Der Städterinnentraum

Mit bloßen Händen wühle ich mich durch die feuchte Erde, sortiere Kraut von Kram, schneide Bäume, Rosen, Reben, pflanze Blümchen, Karotten, Rosmarin. Und lasse mich nach getaner Arbeit zufrieden auf das Bänkchen fallen, betrachte die Sonne beim Untergehen. Ich, die leidenschaftliche Gärtnerin.

Soweit die Theorie, besser: meine Fantasie. Ich träume den typischen Stadtkindchentraum, besonders wenn ich die Tage im Büro verhocke: Zurück zur Scholle, zur Natur. Nicht immer nur Internet und Mediengedöns. Mal was Richtiges machen. Und dazu Salat.

Dabei kann ich gerade mal ein Gänseblümchen von einer Osterglocke unterscheiden. Aber unausgelebte Fantasien haben die Angewohnheit, sich als Idealvorstellungen im Kopf festzusetzen und ein bisschen Unzufriedenheit im Alltag zu säen. Hätte ich, dann könnte ich, dann würde ich, ein Leben im Konjunktiv.

Nun tritt mein Städterinnentraum aus dem Konjunktiv heraus, denn  wir haben tatsächlich ein Gärtchen ergattert, gleich ums Eck, ein kleines Fleckchen Erde, zugewuchert mit Gestrüpp, einem halbverfallenen Schuppen und einem Rattennest unterm Kompost. In einem Gewann des Kleingartenvereins, in welchem ich nun Mitglied bin. Mit Ausweis und „Kleingartenordnung für Dauerkleingärten“ und allem Drum und Dran. Hätte mir das jemand vor 5 Jahren prophezeit, hahaha, ich doch nicht, tsss, Kleinkrämergartenkolonie. Die mit dem Zwerg. Und der Fahne. Und dem Lineal. Zum Beete ziehen. (Aber sonst habe ich keine Vorurteile. Nein).

Nun bin ich also selbst dabei. Vertrag unterzeichnet, Schluss mit Fantasie, jetzt wird sich zeigen, wie sich die naiv-städtischen Träume in der Praxis formen. Ob ich nicht beim ersten Regenwurm, der mir über die Finger kreucht, kreischend Reißaus nehme und lieber das arme Internet mit Schneckentexten volljammere. Ob ich wirklich die Feierabende im Dreck wühlend verbringe oder schlicht vor lauter Grillpartys nicht zum Buddeln komme. Als erstes kaufe ich jedenfalls mal ein Gartenbuch und lese nach, was es außer Gänseblümchen noch so gibt. Auf dass es bald mal Frühling werde!

Unser Hüttchen wird auch so schön. Und wir ebenso.

… oder ist ein Schrebergarten der Gipfel der Verspießung?!?

Dieser Beitrag wurde unter freie Zeit, Nestgeplauder abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Der Städterinnentraum

  1. Katharina schreibt:

    Heutzutage ist Schrebergarten schon wieder der ultimativen Coolness nah.

    Gefällt mir

  2. Catio schreibt:

    Wenn die ersten Mitgärtnernachbarn vor dem Gartentürchen stehen und darauf hinweisen, dass die Blätter auf dem vernachlässigten Rasen aufgelesen werden müssen, der Rasen ungepflegt sei, die Anordnung des Beetes nicht der Norm entspricht und überhaupt es ungehörig sei, bei den Versammlungen und Feierlichkeiten des Vereins sich nicht zu zeigen, dann verliert sich die Lust am Kleingarten zumeist schnell wieder.

    Aber ich will ja nicht unken (obwohl ich gerade geunkt habe und das manchmal gerne mache…) 😉

    Gefällt mir

    • cloudette schreibt:

      Args. Versammlungen – da habe ich ja noch gar nicht dran gedacht! Aber unsere „Kolonie“ ist ganz entspannt, Kreuz- und Querwuchs, kaum Gartenzwerge, das wird schon (hoffentlich)! Sonst jammere ich hier halt ne Runde 😉

      Gefällt mir

  3. Marie schreibt:

    Oh schön! Garteln ist toll, ich steh inzwischen sogar auf Rasenmähen (natürlich nicht elektrisch)!
    Und eh klar: nur Samstags im weißen Feinripp! (Ehrlich jetzt!!)

    Gefällt mir

  4. meineschreibblockadeundich schreibt:

    Ha! Es kribbelt in meinen Fingern, aber ich spare mir alle Hinweise auf Schädlingsfraß, Stechmücken und Sonnenstiche und wünsche einfach ganz viel Spaß in der ersten Gartensaison!

    Herzlichst
    Marie
    (von der Realität eingeholte Gartenbesitzerin)

    Gefällt mir

    • cloudette schreibt:

      😀 …. mich kribbelts auch schon überall. Der erste Realitätsschub kommt bestimmt. Am Wochenende womöglich schon, dann geht’s nämlich los … bis dahin träume ich noch ein bisschen

      Gefällt mir

  5. Wie kuhl ist das denn ?!? Auch Stadtkind, das ich bin will ich sofort mitjätenpflanzenausruhendemgrasbeimwachsenzugucken…ich fand Regenwürmer übrigens als Kind schon knorke ! Ach, einfach Mitfreude !!! Das wird groß !!!

    Gefällt mir

  6. kraehenmutter schreibt:

    haaach auch von hier gibts neidische mitfreude!
    ich guck auch immer mal nach parzellen, aber wenn ich da erstma 45min hinfahren muss, isses mir schon wieder zuviel aufwand, den ich dann doch nicht betreibe.

    viel viel spaß und ich hoffe auf idyllische fotos hier im blog!

    Gefällt mir

  7. stilhaeschen schreibt:

    Glückwunsch! Wir gehen heuer auch ins erste „echte“ Gartenjahr, die Übernahme letztes Jahr war gerade pünktlich zur Ernte. Es ist halt eine AUFGABE, aber hallo. (Hier ist übrigens ab 12°C Oben-Ohne-Gebot für Kerle, um Feinripp wäre ich dankbar…)

    Gefällt mir

    • cloudette schreibt:

      Oh, schön! Jaaa, Aufgabe, allerdings. Deswegen ist es hier gerade recht ruhig, weil ich jede freie Minute im Garten wühle. Aber noch macht es Spaß! (Ich habe noch niemand im Feinripp entdeckt – oben ohne ein Glück auch nicht … aber die Saison fängt ja auch erst an 😉 )-

      Gefällt mir

  8. Pingback: Gärtnerischer Hoffnungsschimmer für die “Liebe Hausfrau”! | cloudette

  9. Pingback: Kleingartenliebe | cloudette

kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s