Reis, Bananen und Bier, waren wir etwas geplättet von dem Megaangebot. 113 verschiedene Sorten Cornflakes, hochglanzpoliertes Obst, gigantische Einkaufswagen. Wehe, man vergisst etwas und muss zurücklaufen: bei den Dimensionen artet das in Sport aus. Das Überangebot schlug sich ziemlich schnell nieder: Trotz „guilt-free Snacking“ & etlichen Wanderungen nahmen wir alle miteinander deutlich zu.

guilt-free Snacking. Na dann! | Wir sind immer ein Carpool | Einkaufserlebnis

Nach einer kurzen Runde durch Hollywood rüsteten wir uns für die Weiterreise. Mietwagen, Gaskocher, Jahreskarte für die National Parks, Espressomaschine und ein warmer Pullover, damit hatten wir die wichtigsten Dinge beisammen. Wir fuhren zunächst die legendäre 1 gen Norden, machten ein paar Tage Halt in Monterey und besuchten das bezaubernde Pinnacles National Monument. Bei San Francisco versuchte ich das erste und einzige Mal, mit Öffis und zu Fuß einen Park zu erreichen. Nach 4 Stunden trennte mich nur noch ein 6-spuriger Highway vom Spielplatz – und ich gab auf. Ok. Autokultur, ich habs kapiert. Ab da nur noch mit dem Wagen. Der kleine F. musste sich wohl oder übel daran gewöhnen. Und als „Carpool“ – einem mit mind. 2 Personen besetzten Wagen – hatten wir meistens Vorfahrt auf der Überholspur.

Außer in den National Parks. Da ließen wir die Karre auf irgendeinem Parkplatz stehen und gingen zu Fuß. Stundenlang. Zunächst ein paar kleinere Runden durch den Sequoia NPark und den Angeles NForest, allerdings waren hier viele Straßen noch gesperrt, es lag Schnee & war etwas zu kalt für unsere spärliche Garderobe.  Als dann auch noch ein fetter Sturm angekündigt wurde, fuhren wir ein paar Kilometer weiter, in die Wüste. Und von dort Richtung Osten nach Arizona. Auch in die Wüste. Wir wanderten zwischen meterhohen Kakteen im Tonto National Forest umher, durchstreiften bei Prescott die Wälder und warfen einen Blick in den Grand Canyon. Bilder hatte ich davon schon gesehen, aber auf dieses gigantomanische Naturmonument war ich nicht vorbereitet. Mir lief es kalt den Rücken herunter: gespaltene Erde, bis zu 1800 m geht’s in die Tiefe, skurille Felsformationen, wohin man schaut. Da will ich runter. Irgendwann einmal, wenn Kind 2 größer ist oder mich Kind 1 begleitet. Mit dem V. Oder alleine.

Von der Wüste in den Schnee: Tonto NF – Red Rocks, Pixie NF – Capitol Reef – Rocky Mountains

Immer an den Canyons entlang ging es weiter nach New Mexico, Colorado und Utah, durch grandiose Landschaften, vorbei an bizarren Felsformationen und faszinierenden Farbspielen. Wir hüpften von einem Park zum nächsten und waren immer wieder überwältigt von den Naturschönheiten: National Bridges, Staircase Escalante, Red Rocks Pixie … einer meiner liebsten war: Capitol Reef, wo diese unglaublich schiefen Megafelsen wie gigantische Schiffe gen Himmel brechen.

Wir waren fast jeden Tag draußen in der Natur. Der Kleine kam in die Trage auf den Rücken, und so stromerten wir stundenlang durch die Landschaft. Der Sohn war inzwischen alt genug, die (vielen) Pausen mit Erkundungen zu verbringen: Er fraß sich durch Wüstensand (natürlich), stocherte mit Ästen im Waldboden, hatte zum ersten Mal Schnee in den Händen und ließ sich wie wir auf den Berggipfeln den Wind um die Nase blasen.

Blick aus der Trage | Gipfelbier | Wie wahr!

Meist blieben wir nur ein paar Tage und Nächte an einem Ort, in einem günstigen Motel. Oder wir besuchten Freund/innen und Verwandte. Einmal auch eine flüchtige Twitterbekanntschaft und eine Familie, die wir ein paar Wochen vorher in Panama kennengelernt hatten. Ich habe selten so großzügige & nette Gastfreundschaft erlebt.

Witzigerweise hängen in vielen Motels die gleichen Bilder über den Betten. Vielleicht der Harmonie wegen?

In den USA lässt es sich super mit kleinem Kind reisen, finde ich: Wir hatten nie Probleme, eine Unterkunft zu finden, nie Beschwerden, das Baby sei zu laut (im Unterschied zu Las Palmas /ES, wo die Nachbarn nachts an die Wand hämmerten). Die Spielplatzbegegnungen waren überwiegend nett, die Leute überhaupt sehr freundlich, in Restaurants waren immer Hochstühle vorhanden und das Beste: an (fast) jedem Spielplatz gibt es Toiletten & Grillstellen. Ein echtes Feature!

Alltagsimpressionen: Kochen auf dem Spielplatz & im Kofferraum. Fütterung vor’m Motel

Wir hatten eine tolle Reisezeit erwischt von Ende Februar bis Anfang Mai: Die Wintersaison war vorbei, die Sommersaison hatte noch nicht begonnen. Es war also nicht viel los, die Motels waren fast überall günstig und kaum belegt. Und klimatisch war es super. Ein schöner Abschluss unserer Elternzeitreise.

Nach ca. 6000 Meilen Autofahrten, wenigen Städten, vielen National Parks, wunderschönen Wanderungen, unglaublich beeindruckenden Erlebnissen, netten Begegnungen, kehrten wir wieder nach Deutschland zurück. Nun begann der „heimatliche“ Alltag mit kleinem Kind, an den wir uns erst gewöhnen mussten. Und wie das mit tollen Momenten so ist: Auch sie geraten in Vergessenheit, verblassen langsam vor dem Gewohnten oder Neu-Erlebten. Wir haben Fotos, die uns beim Erinnern helfen. Wir erzählen uns gegenseitig Geschichten. Und ich schreibe darum auch ein bisschen davon auf. Zum Teilen & Bewahren.

P.S. 1: Bei blog.zwzora habe ich ein kleines Video gefunden, bei dem ich sofort Sehnsucht bekomme: aus dem Auto heraus gefilmt ein kleiner Einblick in die fantastische Canyonwelt. An vielen Stellen waren wir auch.

P.S. 2: Im Waldo Canyon (Colorado) wütete im Juni 2012 ein Feuer und zerstörte große Teile davon. Tausende Menschen wurden obdachlos. Wir waren dort noch Ende April unterwegs. Traurig.

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Elternzeitreise Post 1: Wandern mit Baby: Die Hohe Tatra, Slowakei
Elternzeitreise Post 2: Kleiner Alltag in der Ferne

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4 Antworten zu National-Park-Hopping. Von einer Schönheit zur nächsten

  1. Bebe schreibt:

    Danke für schönen Morgentee! Da kriege ich auch Sehnsucht nach Fernweh 😉 Grand Canyon mache ich mit!

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  2. Miriam schreibt:

    In den Grand Canyon abzusteigen lohnt sich sowas von! Aber würde ich im Winter machen, am besten, wenn oben Schnee liegt. Wahnsinns Ausblick und man muss wesentlich weniger Wasser mitschleppen! Unten ist es trotzdem angenehm warm.

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  3. Pingback: National-Park-Hopping: Von einer Schönheit zur nächsten | Stories & Places

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