Morgens beim Duschen*

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*Sie können „Morgens“ gerne durch eine beliebige andere Tageszeit und „Duschen“ durch „aufs Klo gehen“, „Telefonieren“, „am Laptop arbeiten“, „mit Freund*innen reden“ etc. pp. ersetzen. Passt eigentlich immer. Und „Mama“ durch „Papa“, selbstverständlich.

Familienausflug zum #32c3

Nachdem wir letztes Jahr völlig begeistert vom Familienausflug zum Chaos Communication Congress waren, machten wir uns auch dieses Jahr wieder am 2. Weihnachtsfeiertag mit K1 (24) und K2 (4) auf den Weg. Wir holten uns noch am Abend von Tag0 die Eintrittsbänder, um lange Warterei am Eingang zu vermeiden. Dachten wir zumindest. Wir hatten nämlich nicht mit der kleinen Horde elektronischer Weihnachtsmänner im Eingangsbereich gerechnet, die Seifenblasen machten und schreckliche Lieder grölten und die Aufmerksamkeit von Kind2 völlig absorbierten. Es war erst wegzubekommen, als es eine der Figuren mitnehmen durfte*.

Kidspace

Dank der Vorjahreserfahrung war unsere Orientierung deutlich besser und wir konnten schnurstracks unser erstes Ziel anpeilen, das – natürlich – der Kidspace war. Schließlich ist für das nun 4jährige Kind der Congress gleichbedeutend mit „Kidspace“ („Wann gehen wir endlich wieder zum Kidspace????“) und es hatte  so seine Erwartungen, die da hießen: Bällebad und Duplo. Viel Duplo. Tonnenweise Duplosteine. Ein ganzer Berg von … So wie im letzten Jahr halt. Und auf dem CCCamp. Das Problem war nur: Es gab keins. Den ersten Abend vertrösteten wir das Kind noch auf den nächsten Tag, doch nach und nach sickerte die Info durch, dass es – aus welchen Gründen auch immer – kein Duplo geben werde. Erklären Sie das mal einem 4jährigen … genau!

Aber dank eines schnell gefundenen neuen Freundes ähnlichen Kalibers war auch das Kind2 irgendwann getröstet. Und es gab ja noch das große Bällebad. Und viel Platz zum Rumtoben. Und eine Landschaft aus Sand, verschiedene (Computer)Spiele, Bastelaktionen, eine kleine Kletterwand und diverse Workshops** für Kinder. Supertoll war der Malroboterworkshop, in dem das Kind nach einer sehr netten Einführung weitgehend selbstständig einen kleinen Roboter, angetrieben von einem Milchschäumer und mit 3 Filzstiften als Beinen, baute. Das Ding funktionierte wunderbar und war im Kidspace danach ein derartiger Renner, dass sich eine Traube Kinder um K2 herum bildete, die alle gucken und anfassen wollten. Nach einer Stunde Dauerbetrieb auf dem wunderbaren Teppich (natürlich waren die Deckel auf den Stiften drauf!!!!!) und Dauergetatsche der Kinder, gab es allerdings dann doch den Geist auf.

Dass es den Kidspace gibt und sich Leute darum kümmern, ist grandios. Es ist ein wunderbarer Ort, um ein bisschen abzuhängen und mit anderen Eltern zu quatschen. Mir wurde erst in diesem Jahr so richtig klar, wie self organized der Kidspace ist. Duplo und Eisenbahn wurden z. B. wohl über die Jahre immer privat von jemand mitgebracht und gehören nicht zum Inventar des ccc. Für das nächste Jahr ist für uns als Eltern klar, dass wir uns mehr einbringen werden. Wir vermissen eine Malecke? Dann müssen wir sie über die Mailingliste mitorganisieren. Wir finden eine Stelltafel sinnvoll, auf der die tollen Workshopangebote angekündigt werden können? Same procedure. Und wie lösen wir das mit den 10.000 Duplosteinen?

Vorträge

Der Mann und ich haben uns wieder abgewechselt in der Kinderbetreuung. Genau genommen haben wir als Familie auf dem 32c3 überhaupt nichts zusammen gemacht, sondern uns lediglich die Klinke bzw. K2 in die Hand gegeben. In meiner freien Zeit zog ich meist mit K1 durch das Gebäude und war in einigen Vorträgen. Es gab wieder eine breite Palette an technischen und politischen Themen. Meine Highlights waren:

Alle Vorträge wurden wieder aufgezeichnet und können hier angeschaut werden. Das Theaterstück Asyldialoge (leider nicht aufgezeichnet) war übrigens auch sehr gut, lief leider aber erst nach Mitternacht – und selbst mit viel Mate stand ich es nicht ganz durch, dafür waren die Sessel zu flauschig, der Saal zu dunkel zzzzZZZZ

Der große Rest

Eigentlich sind die Vorträge nur ein kleiner Teil des Congresses. Es gibt noch 1000x andere Dinge zu sehen, zu tun, zu genießen. Vom Cocktailroboter über Stickmaschinen, 3-D-Druckern, Infoständen, selbst organisierten Workshops, Podcasts beim Sendezentrum bis hin zur legendären Partyhölle (auch Lounge genannt), einer riesigen Halle, in der eine grandiose Installation mit Lasershow sowie etliche Wohnwagen mit Bars aufgebaut waren. K1 und ich verbrachten eine Nacht dort feiernd und tanzend zu ziiiiemlich lautem Techno. Und es gibt natürlich 12.000 potenziell interessante Menschen, mit denen eine ins Gespräch kommen könnte.

Auch für Verpflegung war versorgt. Crepes, Pommes, veganes Essen, alles da. Ein prima Tipp war übrigens die Fressmeile auf der Sternschanze, die nur eine S-Bahnstation entfernt liegt und wo eins sehr gut arabisch, türkisch, indisch … essen gehen kann. Obligatorisch ist natürlich das Matetrinken. Am 4. Tag hatte ich so viel Mate intus, dass mich die Dosis noch über Silvester rüberrettete.

Der Teppich

Irgendeins twitterte im Vorfeld sinngemäß, dass ein Großteil der Vorbereitungszeit doch sicher für die Verlegung des tollen Retrotreppichs im ganzen CCH draufgehe. Aber echt jetzt! Der Teppich ist super, er dämmt viele Geräusche und trägt zur Gemütlichkeit der ganzen Veranstaltung bei. Es wird sicher schwer, einen würdigen Nachfolge-Veranstaltungsort für 2017 zu finden.

Fazit

Ich fand den 32c3 insgesamt wieder sehr schön und inspirierend, wenn auch nicht ganz so flashig wie beim ersten Mal (normal vielleicht) und deutlich anstrengender. Das kleine Kind, das keinen Mittagsschlaf mehr machte, war manchmal etwas überreizt und mir selbst war manchmal eher nach Höhle als nach Massenevent zumute – allerdings hatte das nichts mit dem Congress zu tun.

Es ist fast unglaublich, wie friedlich, respektvoll und freundlich so viele Menschen auf relativ engem Raum sein können. Ich selbst habe nichts Blödes selbst erlebt oder mitbekommen (was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Aber offensichtlich nicht so geballt wie bei sonstigen Menschenansammlungen). Die auf dem Congress gepflegte Kultur macht ihn zu etwas ganz Besonderem und sehr Inspirierendem! Kein Wunder, dass viele danach einen gewissen Realitätsschock erleiden.

Ich nehme jedenfalls eine Menge Anregungen und nette Begegnungen mit und freue mich auf den 33c3.

Hier ein paar Impressionen in gewohnt schlechter Handyqualität:

Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Weihnachtsmänner in der Eingangshalle
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter malt. Und reißt aus.
Malroboter - große Attraktion im Kidspace.
Malroboter – große Attraktion im Kidspace. Mit Teppich!
Laserinstallation in der Partyhölle
Laserinstallation in der Partyhölle

*wir haben sie aus Versehen bei unserer Gastgeberin stehen lassen. oO. Das war keine Absicht. Ganz ehrlich!!

** Für viele Angebote war K2 natürlich noch etwas zu klein – da freue ich mich auf die kommenden Jahre. Das Nuf hat ausführliche Berichte über den 32c3 mit etwas größeren Kindern (>6) geschrieben.

Advent, Advent – nur die Sonne brennt

Die Sonne scheint penetrant vom Himmel, bahnt sich ihren Weg durch die unglaublich dreckige Fensterscheibe ins Wohnzimmer, wo Staubflusen in der Luft tanzen. Die Kartons mit dem Weihnachtskram stehen nach wie vor im Keller. Was soll so ein Strohstern im gleisenden Licht? Kein Adventskranz, kein Schmuck. An der Wand nur der Adventskalender fürs Kind, in den das Wichtele aus dem Wald jede Nacht eine Kleinigkeit steckt (wenn es daran denkt und nicht morgens noch panisch vorm Kind ins Wohnzimmer rennt). Das Plätzchenbacken mit der Freundin – abgesagt. Niemand hat Lust darauf, wo es doch so wenig weihnachtlich ist und das Wetter eher „Frühling!“ schreit. Bei 16 Grad.

Eine Biene surrt durchs offene Fenster in die Küche. Vermutlich ist sie auch durch den Wind. Oder sie muss kacken, was Bienen im Winter anscheinend so machen, wenn es ihnen zu warm wird.

Auf zum Spielplatz, beschließen wir. „Immer müssen wir rausgehen“, motzt das Kind. Es wird den gleichen Bei-schönem-Wetter-müssen-wir-raus-Koller kriegen wie ich, das steht schon zu befürchten. Aber wie können wir in der Bude hocken, wenn draußen die Sonne so penetrant …

Wir stehen auf dem Spielplatz unter blühenden Bäumen. Japanische sind das, sagt die Freundin, die blühen zu unmöglichen Zeiten. Aber mitten im Dezember? Sie stehen doch schon seit ein paar Jahren da, habe ich sie immer übersehen? Die Nachbarin raunt „Klimawandel“ und überhaupt, dass alles den Bach hinuntergehe.

Die Sonne verpisst sich hinter die Häuser, es ist erst halb vier, langsam beginnen die Zehen zu frieren. „Kinder, wir gehen!“, rufen wir, uns ist kalt! „Menno!“ kommt es zurück, also harren wir noch aus, bis sich die Schar träge Richtung Wohnzimmer in Bewegung setzt, endlich!, wo es uns mit Tee langsam wieder wärmer wird.

Ein paar Plätzchen wären jetzt doch ganz schön. Vielleicht backen wir ja noch welche. Morgen vielleicht. Oder am Wochenende. Wenn die Sonne vielleicht mal nicht so penetrant …

Irgendjemand könnte mal die Fenster putzen
Irgendjemand könnte mal die Fenster putzen
Blühende Kirsche - ob japanische oder nicht ...
Blühende Kirsche – ob japanische oder nicht …

Das Kind als Virenschleuder – um wessen Immunsystem geht es eigentlich?

Rund 20 Mutterjahre lang war ich der Überzeugung, dass jede Erkältung, jede Kinderkrankheit das Immunsystem trainiert. Des Kindes, selbstverständlich. Kommen böse Schnupfen-Husten-Masern-Eindringlinge daher, rüstet die körpereigene Armee auf, bläst zum Kampf und zieht gestärkt aus jeder Schlacht hervor. So in etwa erklärte das die Sendung mit der Maus oder irgendein anderer pädagogisch wertvoller Animationsfilm. Kind1 hielt sich tapfer an diese Vorgabe. Es war zwar nicht besonders oft krank, aber wenn, dann blieb es brav im Bett, schwitzte, hustete, schlief, während in seinem Inneren die Antikörperarmee ihr Werk tat. Ich reichte Tee, las vor und (psssst!) genoß tatsächlich auch einfach die Ruhe mit einem schlappen Kind. Endlich kam ich mal zum Lesen, konnte faul im Bett liegen und musste nicht ins Büro. Ich selbst wurde nie krank. Oder sagen wir: fast nie. Mein eigenes Immunsystem hatte ich ja bereits als Kind trainiert, das reichte.

Dann kam Kind2. Und plötzlich funktionierte das alles nicht mehr. Auch das zweite Kind war und ist äußerst selten krank. Aber anstatt die Viren schön für sich zu behalten und mit ihnen zu üben, reicht es sie ungefragt weiter. An mich. Und an den Mann. Während das Kind bereits wieder quietschfidel durch die Gegend hüpft, schlurfen hier zwei malade Gestalten rum. Mit laufender Nase. Oder verstopfter. Mit Brei im Hirn. Gliederschmerzen. Husten. Halsweh. Und nein: Kein Männerschnupfen! So richtig ätzend. (Denken Sie sich hier einen theatralischen Schneuzer!)

Häufig schafft es das Kind sogar, nur als Zwischenwirt zu fungieren und uns die Viren gleich direkt zu überreichen. Und so gibt hier eine Erkältung der nächsten die Klinke, während das Kind sich meist bester Gesundheit erfreut. Ich war noch nie so häufig krank, wie in den letzten paar Jahren. Und das, obwohl mein Immunsystem immer das beste weit und breit und „ich-werde-nie-krank“ mein zweiter Vorname war.

Was läuft hier eigentlich schief, frage ich mich? Und wieso kratzt es mich schon wieder so im Hals? HATTSCHÜÜÜ!

Stillleben
Stillleben

Warum das Kind in Jeans schläft.

Es ist jeden Abend derzeit das gleiche Spiel: Kind2 weigert sich seit etlichen Tagen beharrlich, den Schlafanzug anziehen. Nein, es will in seinen Klamotten schlafen, in denen, die es gerade anhat. Das geht nun gar nicht, schließlich war es damit den ganzen Tag unterwegs, hat sich im Dreck gewälzt, ist durch den Sandkasten gerobbt und hat den Boden der KiTa damit gefeudelt. Anfangs versuchte ich noch, es in langen, ermüdenden Diskussionen umzustimmen. Der Schlafi ist doch viel gemütlicher, schau mal, die Jeans ist doch voll eng, blabla – das Ganze endete meist in großem Geschrei ob der mütterlichen Begriffstutzigkeit und nervlicher Kapitulation bei mir. Also musste ein Kompromiss her: Das Kind muss keinen Schlafi anziehen, aber saubere Hosen + T-Shirt. Die dreckigen Klamotten kommen in die Wäsche. Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich gibt es gerade nur 2 vom Kind akzeptierte Hosen. Außerdem muss der gesamte Inhalt der Hosentaschen in die neue Hose transferiert werden. Nach gefühlt ewigem Hin- und Hergepacke geht das Kind dann in voller Montur ins Bett: Jeans, Unterhosen, Socken, T-Shirt. Die Taschen der Hose vollgestopft mit Zeugs:  seinem Lieblingskindertaschenmesser (einem Geschenk der Schnullerfee. Wir können da nüscht für), diversen Stöckchen, einer kleinen Flasche 4711 und meinem alten Handy.

Apropos Bett, das ist bereits voll belegt: Auf dem Kopfkissen steht abflugbereit der gelbe große Hubschrauber, daneben parken diverse Feuerautos und ein Traktor. Der kleine Karton mit den Pixiebüchern findet auch noch Platz sowie die eine oder andere Stoffeule. Wer allerdings kaum noch Platz hat, ist Kind2. Aber wehe, es rührt eins an den Sachen, selbstverständlich müssen diese genau so stehen bleiben. Oke, oke, wie du meinst, Kind2.

Machen wir weiter mit dem morgendlichen Prozedere. Selbst bei Temperaturen deutlich unter 10° C und Dauerniesel ging das Kind in den letzten Wochen in Sandalen oder seinen geliebten pinken Crocs in  die KiTa. Es weiterte sich beharrlich, andere Schuhe anzuziehen, egal welche ich auch anschleppte. Alle „scheiße“, so das Kind. Also gut, dann zieh halt die Sandalen an.

Manchmal habe ich die Sorge, dass wir erzieherisch hier völlig versagen. Auf der anderen Seite: Eigentlich ist es doch auch piepegal, oder? Soll es in Jeans schlafen. Das stört ja niemand. Soll es in Sandalen in die KiTa – who cares (zur Not stehen dort ja noch Gummistiefel, der Waldtag ist damit auch gerettet). Soll es zwischen seinem ganzen Gerümpel schlafen – hauptsache es schläft gut.

Choose your battles. Denn es gibt genügend andere Baustellen, an denen wir uns aufreiben können.  Manche Sachen gehen einfach nicht, weil sie zu gefährlich sind (alleine die Fenster im 2. Stock öffnen), weil sie andere stören (andauerndes Rumgepoltere in der hellhörigen Wohnung), weil sie nerven (Kopfhörer aufbehalten wollen, während Mama vorliest ^^). Die Kunst ist, einschätzen zu lernen, was wirklich stört/gefährlich ist/nervt und was „nur“ irgendwelches Beharren auf Konventionen ist (für uns alle). Ich kapiere das nicht immer gleich, reagiere oft reflexartig (ohne Schlafanzug ins Bett? pah!) – manchmal dauert es sogar ein paar Tage, bis wir uns geeinigt haben. Was für eine Erleichterung, wenn die Eltern es endlich einsehen. Was für eine Erleichterung für unsere Nerven. Leider poppt meist genau dann eine neue Baustelle auf, wenn wir uns auf die alte gerade gemütlich eingegroovt haben.

Warum das Kind nun derzeit unbedingt in Jeans schlafen möchte, habe ich noch nicht so richtig herausgefunden. Aber manche Sachen, die wir Großen so machen, sind vermutlich auch komisch.

Immerhin die Eulen sind ordentlich aufgeräumt
Immerhin sind die Eulen an ihrem Platz