Valencia, liebe Valencia mein. Eine Städtereise mit Kind

In der letzten Urlaubswoche – nach Krankheit und häuslichem Aktionismus – werfen wir unsere Sachen in den kleinen Reisekoffer und fliegen nach Valencia. Wenigstens noch ein bisschen Urlaubsfeeling & Sonne tanken, das ist die Idee. Es ist die erste Städtefahrt mit Kind2. Bislang haben wir große Städte als Urlaubsziel eher vermieden, denn die üblichen Highlights wie Museen besichtigen & Kirchen besuchen, in Cafés rumhängen und Party machen sind mit kleinem Kind nicht drin.

Wir mieten eine kleine Ferienwohnung mitten in El Cabanyal, einem alten Fischerviertel direkt am Meer. Die Stadtverwaltung plant seit Jahren, eine Schneise in das Viertel zu schlagen, um einen prachtvollen Boulevard bis zum Meer zu ziehen (hier ein Video). Proteste aus der Bevölkerung und vermutlich die Finanzkrise haben dem bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Viertel scheint mitten in der Gentrifizierung stecken geblieben zu sein: Einige Häuser sind bereits abgerissen, andere sind hübsch saniert, andere rotten vor sich hin. Es ist eng, bunt, windschief. Hier kann er sich die Mieten noch leisten, erzählt uns ein Anwohner in einer Bar. Wir streifen stundenlang durch das Viertel, durch dessen enge Gassen kaum Autos fahren. Vielleicht weil noch keine Saison ist, vielleicht weil viele Sträßchen wegen des valencianischen Frühlingsfestes Fallas komplett gesperrt sind, vielleicht geht es hier aber einfach immer ein bisschen ruhiger zu.

Valencia ist die erste spanische Stadt, die ich besuche, in der ich den Verkehr einigermaßen erträglich finde. Der Nahverkehr ist super ausgebaut, mit Bus und Metro kommt man schnell herum. Es gibt ein öffentliches Fahrradleihsystem und viele Fahrradwege. Mitten durch die Stadt zieht sich ein kilometerlanger Park, der im ehemaligen Flussbett des Turia angelegt wurde. Es gibt Cafés, Spielplätze, Sportplätze, Skateranlagen, Wasserspiele und futuristische Gebäude in der Ciudad de las artes y las ciencias. Sehr beeindruckend. Hier kann man sich stundenlang aufhalten.

Am Wochenende feiern die Anwohner*innen die Fallas, das große Frühlingsfest, auf der Straße. Das ist so eine Mischung aus Karneval und Silvester. Bunte Kostüme und unglaublich viel Knallerei. Im Viertel bauen sie Festzelte auf, kochen Paella auf der Straße, während die Kinder im Akkord Böller zünden. Ab fünf Jahren aufwärts haben sie alle kleine Holzkästen zum Umhängen, in denen sich die Kracher stapeln. Kein Schritt kann man tun, ohne dass es neben einer knallt und raucht. Ich finde das furchtbar und bin damit beschäftigt, mein Herz zu beruhigen, während Kind2 sich vor Faszination und Freude fast nicht mehr einkriegt und mit Knallerbsen um sich wirft.

Unter der Woche dagegen ist kaum etwas los. Wir sind off-Saison unterwegs, der Strand ist fast leer, die meisten Bars haben noch geschlossen, der Bootsverleih hat zu. Statt Museen zu besichtigen, von denen es so einige gibt in Valencia, schauen wir Menschen beim Arbeiten zu: dem Baggerfahrer, der am Strand meterhohe Berge aus Strandgut, Schlick und Algen zusammenschiebt. Den Arbeitern am Strand, die die Promenade für den Sommerbetrieb vorbereiten. Den Sandburgbauer*innen, die ihre Burgen am Strand bewachen. Der Müllabfuhr, den Öllieferanten, der Feuerwehr. Wir sind stundenlang auf einem sehr tollen Spielplatz am Hafen und beobachten, wie das Riesenrad zusammengebaut wird, mit dem wir dann tatsächlich am vorletzten Tag auch fahren können. Und das alles ohne Internet, ohne Twitter, ohne Ablenkung. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ebenfalls zuzuschauen oder meinen Gedanken nachzuhängen. Oder einfach einmal gar nichts zu denken.

Am Sonntag fahren wir in die Innenstadt zum Plaza del Ayuntamiento, auf dem während der Fallas täglich ein Feuerwerk, die Mascetà, stattfindet. Zehntausende strömen auf den Platz. Jeden Tag, drei Wochen lang. Eine Stunde vorher soll man da sein, sagt uns eine Bedienung im Café, ein Bierchen trinken und warten. Das machen wir, nur ohne Bier. Wir sitzen mitten in der Menschenmenge, kauen Sonnenblumenkerne und sind gespannt auf das Spektakel. Das startet pünktlich um 14 Uhr und besteht aus einer gigantischen Knallerei, unglaublichem Lärm und viel Rauch. Meine Ohren dröhnen, um uns herum tobt die Menge und nach 5 Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Ein bisschen spinnen sie schon, die Valencianer.

Nach einer Woche reisen wir wieder ab. Es reicht nun auch, das Kind braucht dringend wieder andere Kinder zum Spielen und wir Großen eine Atempause vom Bespaßungsprogramm, auch wenn es Spaß gemacht hat, die Stadt im Kindertempo zu erkunden. Ich trällere ein letztes Mal „Valencia, liebe Valencia mein“ vor mich hin und bin sehr zufrieden mit der Reise.

Fischerviertel El Cabanya
Fischerviertel El Cabanyal
Bunte Häuschen und viel Leerstand
Bunte Häuschen und viel Leerstand
Protest der Anwohnenden: Erneuerung ohne Zerstörung!
Protest der Anwohnenden: Erneuerung ohne Zerstörung!
"Dieses Haus hat einen Besitzer"
„Dieses Haus hat eine*n Besitzer*in“
Der kilometerlange Sandstrand mit Blick zum Hafen  und Riesenrad
Der kilometerlange Sandstrand mit Blick zum Hafen und Riesenrad
Lieblingsbeschäftigung: Leuten beim Arbeiten zusehen
Lieblingsbeschäftigung: Leuten beim Arbeiten zusehen
Mascletá - viel Lärm und Rauch
Mascletá – viel Lärm und Rauch
Ciudad de las Artes y de las Ciencias
Ciudad de las Artes y de las Ciencias

Wo soll dieser Urlaub noch hinführen?

Urlaub. Ursprünglich wollten wir 3 Wochen wegfahren in die Wärme, doch dann erwischte mich irgendein bescheuertes Virus und ich lag die erste Urlaubswoche komplett flach. Zu schlapp zu allem. Also ab ins Bett und leiden und lesen und lesen und leiden und schlafen und lesen und ab und zu unter Aufbietung aller Kräfte Richtung Küche Bad wanken. Der Mann kümmerte sich aufopferungsvoll um Haushalt und Kind, das wegen Fasnet keine KiTa hatte, die ganze lange Woche durch.

Woche zwei begann mit einer kaputten Kaffeemaschine, Dauerregen und Renovierungsarbeiten bei den Nachbarn. Es sägte und hämmerte den lieben langen Tag. Aber immerhin war wieder KiTa. Da ich während meines Dahinsiechens bereits stundenlang gelesen, geschlafen, rumgelegen hatte, machten sich Hummeln in meinem Arsch breit. Nichts mehr mit faulenzen, jetzt erledigte ich wichtige Dinge, wie zum Beispiel uralte Gutscheine einlösen:

Grummelnd bezahlte ich die 3 in grünes Kraut gewickelte Blumen und versuchte nicht auszurechnen, wie oft ich dafür hätte Kaffee trinken, ins Kino gehen oder auf die Insel fliegen können. Bis zum richtigen Blumenladen habe ich es allerdings nicht mehr geschafft. Vielleicht in 9 Jahren dann.

Dafür habe ich gebacken. Simit, Brötchen, noch mehr Brötchen, Käsekuchen, der Backofen lief nonstopp – bis die Familie masthühnchengleich lethargisch in der Ecke hing und nicht mehr *papp* sagen konnte. Ich war beim Friseur, googelte Kinderbücher, wechselte den Kinderarzt, kaufte Stoff mit Robotermuster, las doch noch ein Buch, säte Chili, Tomaten, Gurken, machte keinen Sport, trank Kaffee in Cafés, kaufte ein Kleid und so weiter und so fort.

Verzweifelte Appelle a la „kannst du nicht mal chillen? Du hast doch Urlaub!1!11!!!!“ ignorierte ich souverän und holte Kleister, Pinsel und Lack aus dem Keller. Um neben all dem Vergnügen wenigstens noch einen Punkt auf meiner to-do-Liste abzuhaken. Einen recht unbedeutenden zwar, aber mit irgendetwas muss eine ja mal anfangen. Also nahm ich mir dieses Holzschubladenteil von Kind2 vor – ihr kennt diese Dinger, die gab es mal in jedem Möbelhaus (oder gibt sie vielleicht auch noch). Das wollte ich schon lange einmal aufmöbeln. Die Schubladen habe ich mit altem Geschenkpapier beklebt, das Gehäuse rot angemalt und die Griffe sind aus … naaaa? Erkennt ihr, oder?

Die Kinder nahmen derweil die Wohnung auseinander. Sie entdeckten die Wasserfarben, malten sich und die Puppen an und den Kinderzimmerteppich an. Nachdem sie alles in Schutt und Asche gelegt hatten, feierten sie mit ihren Puppen Geburtstag (ich musste Kronen basteln) und aßen mit ihnen Kuchen, wie sich das gehört. Zufällig hatte ich gerade Brownies gebacken.

In Woche drei werde ich wohl die Gartenhütte renovieren, mir eine komplett neue Garderobe nähen, die Küchenbank restaurieren, meine Klamotten ordentlich zusammenfalten und in den Kleiderschrank legen, den Keller aufräumen, meine Steuerklärung machen, alle Bücher nach Farben sortieren, eine dreistöckige Torte backen und Sport treiben.

Vielleicht lege ich mich aber auch einfach an den Strand und trinke Cocktails. Wir werden sehen.

Brownies. Noch ziemlich vollständig.
Brownies. Ist es sehr fies, wenn ich euch verrate, dass sie extrem lecker schmecken?
Schubladenteil im Raupe-Nimmersatt-Design.
Schubladenteil im Raupe-Nimmersatt-Design. Hübsch, oder? Und aus was sind nun die Griffe? (*hicks*)
Stellen Sie sich das jetzt mal 10 vor = Kinderchaos
Stellen Sie sich das jetzt mal 10 vor = Kinderchaos
Angemalte Kinder und Puppen beim Puppengeburtstag
Angemalte Kinder und Puppen beim Puppengeburtstag

 

 

Freundinnenbesuch. Früher und heute.

Früher, wenn die Freundin zu Besuch war, saßen wir stundenlang auf dem Sofa, tranken Tee, quatschten die Welt- und Beziehungsgeschichte durch, schlürften Eiskaffee in der Sonne, wanderten durch Berg und Tal, verbrachten die Nächte mit Chips, Wein und Zigaretten. Und am nächsten Tag schliefen wir gemütlich aus und ließen uns in den neuen Tag treiben.

Das mit dem Wein und den Chips haben wir dieses Mal auch wieder versucht. Sündhaft lange, so bis Mitternacht also ungefähr. Sie wissen wahrscheinlich, wie es ist, wenn unausgeschlafenen Müttern frühmorgens drei Kinder auf dem Kopf herumhüpfen? Wenn Sie schlaftrunkend ins Bad torkeln und Ihnen aus dem Spiegel ein zerknittertes Wesen entgegenblickt, das Sie keinesfalls näher kennenlernen möchten? Wenn Sie froh sind, Ihren Morgenkaffee nicht komplett ins Bett zu verschütten, weil die Kinder bereits Turnübungen darauf machen? Wenn Ihnen noch mindestens 12 Stunden Action, Futter organisieren, Nasen putzen, Popos abwischen, Fragen beantworten, Streit schlichten, Genörgel aushalten, Gekreische, Gehopse etc. pp. von überdrehten Bestands- und Besuchskindern bevorstehen, bis Sie sich wieder hinlegen können? Bzw. hinlegen könnten, denn sind die Plagen die lieben Kleinen im Bett, können Sie sich schlecht gleich danebenlegen und den Abend verschnarchen, nein, Sie müssen die raren Ruhestunden nutzen, um all das, was tagsüber im Kindertrubel unterging und von zahllosen MAAAMAAA-Rufen unterbrochen wurde, nun noch zu besprechen. Und schwups ist es schon wieder Mitternacht! Und noch schneller ist es wieder Morgen und kleine Kinder sitzen auf Ihrem Kopf und in Ihrem Badezimmerspiegel wohnt ein Monster … ach, lassen wir das.

In den wenigen Verschnaufpausen denken wir an früher. Was war das gemütlich. Weißt du noch, damals, als wir eiskaffeeschlürfend in der Sonne saßen und stundenlang das Weltgeschehen durchplauderten?

Aber so ist das halt. Früher war ja auch mehr Lametta. Nicht wahr?

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After-„Besuch-von-der Freundin-mit-Familie“-Symbolbild mit Kind2

 

Die Bücher und ich. Wie und was ich lese.

Sommerzeit – Bücherzeit, schreibt Momatka, und erinnert sich an lange Sommer, die nur dem Lesen gewidmet waren. „Ja, das war einmal. Und schön war es … Statt fauler Tage auf dem Balkon zu schmökern, heißt es nun Spielplatz, Schwimmbad, Zoo (oder Arbeiten!!)“. Ich erinnere mich auch noch verschwommen an die Zeiten, in denen ich wochenends oder in den Ferien auf dem Sofa lag und ein Buch nach dem anderen wie im Flow in mich hineinsaugte. Aufstehen nur, wenn der Tee alle war oder die Blase drückte. Ansonsten las ich, was das Zeug hielt. Ja, das ist sehr lange her.

Mit Kind1, ich war 20, waren die ausgiebigen Leseorgien erst einmal vorbei. Lange Zeit maß ich das Zurückgewinnen von Freiräumen daran, wie viel ich wieder am Stück lesen konnte. Ohne dass ich ständig wegen „Rabbäääh, mir is langweilig, ich hab Durst, Maaaamaaaa, AAAAAAUAAAA“ vom Sofa musste. Es dauerte ein paar Jahre, aber die Lesefreiheit kam wieder. Es gab Urlaube, in denen Kind1 und ich stundenlang auf irgendeinem Handtuch am Strand lagen, unter einem Sonnenschirm aus zerfetzten Palmwedeln, und ein Buch nach dem anderen inhalierten. Meistens nahm ich mir ein paar Krimis mit und 1-2 fette Wälzer, die im Alltag keine Chance gegen die herabfallenden Augenlider am Abend hatten.

Es kamen mit den Jahren die Zeiten zurück, in denen ich am Wochenende morgens schlaftrunken in die Küche schlappte, einen Kaffee machte und zurück ins Bett zog, um mein Buch weiterzulesen. Das Kind schlief eh bis in die Puppen und war froh, nicht geweckt zu werden.

Mit Kleinkind2 sind die Lesezeiten nun wieder äußerst limitiert. Abends im Bett schaffe ich oft gerade so 4 Seiten, bis mir das Buch auf die Nase kippt, ich kurz aufschrecke und das Licht lösche. Am nächsten Abend lese ich zwei davon noch einmal in der festen Überzeugung, sie noch nie zuvor gelesen zu haben. Leider führt das dazu, dass ich nur bedingt mitkriege, ob die gelesene Literatur nun eine anspruchsvolle welche ist oder nicht. Ich bin froh, wenn ich der Story folgen kann.

Ich lese meistens das, was mir über den Weg läuft – nach dem Überraschungseiprinzip – und das geht so:

1. Ich finde Bücher in Verschenkkisten auf der Straße. Davon gibt’s bei uns in der Gegend ziemlich viele.

2. Ein kleiner alternativer Buchladen hier im Ort hat draußen immer eine Kiste mit reduzierten Büchern stehen. Da sind meistens Sachen dabei, die nicht besonders mainstreammäßig sind.

3. Ich bekomme Bücher von Freund*innen geschenkt oder geliehen.

4. Ich habe sie seit Urzeiten im Regal stehen.

5. Neu gekauft habe ich mir in letzter Zeit nur Sachbücher. „Darm mit Charme“ von Giulia Enders oder „Selbst denken“ von Harald Welzer, die ich beide sehr empfehlen kann.

Die Bücher suche ich meistens so ähnlich aus, wie ich Wein kaufe: Mir müssen Titel und Umschlag gefallen. Peinlich, aber wahr. Dann lese ich noch die ersten paar Sätze der ersten Seite. Wenn das ok klingt, nehme ich es mit bzw. entscheide mich dafür, es zu lesen. Den Umschlagstext lese ich eigentlich nie. Mich nervt, dass dort oft schon wesentliche Inhalte verraten werden (besonders bei Krimis höchst ätzend) oder irgendwelche Lobhudeleien zu finden sind. Ich lese diese Texte nur ganz am Schluss, wenn ich mit dem Buch fertig bin. Meistens bin ich froh darüber. Auch Buchbesprechungen und Kritiken lese ich immer erst hinterher. Ich lasse mir sehr gerne Bücher empfehlen, allerdings reichen mir das Genre und ein „ich fand es gut geschrieben“ oder „mich hat die Geschichte berührt“. Ich mag keine Details über den Inhalt wissen.

Das Schöne daran ist, dass ich meistens nicht weiß, was auf mich zukommt. Das Buch ist wie eine Überraschung. Es kann der totale Schrott sein. Es kann eine Perle sein. Es kann so lala sein. So habe ich in letzter Zeit z. B. „Die Kippwende“ von Jenifer Levin gelesen. Die Beschreibung der (Frauen)Figuren und die Sprache haben mir sehr gut gefallen. Oder “Die Tochter meines Vaters“ von Mareike Krügel. Das fand ich etwas skurril, ein bisschen faszinierend und ein bisschen „naja“. Oder „Bilder einer Ex“ von Jean-Luc Benoziglio. Ich mochte die etwas verschlungenen Gedankengängen des Protagonisten und die Sprachbilder ebenfalls sehr. Derzeit lese ich vor allem Regalhüter, also Bücher, die schon lange bei mir herumstehen. Zuletzt war das „Der Vorleser“ von Berhard Schlink und aktuell „Der Büßer“ von Isaac B. Singer.

Wenn mir ein Buch so ganz und gar nicht gefällt, quäle ich mich nicht durch. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Wenn ich das Gefühl habe, dass das Buch nicht zu meiner derzeitigen Stimmung passt, an sich aber lesenswert sein könnte, hebe ich es auf, um es später noch einmal zu versuchen. Das kann viele Jahre später sein. So kommt es, dass in meinem Regal sich noch so das eine oder andere ungelesene Buch befindet.

Die Bücher in meinem Regal stehen wild durcheinander. Nichts ist alphabetisch oder thematisch geordnet. Nicht mehr. Sachbücher stehen neben Romanen, gelesene neben ungelesenen.  Es sind überschaubar viele, ich weiß in der Regel, wo welches steht.

Früher hatte ich drei fette Regale vollgestopft mit Büchern. Bücher waren für mich Fetische. Ich habe keine Eselsohren reingemacht, nichts reingeschrieben, man hat kaum bemerkt, wenn ich eines gelesen hatte. Sie standen ordentlich nach Genre und Autorin geordnet im Regal. Ich war damals völlig entsetzt, als mir meine Tante erzählte, sie lasse gelesene Bücher einfach im Zug oder auf der Parkbank liegen und hoffe, es nehme jemand sie mit und lese sie. Das war unvorstellbar für mich. Inzwischen, viele Jahre später, gebe ich auch fast alle gelesenen Bücher weiter. An meine Mutter, eine Freundin, die Schwester oder ich stelle sie wieder auf die Straße. Ich habe rigoros ausgemistet und kistenweise Bücher verschenkt. Auch ungelesene – diese Berge an „must-read-Büchern“, die wie eine ständige Mahnung dumm herumstanden. Weg damit. Ich habe sie nie vermisst. Es gibt nur sehr wenige Bücher, die einen Ehrenplatz im Regal erhalten. „Wenn ich einmal groß bin“ von Jose de Vasconcelos ist eines davon. Weil ich jedes Mal heulen musste, wenn ich es las. Und das Kind1 auch. „Die Grasharfe“ von Truman Capote, weil es so schön ist. „Die Töchter Egalias“, weil ich nostalgisch bin. Die Feuchtwangers, weil ich sie vielleicht noch einmal lesen möchte. Und einige der Fach- und Sachbücher.

Mich hat schon lange kein Buch mehr komplett vom Hocker gerissen bzw. auf dem Sofa festgenagelt. Das liegt vermutlich aber zum Großteil daran, dass ich die Zeit für einen kompletten Bücherflow gerade nicht habe und mich in den wenigen Vorschlafminuten nicht genug auf ein Buch einlassen kann. Das vermisse ich. Ich liebe es, in einem Buch komplett zu versinken. Es zu verschlingen. Und gegen Ende immer langsamer zu lesen, damit ich noch ein bisschen länger was davon habe. Aber die Zeiten kommen auch wieder. Vielleicht liege ich dann irgendwann mit Kind2 & Kind1 auf einem Badetuch am Strand und wir verschlingen gemeinsam unsere Urlaubslektüre.

Bücherregalausschnitt - Gelesenes & Ungelesenes
Bücherregalausschnitt – Gelesenes & Ungelesenes

Und wenn ihr mir potenzielle „Flow“-Bücher empfehlen könnt: gerne!!! Nur nicht zu viel darüber verraten bitte!

Am Rhein ist es tatsächlich schön!

Wir waren fünf Tage am Rhein, wer hätte gedacht, dass ich dort jemals Urlaub machen würde. Ich fand es zwar schon immer toll, mit der Bahn an den vielen Burgen und der Loreley vorbei zu fahren, aber dort tatsächlich ein paar Tage zu bleiben, ist mir nie in den Sinn gekommen. Das hörte sich für mich viel zu sehr nach Torte-Kaffee-Dauerwellen an, vermutlich auch, weil meine Oma so sehr von ihrem „Vater Rhein“ schwärmte.

Eigentlich wollte ich überhaupt nicht wegfahren, ich war ausnahmsweise mal null reiselustig – aber es war wie immer in den Ferien bzw. Feiertagen: Die KiTa hatte zu, alle Spielkamerad*innen von Kind2 waren weg, verplant, bei den Großeltern untergebracht (*neid*). Was tun? Tagelang mit dem quirligen Kleinkind zuhause ein Bespaßungsprogramm überlegen? Das klappt meistens schlecht und führt zu zunehmender Gereiztheit bei allen Beteiligten, zumal auch noch Regen angesagt war. Also packten wir am Ostermontag unseren Campingkram, prüften zum 1542. Mal die Vorhersage und stellten fest, dass nicht etwa in Frankreich, sondern im Rheingau das Wetter super werden sollte. Na gut, fahren wir da halt mal hin, all zu weit ist es von uns aus ja nicht.

Wir landeten, nach zwei Campingplatzbesichtigungen unten am Rhein, schließlich auf einem Ponyhof, einem idyllisch mitten in der Botanik oberhalb von Rüdesheim gelegenen Bauernhof mit vielen Ziegen, Schafen, Ponys, Hasen, Katzen etc. pp., einer großen Apfelbaumwiese, auf der man campen kann, zwei antiquierten Spielplätzen und jeder Menge Platz. Ein Paradies für Kinder, von denen es dort einige gab (auch wenn insgesamt nicht viel los war). Kind2 schloss sich der Kinderhorde an und sauste mit ihr über die Wiese. Es durfte Lagerfeuer machen, Ponys abbürsten, Ziegen füttern, der Katze Milch geben, auf den ausrangierten alten Traktoren herumklettern und abends vor dem Schlafengehen noch allen Tieren „Gute Nacht“ sagen. Fantastisch!

Vom Ponyhof aus kann man mit dem Rad nach Rüdesheim hinunterrollen (zurück heißt es allerdings schieben, es sei denn, man ist superfit) und dort gut im Park rumsitzen, wirklich spannend ist das allerdings nicht. Der Spielplatz stammt zum Großteil noch original aus den 70ern, mit blau-rot-gelben Klettergerüsten samt Fliegenpilzdach – ich hatte einen kleinen Flashback. Irgendwie scheinen die Rüdesheimer*innen ein Faible für diese alten Dinger zu haben, ich habe insgesamt 3 solcher Spielplätze entdeckt, einen davon auf dem Ponyhof, dort sogar mit einem Original Pferdekarussel.

Dafür gibt es in Bingen – mit der Personenfähre 15 Minuten über den Rhein – zwei gigantisch tolle Spielplätze, die alleine schon einen Besuch wert sind: Einer ist einem Rheinkahn nachempfunden, voller Sand, Spielgeräten und Matschecke. Der andere ist ein riesiger Wasserspielplatz mit Holzburg, Kletterwand, Holzkahn und vielen Ecken, um sich zu verstecken. Für groß und klein spannend, wirklich toll gemacht. Leider war das Wasser noch nicht an – ich schätze mal, im Sommer ist es dort der Hit! Beide Spielplätze sind im ehemaligen Landesgartenschaugelände, das sich über fast 3 km am Rhein entlangstreckt. Dort gibt es Cafés, Blumen, eine Skaterbahn, Ausstellungen … und das Ganze ist fahrrad- und autofrei und somit mit kleinen Kindern sehr sehr entspannt. Zumal es sogar Stühle und Liegen gibt, auf denen man herumfläzen kann.

Wir haben es im Park stundenlang ausgehalten. Kind2 war begeistert und buddelte vor sich hin. Ab und zu haben wir nachgeschaut, ob es noch da ist, und ansonsten unseren Kaffee geschlürft oder in den Himmel geschaut.

Die Kombination Ponyhof + Spielplätze in Bingen war wirklich toll, absolut empfehlenswert mit Kindern. Zudem kann man noch viele andere spannende Sachen in der Gegend machen, z. B. auf dem Rhein rumschippern, Seilbahn fahren, Burgen besichtigen. „Oh wie ist es am Rhein so schön“, trällerte meine Oma gerne vor sich hin. Ja, ich muss zugeben: da hatte sie sehr recht!

Spielplatz in Rüdesheim. Das ist doch 70er Jahre, oder?
Spielplatz in Rüdesheim. Das ist doch 70er Jahre, oder?
Auf dem Weg zur Fähre in Rüdesheim
Auf dem Weg zur Fähre in Rüdesheim
Sand- und Matschspielplatz in Form eines Rheinkahns
Sand- und Matschspielplatz in Form eines Rheinkahns
Der Wasserspielplatz - leider noch ohne Wasser
Der Wasserspielplatz – leider noch ohne Wasser
Ziege auf dem Ponyhof
Ziege auf dem Ponyhof
Pferdekarussel aus den frühen 70ern. Funktioniert noch!
Pferdekarussel aus den frühen 70ern. Funktioniert noch!