Das Kind als Virenschleuder – um wessen Immunsystem geht es eigentlich?

Rund 20 Mutterjahre lang war ich der Überzeugung, dass jede Erkältung, jede Kinderkrankheit das Immunsystem trainiert. Des Kindes, selbstverständlich. Kommen böse Schnupfen-Husten-Masern-Eindringlinge daher, rüstet die körpereigene Armee auf, bläst zum Kampf und zieht gestärkt aus jeder Schlacht hervor. So in etwa erklärte das die Sendung mit der Maus oder irgendein anderer pädagogisch wertvoller Animationsfilm. Kind1 hielt sich tapfer an diese Vorgabe. Es war zwar nicht besonders oft krank, aber wenn, dann blieb es brav im Bett, schwitzte, hustete, schlief, während in seinem Inneren die Antikörperarmee ihr Werk tat. Ich reichte Tee, las vor und (psssst!) genoß tatsächlich auch einfach die Ruhe mit einem schlappen Kind. Endlich kam ich mal zum Lesen, konnte faul im Bett liegen und musste nicht ins Büro. Ich selbst wurde nie krank. Oder sagen wir: fast nie. Mein eigenes Immunsystem hatte ich ja bereits als Kind trainiert, das reichte.

Dann kam Kind2. Und plötzlich funktionierte das alles nicht mehr. Auch das zweite Kind war und ist äußerst selten krank. Aber anstatt die Viren schön für sich zu behalten und mit ihnen zu üben, reicht es sie ungefragt weiter. An mich. Und an den Mann. Während das Kind bereits wieder quietschfidel durch die Gegend hüpft, schlurfen hier zwei malade Gestalten rum. Mit laufender Nase. Oder verstopfter. Mit Brei im Hirn. Gliederschmerzen. Husten. Halsweh. Und nein: Kein Männerschnupfen! So richtig ätzend. (Denken Sie sich hier einen theatralischen Schneuzer!)

Häufig schafft es das Kind sogar, nur als Zwischenwirt zu fungieren und uns die Viren gleich direkt zu überreichen. Und so gibt hier eine Erkältung der nächsten die Klinke, während das Kind sich meist bester Gesundheit erfreut. Ich war noch nie so häufig krank, wie in den letzten paar Jahren. Und das, obwohl mein Immunsystem immer das beste weit und breit und „ich-werde-nie-krank“ mein zweiter Vorname war.

Was läuft hier eigentlich schief, frage ich mich? Und wieso kratzt es mich schon wieder so im Hals? HATTSCHÜÜÜ!

Stillleben
Stillleben
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DIY-Eulen-Content II: Stempel und Stempelkissen

Genau 78 Tage habe ich das Projekt The-Daily-owl – also zur Überwindung meines Kreativitätslochs jeden Tag eine Eule zu zeichnen – durchgezogen. Dann wurde ich des Motivs überdrüssig oder es wurde Sommer, wie auch immer, es versandete jedenfalls. Im Halbdelirium gestern hatte ich nun eine grandiose Idee, wie ich mein Problem lösen könnte. Ich stempel einfach jeden Tag eine!

Und da ich vor lauter Krankheitslangeweile leicht aktionistisch wurde, fing ich gleich an. Etwas improvisiert natürlich, weil ich nicht aus dem Haus konnte und mit dem Vorhandenen zurecht kommen musste. Das Stempelkissen war dann auch noch eingetrocknet, also musste da auch Ersatz her. Ging aber alles. Und wer es nachmachen möchte, bitteschön, so geht’s:

Die Grundutensilien:

Utensilien

Für die Stempel:

  • Schnitzzeug (noch aus meiner Schulzeit tatsächlich. Damals für Linoldruck)
  • Schnitzplatten. Ausprobiert habe ich Linol, das fand ich aber eher ungeeignet, da zu hart und brüchig und das Ergebnis beim Stempeln war eher mau. Von meiner Schwester bekam ich vor einigen Wochen so genannte Softcut-Platten. Die grüne welche war mir viel zu weich, da habe ich nur Motive ausgeschnitten. Aber die weiße! Die weiße war fantastisch. Ich bin entzückt. Es lässt sich recht gut damit schnitzen. Weicher als Linol, aber nicht total nachgiebig. Die Farbe bleibt relativ gut haften. Linol ade, würde ich mal sagen!
  • Korken bzw. für größere Stempel Bauklötze vom Kind (*hüstel*)
  • Doppelseitiges Klebeband

Stempelkissen:

  • Haushaltsschwamm
  • Wasserfarbe

Und los geht’s:

Motiv vorzeichnen, schnitzen und den Stempel mit doppeltem Klebeband auf den Korken / Bauklotz kleben:

Die Stempel
Die Stempel

Dann Wasserfarbe auf den Schwamm auftragen. Nicht zu wässrig, sonst verschwimmt alles. Das Behelfsstempelkissen funktioniert einigermaßen gut. Nicht so fein wie ein „richtiges“ Kissen und die Farbe trocknet schnell ein, aber ok und 1000 mal besser, als die Farbe direkt mit dem Pinsel auf den Stempel zu schmieren.

Jetzt stempeln. Wie man sieht, stempeln die Dinger nicht so richtig gleichmäßig, das liegt daran, dass diese blöden Plastikbauklötze nicht ganz eben sind. Egal. Erster Versuch:

Stempeleulen
Stempeleulen
Stempeleulen mit Mond & Sterne
Stempeleulen mit Mond, Sternen und Zipfelmütze

So sah übrigens mein Schreibtisch aus. Nur mal so.

Mein Schreibtisch
Mein Schreibtisch

Den Sekt trinken die anderen

„Keine Angst, ist nur eine Allergie, ich stecke sie nicht an“, sage ich nach dem Niesanfall, und lüge dabei nur ein kleines bisschen. Wäre doch gelacht, wenn ich die Schulung nicht abhalten könnte, mit dem bisschen Schnupfen. Doch dann geht es kontinuierlich abwärts: Keine Taschentücher mehr, olivgraue Klohandtücher schmiergeln die Nase ab, der Kopf schwillt zu, das Herz klopft laut. Och nö.

Kein ausschweifendes Gelage beim nachmittäglichen Omageburtstag, nur dumpfes Brüten in der Sofaecke, gegenüber die kranke Nichte, mit zunehmend schlechter Laune und fließender Nase. Den Sekt zum 94. Jubiläum trinken die anderen.

Sekt für das Geburtstagskind
Sekt für das Geburtstagskind

Nun liegt hier unter Bergen von zerknüllten Taschentüchern, eingehüllt in Heilpflanzenölschwaden im Bett ein leidend Wesen. Keine Lust zu nichts. Will nicht schlafen, will nicht lesen, will nicht Film schauen, will nicht aufstehen, will nicht nichts. Will nur jammern. So also fühlte sich das kleine Kind in den fünf Tagen, in denen es wie Klebstoff auf meinem Bauch hing – und mir die Viren weiterreichte. Hatschi – und keine Pointe.

Kränkelndes Kind und gekräuselte Nerven

Verklebte Wimpern, verrotzte Nase, glasige Augen, die Lider auf Halbmast – ok, das war wohl nichts mit der Spontanheilung über Nacht. Das Kindchen ist krank, ganz und gar nicht Kita-tauglich, es bleibt heute zu Hause. Und ich mit ihm, die letzten beiden Male hat schließlich der Papi übernommen. Letzterer wird aus dem Haus geschickt, geh‘ in einem Café arbeiten oder sonstwo, unsere Wohnung ist zu klein für ein kränkelndes Kind, eine zart genervte Mami und einen selbstständigen Papa, der in unserem absurd teuren Städtchen noch immer kein externes Büro gefunden hat.

Das arme kleine Kind leidet. Aber anders, als ich es von Nr. 1 kenne. Das blieb einfach einen Tag im Bett, schlief, schwieg und schmorte innerhalb von 24 Stunden die Viren und Bakterien weg. Kind 2 nicht. Das will  nicht schlafen, will nicht liegen, will nicht sitzen, will nicht Buch angucken, will nicht spielen, will nicht kuscheln, will nicht nichts etc. pp. usw. usf. Es hat sich auf einen dauernöligen Ton eingeschossen, so eine Art „aaaaaahhhhhh“, bei dem sich sämtliche meiner Nerven zu einem Klumpen zusammenkräuseln. Nur unterbrochen durch wütende „Neeeeein“s, die im Vergleich dazu fast eine Erholung darstellen.

Als das arme kleine kranke Kind endlich schläft, nach 243 Versuchen und einer Runde mit dem Buggy um den Block (der Kinderwagen hat seit Tagen einen Platten. Könnte den mal bitte jmd. aufpumpen?), bleibt mir nur ein tiefes „uff“.

Ich lerne das Büro doch wieder ganz neu zu schätzen heute. Uff uff uff.

(Frau Frische Brise äußert ähnliches, mit 2 halb-kranken Kinder und einem Frischling zu Hause. Wobei – ob ich das in 20 Jahren vermissen werde? Eher die chaotisch-unkranken Tage wohl.)