What to do mit alten to-do-Listen?

Ein viel zitierter Grundsatz für gelungenes Ausmisten lautet so ungefähr: Alles, was länger als 1 Jahr (oder lassen Sie es 2, 3, 4, 5 sein) unausgepackt im Keller vor sich hindümpelt, kann getrost entsorgt oder verschenkt werden. Das Gleiche gilt für Klamotten: Was im Schrank nur Platz wegnimmt, aber nie angezogen wird –> weg damit. Jahrelang ungelesene Bücher –> aussortieren. Es macht ein bisschen Arbeit, klar. Aber der Lohn sind aufgeräumte Schränke, lichte Regale und Kellerräume, bei denen eine problemlos die Türe aufbekommt und auf Anhieb die Weihnachtsdeko findet. Und nicht nur das! Das Entsorgen von materiellem Ballast wirkt reinigend auf Kopf und Seele, es winken kreative Schübe und das Gefühl, das Leben im Griff zu haben. Klingt toll.

Ob das funktioniert, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn ich habe es nie bis zu diesem nirwanagleichen Zustand gebracht. Auf halber Strecke verliere ich meist die Lust, packe den aus allen Ecken gleichzeitig herausgezogenen Krempel in irgendeine große Kiste, stopfe den Klamottenberg zurück in den Schrank und überlasse die Weihnachtsdeko ihrem Schicksal. Kein Wunder, dass die kreativen Schübe weiter auf sich warten lassen und ich noch nicht herausgefunden habe, wie das mit dem Leben im Griff haben geht.

Um im allgemeinen häuslichen und psychischen Chaos noch einigermaßen durchzusteigen, lege ich dafür Listen an. To-do-Listen. Da steht das übliche Zeug drauf, das eine machen muss, aber gerne im Eifer eines vollgerümpelten Lebens verdrängt: Steuererklärung, Haustreppe putzen, Probeabo kündigen, ein Foto für das Freund*innenbuch der K2-Freundin ausdrucken, doppelseitiges Klebeband einkaufen und weitere Wichtigkeiten. Das eine oder andere erledige ich sogar. In ganz hellen Momenten schreibe ich extra Punkte auf die Liste, die ich sowieso machen werde, damit ich sie am Abend durchstreichen kann. Herrlich! Was geschafft!! Zum täglichen Klein-Klein kommen die Punkte, die seit Wochen & Monaten auf der Liste stehen und deren Bearbeitung eigentlich dringend notwendig wäre: Wasserhahn reparieren (ein anderer dieses Mal). Neue Matratzen kaufen. Hosen flicken. Badezimmerfenster reparieren lassen, Keller entrümpeln … etc pp.

Und dann stehen noch Dinge auf den Listen, die ich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten mit mir herumschleppe: Fotoalbum für K2 anlegen (seit fast 5 Jahren). Die alte Eckbank, die ich vor ca. 13 Jahren auf dem Sperrmüll fand, abschleifen und in ein hübsches shabby-chic-Möbel verwandeln. Mein krudes Englisch verbessern (seit sicher 20 Jahren). Wieder regelmäßig zeichnen (seit ebenfalls 20 Jahren). Megakommunikativ werden und ungezwungen mit Menschen umgehen (seit 30 Jahren).

Und nun zurück zum Thema „Entrümpeln“.  Was sagen die Ratgeber eigentlich zu solch jahrelang mitgeschleppten und teils nichtmateriellen Ballaststoffen, die in den Verwinkelungen des Lebens Staub ansetzen? Macht es Sinn, diese Punkte einfach mal zu streichen? Ballast abwerfen? Das Leben vereinfachen? Dinge, die ich jahrelang nicht aus dem Keller geholt habe, brauche ich offensichtlich nicht im Alltag. Und Punkte, die jahrelang auf einer to-do-Liste stehen? Offensichtlich sind sie mir wichtig genug, dass ich sie immer wieder aufschreibe. Offensichtlich sind sie mir nicht wichtig genug, sonst würde ich sie einfach (hahahahaha. Oh. Entschuldigung) mal angehen. Oder muss ich dafür erst einmal meine Wohnung und den Keller entrümpeln, um Platz für die notwendigen kreativen Schübe zu schaffen?

Dekobild mit (fast) keinem Zusammenhang zum Text
Dekobild mit (fast) keinem Zusammenhang zum Text
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Weg mit dem Klamottenfrust!

„Ich hab‘ nix anzuziehen“ jammerte ich heute mal wieder routinemäßig beim Frühstück. Der morgendliche Blick in den Kleiderschrank bedeutet derzeit morgendlichen Frust. Ich habe fast keine Klamotten, die mir passen und die ich gerne anziehe.

Da sind zum Beispiel die Hosen und Röcke, die zu eng geworden sind aufgrund exzessiven Schlechtwetterfrustessens von zu viel Schokolade, Eis & Co. Die hängen im Schrank herum, denn sie könnten mir ja irgendwann wieder passen. 3-4 Kilo weniger, dann ginge wieder was. Und da sind die Hosen, die noch aus der zweiten Vorschwangerschaftsphase stammen, müssten nur 6 kg runter … Dann gibt es noch die Kleidchen und Oberteile, die etwas zwacken und die ich nie anziehe, die aber noch jede Aussortieraktion der letzten Jahre überstanden haben. Die könnte ich ja mal noch umnähen (mit Betonung auf KÖNNTE. Wenn ich mal Nähen lernte).

Nix Anzuziehen - haha!
Nix Anzuziehen – haha!

Das ganze Zeug ist eine ewige Anklage. Ein ewiges Gejammere. Ein ewiges Gehadere. Mit mir selbst.

„Abnehmen, pah! Du hast doch kürzlich selbst geschrieben, dass du für mehr Körpervielfalt und gegen diesen Normierungsquatsch bist“, sagt die Mitbewohnerin.  Ich hasse es, wenn mir meine klugen Sprüche um die Ohren gehauen werden. Das gilt doch eher so allgemein, eher grundsätzlich. Nicht für mich! Ups. Erwischt. „Ich … äh, ich fühle mich so halt nicht wohl“, antworte ich lahm. Und denke: Mist, sie hat ja recht.

Also aussortieren, weg mit den Sachen, die nicht mehr passen, die ich nicht mehr mag. Kein Vertrösten mehr auf dünnere Zeiten.

Das kommt weg:

weg damit
weg damit. Sieht leider auf dem Bild nicht so imposant aus wie in echt.

Und zwar in einem 2-Stufen-Verfahren: ein Berg geht an die Mitbewohnerin zum Durchschauen, was übrig bleibt, kommt in den Kleiderladen. Ein Berg landet im Keller. Da sind z. B. ein paar Wintersachen dabei, die ich eventuell nur aus Wetterfrust aussortiert habe. Wenn ich die in einem halben Jahr nicht vermisse, können auch sie weg. Der Rest kommt wieder in den Kleiderschrank.

Ich war fast komplett konsequent!! Es gibt noch ziemlich viele Wackelkandidaten, die ich nur behalten habe, weil ich schlecht unbekleidet zur Arbeit gehen kann.

So ordentlich sieht's selten aus
So ordentlich sieht’s selten aus

Das Ganze löst jetzt nicht gerade mein Bekleidungsproblem. Es ist nicht viel übrig, das mir wirklich gefällt. Außer meinen Ringelstrumpfhosen. Aber ich hoffe, dass zumindest der morgendliche „Das-ist-zu-eng“-Frust damit ein bisschen gemildert ist.

Hui Buh oder: Das geben wir nicht weg …

Da schrieb ich erst kürzlich über zu viel Kram und darüber, dass Aussortieren dringend angesagt wäre und dann das: Die Schwester war schneller. Und das Fatale: Sie lud mich zum „Durchschauen“ ein. Sie hat den Kinderzimmerkram ihrer Töchter um 50 % reduziert und schon im Flur türmten sich Kisten mit Glitzereinhörnern, Barbiezeugs, Spielen. Sie zeigte auf einen beachtlichen Haufen und meinte: „Das könnte für dich interessant sein. Für den Kleinen.“

Nun habe ich ja leider einen Hang zum Hamstern, und es waren auch prima Dinge dabei. Klamotten. Bücher. Kinderstühle. Der Mitnehmberg wuchs also an. Bei der törööö-Elefanten-Kassettensammlung blieb ich allerdings standhaft und die Conny-im-KrankenhausKindergartenSonstwo-Pixies blieben auch liegen. Bei den meisten Sachen konnte ich noch recht locker sagen „nehm ich – nehm ich nicht“.

Aber dann gings plötzlich ans Eingemachte. In dem Berg tauchten Kindheitserinnerungen auf. Meine! Kassetten: die 70er Jahre Songs von Der Spatz und Die Rübe, die habe ich als Kind und später mit der Tochter hoch und runter gehört. Dann Hui Buh, das ungezogene Schlossgespenst, das sich in irgendeiner Folge durch den gruftigen Weinkeller säuft (wenn ich mich recht erinnere). Völlig unpädagogisch und für uns damals der Hit. Das Buch vom Sandmännchen (das es inzwischen wohl nicht mehr gibt?). Das Memory, das wir im Familienurlaub an der Nordsee spielten.  Und last but not least: Ein quietschgelbkariertes Kleid, das ich mit 8 oder so trug. Und einige Jahre später meine Tochter. Da wars mit der Coolheit völlig vorbei: Ne, also das können wir nicht weggeben, ich nehms mal mit.

Erinnerungen
… wird nicht aussortiert. Zunächst.

Und so kam ich vollbepackt zuhause an und türmte den Kram in unseren Flur. Der V. schaute nur schief aus der Wohnzimmertür und meinte irgendwas von: „Ähh, hast du nicht erst kürzlich in deinem Blog geschrieben …“