Wer erntet eigentlich die weihnachtlichen Lorbeeren?

Nikolaus und Weihnachtsmann sind ziemlich gut organisierte Arbeitgeber, scheint mir. Niemand bekommt sie je zu Gesicht, niemand hat sie je selbst mit anpacken gesehen. Und trotzdem läuft der Laden, seit Hunderten von Jahren. Heerscharen von fleißigen Arbeiterinnen führen die vorweihnachtlichen Aufträge aus: Sie backen Plätzchen, produzieren Adventskalender, basteln Sterne, dekorieren Wohnungen, kaufen Geschenke, füllen rechtzeitig die Stiefel der Kinderlein und üben mit ihnen Weihnachtslieder. Und sie bereiten alles vor für das große Event, an dem der Weihnachtsmann – hohoho – den Geschenkesack schwingen kann.

Moment jetzt mal. Wir stellen uns in den Dienst zweier alter Herren, die selbst nicht einen einzigen Strohstern basteln, bei den Kindern dann aber die Lorbeeren abgreifen? Die sich Jahr für Jahr pompös feiern lassen, ohne einen Finger zu rühren? Die noch nicht einmal Weihnachtsgeld auszahlen für all die fleißigen Helferlein? Ist das nicht irgendwie ziemlich … äh … überholt? Ausbeuterisch geradezu? Und unfeministisch noch dazu? Die Frauen ackern und die Männer bekommen Ruhm und Ehre?

Da gibt es aber doch noch das Christkind, werden einige sagen. Das arbeitet zwar selbst auch nicht, aber es ist ja auch noch ein Kind, da ist das völlig ok. Außerdem ist es geschlechtlich neutral. Mädchen oder Junge oder was anderes. Mangels Untersuchungsobjekt konnte das wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt werden. Stimmt alles! Aber gegen die Herrenriege kommt es auch nicht an und es hat nur in ganz bestimmten Gegenden das Sagen.

Darum wäre doch mal langsam ein kleine Revolution in der Weihnachtsführungsetage angesagt! Oder zumindest eine kleine Umstrukturierungsmaßnahme. Was meint ihr? An den alten Bischof von Myra erinnert sich heute sowieso keiner mehr, überliefert ist auch nicht viel, er ist also nur noch eine Symbolfigur. Der Weihnachtsmann ist spätestens seit seiner Werbekampagne für eine große Zuckergetränkefirma etwas in Verruf geraten, der könnte eigentlich auch mal abtreten.

Also: Machen wir Nikolaus zu Nikola, das passt dann für er-sie-es, und rasieren diesen albernen Bart ab. Hübschere Klamotten lassen sich sicher auch noch finden. Und beim Weihnachtsmann, tja, da bringt aufpimpen wohl nicht viel. Den ersetzen wir einfach durch …..  Trudi Rentier. Aber ohne rote Nase, wenn’s geht.

Dann haben wir wenigstens mal das mit den Lorbeeren für die Herren aus der Welt. Am Rest können wir danach weiteroptimieren.

Und jetzt entschuldigt mich, ich flüchte mal eben vor den aufgebrachten himmlischen Heerscharen.

Oh schau mal! Ein Eichhörnchen!
Statt Rentier ginge natürlich auch ein Eichhörnchen.

Jubel, Trubel, Dankeschön

In der Zwischen-den-Jahren-Zeit ging es internetmäßig ein bisschen ruhiger zu im Hause cloudette&co,  dafür tobte real live mitunter der Bär. Weihnachten, Familie. Ein Kind2, das Riesensprünge macht, plappert, Stühle durch die Gegend schiebt, mit Umschüttexperimenten Sofa, Teppich, Bad unter Wasser setzt. Ein Kind1, das sich vom Feiern zwischen den Wasserlachen auskuriert und für die nächste Party wappnet. Besuch, Freund/innen, Silvester. Alles zusammen ein großartiger Jubeltrubel.

Gute Vorsätze zum neuen Jahr gibt es keine, weil es erfahrungsgemäß sowieso nicht klappt, wenn ich mir ein generisches Weniger-Süßigkeiten, Mehr-Sport(bzw. überhaupt), Kreativer-sein vornehme. Dafür ein großes Dankeschön:

An euch, die ihr hier mitlest, immer wieder hier vorbeischaut! Ich freue mich total über die treuen Leser*innen, die Stippvisiter*innen, über die stillen Beobachter*innen, über diejenigen, die hier manchmal oder oft kommentieren. Über Eure kritischen Nachfragen, die lieben Worte. Über die „Gefällt-mirs“. Über die Verlinkungen, über … achja. Kurz gesagt:

♥-lichen Dank euch allen und ein glückliches neues Jahr!

dankeschön

P.S.: cloudette gibt es auch auf Facebook, vielleicht schaut ihr ja mal vorbei und drückt auf diesen kleinen hübschen Gefällt-mir-Button. Ab 30 Likes wird die Statistikfunktion freigeschaltet – und spätestens dann gründet der Liebste eine Selbsthilfegruppe für geschädigte Bloggerinnen-Angehörige. Und wenn ihr schon dabei seid, geht doch gleich mal zu Alsmenschverkleidet weiter …

Lasst’s euch gut gehen

Ein verschlafener Montagmorgen. Vöglein zwitschern, eine Fliege surrt durchs Zimmer. Die Sonne kommt langsam hinterm Wald hervor und rüstet sich für das angesagte Frühlingswetter. Das Wichtelgeschenk für den Freund der Tochter ist verpackt und seit heute weiß ich, warum man hier den Weihnachtsbaum erst zum Fest aufstellt: Unser mikro-kleines Bäumelein, das nur so tut, als sei’s ein echtes, zusammengebastelt aus Zweigen, beginnt bereits zu nadeln. Ich bin ein großer dicker Elefant, der trompetend durch die Wohnung läuft und sämtliche Abfalleimer mit Taschentüchern füllt, gekonnt im Weitwurf, Übung macht die Meisterin. Heute rückt die Familie an, um die schwesterliche Wohnung in ein weihnachtliches Chaos zu verwandeln. 14 Erwachsene, 4 Kinder + ein schon recht großer Fötus, so viele waren wir nie.

Suchbild: Finde das Kind ;-)
Kind 2 hat das Höhlendasein entdeckt – von wem es das wohl hat

Letztes Jahr waren wir auf Elternzeitreise, nippelten im Sonnenschein am Cocktail, Kind 2 wühlte im Sand, Kind 1 kam eigens angereist, ihr Vater mit Freundin auch, ein nettes Patchworkfamilyereignis weit weg vom heimatlichen Festgerausche. Auch schön! Und vor vielen Jahren war der Weihnachtsmorgen die Zeit von Knuddel, dem allerärmsten Hund der Welt, dem wir Kinder andächtig im Radio lauschten, während die Eltern vermutlich die ruhigen Minuten ohne beständiges „wann geht es endlich lohos?“ genossen. Weihnachtszeit – Erinnerungszeit.

Ich wünsche euch allen entspannte, fröhliche Feiertage, wie auch immer ihr sie verbringen mögt, mit Pirogie, Fondue, Gans, Familie, alleine, Geschenken, Liedern, besinnlich, rauschend, ruhig, festlich oder einfach genüsslich in der Badewanne. Lasst es euch gut gehen!

Weihnachtskonsumkrampf? Nee danke

An Weihnachten ging es bei uns früher zu wie bei den Hoppenstedts*, in leichten Variationen:  nach Essen, Gedicht aufsagen und Flötenspiel, das wegen der väterlichen Zwischenrufe („faaalsch, das ist ein cis, kein c, meine Güte“) immer knapper als geplant ausfiel, gab es die Bescherung: Geschenke aufreißen, bis wir bis zu den Knien in Weihnachtspapier versanken. Mittendrin thronte die Oma und lamentierte, dass früher aber viel mehr gesungen wurde, die schönen alten Lieder.

Als ich klein war, fand ich das prima. Also, vor allem die Geschenke, alles andere war nett, aber Vorspann, den die Erwachsenen unnötig in die Länge zogen. Fondue ist ja super. Aber wieso sooooo lange? Wann gibt’s endlich die Geschenke?? Tonnenweise von allen Großeltern, Onkel, Tanten, Eltern. Wir Kinder überreichten im Gegenzug selbstgebastelte Makrameeteile, schiefe Kerzen, Mini-Kommoden aus Streichholzschachteln u.a., die unsere Mutter ausdauernd mit uns in der Adventszeit gebastelt hatte (die Sachen landeten meist komplett in den Krustelkisten der Verwandtschaft, wie wir irgendwann empört feststellten).

Später wurde das alles komplizierter. Als ich mir selbst Geschenke ausdenken musste für Schwester Bruder Mama Papa Oma Oma Opa Opa *japs* Tanten Onkel FreundInnen undsoweiter. Eine Zeitlang bastelte ich tatsächlich noch viel und verbrachte Stunden in der Dunkelkammer (ne, nix Anrüchiges. Zum analog Fotos abziehen … das gab’s damals noch), bis ich irgendwann zum Kaufen überging. Und das nie rechtzeitig, macht das überhaupt jemand?, sondern immer kurz vor knapp noch in die vollgestopfte Innenstadt, von Laden zu Laden hetzen, ohne wirkliche Inspiration auf der fast verzweifelten Suche nach den letzten Geschenken. Denn irgendwie hatte doch schon jede/r alles und außerdem hatte ich just in der Vorweihnachtszeit null Ideen, was zu beknackten Panikeinkäufen führte. Es ging allen so. Riesenstress. Was für ein Irrsinn.

Bis wir Geschwister irgendwann die Bremse zogen und dem Familienrat mitteilten, dass wir das mit den Geschenken jetzt einfach mal bleiben lassen. Alternativvorschlag: Wichteln. Und das machen wir nun schon seit einigen Jahren: Jede/r zieht ca. 4 Wochen vor Weihnachten aus dem großen Pool (inzwischen ca. 13 Erwachsene) einen Namen und überlegt sich für diese Person genau 1 Geschenk. Nicht teurer als 10 €. Kinder und Ü90 sind ausgenommen, die bekommen ein bisschen mehr. Aber gemäßigt. Die Gefahr, dass sich die ganze Geschenkeflut nun auf die Kids konzentriert, konnten wir mit klaren Absprachen verhindern. Und im Freund/innenkreis gibt’s auch keine Weihnachtsgeschenke mehr, das hat sich über die Jahre eingependelt.

Ufff. Das ist derartig erleichternd! Immer noch bzw. jedes Jahr wieder. Kein „ich muss noch Geschenke kaufen“ mehr, kein Weihnachtskonsumkrampf, kein Hirnzermattern! Ich kann nun die gesamte Vorweihnachtszeit einen großen Bogen um unsere wuselige Innenstadt machen, den schlimmsten Weihnachtsschnickschnack einfach ignorieren & ganz relaxt den Advent genießen. Und den Weihnachtsabend im Übrigen auch. Keine/r muss sich über das hundertzwanzigste Paar Socken, eine handbemalte Glasschüssel, ein Gedichtbüchlein und ähnliches „freuen“, sondern kann sich ganz dem Familienchaos widmen: Die Oma bemängelt immer noch unser fehlendes Gesangsinteresse, die Nichten flöten und wuseln zwischen ihren paar Geschenken rum, die Kleinsten pflücken völlig irre die Kugeln vom Baum (da!), das Essen ist prima, die Familie laut und mit einem Gläschen Wein lässt sich das alles prima aushalten.

* Ist auf Youtube in unserem Lande – natürlich – gesperrt wegen Urheberrechtsgedöns. Die, die’s nicht kennen: ist ein Sketch von Loriot, der den Weihnachtsabend bei Hoppenstedts zeigt. Berge von Geschenke, ein Kind, das keine Weihnachtsgedichte aufsagen will und mittendrin ein meckernder Opa: „früher war aber mehr Lametta“.