Schluss mit dem Gejammer. Ab jetzt: The Daily Owl

Diese Sache mit dem Kreativitätsloch ist ja seit Jahren ein Dauerthema bei mir. Vor einigen Monaten habe ich darüber gebloggt, etwas detaillierter noch einmal vor 2 Monaten. Jammerjammer, ich bin so unkreativ, würde gerne wieder zeichnen etcpp. In den Kommentaren zum letzten Post meldete sich die von mir sehr geschätzte Bebe zu Wort, die jahrelang eine Zeichenblockade hatte und diese mit einer Art Mikro-Schritt-Methode aufgelöst hat. Der Pfeffermatz* schloss sich an und konkretisierte noch ein bisschen: sich selbst Mini-Ziele setzen, nur 5 Minuten am Tag, das aber regelmäßig. Dafür gibt es keine Ausreden a la: Ich habe keine Zeit, komme zu nix, das Kind, der zugemüllte Schreibtisch, Job, Haushalt (haha). So ähnlich wie mit der Weltverbesserung also. Da frustriert das große Ganze auch schnell, allerdings kann eine ja hier&da&bei sich mal klein anfangen. Das wäre schon was.

Sehr überzeugt beschloss ich also, einen Skizzenblock und Stifte zu kaufen. Und prokrastinierte das Projekt damit erfolgreich um einige Wochen. Dann endlich lagen sie da: Block. Stifte. Morgen geht’s los, nahm ich mir vor. Irgendwann wanderten die Utensilien vom vollgerümpelten Schreibtisch ins Regal und setzten langsam aber sicher eine zarte Staubschicht an. Himmelnochmal!

Vor 3 Wochen entfernte ich den Staub mit einem energischen Pusten vom Umschlag, klappte das Büchlein auf. Und starrte die leere Seite an. So weiß. So schön. Da kann ich unmöglich was reinkrakeln. Zuklappen.

Vor 7 Tagen trat ich mir dann doch mal in den Allerwertesten. Nahm Stift und Papier und setze mit zittrigen Fingern eine Eule aufs Papier. Eule. Ja. Ist doch auch egal. Mit irgendwas muss eine doch anfangen. Und schließlich bin ich seit meiner Kindheit Fan, ich war sogar einige Zeit eines von zwei Mitgliedern im lokalen Eulenbund „Eubu“. Also Eulen, warum auch nicht, da muss ich mir schon keine Gedanken mehr über das Motiv machen („mir fällt nix ein“). Das mache ich jetzt einfach täglich. Tatsächlich. 5 bis 10 Minuten. Manchmal sogar länger. Kleine Viecher, ohne großen Anspruch, einfach um wieder in Schwung zu kommen. Wieder zu lernen, einen Stift zu halten, ein Blatt zu füllen und meiner dämlichen inneren Kritikerin den Hintern zu zeigen.

Eulereien
Eulereien

Vielleicht vielleicht werden irgendwann Katzen, Mäuse, Nachtigallen daraus. Große Bilder, kleine Bilder. Vielleicht aber auch nicht. Dann habe ich es wenigstens mal versucht.

*@Pfeffermatz: Liegestützen?!

Das Kreativitätsloch oder: Der wenn-dann-Modus

„Ich würde ja gerne mal wieder was Kreatives machen, malen oder zeichnen oder so. Früher …“ seufzen die Freundin und ich im Duett. Ja, früher, in grauer Vorzeit, da waren wir alle kreativ.

collage
Kindergartenkunst mit 4

Ich habe gezeichnet, gemalt, mit dem Messer Linolplatten bearbeitet. Es kamen vielleicht nicht die grandiosesten Bilder dabei heraus – und die Bilder meiner begabten Freundinnen fand ich immer schöner. Aber es hat Spaß gemacht und phasenweise war ich wirklich fast rauschartig am Werkeln.

Am aktivsten war ich in der Kindergartenzeit, wo ich einfach vor mich hinkritzelte. Meine Eltern richteten mir eigens einen Schreibtisch in Papas Arbeitszimmer ein und ich behängte die ganze Wand mit meinen Bildern. Als kein Platz mehr war, ließ ich sie an die Decke wachsen. Viele Jahre später besuchte ich den Kunst-LK bei einem etwas exzentrischen-egozentrischen Künstler in Reiterstiefeln und mit fettigem Haaren, dessen Arbeitsaufträge an uns als mal lauteten: „Heute malt ihr mal …. MICH. Wie ich als Ritter auf einem Pferd sitze!“

Meine phasenweisen Kreativitätsschübe hielten an, bis ich ca. Mitte/Ende 20 war. Dann war irgendwann Schluss, ich erinnere mich nicht mehr daran, wann und warum. Mir ging die Energie flöten, der Elan, die Ideen. Danach reichte es nur noch für minikleine Gestalten:

Kreativität in klein …

An Stelle der Kreativität legte sich langsam aber sicher eine Verklärung, ein wehmütiges „ach, ich würde gerne mal wieder“. Mal wieder diesen Rausch verspüren, die Freude & den Zweifel, wenn ich etwas fertig stellte. Ich legte mir Erklärungen im Außen zurecht, die mich am Kreativeln hinderten. Wenn ich mehr Zeit hätte, weniger Stress, mehr Platz, dann … Genau, das war’s, ich hatte keinen richtigen Platz. Seit Jahren wohne ich in einer Zweizimmerwohnung, erst mit Kind1, jetzt mit Partner und Kind2. „Wenn schon kein eigenes Zimmer, dann wenigstens einen eigenen Schreibtisch“, beschloss ich. Denn: Wenn ich den habe, DANN kann ich endlich wieder etwas tun.“

Hmm. Gesagt getan. Den Schreibtisch habe ich nun. Schön groß, reichlich Platz. Mein Malzeug steht direkt daneben im Regal. Aber, ihr ahnt es schon: Ich mache nichts. Ich sitze dort nie, besser: fast nie. Zwei- bis dreimal habe ich die Farben aufgebaut, ein Blatt zurechtgelegt. Und dann eine Stunde draufgeschaut. Weiß. Sehr weiß, so ein Stück Papier. So unberührt, wo soll ich denn anfangen. Und was? Mir fällt nichts ein! Ich kann das gar nicht mehr, die Riesenblockade im Kopf. Letztendlich: Habe ich alles wieder eingepackt. Und seither dient der Schreibtisch als gigantische Ablage für unerledigte Post, Wäscheberge, Krimskrams.

Ok, wenn aber der Schreibtisch nicht das Hemmnis ist, was dann? Das Kind? Das wäre eine naheliegende Erklärung. Mit Nr. 1 hatte ich meine besten Kreativitätsphasen, wenn es ein paar Tage bei meinen Eltern war und ich entspannen konnte. Das ist zumindest derzeit mit Nr. 2 nicht drin. Aber ist es das wirklich? Ich habe zwei Vormittage die Woche Zeit für mich, das Kind ist in der Krippe. Ein ideales Zeitfenster. Aber nein. Ich mache anderes: ich gammel rum, lese, bin unterwegs, hausarbeite manchmal, versurfe die Zeit… Ha! Internet – das ist es, der böse große Zeit- und Kreativitätsfresser. Wenn ich mir eine Pause auferlegen oder nicht so viel surfen würde, dann …

Dann würde ich vermutlich so kreativ werden wie sportlich. Wie war das kürzlich: Wenn ich erst mal eine Jogginghose habe, dann gehe ich laufen. Achne. Ich habe jetzt eine. Also dann: Wenn es wieder wärmer wird, dann … gehe ich auch nicht laufen. Sondern in den Garten (immerhin). Oder surfe. Also doch das böse Internet!

Wie schön, dass es eine Erklärung gibt, es findet sich doch immer ein „Wenn“, das dem „Dann“ im Wege steht.  Das Kreativitätsloch bleibt derweil bestehen. Schade eigentlich.