Freundinnenbesuch. Früher und heute.

Früher, wenn die Freundin zu Besuch war, saßen wir stundenlang auf dem Sofa, tranken Tee, quatschten die Welt- und Beziehungsgeschichte durch, schlürften Eiskaffee in der Sonne, wanderten durch Berg und Tal, verbrachten die Nächte mit Chips, Wein und Zigaretten. Und am nächsten Tag schliefen wir gemütlich aus und ließen uns in den neuen Tag treiben.

Das mit dem Wein und den Chips haben wir dieses Mal auch wieder versucht. Sündhaft lange, so bis Mitternacht also ungefähr. Sie wissen wahrscheinlich, wie es ist, wenn unausgeschlafenen Müttern frühmorgens drei Kinder auf dem Kopf herumhüpfen? Wenn Sie schlaftrunkend ins Bad torkeln und Ihnen aus dem Spiegel ein zerknittertes Wesen entgegenblickt, das Sie keinesfalls näher kennenlernen möchten? Wenn Sie froh sind, Ihren Morgenkaffee nicht komplett ins Bett zu verschütten, weil die Kinder bereits Turnübungen darauf machen? Wenn Ihnen noch mindestens 12 Stunden Action, Futter organisieren, Nasen putzen, Popos abwischen, Fragen beantworten, Streit schlichten, Genörgel aushalten, Gekreische, Gehopse etc. pp. von überdrehten Bestands- und Besuchskindern bevorstehen, bis Sie sich wieder hinlegen können? Bzw. hinlegen könnten, denn sind die Plagen die lieben Kleinen im Bett, können Sie sich schlecht gleich danebenlegen und den Abend verschnarchen, nein, Sie müssen die raren Ruhestunden nutzen, um all das, was tagsüber im Kindertrubel unterging und von zahllosen MAAAMAAA-Rufen unterbrochen wurde, nun noch zu besprechen. Und schwups ist es schon wieder Mitternacht! Und noch schneller ist es wieder Morgen und kleine Kinder sitzen auf Ihrem Kopf und in Ihrem Badezimmerspiegel wohnt ein Monster … ach, lassen wir das.

In den wenigen Verschnaufpausen denken wir an früher. Was war das gemütlich. Weißt du noch, damals, als wir eiskaffeeschlürfend in der Sonne saßen und stundenlang das Weltgeschehen durchplauderten?

Aber so ist das halt. Früher war ja auch mehr Lametta. Nicht wahr?

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After-„Besuch-von-der Freundin-mit-Familie“-Symbolbild mit Kind2

 

Die Bücher und ich. Wie und was ich lese.

Sommerzeit – Bücherzeit, schreibt Momatka, und erinnert sich an lange Sommer, die nur dem Lesen gewidmet waren. „Ja, das war einmal. Und schön war es … Statt fauler Tage auf dem Balkon zu schmökern, heißt es nun Spielplatz, Schwimmbad, Zoo (oder Arbeiten!!)“. Ich erinnere mich auch noch verschwommen an die Zeiten, in denen ich wochenends oder in den Ferien auf dem Sofa lag und ein Buch nach dem anderen wie im Flow in mich hineinsaugte. Aufstehen nur, wenn der Tee alle war oder die Blase drückte. Ansonsten las ich, was das Zeug hielt. Ja, das ist sehr lange her.

Mit Kind1, ich war 20, waren die ausgiebigen Leseorgien erst einmal vorbei. Lange Zeit maß ich das Zurückgewinnen von Freiräumen daran, wie viel ich wieder am Stück lesen konnte. Ohne dass ich ständig wegen „Rabbäääh, mir is langweilig, ich hab Durst, Maaaamaaaa, AAAAAAUAAAA“ vom Sofa musste. Es dauerte ein paar Jahre, aber die Lesefreiheit kam wieder. Es gab Urlaube, in denen Kind1 und ich stundenlang auf irgendeinem Handtuch am Strand lagen, unter einem Sonnenschirm aus zerfetzten Palmwedeln, und ein Buch nach dem anderen inhalierten. Meistens nahm ich mir ein paar Krimis mit und 1-2 fette Wälzer, die im Alltag keine Chance gegen die herabfallenden Augenlider am Abend hatten.

Es kamen mit den Jahren die Zeiten zurück, in denen ich am Wochenende morgens schlaftrunken in die Küche schlappte, einen Kaffee machte und zurück ins Bett zog, um mein Buch weiterzulesen. Das Kind schlief eh bis in die Puppen und war froh, nicht geweckt zu werden.

Mit Kleinkind2 sind die Lesezeiten nun wieder äußerst limitiert. Abends im Bett schaffe ich oft gerade so 4 Seiten, bis mir das Buch auf die Nase kippt, ich kurz aufschrecke und das Licht lösche. Am nächsten Abend lese ich zwei davon noch einmal in der festen Überzeugung, sie noch nie zuvor gelesen zu haben. Leider führt das dazu, dass ich nur bedingt mitkriege, ob die gelesene Literatur nun eine anspruchsvolle welche ist oder nicht. Ich bin froh, wenn ich der Story folgen kann.

Ich lese meistens das, was mir über den Weg läuft – nach dem Überraschungseiprinzip – und das geht so:

1. Ich finde Bücher in Verschenkkisten auf der Straße. Davon gibt’s bei uns in der Gegend ziemlich viele.

2. Ein kleiner alternativer Buchladen hier im Ort hat draußen immer eine Kiste mit reduzierten Büchern stehen. Da sind meistens Sachen dabei, die nicht besonders mainstreammäßig sind.

3. Ich bekomme Bücher von Freund*innen geschenkt oder geliehen.

4. Ich habe sie seit Urzeiten im Regal stehen.

5. Neu gekauft habe ich mir in letzter Zeit nur Sachbücher. „Darm mit Charme“ von Giulia Enders oder „Selbst denken“ von Harald Welzer, die ich beide sehr empfehlen kann.

Die Bücher suche ich meistens so ähnlich aus, wie ich Wein kaufe: Mir müssen Titel und Umschlag gefallen. Peinlich, aber wahr. Dann lese ich noch die ersten paar Sätze der ersten Seite. Wenn das ok klingt, nehme ich es mit bzw. entscheide mich dafür, es zu lesen. Den Umschlagstext lese ich eigentlich nie. Mich nervt, dass dort oft schon wesentliche Inhalte verraten werden (besonders bei Krimis höchst ätzend) oder irgendwelche Lobhudeleien zu finden sind. Ich lese diese Texte nur ganz am Schluss, wenn ich mit dem Buch fertig bin. Meistens bin ich froh darüber. Auch Buchbesprechungen und Kritiken lese ich immer erst hinterher. Ich lasse mir sehr gerne Bücher empfehlen, allerdings reichen mir das Genre und ein „ich fand es gut geschrieben“ oder „mich hat die Geschichte berührt“. Ich mag keine Details über den Inhalt wissen.

Das Schöne daran ist, dass ich meistens nicht weiß, was auf mich zukommt. Das Buch ist wie eine Überraschung. Es kann der totale Schrott sein. Es kann eine Perle sein. Es kann so lala sein. So habe ich in letzter Zeit z. B. „Die Kippwende“ von Jenifer Levin gelesen. Die Beschreibung der (Frauen)Figuren und die Sprache haben mir sehr gut gefallen. Oder “Die Tochter meines Vaters“ von Mareike Krügel. Das fand ich etwas skurril, ein bisschen faszinierend und ein bisschen „naja“. Oder „Bilder einer Ex“ von Jean-Luc Benoziglio. Ich mochte die etwas verschlungenen Gedankengängen des Protagonisten und die Sprachbilder ebenfalls sehr. Derzeit lese ich vor allem Regalhüter, also Bücher, die schon lange bei mir herumstehen. Zuletzt war das „Der Vorleser“ von Berhard Schlink und aktuell „Der Büßer“ von Isaac B. Singer.

Wenn mir ein Buch so ganz und gar nicht gefällt, quäle ich mich nicht durch. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Wenn ich das Gefühl habe, dass das Buch nicht zu meiner derzeitigen Stimmung passt, an sich aber lesenswert sein könnte, hebe ich es auf, um es später noch einmal zu versuchen. Das kann viele Jahre später sein. So kommt es, dass in meinem Regal sich noch so das eine oder andere ungelesene Buch befindet.

Die Bücher in meinem Regal stehen wild durcheinander. Nichts ist alphabetisch oder thematisch geordnet. Nicht mehr. Sachbücher stehen neben Romanen, gelesene neben ungelesenen.  Es sind überschaubar viele, ich weiß in der Regel, wo welches steht.

Früher hatte ich drei fette Regale vollgestopft mit Büchern. Bücher waren für mich Fetische. Ich habe keine Eselsohren reingemacht, nichts reingeschrieben, man hat kaum bemerkt, wenn ich eines gelesen hatte. Sie standen ordentlich nach Genre und Autorin geordnet im Regal. Ich war damals völlig entsetzt, als mir meine Tante erzählte, sie lasse gelesene Bücher einfach im Zug oder auf der Parkbank liegen und hoffe, es nehme jemand sie mit und lese sie. Das war unvorstellbar für mich. Inzwischen, viele Jahre später, gebe ich auch fast alle gelesenen Bücher weiter. An meine Mutter, eine Freundin, die Schwester oder ich stelle sie wieder auf die Straße. Ich habe rigoros ausgemistet und kistenweise Bücher verschenkt. Auch ungelesene – diese Berge an „must-read-Büchern“, die wie eine ständige Mahnung dumm herumstanden. Weg damit. Ich habe sie nie vermisst. Es gibt nur sehr wenige Bücher, die einen Ehrenplatz im Regal erhalten. „Wenn ich einmal groß bin“ von Jose de Vasconcelos ist eines davon. Weil ich jedes Mal heulen musste, wenn ich es las. Und das Kind1 auch. „Die Grasharfe“ von Truman Capote, weil es so schön ist. „Die Töchter Egalias“, weil ich nostalgisch bin. Die Feuchtwangers, weil ich sie vielleicht noch einmal lesen möchte. Und einige der Fach- und Sachbücher.

Mich hat schon lange kein Buch mehr komplett vom Hocker gerissen bzw. auf dem Sofa festgenagelt. Das liegt vermutlich aber zum Großteil daran, dass ich die Zeit für einen kompletten Bücherflow gerade nicht habe und mich in den wenigen Vorschlafminuten nicht genug auf ein Buch einlassen kann. Das vermisse ich. Ich liebe es, in einem Buch komplett zu versinken. Es zu verschlingen. Und gegen Ende immer langsamer zu lesen, damit ich noch ein bisschen länger was davon habe. Aber die Zeiten kommen auch wieder. Vielleicht liege ich dann irgendwann mit Kind2 & Kind1 auf einem Badetuch am Strand und wir verschlingen gemeinsam unsere Urlaubslektüre.

Bücherregalausschnitt - Gelesenes & Ungelesenes
Bücherregalausschnitt – Gelesenes & Ungelesenes

Und wenn ihr mir potenzielle „Flow“-Bücher empfehlen könnt: gerne!!! Nur nicht zu viel darüber verraten bitte!

Am Rhein ist es tatsächlich schön!

Wir waren fünf Tage am Rhein, wer hätte gedacht, dass ich dort jemals Urlaub machen würde. Ich fand es zwar schon immer toll, mit der Bahn an den vielen Burgen und der Loreley vorbei zu fahren, aber dort tatsächlich ein paar Tage zu bleiben, ist mir nie in den Sinn gekommen. Das hörte sich für mich viel zu sehr nach Torte-Kaffee-Dauerwellen an, vermutlich auch, weil meine Oma so sehr von ihrem „Vater Rhein“ schwärmte.

Eigentlich wollte ich überhaupt nicht wegfahren, ich war ausnahmsweise mal null reiselustig – aber es war wie immer in den Ferien bzw. Feiertagen: Die KiTa hatte zu, alle Spielkamerad*innen von Kind2 waren weg, verplant, bei den Großeltern untergebracht (*neid*). Was tun? Tagelang mit dem quirligen Kleinkind zuhause ein Bespaßungsprogramm überlegen? Das klappt meistens schlecht und führt zu zunehmender Gereiztheit bei allen Beteiligten, zumal auch noch Regen angesagt war. Also packten wir am Ostermontag unseren Campingkram, prüften zum 1542. Mal die Vorhersage und stellten fest, dass nicht etwa in Frankreich, sondern im Rheingau das Wetter super werden sollte. Na gut, fahren wir da halt mal hin, all zu weit ist es von uns aus ja nicht.

Wir landeten, nach zwei Campingplatzbesichtigungen unten am Rhein, schließlich auf einem Ponyhof, einem idyllisch mitten in der Botanik oberhalb von Rüdesheim gelegenen Bauernhof mit vielen Ziegen, Schafen, Ponys, Hasen, Katzen etc. pp., einer großen Apfelbaumwiese, auf der man campen kann, zwei antiquierten Spielplätzen und jeder Menge Platz. Ein Paradies für Kinder, von denen es dort einige gab (auch wenn insgesamt nicht viel los war). Kind2 schloss sich der Kinderhorde an und sauste mit ihr über die Wiese. Es durfte Lagerfeuer machen, Ponys abbürsten, Ziegen füttern, der Katze Milch geben, auf den ausrangierten alten Traktoren herumklettern und abends vor dem Schlafengehen noch allen Tieren „Gute Nacht“ sagen. Fantastisch!

Vom Ponyhof aus kann man mit dem Rad nach Rüdesheim hinunterrollen (zurück heißt es allerdings schieben, es sei denn, man ist superfit) und dort gut im Park rumsitzen, wirklich spannend ist das allerdings nicht. Der Spielplatz stammt zum Großteil noch original aus den 70ern, mit blau-rot-gelben Klettergerüsten samt Fliegenpilzdach – ich hatte einen kleinen Flashback. Irgendwie scheinen die Rüdesheimer*innen ein Faible für diese alten Dinger zu haben, ich habe insgesamt 3 solcher Spielplätze entdeckt, einen davon auf dem Ponyhof, dort sogar mit einem Original Pferdekarussel.

Dafür gibt es in Bingen – mit der Personenfähre 15 Minuten über den Rhein – zwei gigantisch tolle Spielplätze, die alleine schon einen Besuch wert sind: Einer ist einem Rheinkahn nachempfunden, voller Sand, Spielgeräten und Matschecke. Der andere ist ein riesiger Wasserspielplatz mit Holzburg, Kletterwand, Holzkahn und vielen Ecken, um sich zu verstecken. Für groß und klein spannend, wirklich toll gemacht. Leider war das Wasser noch nicht an – ich schätze mal, im Sommer ist es dort der Hit! Beide Spielplätze sind im ehemaligen Landesgartenschaugelände, das sich über fast 3 km am Rhein entlangstreckt. Dort gibt es Cafés, Blumen, eine Skaterbahn, Ausstellungen … und das Ganze ist fahrrad- und autofrei und somit mit kleinen Kindern sehr sehr entspannt. Zumal es sogar Stühle und Liegen gibt, auf denen man herumfläzen kann.

Wir haben es im Park stundenlang ausgehalten. Kind2 war begeistert und buddelte vor sich hin. Ab und zu haben wir nachgeschaut, ob es noch da ist, und ansonsten unseren Kaffee geschlürft oder in den Himmel geschaut.

Die Kombination Ponyhof + Spielplätze in Bingen war wirklich toll, absolut empfehlenswert mit Kindern. Zudem kann man noch viele andere spannende Sachen in der Gegend machen, z. B. auf dem Rhein rumschippern, Seilbahn fahren, Burgen besichtigen. „Oh wie ist es am Rhein so schön“, trällerte meine Oma gerne vor sich hin. Ja, ich muss zugeben: da hatte sie sehr recht!

Spielplatz in Rüdesheim. Das ist doch 70er Jahre, oder?
Spielplatz in Rüdesheim. Das ist doch 70er Jahre, oder?
Auf dem Weg zur Fähre in Rüdesheim
Auf dem Weg zur Fähre in Rüdesheim
Sand- und Matschspielplatz in Form eines Rheinkahns
Sand- und Matschspielplatz in Form eines Rheinkahns
Der Wasserspielplatz - leider noch ohne Wasser
Der Wasserspielplatz – leider noch ohne Wasser
Ziege auf dem Ponyhof
Ziege auf dem Ponyhof
Pferdekarussel aus den frühen 70ern. Funktioniert noch!
Pferdekarussel aus den frühen 70ern. Funktioniert noch!

Gomera – hippieesk und kinderfreundlich

Mit der Fähre geht es von Teneriffa rüber auf die Nachbarinsel, wir hängen die Köpfe in den Wind und halten Ausschau nach La Gomera, die langsam im Dunst zum Vorschein kommt. Die Busfahrt ans andere Ende der Insel führt uns vorbei an Palmen und Nebelwald, viel Grün, es geht in Serpentinen hoch und wieder runter, fast zwei Stunden lang, am Ende sind unsere Elternnerven etwas strapaziert.

Valle Gran Rey. Das Tal öffnet sich weit zum Meer, die Häuser ziehen sich die Hänge hoch, Steilwand, Bananenplantagen, eine staubige Straße verbindet die beiden Ortsteile am Meer, wir wohnen am Playa, kleine Cafés, Straßenmusikanten, Hippieläden. Und man spricht deutsch.

Überall. Im minikleinen Supermarkt, in den ich mit Kind2 nur ungern gehe, da es in seinem Eifer die aufgetürmten Waren zum Einsturz bringt, radebreche ich auf Spanisch am Käsestand und höre die nächste Kundin „ein Stück von dem Käse da bitte und ein Baguette“ sagen. Die Bäckerei wird von Deutschen betrieben, die Hippieläden auch, in den Cafes und Restaurants wird auf deutsch bestellt. Überall Auswander*innen, die sich für den ewigen Frühling entschieden haben oder zumindest den Winter über hier verbringen. Sie bieten Yoga an, Massagen, allerlei Esoterikkram, aber auch Wanderungen und Bootstouren. Irgendwie muss man halt Kohle verdienen, und das ist auf der Insel ganz schön schwer, wie wir öfters hören. Viele deutsche Touristen, viele Kinder, vor allem kleine, das ist super. Wir fallen nirgends auf, alle sind laut, selbst ins Restaurant kann man hier gemeinsam gehen.

Zum Sonnenuntergang trifft man sich bei Dosenbier am Playa, Trommelcombo zur Feuershow, ein paar Euro ins Säckchen, und verbringt den Abend auf der Plaza, wo Künstler*innen und der Seifenblasenmann ihr Bestes geben. Die Kinder sausen in Horden über den Platz, es sind unglaublich viele, ein Gebrüll aus deutschspanischenglisch, die meisten dreckig, fröhlich, frech. Allen voran die Kids, die hier leben, sie sind wild, selbstbewusst und fit. Ein Mädel klettert den Fahnenmast hoch, 5 Meter mit bloßen Füßen, sie ist vielleicht 6 und beeindruckt die Älteren gewaltig. Kind2 findet das Treiben grandios, es lauscht den Trommeln, stellt sich direkt neben die Combo, „mehr, mehr“ und saust mit dem Ferienkind auf dem Laufrad um Karree, derweil wir plaudernd unser Bierchen schlürfen.

Wir lernen viele nette Leute kennen, man sieht sich ja jeden Abend, „und, was habt ihr heute so gemacht“, hören Tratsch und Klatsch, denn an diesem mangelt es hier nicht. Ständig hat jemand neue Geschichten auf Lager, „die Feueruntergangscrew, ha! Das sind ja keine Hippies mehr, die haben nur die Euros in den Augen“, es ist ein Dorf, nicht jede*r ist sich grün. Überhaupt die Hippies, die wohnten früher mal in den Höhlen hinterm Steilhang, where are all the hippies gone, aber alternativ ist es nach wie vor, kein Urlaubsort für aufgebrezelte Flanierfans. Dass wir gleich Leute aus unserem Städtchen treffen, passt dann auch wie Arsch auf Eimer.

Wir sind nun vier Erwachsene, zwei Kleinkinder und ein Baby, und ziehen als Karawane durchs Tal. Um alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, muss dieser manchmal ganz schön groß sein. Es dauert ein Weilchen, bis wir uns zusammentakten, wer steht wann auf, wer muss wann schlafen, wer muss wann essen, aber dann funktioniert unsere kleine Crew ganz gut. Für die Kinder ist es super, die spielen, sandeln, streiten, fahren Boot auf großen Steinen und beschmieren sich von oben bis unten mit Sand. Unseres zumindest.

Nach ein paar Tagen überfällt mich eine dunkle schlechte Laune. Mir geht alles gewaltig auf die Nerven. Die Enge des Tales, die steilen Felswände, die uns hier festhalten. Die Aussicht, an diesem trägen, langweiligen Ort noch 2 Wochen zu verbringen – jeden Tag dasselbe, mit winzigen Variationen, heute an diesen Strand, morgen zum Babybeach, übermorgen zum Playa del Ingles, rumliegen, den Kindern beim Spielen, Streiten, Sandeln zuschauen, gähn. Die Leute nerven mich, alle, vor allem die ganz Coolen. Und ich mich selbst am allermeisten.

Ich bekomme ein bisschen frei, mache bei einer geführten Tour durch den Nebelwald mit, wo ein Geologe Spannendes über die Botanik erzählt. Ich steige die 700 m am Steilhang hinauf und lege mich oben auf der Hochebene ins Gras, lasse die Bienen summen und finde mich und die Welt schon etwas erträglicher.

Danach genieße ich restlichen Urlaubstage, lasse mich und alles treiben, heute dieser Strand, morgen jeder. Ein Ausflug zu Hafen. Sandeln, Streiten, Spielen. Kaffee und Bananen-Schoko-Crepes vom großen Blonden am Playa del Ingles, ein Gomeron nach dem Essen. Abends das Trommeln und die Feuershow. „Und, was habt ihr heute so gemacht?“.

Nach fast drei Wochen verlassen wir Gomera, Serpentinen wieder hoch und runter und auf der Fähre das Gesicht im Wind. Auf Teneriffa treffen wir noch einen Freund und schaffen es sogar, mit der Seilbahn auf den verschneiten Teide zu fahren, fast ganz hoch auf 3.400 m.

Schön war er insgesamt, unser Frühling auf den Kanaren. Auch wenn ich noch nie so strukturiert und durchgeplant gereist bin. Die Variante, einfach loszuziehen und zu schauen, wo es uns gefällt, mag ich nach wie vor doch lieber. Heute hier, morgen dort. Ich hoffe, wir können so eine Reise einmal mit einer weiteren Familie machen. Denn: Ein Zweitkind zum Spielen ist schon viel wert und auch wir Großen freuen uns über Gesellschaft.

Teil I: Frühling auf Teneriffa mit Kind & Co.

Auf geht's nach Gomera
Da vorne ist Gomera
Wanderung mit den Kindern
Wanderung mit den Kindern
Valle Gran Rey
Valle Gran Rey
Seifenblasenmann
Seifenblasenmann
der verschneite Teide
der verschneite Teide
Das Steinboot der Kinder
Das Steinboot der Kinder
Tschüß Gomera
Tschüß Gomera

 

Eine kleine Reise in Frankreich

Ca. 1600 km, viel Käse und Wein, 8 Knollen Knoblauch, 7 Campingplätze, 14 Tage & Nächte in Frankreich. Ach, es war schön!

Wir tuckern Richtung Süden mit vielen Stationen, fahren am Rande des Juragebirges entlang, durchqueren idyllische, einsame Landstriche und bleiben schließlich ein paar Tage an der Ardèche. Die Käsetheken lassen unsere Herzen höher schlagen, das Kind2 kann endlich gefahrlos mit dem Laufrad umherflitzen und dank der immer noch ausgeprägten Papa-Phase schaffe ich es tatsächlich, die beiden Bücher zu lesen, die ich optimistischerweise mitgenommen habe. Wir lassen es langsam angehen. Schneckentage im schönen Frankreich.

Schneckentage
Schneckentage

Bereits an Tag 1 frage ich mich, wie wir den Bus jemals wieder in seinen sauberen Urzustand versetzen sollen. Und nach der ersten Nacht stelle ich fest, dass alle Zeltnachbar/innen ihren Platz am Abend hübsch aufgeräumt und ihren Tisch geputzt haben. Alle – bis auf … naja. Bei uns herrscht das Chaos, aber warum sollte das im Urlaub anders sein als zuhause. Mir scheint, Campen ist etwas für sehr strukturierte Leute. Für Leute, bei denen jedes Ding einen festen Platz hat, die immer wissen, wo die Zahnpasta ist. Oder die Sonnencreme. Die den Sand und Staub von ihren Decken schütteln, bevor sie diese ins Zelt schmeißen ordentlich gefaltet an den dafür vorgesehenen Ort legen. Wir dagegen sind ständig am Suchen. Diese blöde Taschenlampe, wo ist die denn schon wieder? Unglaublich, an wie viel Orten sie sein könnte, es aber nicht ist, bis sie irgendwann in einer Kiste wieder auftaucht.

Wenn ich das Meer seh, brauch ich kein See mehr
Morgendliche Ruhe vor dem Anturm am Meer

Zur Halbzeit landen wir am Meer bei Sète. Ein gruseliger Campingplatz, voll, heiß, staubig. Kein Fitzelchen Schatten. Am Abend fallen die Mücken über uns her. Einmal in den Wellen treiben, eine Nacht überstehen, dann ist es genug, und da wir keine Lust haben, am Meer entlang die Campingplätze abzuklappern und die Spreu vom Weizen zu trennen, fahren wir wieder ins Inland und folgen den Schildern zu einem „Camping Naturist“.

Ein Natur-Campingplatz, genau das, was wir nach dem Partygetöse am Meer jetzt brauchen, wunderschön gelegen, an einer Quelle und einem See, unter hohen Bäumen mit einem lauen Lüftchen umweht. Nur – dass Naturist nicht „Natur“ bedeutet, wie wir mit unseren allenfalls rudimentären Französisch-Kenntnissen annehmen.

Es ist wenig los und darum braucht es ein Weilchen, bis mir dämmert, wo wir gelandet sind. FKK also. Witzig witzig, haben wir das auch gelernt. Wir überlegen kurz hin und her und beschließen dann doch zu bleiben, zumal das Kind nicht mehr Auto fahren mag. Es ist ein erstaunlich entspannter Platz und wir können dank Handy-Babysitter-App und netter Nachbarn im kleinen Restaurant essen gehen. Ganz hervorragend sogar. Alleine wären wir vielleicht auch länger geblieben. Da es aber keine anderen Kinder gibt, fahren wir nach einer Nacht wieder ab.

Bei Anduze finden wir einen sehr schönen  Wanderweg über Stock und Stein, vorbei an süßen wilden Himbeeren, auf einen Berg und um diesen herum. Und eine Eisdiele mit grandios großen Eisbechern. Die Tage vergehen mit Spielplatz, Planschen, Essen, Knofi-Fahne pflegen, Rumgammeln.

Bei Anduze
Bei Anduze

Auf dem Rückweg machen wir noch einmal in der Nähe von Bourg-en-Braisse Station an einem lauschigen See. Hier gibt es den mit Abstand tollsten Spielplatz mit spannenden Sand- und Schaukelgeräten. Eine ganze ferienbetreute Kinderschar ist unterwegs, ordentlich in rosa-hellblau ausstaffiert. Das rote Käppchen hält die Gruppe beisammen.

Rosa und hellblau sortierte Kinderschar mit roten Mützen
Knirpse in rosa und hellblau. Und ein bisschen orange und rot.

Nach zwei Wochen werfen wir ein letzten Mal den Gaskocher an für den Morgenkaffee, ein letztes Croissant, noch einmal in den Supermarkt, dann geht es zurück. Bus schrubben, Klamotten sortieren und das Gefühl haben, dass wir lange lange weg waren.

Mein erster Frankreich-Urlaub. Toll war’s – hoffentlich bald wieder!

Bei Bourg-en-Braisse. Rückfahrt
Bei Bourg-en-Braisse. Letzter Tag.

Ich bin dann mal weg – wo auch immer

Urlaubsplanung im Hause cloudette & co.:

8 Wochen vorher:

„Wo fahren wir denn hin?“

„Hmmm, mal schaun. Kommt auf’s Wetter an. Wir könnten ne Fahrradtour mit dem Anhänger machen. An der Donau oder so. Oder wir leihen uns den Bus. Ist ja noch ein bisschen Zeit.“

4 Wochen vorher:

„Fahrradfahren könnte anstrengend werden mit Kind2. Da kommen wir nicht wirklich voran.“ (Subtext: Wir sind zu faul)

„In der Tat. Vielleicht doch lieber den Bus ausleihen?“

„Ok, ich frag‘ mal.“

2 Wochen vorher:

„Bus geht klar. Und jetzt?“

„Mhhh. Lass uns mal schauen. Ist ja noch ein bisschen hin.“

1 Woche vorher:

„Die Kollegin empfiehlt Slowenien. Südfrankreich soll auch schön sein. Bretagne? Oder Kroatien?“

„Hmm. Wir können ja mal recherchieren.“

3 Tage vorher:

*surfenbiszumAbwinkenohneErgebnis*

1 Tag vorher:

„Wir könnten ja auch einfach losfahren und dann schauen, wo es schön ist.“

„ok“

Äh, ja. Wir spielen dieses Spiel mit wechselnden Rollen. Immer wieder – so ähnlich. Mit 354 Tipps im Kopf, ohne Plan. Klar ist immerhin: Campen. Mit dem geliehenen Bus. Wahrscheinlich Frankreich. Wein Käse Croissant – das sind überzeugende Argumente!

Ich bin dann also mal weg. Bis bald!

Auf in den Süden
Auf in den Süden?

National-Park-Hopping. Von einer Schönheit zur nächsten

Als wir im Februar aus der tropischen Hitze Mittelamerikas in Kalifornien ankamen, atmete ich erst einmal tief durch. Kühle Luft, fantastisch! Endlich wieder bewegen, ohne dass der Schweiß überall herunterläuft und die Sonne die Glieder schwer werden lässt.

L.A. – groß. Viele Palmen. Riesige Supermärkte. Nach unserem Leben auf dem Lande in Panama mit überwiegend Linsen, Reis, Bananen und Bier, waren wir etwas geplättet von dem Megaangebot. 113 verschiedene Sorten Cornflakes, hochglanzpoliertes Obst, gigantische Einkaufswagen. Wehe, man vergisst etwas und muss zurücklaufen: bei den Dimensionen artet das in Sport aus. Das Überangebot schlug sich ziemlich schnell nieder: Trotz „guilt-free Snacking“ & etlichen Wanderungen nahmen wir alle miteinander deutlich zu.

guilt-free Snacking. Na dann! | Wir sind immer ein Carpool | Einkaufserlebnis

Nach einer kurzen Runde durch Hollywood rüsteten wir uns für die Weiterreise. Mietwagen, Gaskocher, Jahreskarte für die National Parks, Espressomaschine und ein warmer Pullover, damit hatten wir die wichtigsten Dinge beisammen. Wir fuhren zunächst die legendäre 1 gen Norden, machten ein paar Tage Halt in Monterey und besuchten das bezaubernde Pinnacles National Monument. Bei San Francisco versuchte ich das erste und einzige Mal, mit Öffis und zu Fuß einen Park zu erreichen. Nach 4 Stunden trennte mich nur noch ein 6-spuriger Highway vom Spielplatz – und ich gab auf. Ok. Autokultur, ich habs kapiert. Ab da nur noch mit dem Wagen. Der kleine F. musste sich wohl oder übel daran gewöhnen. Und als „Carpool“ – einem mit mind. 2 Personen besetzten Wagen – hatten wir meistens Vorfahrt auf der Überholspur.

Außer in den National Parks. Da ließen wir die Karre auf irgendeinem Parkplatz stehen und gingen zu Fuß. Stundenlang. Zunächst ein paar kleinere Runden durch den Sequoia NPark und den Angeles NForest, allerdings waren hier viele Straßen noch gesperrt, es lag Schnee & war etwas zu kalt für unsere spärliche Garderobe.  Als dann auch noch ein fetter Sturm angekündigt wurde, fuhren wir ein paar Kilometer weiter, in die Wüste. Und von dort Richtung Osten nach Arizona. Auch in die Wüste. Wir wanderten zwischen meterhohen Kakteen im Tonto National Forest umher, durchstreiften bei Prescott die Wälder und warfen einen Blick in den Grand Canyon. Bilder hatte ich davon schon gesehen, aber auf dieses gigantomanische Naturmonument war ich nicht vorbereitet. Mir lief es kalt den Rücken herunter: gespaltene Erde, bis zu 1800 m geht’s in die Tiefe, skurille Felsformationen, wohin man schaut. Da will ich runter. Irgendwann einmal, wenn Kind 2 größer ist oder mich Kind 1 begleitet. Mit dem V. Oder alleine.

Von der Wüste in den Schnee: Tonto NF – Red Rocks, Pixie NF – Capitol Reef – Rocky Mountains

Immer an den Canyons entlang ging es weiter nach New Mexico, Colorado und Utah, durch grandiose Landschaften, vorbei an bizarren Felsformationen und faszinierenden Farbspielen. Wir hüpften von einem Park zum nächsten und waren immer wieder überwältigt von den Naturschönheiten: National Bridges, Staircase Escalante, Red Rocks Pixie … einer meiner liebsten war: Capitol Reef, wo diese unglaublich schiefen Megafelsen wie gigantische Schiffe gen Himmel brechen.

Wir waren fast jeden Tag draußen in der Natur. Der Kleine kam in die Trage auf den Rücken, und so stromerten wir stundenlang durch die Landschaft. Der Sohn war inzwischen alt genug, die (vielen) Pausen mit Erkundungen zu verbringen: Er fraß sich durch Wüstensand (natürlich), stocherte mit Ästen im Waldboden, hatte zum ersten Mal Schnee in den Händen und ließ sich wie wir auf den Berggipfeln den Wind um die Nase blasen.

Blick aus der Trage | Gipfelbier | Wie wahr!

Meist blieben wir nur ein paar Tage und Nächte an einem Ort, in einem günstigen Motel. Oder wir besuchten Freund/innen und Verwandte. Einmal auch eine flüchtige Twitterbekanntschaft und eine Familie, die wir ein paar Wochen vorher in Panama kennengelernt hatten. Ich habe selten so großzügige & nette Gastfreundschaft erlebt.

Witzigerweise hängen in vielen Motels die gleichen Bilder über den Betten. Vielleicht der Harmonie wegen?

In den USA lässt es sich super mit kleinem Kind reisen, finde ich: Wir hatten nie Probleme, eine Unterkunft zu finden, nie Beschwerden, das Baby sei zu laut (im Unterschied zu Las Palmas /ES, wo die Nachbarn nachts an die Wand hämmerten). Die Spielplatzbegegnungen waren überwiegend nett, die Leute überhaupt sehr freundlich, in Restaurants waren immer Hochstühle vorhanden und das Beste: an (fast) jedem Spielplatz gibt es Toiletten & Grillstellen. Ein echtes Feature!

Alltagsimpressionen: Kochen auf dem Spielplatz & im Kofferraum. Fütterung vor’m Motel

Wir hatten eine tolle Reisezeit erwischt von Ende Februar bis Anfang Mai: Die Wintersaison war vorbei, die Sommersaison hatte noch nicht begonnen. Es war also nicht viel los, die Motels waren fast überall günstig und kaum belegt. Und klimatisch war es super. Ein schöner Abschluss unserer Elternzeitreise.

Nach ca. 6000 Meilen Autofahrten, wenigen Städten, vielen National Parks, wunderschönen Wanderungen, unglaublich beeindruckenden Erlebnissen, netten Begegnungen, kehrten wir wieder nach Deutschland zurück. Nun begann der „heimatliche“ Alltag mit kleinem Kind, an den wir uns erst gewöhnen mussten. Und wie das mit tollen Momenten so ist: Auch sie geraten in Vergessenheit, verblassen langsam vor dem Gewohnten oder Neu-Erlebten. Wir haben Fotos, die uns beim Erinnern helfen. Wir erzählen uns gegenseitig Geschichten. Und ich schreibe darum auch ein bisschen davon auf. Zum Teilen & Bewahren.

P.S. 1: Bei blog.zwzora habe ich ein kleines Video gefunden, bei dem ich sofort Sehnsucht bekomme: aus dem Auto heraus gefilmt ein kleiner Einblick in die fantastische Canyonwelt. An vielen Stellen waren wir auch.

P.S. 2: Im Waldo Canyon (Colorado) wütete im Juni 2012 ein Feuer und zerstörte große Teile davon. Tausende Menschen wurden obdachlos. Wir waren dort noch Ende April unterwegs. Traurig.

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Elternzeitreise Post 1: Wandern mit Baby: Die Hohe Tatra, Slowakei
Elternzeitreise Post 2: Kleiner Alltag in der Ferne