Weihnachtskonsumkrampf? Nee danke

An Weihnachten ging es bei uns früher zu wie bei den Hoppenstedts*, in leichten Variationen:  nach Essen, Gedicht aufsagen und Flötenspiel, das wegen der väterlichen Zwischenrufe („faaalsch, das ist ein cis, kein c, meine Güte“) immer knapper als geplant ausfiel, gab es die Bescherung: Geschenke aufreißen, bis wir bis zu den Knien in Weihnachtspapier versanken. Mittendrin thronte die Oma und lamentierte, dass früher aber viel mehr gesungen wurde, die schönen alten Lieder.

Als ich klein war, fand ich das prima. Also, vor allem die Geschenke, alles andere war nett, aber Vorspann, den die Erwachsenen unnötig in die Länge zogen. Fondue ist ja super. Aber wieso sooooo lange? Wann gibt’s endlich die Geschenke?? Tonnenweise von allen Großeltern, Onkel, Tanten, Eltern. Wir Kinder überreichten im Gegenzug selbstgebastelte Makrameeteile, schiefe Kerzen, Mini-Kommoden aus Streichholzschachteln u.a., die unsere Mutter ausdauernd mit uns in der Adventszeit gebastelt hatte (die Sachen landeten meist komplett in den Krustelkisten der Verwandtschaft, wie wir irgendwann empört feststellten).

Später wurde das alles komplizierter. Als ich mir selbst Geschenke ausdenken musste für Schwester Bruder Mama Papa Oma Oma Opa Opa *japs* Tanten Onkel FreundInnen undsoweiter. Eine Zeitlang bastelte ich tatsächlich noch viel und verbrachte Stunden in der Dunkelkammer (ne, nix Anrüchiges. Zum analog Fotos abziehen … das gab’s damals noch), bis ich irgendwann zum Kaufen überging. Und das nie rechtzeitig, macht das überhaupt jemand?, sondern immer kurz vor knapp noch in die vollgestopfte Innenstadt, von Laden zu Laden hetzen, ohne wirkliche Inspiration auf der fast verzweifelten Suche nach den letzten Geschenken. Denn irgendwie hatte doch schon jede/r alles und außerdem hatte ich just in der Vorweihnachtszeit null Ideen, was zu beknackten Panikeinkäufen führte. Es ging allen so. Riesenstress. Was für ein Irrsinn.

Bis wir Geschwister irgendwann die Bremse zogen und dem Familienrat mitteilten, dass wir das mit den Geschenken jetzt einfach mal bleiben lassen. Alternativvorschlag: Wichteln. Und das machen wir nun schon seit einigen Jahren: Jede/r zieht ca. 4 Wochen vor Weihnachten aus dem großen Pool (inzwischen ca. 13 Erwachsene) einen Namen und überlegt sich für diese Person genau 1 Geschenk. Nicht teurer als 10 €. Kinder und Ü90 sind ausgenommen, die bekommen ein bisschen mehr. Aber gemäßigt. Die Gefahr, dass sich die ganze Geschenkeflut nun auf die Kids konzentriert, konnten wir mit klaren Absprachen verhindern. Und im Freund/innenkreis gibt’s auch keine Weihnachtsgeschenke mehr, das hat sich über die Jahre eingependelt.

Ufff. Das ist derartig erleichternd! Immer noch bzw. jedes Jahr wieder. Kein „ich muss noch Geschenke kaufen“ mehr, kein Weihnachtskonsumkrampf, kein Hirnzermattern! Ich kann nun die gesamte Vorweihnachtszeit einen großen Bogen um unsere wuselige Innenstadt machen, den schlimmsten Weihnachtsschnickschnack einfach ignorieren & ganz relaxt den Advent genießen. Und den Weihnachtsabend im Übrigen auch. Keine/r muss sich über das hundertzwanzigste Paar Socken, eine handbemalte Glasschüssel, ein Gedichtbüchlein und ähnliches „freuen“, sondern kann sich ganz dem Familienchaos widmen: Die Oma bemängelt immer noch unser fehlendes Gesangsinteresse, die Nichten flöten und wuseln zwischen ihren paar Geschenken rum, die Kleinsten pflücken völlig irre die Kugeln vom Baum (da!), das Essen ist prima, die Familie laut und mit einem Gläschen Wein lässt sich das alles prima aushalten.

* Ist auf Youtube in unserem Lande – natürlich – gesperrt wegen Urheberrechtsgedöns. Die, die’s nicht kennen: ist ein Sketch von Loriot, der den Weihnachtsabend bei Hoppenstedts zeigt. Berge von Geschenke, ein Kind, das keine Weihnachtsgedichte aufsagen will und mittendrin ein meckernder Opa: „früher war aber mehr Lametta“.

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Hui Buh oder: Das geben wir nicht weg …

Da schrieb ich erst kürzlich über zu viel Kram und darüber, dass Aussortieren dringend angesagt wäre und dann das: Die Schwester war schneller. Und das Fatale: Sie lud mich zum „Durchschauen“ ein. Sie hat den Kinderzimmerkram ihrer Töchter um 50 % reduziert und schon im Flur türmten sich Kisten mit Glitzereinhörnern, Barbiezeugs, Spielen. Sie zeigte auf einen beachtlichen Haufen und meinte: „Das könnte für dich interessant sein. Für den Kleinen.“

Nun habe ich ja leider einen Hang zum Hamstern, und es waren auch prima Dinge dabei. Klamotten. Bücher. Kinderstühle. Der Mitnehmberg wuchs also an. Bei der törööö-Elefanten-Kassettensammlung blieb ich allerdings standhaft und die Conny-im-KrankenhausKindergartenSonstwo-Pixies blieben auch liegen. Bei den meisten Sachen konnte ich noch recht locker sagen „nehm ich – nehm ich nicht“.

Aber dann gings plötzlich ans Eingemachte. In dem Berg tauchten Kindheitserinnerungen auf. Meine! Kassetten: die 70er Jahre Songs von Der Spatz und Die Rübe, die habe ich als Kind und später mit der Tochter hoch und runter gehört. Dann Hui Buh, das ungezogene Schlossgespenst, das sich in irgendeiner Folge durch den gruftigen Weinkeller säuft (wenn ich mich recht erinnere). Völlig unpädagogisch und für uns damals der Hit. Das Buch vom Sandmännchen (das es inzwischen wohl nicht mehr gibt?). Das Memory, das wir im Familienurlaub an der Nordsee spielten.  Und last but not least: Ein quietschgelbkariertes Kleid, das ich mit 8 oder so trug. Und einige Jahre später meine Tochter. Da wars mit der Coolheit völlig vorbei: Ne, also das können wir nicht weggeben, ich nehms mal mit.

Erinnerungen
… wird nicht aussortiert. Zunächst.

Und so kam ich vollbepackt zuhause an und türmte den Kram in unseren Flur. Der V. schaute nur schief aus der Wohnzimmertür und meinte irgendwas von: „Ähh, hast du nicht erst kürzlich in deinem Blog geschrieben …“

Wieder Lesen lernen

Natürlich kann ich lesen, ziemlich lange schon, seit der 1. Klasse (vermutlich), als ich mühsam Buchstabe an Buchstabe reihte und diese stockend zu Worten zusammensetzte. Als es etwas fließender ging, wurde ich zur Leseratte und fraß mich durch alles mögliche, was mir unter die Finger kam. Kinderbücher, Jugendbücher, später kamen Romane, Krimis, Sachbücher dazu. Lesen war oft wie ein Rausch, ein Leben in anderen Welten, das Einverleiben eines Themas. Weiterlesen „Wieder Lesen lernen“